Jetzt mal „Klartext“: Der FCK braucht einen Verrückten – und Alphatiere, die Vollgas geben

Patrick Banf, Michael Littig und Harald Layenberger auf einem Podium? Das versprach, spannend zu werden. Hört man doch einiges darüber, dass sich die Aufsichtsratsmitglieder des FCK untereinander nicht unbedingt grün sind und auch ihr Verhältnis zum Hauptsponsor nicht das beste ist. Und dann diese Drei mal zwei Stunden „live“ im Austausch zu erleben, auch noch unter der Überschrift „Millionen oder Pleite?“ – da musste man als FCK-Fan einfach dabei sein in der Lautrer Kammgarn, in die „SWR 4“ einlud, um „Klartext“ zu reden. Den meisten Zündstoff ins Palaver trug allerdings einer, der vor einigen Wochen aus der Funktionärsebene abberufen wurde und der sich nur aus dem Publikum melden durfte: der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Vereins,  Rainer Keßler.

Bis es soweit war, übten die Aufsichtsräte Banf und Littig erst einmal den demonstrativen Schulterschluss. Von wegen Knatsch im Aufsichtsrat: Den Vorgänger-Gremien sei immer vorgeworfen worden, „sie singen nur im Chor. Jetzt sitzen da fünf Charakterköpfe, fünf Alphatiere“, berichtet Michael Littig. Da werde halt auch mal kontrovers diskutiert und gestritten. Doch in der Sache sei man sich absolut einig.

Es gelte, den FCK wirtschaftlich wieder auf gesunde Beine zu stellen, genauer gesagt, auf die vier Säulen, auf die der Profibereich seit seiner Ausgliederung gestellt werden soll: Fan-Beteiligung, regionale Sponsoren, stille Teilhaber und ein Anker-Investor. Und da kämpften alle derzeit an allen Fronten, sowohl, wenn es um die Zwischenfinanzierung gehe, mit der der FCK weiter Zeit gewänne, gerade auch für die Suche nach berühmten „Ankerinvestor“.

Aktuell läuft auch das Lizenzierungsverfahren, das dem FCK ein weiteres Jahr in der Dritten Liga bescheren soll. Dass sich die Verantwortlichen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht anders äußern als zuversichtlich, dass dies gelingt, ist absehbar, aber verständlich.

INSOLVENZEXPERTE: WEG DES FCK IST „IDEALTYPISCH“ – UND DAS HEISST NICHTS GUTES

Um aufzuzeigen, wie externe Betrachter den FCK derzeit sehen, hat der SWR Daniel Weimar eingeladen, einen „Insolvenzexperten“ der Universität Duisburg. Der hat nach eigener Aussage bereits 119 Insolvenzfälle näher untersucht. Der sportliche und wirtschaftliche Abstieg, den der FCK vor allem in den vergangenen drei Jahren vollzogen habe, sei geradezu „idealtypisch“ für einen Weg in die Insolvenz, so Weimar. Worauf Moderator Thomas Meyer sogleich klargestellt, dass das „ideal“ vor „typisch“ in diesem Fall absolut nichts Positives bedeute.

In seinem Schlusswort ergänzt Weimar später noch, von der Fallhöhe her sei der FCK der bislang „brisanteste“ Fall, den er betrachtet habe. Im „Klartext“ lässt sich diese Expertise wohl so übersetzen: Für objektive Betrachter von außen sieht’s für FCK ganz düster aus.

 Von der Idee, die Fananleihe neu aufzulegen – auch daran arbeitet der FCK derzeit – hält der Insolvenzfachmann übrigens gar nichts, sie sei „verfehlt in der Form.“ Da werde der Fan einmal mehr nur „geschröpft“. Weimar verweist auf das Beispiel von Rot-Weiß Erfurt, wo derzeit über eine „Fangenossenschaft“ nachgedacht wird, bei der die Anhänger Eigenkapitalanteile erwerben können: „Das finde ich fairer.“

LITTIG: REGIONALLIGA IM FRITZ-WALTER STADION – UNDENKBAR

Dass Insolvenz und ein totaler Neustart in der Regionalliga selbst für die hoffnungslosesten Vereinsfamilienromantiker keine Option sein können, stellt Michael Littig klar. Nach einem neuerlichen Abstieg könnte sich der FCK das Fritz-Walter-Stadion endgültig nicht mehr leisten. Die Stadt hätte dann keinen Mieter und der Fußballverein keine Spielstätte in der eigenen Stadt mehr. Und bis erst der Flächennutzungsplan erstellt und anschließend ein neues, regionialligataugliches Stadion gebaut seien, vergingen Jahre.   

