Gegen Braunschweig ohne Kühlwetter und Jonjic, aber mit dem Schwung von Jena – hoffentlich

Geht’s am Mittwochabend gegen Eintracht Braunschweig so schwungvoll weiter, wie es beim 4:1-Sieg über Carl Zeiss Jena endete? Schön wär’s. Es wäre das dritte Mal in dieser Saison, dass dem 1. FC Kaiserslautern zwei Siege hintereinander gelingen. Und das sechste Spiel in Folge, in dem die Lautrer ungeschlagen bleiben. Und damit soll es auch genug sein mit den Rechnereien, vor allem solchen, die tabellarische Abstände nach oben oder unten betreffen – bringt alles nichts mehr in dieser Saison. Aber: Der achtfache Torschütze Christian Kühlwetter fehlt wegen der fünften Gelbe Karte, die er gegen Jena gesehen hat. Und Flügelflitzer Antonio Jonjic wird wegen eines Außenbandrisses wohl rund vier Wochen pausieren. Die Frage lautet daher: Wer kommt für die beiden rein?

Wenn es nach uns ginge: Wir würden Elias Huth mal wieder von Beginn an vorne rein stellen. Timmy Thiele auf der linken Halbposition belassen, die er auch schon gegen Jena ausfüllte, dabei immerhin Kühlwetters Ausgleichstor vorbereitete. Und auf der rechten Halbposition Florian Pick bringen, in der Hoffnung, dass er immer noch von dem Schub an Glückshormonen profitiert, der ihn nach seinem ersten Profitor am Sonntag durchflutet hat.

HILDMANN LÄSST SICH ALLE OPTIONEN OFFEN – AUCH BIADA

Aber: Es geht nicht nach uns. Sondern nach Sascha Hildmann. Und der wird wohl Thiele wieder vorne Mitte aufstellen und dahinter Pick und Christoph Hemlein auflaufen lassen. Sicher ist das freilich noch nicht. „Wir haben einige Optionen“, will Hildmann sich erst kurzfristig entscheiden.

Sogar Julius Biada spiele in seine Gedanken nach wie vor eine Rolle, erklärt der Trainer auf Nachfrage. Der 26-jährige Ex-Braunschweiger stand die vergangenen vier Spiele nicht einmal mehr im Kader, allerdings bescheinigt Hildmann ihm nach wie vor gute Trainingsleistungen.

Jedoch: „Er ist nun mal auf der klassischen Zehnerposition zuhause.“ Die existiere im gegenwärtig bevorzugten 3-4-3-System nicht. Und in diesem fühle sich die Mannschaft gegenwärtig auch gut, daher sei eine Umstellung der Formation aktuell nicht angedacht, wenngleich „wir jederzeit auf 4-4-2 umstellen können“.

DIE EINTRACHT: MIT „WALLACE“ KURZ DAVOR, SICH ÜBER DEN STRICH ZU RETTEN

Auf der Bank der Braunschweiger sitzt nunmehr André Schubert, der das Amt im Oktober von Henrik Pedersen übernahm. Der 47-jährige kennt wie kaum ein anderer der aktuellen Trainergilde die skurrilen Wechselfälle, die dieser Beruf mit sich bringt. Nach dem sein Engagement beim FC St. Pauli im September 2012 geendet hatte, war Schubert   fast zwei Jahre ohne Job, ehe sich ihm die Chance eröffnete, die Zweite Mannschaft von Borussia Mönchengladbach zu übernehmen. 

Nach Lucien Favres überraschendem Rücktritt rückte Schubert jedoch schon nach wenigen Wochen zum Cheftrainer der Ersten Mannschaft auf, gewann mit ihr direkt sechs Spiele in Folge und schloss die Saison auf einem starken vierten Tabellenplatz ab. Wieder ein halbes Jahr jedoch war schon wieder Schluss – wegen Erfolglosigkeit. Und  auf sein nächstes Engagement musste er erneut beinahe zwei Jahre warten.

