„Supermannschaft“ dreht diesmal die richtigen Stellschrauben – und siegt spät

Am Mittwoch reicht’s für den 1. FC Kaiserslautern nur zu einem unbefriedigenden 0:0 gegen Braunschweig, weil er zu dabbisch ist, einen Elfmeter ins Tor zu schießen, seine Überzahl nach einem Platzverweis auszuspielen –und weil keine wirkungsvollen Wechsel gelingen. Am Samstag gewinnt der FCK nun 2:0 bei den Sportfreunden Lotte: Weil der Gegner zu dabbisch ist, einen Elfmeter reinzuschießen, weil der FCK seine Überzahl nach einem Platzverweis besser ausspielt und die Einwechslung von Florian Pick für den entscheidenden Schub nach vorne sorgt. Tja, es sind nun mal Stellschrauben wie diese, mit denen Spiele in der Dritten Liga entschieden werden. Fußballerisch überzeugend waren jedoch beide Darbietungen nicht.

Okay, man sollte nicht auf die Goldwaage legen, was Trainer und Spieler unmittelbar nach dem Abpfiff in ersten Statements am Spielfeldrand zum Besten  geben, vor allem nach gerade erlittenen Niederlagen nicht. Im Frust quillt schon mal das Herz über, das ist menschlich.

Dass Lottes Trainer Nils Drube nicht mit der Gelb-Roten Karte einverstanden war, die dem FCK in der 76. Minute den Feldvorteil für die Schlussviertelstunde verschaffte – geschenkt. Ein Schiedsrichter mit mehr Fingerspitzengefühl hätte bei dem Gelb vorbelasteten Innenverteidiger Matthias Rahn vielleicht noch mal eine Auge zugedrückt, als er Florian Pick am Mittelkreis zu Fall brachte, einer krassen  Fehlentscheidung hat sich Wolfgang Haslberger aber nicht schuldig gemacht.

„SUPERMANNSCHAFT MIT ÜBERRAGENDER INDIVIDUELLER QUALITÄT“ – ECHT JETZT?

Dass Nils Drube darüber hinaus bereits in der ersten Hälfte eine Tätlichkeit von Janek Sternberg gesehen haben wollte und etliche weitere „Fifty-Fifty“-Situationen, die allesamt und ausschließlich und sowieso nur gegen seine Mannschaft gepfiffen wurden, dass das Maß nun langsam voll sei, weil Lotte als „kleiner Verein“ in dieser Liga aber auch immer nur benachteiligt werde – Schwamm drüber.

Wie gesagt: Emotionen dürfen und sollen sein. Auch der „große“ 1. FC Kaiserslautern war in dieser Saison schon öfter mit Schiedsrichterentscheidungen nicht einverstanden, und das zurecht. Also immer schön in die Tüte atmen.

Interessanter ist die Aussage Drubes, seine Mannschaft habe eine großartige Leistung geboten gegen „eine Supermannschaft von Kaiserslautern, die eine überragende individuelle Qualität hat.“ Doch, wir schwören, das hat er gesagt. Allen Ernstes. Ohne rot zu werden.

Welches Spiel hatte er eigentlich gesehen? Könnte man jetzt fragen. Sollte man aber nicht.

GEGEN LAUTERN WOLLEN HALT ALLE DER UNDERDOG SEIN

Wir sehen die Aussage als schönen Beleg dafür, wie Übungsleiter dieser Klasse nach wie vor ihr Team in die Underdog-Rolle hineinpredigen, wenn es gegen den FCK geht. Tatsächlich dürfte auch Nils Drube auch schon vor dem Spiel gewusst haben, dass der FCK 2018/19 alles andere als eine Supermannschaft ist, und nach dem Spiel dürfte es ihm noch klarer gewesen sein.

 Doch gibt es nichts Motivierendes, als einem Team eine totale Außenseiterrolle aufzuerlegen, auf dass es dann auf dem Platz nach und nach das Gefühl entwickelt, gegen diesen vermeintlich übermächtigen Gegner gehe ja doch was… „Die Außenseiterrolle ist ein Schlüssel für die Schatzkammer unermesslicher Kräfte – hat wer gesagt? Jedenfalls kein Lotter.

Und wer das den Seinen mit voller Überzeugung einredet, kommt von diesem Trip auch selbst nicht mehr runter, selbst wenn die gegenteiligen Fakten noch so offenkundig sind. Daher sei Herrn Drube auch das nachgesehen.

