Das Motto gegen Uerdingen: Bitte nicht wieder den Aufbaugegner geben

Leitsprüche, die peppen, lassen sich in Kaiserslautern für die restlichen neun Spiele  der Saison kaum noch finden. Die Saison anständig zu Ende spielen? Gähn. Möglichst viele Erkenntnisse für die nächste Spielzeit gewinnen? Das würde zumindest uns besser gefallen. Dass FCK-Coach Sascha Hildmann jedoch nach der 1:3-Niederlage gegen Tabellenführer VfL Osnabrück seine Startelf für die Partie gegen den KFC Uerdingen am heutigen Freitagabend (19 Uhr) zwecks Erkenntnisgewinn neu formiert –  danach sieht’s derzeit weniger aus. So dass für den FCK in erster Linie gilt, gegen eine seiner zweifelhaftesten Mythen anzuspielen – der ideale „Aufbaugegner“ für darniederliegende Teams zu sein. Uerdingen ist seit elf Spielen sieglos…

Verletzungsbedingte Ausfälle sind in der vergangenen Woche jedenfalls nicht hinzugekommen. „Wir haben den gleichen Kader zur Verfügung wie gegen Osnabrück“, so Hildmann. Und welche Verschiebungen innerhalb dieses Kaders sind zu erwarten? Carlo Sickinger eventuell im zentralen Mittelfeld aufzubieten, sei eine Option, erklärt der Trainer auf Nachfrage. Allerdings: Die Abwehr-Dreierkette André Hainault-Carlo Sickinger-Kevin Kraus habe doch zuletzt doch immer gut funktioniert, ergänzt er sofort. Klingt also nicht, als sei da ernsthaft was geplant. Obwohl Lukas Gottwalt schon mal wieder ein Einsatz gut täte.

Immerhin: Dass Gino Fechner seinen Platz neben Mads Albaek im Mittelfeld räumen muss, scheint denkbar. Für ihn stünde Jan Löhmannsröben wieder bereit – oder Theo Bergmann, sofern Hildmann ihn als geeigneten Partner für Albaek ansieht.

UMSTELLUNG AUF 3-5-2? IN UERDINGEN WOHL EHER NICHT

Die Dreier-Angriffsreihe könnte nach der Darbietung gegen Osnabrück ebenfalls Blutauffrischung gebrauchen. Doch wer sollte für Timmy Thiele-Christian Kühlwetter-Florian Pick nachrücken? Christoph Hemlein hat sich nach seiner Einwechslung nicht aufgedrängt, Hendrick Zuck hatte in den Spielen zuvor ebefalls nicht überzeugt, Elias Huth hatte zuletzt in Lotte einen Kurzeinsatz – ihn mal wieder von Anfang an zu sehen, könnte ebenfalls ganz aufschlussreich sein.

Ansonsten lässt sich in der Startelf eigentlich nicht viel bewegen – sofern die Mannschaft im 3-4-3 stehen bleibt. Im Interview mit „der-betze-brennt“ hat Sascha Hildmann zwar erklärt, dass er perspektivisch auch mit einem 3-5-2 liebäugle, doch las sich das (noch) nicht so, als ob er in Uerdingen damit beginnen wollte. Laut „Rheinpfalz“ vom Freitagmorgen scheint dies aber nun doch der Fall zu sein: Bergmann soll als „Zehner“ hinter der Doppelspitze Thiele/Kühlwetter agieren, die Dreierkette hinten bleibt dennoch stehen.

Mehr Infos zum Spiel sind aus der Vorab-PK diesmal nicht zu saugen. Den Rest der Zeit beanspruchte die Vorstellung der neuen Finanzierungs-Instrumentarien, mit denen die Zukunft des FCK gesichert werden soll. Da es niemandem dient, wenn in allen Medien das gleiche steht, sei hier auf den entsprechenden Beitrag auf der Homepage des FCK verwiesen, da ist alles in der gebotenen Form erklärt.

PONOMAREV STEHT FÜR MILLIONEN, ABER NICHT FÜR KONSTANZ

Uerdingen also. Der Aufsteiger, vor dem alle vor der Saison solche Angst hatten und der dann so enttäuschte. Gepimpt mit den Millionen des Investors Mihail Ponomarev, der gleichzeitig auch Präsident des Klubs ist – und dessen Name als möglicher Ankerinvestor auch schon über den Betzenberg geisterte und eigentlich immer noch geistert.

