Mit breiter Brust nicht zu viel riskieren: Der FCK erwartet den Spitzenreiter

Sonntag, 13 Uhr. Der Tabellenführer kommt auf den Betzenberg. Und für den 1. FC Kaiserslautern geht es nur noch darum „zu zeigen, dass wir so viel schlechter nicht sind und dass wir auch gegen Spitzenmannschaften punkten können“ – so hat es Sport-Geschäftsführer Martin Bader diese Woche in der „Rheinpfalz“ ausgedrückt. Ist auch besser so, nicht mehr über „mehr“ zu reden. Konzentrieren wir uns aufs Tagesgeschäft.  Gute Nachricht: Christian Kühlwetter steht wieder voll im Mannschaftstraining, ob’s allerdings für die Startelf reicht, „werden wir sehen“, so FCK-Coach Sascha Hildmann.

LÖHMANNSRÖBENS DENKPAUSE IST UM

„Wir wollen mit breiter Brust auftreten“, kündigt der Trainer an, der nach sieben ungeschlagenen Spielen und dem nunmehr erklommenen Platz 6 einen „positiven Druck“ verspürt. Allerdings dürfe man nicht zu früh zu viel riskieren: „Wir haben jetzt viele Drittligaspiele gesehen, die dauern nicht 90, sondern 97, 98 Minuten.“ 

Auf jeden Fall beendet ist die „Denkpause“ von Jan Löhmannsröben. Hildmann hatte den Mittelfeldspieler vor dem 2:0-Sieg in Lotte aus dem Kader gestrichen, nachdem er in der Partie zuvor, beim 0:0 gegen Braunschweig, auch seine Auswechslung unwirsch reagiert hatte. „Das Thema ist erledigt“, stellt Hildmann klar. Löhmannsröben habe sich im Training voll reingehängt, ob er von Beginn an dabei ist – abwarten.

Mit sich selbst noch nicht ganz einig scheint sich der Trainer zu sein, wie er mit Florian Pick verfahren soll. Der leistete nach seiner Einwechslung in Lotte ganze Arbeit, belebte das FCK-Spiel, leistete die Vorarbeit zum 1:0, markierte das 2:0. Hat er damit nun ein Startelfticket gelöst – oder sich lediglich für einen weiteren Joker-Einsatz empfohlen? „Wir sind noch am Diskutieren“, so Hildmann.

Allerdings stellt sich die Frage, wer dann von Beginn an die Offensivpositionen bekleiden soll. Hendrick Zuck jedenfalls hat sich in den jüngsten Spielen kaum aufgedrängt, Christoph Hemlein ebenfalls nicht.

DER GEGNER KOMMT MIT DER BESTEN DEFENSIVE – UND EINEM „UNTERSCHIEDSSPIELER“

Osnabrück kommt als Tabellenführer mit fetten 58 Punkten, hat diese Saison erst drei Mal verloren, zwei Mal davon aber bereits in diesem Jahr. Dass den Niedersachsen der Aufstieg noch zu nehmen ist, glaubt dennoch niemand mehr ernsthaft. Eine Stärke wird direkt beim Blick aufs Torverhältnis offenbar: Der VfL stellt mit 21 Gegentreffern die mit Abstand beste Defensive der Liga.

Doch auch die Offensive nötigt Lauterns Trainer Respekt ab. Benjamin Girth, den die Osnabrücker erst im Januar aus Kiel verpflichteten, hat in nur acht Einsätzen bereits vier Treffer erzielt, und der auch bei ruhenden Bällen starke Marcos Álvarez sei ein „Unterschiedsspieler“.

Weitere Erfolgsgeheimnisse? Auf die Schnelle lassen sich nur einige Schlaglichter anreißen. Die Osnabrücker haben sich nach einer äußerst mauen Vorsaison eben mal nicht von ihrem Trainer getrennt – obwohl diese auf Platz 17, also dem ersten Nicht-Abstiegsplatz endete und zum Abschluss zwölf Spiele ohne Sieg verzeichnete. Daniel Thioune durfte bleiben. Das Klub-Urgestein hatte den Klub im November 2017 übernommen – und auch zum Start erst einmal vier Spiele verloren.

BEISPIEL VFL ZEIGT: PERSONELLER UMBRUCH KANN AUCH WAS SCHÖNES SEIN

Im Interview mit NDR.de zeigt sich Thioune selbst erstaunt, dass der Verein an ihm festhielt und führt dies auf die Standfestigkeit seines Sportdirektors zurück. „Benjamin Schmedes war ganz nah dran und ist offenbar zum Schluss gekommen, dass ich nicht verantwortlich war für das schlechte Abschneiden, sondern vielleicht mit dem Klassenerhalt noch das Beste aus der Situation gemacht habe. Er hat meine Qualität gesehen und hatte das Vertrauen, dass sich die bei einem veränderten Kader auch in Ergebnissen zeigen würde.“

Und, jetzt kommt’s: Der Trainer sieht in dem personellen Umbruch, der im Sommer darauf möglich war, nicht etwa einen Nachteil – wie es permanent gewisse Leute tun, die wir kennen –, sondern im Gegenteil: „Wir hatten durch die vielen auslaufenden Verträge die Chance, den Kader stark zu verändern. Und dann ging es darum, die Leute vom VfL zu begeistern.“

Zu seiner Spielphilosophie sagt Thioune: „Bei uns ist ganz wichtig, dass nicht derjenige Schuld hat, der den Ball verloren hat, sondern der, der nicht versucht hat, ihn wiederzuholen. Das haben die Spieler verinnerlicht.“ Hört, hört – klingt das nicht etwas, was vor langer, langer Zeit mal als „typische Betze-Mentalität“ bezeichnet worden ist?

DIE XG-GRAFIKEN: MATCHWINNER PICK, ZUCK HÄNGT WEITER IN DER LUFT

Zum Abschluss noch der Blick auf die xG-Grafiken des Spiels gegen Lotte. Die Timelines, das lernen wir hier einmal, sollten immer nur unter Bereinigung der Ausschläge betrachtet werden, die Elfmeter verursachen. Ohne diesen käme Lotte nämlich lediglich auf einen Wert von 0.51, und der FCK würde sich mit keinesfalls berauschenden 1.33 aber sowas von deutlich abheben. Am Auswärtssieg gibt es also nichts zu rütteln.

Auffallend auch wie die Ausschläge sich in der zweiten Hälfte erhöhen – nach der Einwechslung Picks. Keine Frage: Der Flügelflitzer darf sich tatsächlich als „Matchwinner“ fühlen, als der er allenthalben gefeiert wurde. Nur: Mit seinen 23 Jahren muss er sich auf diesem Niveau endlich einmal auch stabilisieren.

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Die Positions- und Passgrafik offenbart erneut einige Aspekte, die mittlerweile fast schon als Konstanten angesehen werden können. Abermals finden sich keine Linien zwischen rechten, offensiven Flügelspieler und dem Mann im Zentrum. Das war auch beim 4:1-Sieg gegen Jena schon so, und da spielte Jonjic für Hemlein. Und Zuck hängt wieder mal völlig in der Luft.

2019-03-16 Kaiserslautern Passing plot Sportfreunde Lotte - Kaiserslautern.jpgLangsam müßig zu kommentieren ist die „Zone 14“-Grafik. Da bleibt nur einmal mehr zu rufen: Zum gegnerischen Strafraum geht’s nach vorne! Andererseits korrespondiert sie auch gut mit der Passgrafik. Die zentralen Mittelfeldspieler Albaek/Fechner standen sehr tief – da kann sich im Zehnerraum auch nichts tun.

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