FCK-Experte Bernd Schmitt vom SWR, der mit auf dem Podium sitzt, ist der erste, der ein paar Dornen ins glänzende Fell der beiden Alphatiere treibt: Seinen Recherchen zufolge herrsche beim FCK keine Einigkeit in der Führung. Die einen bevorzugten als  Investor den Russen Michail Ponomarev, die anderen den Luxemburger Flavio Becca. Im Führungsgremium werde mehr übereinander geredet als miteinander, dazu instrumentalisierten einzelne Mitglieder gerne „hintenrum“ die Medien. Auch die Kommunikation mit der Stadt, die ja mit im Boot sitze, wenn es im Zuge der Investition auch um den Verkauf des Fritz-Walter-Stadions ginge, funktioniere nach seiner Einschätzung nicht richtig.

BANF DEMENTIERT WEICHEL-KRITIK: STEHEN IN ENGEM KONTAKT

Aktuelles Beispiel: Kaiserslauterns Oberbürgermeister Klaus Weichel berichtete im SWR vom ernsthaften Interesse eines seriösen Investors, habe sich aber beklagt, vom FCK nicht ausreichend unterstützt zu werden, wenn es etwa um die Beschaffung hintergründigen Zahlenmaterials gehe.

Banf dementiert: In Verhandlungen, in denen es auch ums Stadion ginge, agiere die Stadt federführend, er selbst stehe mit ihr in ständigem, engem Austausch. Wenn Infos nicht in der gewünschten Schnelligkeit geflossen seien, habe dies eventuell daran gelegen, dass man sich gerade mitten im Lizenzierungsverfahren befinde und entsprechend ausgelastet sei.

Apropos Ankerinvestor. Banf beteuert, dass man im Grunde ja erst seit vier Monaten auf der Suche sei, Hertha BSC beispielsweise habe sieben, acht Jahre gebraucht, um einen Investor zu finden. Schmitt kontert, der damalige Vereinsvorstand Thomas Gries/Michael Klatt habe doch schon vor drei Jahren eine Agentur mit der Investorensuche betraut. Banf: Die hätte Interessenten aber doch noch gar keine konkreten Zahlen vorlegen können, dies sei erst nach der Ausgliederung im vergangenen Jahr möglich gewesen.

PONOMAREV UND BECCA: „WECHSELN VEREINE WIE UNTERHOSEN“

Überhaupt: Realistischer Weise investiere ein seriöses Unternehmen doch gar nicht in Fußball, schon gar nicht in den FCK, wirft Bernd Schmitt ein. Wenn überhaupt, könnten die Pfälzer doch nur einem „reichen Verrückten“ gerettet werden, für den ein Fußballklub ein „Spielzeug“ sei. Und unter der Prämisse könne man sich Berührungsängste doch schon gleich gar nicht leisten. 

Womit die Namen Ponomarev und Becca wieder in der Diskussion sind.

Thomas Hilmes und seine Redaktion von „Der Betze brennt“ haben sich mit beiden Personalien befasst – und stellen beiden kein besonders ermunterndes Zeugnis aus. „Die wechseln Vereine wie Unterhosen“, gerierten sich auch gerne als Alleinherrscher. Beim FCK wäre mit solchen Charakteren eine Spaltung zu erwarten, wie sie 1860 München mit dem Jordanier Hasan Ismaik erlebt hätte. „Lieber gar keinen Investor als einen schlechten Investoren“, so Hilmes’ Überzeugung, der ebenfalls im Podium sitzt.

 „Erst macht man sich für den Investor hübsch, dann verteufelt man ihn wieder“, bringt Hauptsponsor Harald Layenberger das Dilemma, das sich daraus ergibt, auf den Punkt. Er selbst wäre ja genau die Sorte „Verrückter“, die sich die Fans als Ankerinvestor wünschen, und er selbst sieht sich ja auch so, doch leider reichen die Mittel seines Unternehmens dafür nicht, wie er einräumt.