DIE WAHRHEIT WAR UND IST: „SUPER“ GEHT ANDERS

Die „Supermannschaft“ bot in der ersten Hälfte alles andere als einen Auftritt von „überragender individueller Qualität“, und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison.  Uninspiriert, unpräzise und ohne Drive, wenn sie den Ball mit flachen Pässen über den Platz laufen lassen wollte, nahezu vollkommen ziellos und lasch im Nachsetzen auf den zweiten Ball, wenn sie sich mit langen Bällen ins gegnerische Angriffsdrittel begab.  Lotte nicht wesentlich besser, aber in seinen Aktionen einen Tick klarer und schärfer.

Und zunächst mal mit dem besseren Ende für sich. 21. Minute: Ecke Lotte, die Abwehrversuche der Lautrer erinnern mehr an Freischwimmen als Verteidigen, Albaek bekommt Ball an die Hand, Hand steht vom Körper weg, also kein Wunder, dass Haslberger in seine Pfeife bläst. Elfmeter.

Aber Lottes Toni Jovic haut den Ball an die Latte… Bitte keine Schadenfreude, die ist nämlich gerade in Lautern absolut nicht angezeigt.

Also schleppt sich das Spiel beim Stand von 0:0 weiter. Okay, der Wind bläst und der Platz ist holprig, aber wer will den sage und schreibe 1400 mitgereisten Fans das als Entschuldigung anbieten? Carlo Sickinger sorgt für Gefühlsaufwallungen, als er einen Freistoß von der linken Seite an die Latte zirkelt, ansonsten ist es eine Halbzeit zum Abgewöhnen.

DANN KOMMT PICK – UND DER IST WENIGSTENS MANCHMAL SUPER

Auch in den zweiten 45 Minuten wird’s zunächst nicht besser. Lotte allerdings leitet allerdings zwei recht gefährliche Situationen über die rechte Seite ein, eine davon macht FCK-Keeper Lennart Grill erst richtig scharf, weil er eine flache Hereingabe nicht schon beim ersten Zupacken erwischt.

Ist aber auch typisch, dass es diese Seite ist, denn auf der agieren bei Lautern Hendrick Zuck und Janek Sternberg. Dem einen gelingt wenig bis gar nichts, der andere ist vollkommen von der Rolle. 

Nach 53 Minuten kommt Pick für Zuck. Bei dem wissen bekanntlich weder Freund und Feind nie, woran sie sind. Diesmal erweist er sich wieder mal als belebendes Element für die Seinen. In Minute 68 hat Pick sogar eine echte Torchance aus dem Spiel heraus: Timmy Thiele hat ihn freigespielt, nach dem er sich mal aus dem Zentrum herausbewegt und sich so ein paar Meter Platz verschafft hat. Lotte-Keeper Tobias Trautner klärt mit dem Fuß.

Den nächsten Schub holt sich Lautern dann durch den Platzverweis. Hildmann reagiert sofort, stellt auf 4-4-2 um, in dem er Stürmer Elias Huth für Albaek bringt und Sickinger aus der Dreierkette ins Mittelfeld zieht.

HAPPY END VERSCHÖNERT BILANZ, DIE NICHT SUPER, ABER ORDENTLICH IST

Der FCK ist nun tatsächlich feldüberlegen. Und Pick, wer sonst, schlägt in Minute 86 die Flanke, die Thiele ins Tor köpft. In der Nachspielzeit revanchiert sich Thiele, allerdings ungewollt. 

Er darf wieder mal zeigen, zu was er im Stande ist, wenn er sich auf den Flügeln anbieten und einen langen Weg gehen kann, doch will er den Ball eigentlich über Keeper Tobias Trautner lupfen als Pick auflegen. Der muss sich daher den Abpraller von der Latte holen. 2:0. Happy End für Lautern.

Vielleicht sind wir alle ja zu streng mit unserem FCK. Sieben Punkte in einer Englischen Woche sind doch eine akzeptable Ausbeute. Unter Sascha Hildmann hat Lautern in zwölf Spielen nun sieben Mal zu null gespielt, dabei 20 Punkte geholt. Das ergibt einen Punkteschnitt von 1,6, wären auf 38 Spiele hochgerechnet 63 Punkte, die reichen bisweilen für Relegationsrang 3.

Das ist für eine „Supermannschaft“, die keine ist, so übel nun auch nicht. Nächsten Sonntag geht’s gegen Tabellenführer Osnabrück.

Kommentar verfassen