Die Eintracht übernahm Schubert vor dem 12. Spieltag als Tabellenschlusslicht. Zwei Monate brauchte er, um mit seinem neun Team in Tritt zu kommen, seither punktet die Braunschweiger beharrlich. Von den vergangenen neun Partien verloren sie nur eines, gewannen fünf. Zuletzt aber ließen zwei Unentschieden hintereinander die Aufholjagd des nunmehrigen Tabellen 17. auf die Nichtabstiegsplätze ins Stocken geraten.

Allerdings: Ein Sieg in Lautern könnte die Blaugelben erstmals seit dem dritten Spieltag wieder über den Strich heben, wenn Zwickau (zuhause gegen Uerdingen) oder Großaspach (zuhause gegen Wehen Wiesbaden) nicht dreifach punkten. Das sollte anspornen.

Sorgen machen Schubert, den Fans seines haarlosen Hauptes wegen gerne mit dem exzentrischen Erfinder aus der Trickfilmreihe „Wallace & Gromit“ vergleichen, jedoch einige Ausfälle, teils sichere, teils wahrscheinliche. Benjamin Kessel, der Ex-Lautrer, den die Braunschweiger im Winter aus Saarbrücken zurückholten, und Kapitän Stephan Fürstner drohen wegen Grippe auszufallen, Linksverteidiger Niko Kijewski wird von einer Prellung ausgebremst. Definitiv nicht dabei sind die Bielefelder Leihgabe, Flügelspieler Leandro Putaro und Innenverteidiger Felix Burmeister.

SEHEN EINFACH EINEN TICK ZU GUT AUS: DIE XG-GRAFIKEN VOM JENA-SPIEL:

Wie immer zum Schluss auf die xG-Grafiken der vergangenen Partie. Die Timeline präsentiert sich um einiges doller, als sie es sollte. 85 Prozent Siegwahrscheinlichkeit für den FCK und ein Gesamtwert von 2.7, was die qualitativ bewerteten Einschusspositionen angeht – das ist Saisonrekord. Es muss allerdings angemerkt werden. Elfmeter allein sorgen immer für einen Sprung von etwa 0.9 Punkten, und beachte auch die flache Linie zwischen dem 2:1 und 3:1. Da verkaufte sich der FCK wirklich nicht gut, obwohl die Signale auf „schnelles Umschaltspiel“ gestellt waren.

2019-03-10 1204780 xG plot Kaiserslautern 4 - 1 FC Carl Zeiss Jena.jpg

Die Positions- und Passgrafik bildet das angestrebte 3-4-3 beinahe ordentlich ab. Auffallend, in welcher tiefer Position Thiele im Durchschnitt annahm. Und es findet sich abermals keine Linie zwischen Jonjic und Kühlwetter – können die beiden nicht miteinander, fußballerisch betrachtet?

Ebenfalls gut: Sickinger markiert ihm Abwehrzentrum endlich mal den dicksten Punkt. Das sollte ein technisch so guter Fußballer auch.

2019-03-10 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - FC Carl Zeiss Jena.jpgUpdate: Wir hatten hier zunächst die Visualisierung der „Zone 14“-Aktivitäten Jenas als die des 1. FC Kaiserslautern ausgegeben. Hier nun die richtige Grafik, die leider nicht so gut aussieht.

Im Zehnerraum war beim FCK wieder mal vergleichsweise wenig los. Was auch damit zu tun haben könnte, dass in Lauterns Grundordnung derzeit nun mal kein fester „Zehner“ agiert. Insofern könnte es bezeichnend sein, dass die eine Torvorlage, die aus der „Zone 14“ kam, von einem stammt, der auch „Zehner“ kann: Theo Bergmann bot sich Florian Pick zum Doppelpass an.

Andererseits: „Nur“ acht Pässe, aber immerhin sechs, die ankamen – das haben die Lautrer auch schon schlechter hingekriegt.

2019-03-10 Kaiserslautern Zone 14 plot Kaiserslautern 4 - 1 FC Carl Zeiss Jena.jpg

Kommentar verfassen