Auch wenn die Tatsache, dass Geld nicht stinkt, unumstößlich bleibt: Ponomarev scheint zu der Sorte Geldgebern zu gehören, die gerne Einfluss auf sportlichen Einfluss nehmen und dabei nicht unbedingt segensreich agieren. Uerdingen beschäftigt bereits den dritten Cheftrainer der Saison. Ponomarevs zweite Wahl war der coachende Wanderarbeiter Norbert Meier, der schon von seinen jüngsten Karrierestationen in Darmstadt und Kaiserslautern nicht die besten Referenzen mitbrachte. In Uerdingen flog er nach nur sieben Spielen, was für ihn einen neuen persönlichen Rekord darstellt.

Sein Nachfolger wurde der Mann, der Meier bereits in Darmstadt und Lautern assistierte – und in Uerdingen nur zehn Tage lang sein Co war. Frank Heinemann hat nun zum ersten Mal die Position des Cheftrainers erklommen, und das im fortgeschrittenen Alter von 54 Jahren. Zuvor war er Assistent bei über einem halben Dutzend mehr oder weniger namhafter Trainer, in seiner Vita befinden sich so illustre Namen wie Klaus Toppmöller, Peter Neururer, Marcel Koller oder Thorsten Fink.

HEINEMANN SUCHT NACH EINEM NEUEN KORSETT

In seinem ersten Spiel, einem 0:0 gegen Carl Zeiss Jena, änderte Heinemann die letzte Startelf seines Vorgängers nicht komplett, aber doch nachhaltig. Er besetzte alle drei zentralen Mittelfeldpositionen seines 4-2-3-1-Systems neu, brachte den nach einer Knieverletzung zurückgekehrten Stefan Aigner als Zehner. Der Ex-Lautrer Osayamen Osawe, im Winter geholt, musste auf der Bank Platz nehmen. Nur die Hintermannschaft ließ Heinemann unangetastet.

Wird spannend sein zu verfolgen, wie schnell Heinemann seinem Team ein Korsett geben kann. Bislang wurde in Uerdingen die ganze Saison über munter gewechselt. Durchgehende Konstanten waren lediglich Rechtsverteidiger Kevin Großkreutz, Flügelspieler Maximilian Beister, Linksverteidiger Christian Dorda, Aigner und Keeper René Vollath, der zurzeit allerdings verletzt ausfällt.

Wie? Großkreutz, Beister, Aigner? Ja, alles bekannte Namen in der Szene. Und längst die einzigen bei Uerdingen. Laut Marktwerttabelle verfügt Uerdingen über den wertvollsten Kader in Liga 3, Ponomarev macht’s möglich. Und trotzdem ist der KFC nur Zehnter, hinter dem 1. FC Kaiserslautern, der sich so sehr nach einem Ankerinvestor sehnt.

DIE XG-GRAFIKEN: DER VFL DOMINIERT AUS DEM ZENTRUM

Wie immer an dieser Stelle noch der Blick auf die xG-Grafiken des Spiels gegen Osnabrück. Die Timeline bedarf keines weiteren Kommentars: Der VfL hat verdient gewonnen.

2019-03-24 1204807 xG plot Kaiserslautern 1 - 3 VfL Osnabruck.jpg

Interessanter ist der Vergleich der Positions- und Passgrafiken. Die der Lautrer sieht eigentlich nach schön geordnetem Spiel aus. Thiele war ein wenig aus dem Spiel genommen, ansonsten scheinen alle voll dabei gewesen zu sein.

2019-03-24 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - VfL Osnabruck.jpg

Die Osnabrücker Grafik dagegen belegt, wie sehr der VfL das Spiel aus dem Zentrum heraus beherrschte. Die sogenannten Halbstürmer Ouahim und Almenyido boten sich immer zentral an, insbesondere dem munter aufrückenden Blacha. Die Außenbahnen dagegen waren mit Tigges und Ajdini konstant besetzt und immer anspielbar.

2019-03-24 VfL Osnabruck Passing plot Kaiserslautern - VfL Osnabruck.jpg

Zum Schluss noch die „Zone 14“-Grafik. Auch da ersparen wir uns jeden Kommentar. Ein Trauerspiel.

2019-03-24 Kaiserslautern Zone 14 plot Kaiserslautern 1 - 3 VfL Osnabruck.jpg