„SIE SIND NICHT EHRLICH“: AUFTRITT HARALD LAYENBERGER

Ansonsten hat sich Layenberger bislang sehr zurückgehalten. In einem Internetpost hat er vor Wochen scharf gegen den Aufsichtsrat geschossen, doch da er sich anschließend für diese Impulsivität entschuldigt hat, wird es hier nicht mehr wörtlich zitiert. Diesmal platzt Layenberger erst der Kragen, als Banf einmal mehr die Ehrlichkeit betont, mit der die FCK-Führung zur jüngsten Jahreshauptversammlung Zahlen offengelegt habe.

„Sie sind doch selbst nicht ehrlich“, wirft Layenberger ein. Und führt als Beleg die Art und Weise an, wie Banf Rainer Keßler, den Vorstandsvorsitzenden des „e.V.“, der an der ausgegliederten Profiabteilung immer noch 51 Prozent der Anteile hält, auf der JHV „zerlegt“ habe. Das weist Banf selbstredend zurück liefert sich mit Layenberger anschließend ein kleines Scharmützel um das Erbe Fritz Walters, das der Hauptsponsor unlängst vor einer Versteigerung rettete – dies aber muss aus Gründen der Übersichtlichkeit hier nicht wiedergegeben werden.

„ES WIRD EBEN NICHT ALLES GETAN“: AUFTRITT RAINER KESSLER

Richtung unangenehm für Alphatier Banf wird’s dann, als sich Rainer Keßler selbst  zu Wort gemeldet. Auch er bestätigt, was zuvor Bernd Schmitt als persönlichen Eindruck wiedergegeben hat: „Es wird eben nicht alles getan, um einen Investor zu finden.“ Er selbst habe den Verantwortlichen im November einen Interessenten vermittelt, doch das Gespräch sei abgesagt, Keßler selbst an eine Beratungsgesellschaft verwiesen worden. Vier Wochen darauf habe er sich sowohl bei seinem Interessenten als auch bei der Gesellschaft nach dem Sachstand erkundigt – und beide Seiten erklärten, sie warteten auf Input der Gegenseite.

Es bleibt offen, wie dieses Kommunikationsdesaster zu erklären ist. Später ergänzt Keßler, er habe auch einen Kontakt zu dem Investor vermittelt, der seinerzeit Hertha BSC gerettet habe. Hierzu bestätigt Banf, dass dieser Kontakt noch bestehe, nur kenne er den genauen Sachverstand nicht. Für zielführende Verhandlungen der ausgegliederten „GmbH & Co. KG“ sind ja auch deren Geschäftsführer Michael Klatt und Martin Bader verantwortlich.

„GEBT ENDLICH VOLLGAS!“ – UND BANF IST AM ENDE „TIEF GETROFFEN“

Das Plenum scheint nach eindreiviertel Stunden nicht sehr erbaut von dem, was es da gesehen und gehört. „So einen Schwachsinn habe ich selten gehört“, wütet „de Charly“ vom „Pfälzer Sturm“. „Ihr wollt eine neue Fananleihe, wo ihr die alte noch nicht zurückbezahlt hat, ihr wollt zu den alten Schulden neue machen – lasst Euch endlich was einfallen! Es geht um den FCK, es geht um unsere Region!“

Thomas Hilmes drückt sich besonnener aus, spricht aber ebenfalls „Klartext“: „„Nach dem, was ich heute alles hier hören musste, ist diese Ausgliederung schlecht vorbereitet und schlecht nachbereitet worden.“ Bis die Fans Anteile am Verein erwerben können, soll nun noch einmal ein halbes, vielleicht ein ganzes Jahr vergehen. „Die wichtigste Säule sind doch die Fans, warum hat man die nicht früher geöffnet? Wenn wir keinen Großinvestor finden, machen wir es selbst.“

Sogar Aufsichtsratsmitglied Michael Littig appelliert, „endlich Vollgas zu geben“. An wen eigentlich? Sich selbst?

Patrick Banf ist am Ende „tief getroffen“. Nun, das sollte so ein Alphatier aber wegstecken können.

Die komplette Veranstaltung lässt sich hier nachhören.

Foto: SWR