War das echt – oder FIFA 2020? Der FCK markiert gegen Uerdingen Kontertore, als säße Sascha Hildmann an einer Spielkonsole

Den Freitagsfluch besiegt und ein fast perfektes Auswärtsspiel abgeliefert: Der 1. FC Kaiserslautern kann also doch noch den Spaß am Fußball zelebrieren und seinen Fans entsprechend Freude machen – offenbar ausgelöst durch einen Endorphinschub, wie er freigesetzt wird, wenn ein Team noch in der Anfangsphase einen frühen Rückstand drehen darf. Der KFC Uerdingen hätte sogar noch viel schlimmer eingehen können als „nur“ 2:4. Ein bisweilen lehrbuchmäßig konternder FCK ließ in der Schlussphase sogar noch zwei Großchancen nach Eckbällen aus – wobei immerhin zu notieren ist, dass diese so gefährlich waren wie lange nicht mehr. Dennoch: Vielversprechender konnten die anstehenden Testspielwochen für die kommende Saison nicht eingeläutet werden.

In den diversen Berichten zur Partie wird viel über die beiden „Traumtore“ gesprochen, die das Spiel einleiteten. Es soll jedem  unbenommen bleiben, diese als solche zu bezeichnen. Wir aber erklären den vierten Lautrer Treffer zum schönsten Treffer des Tages: Da nämlich bewegten sich die FCK-Spieler, als wären sie Teil eines  Computerkonsulenspiels, bei dem Trainer Sascha Hildmann an der Daddelmaschine sitzt.

Mads Albaek schlägt aus halblinker Position in der eigenen Hälfte einen zuckrigen Diagonalpass auf den rechten Außenbahnspieler Dominik Schad. Der legt mit dem Kopf auf den sich in der Mitte anbietenden Christian Kühlwetter ab. Der wiederum schickt Schad per Direktspiel sofort in die Gasse. Schad sprintet über die rechte Seite in den Strafraum, bis fast zur Grundlinie, passt flach in die Mitte, wo sich Timmy Thiele im Rücken seiner Gegenspieler freiläuft – 4:1 für Lautern.

BEISTER WIE KAI AUS DER KISTE – „LÖH“ SEI HIERMIT ENTSCHULDIGT

Okay: Über das fahrige Abwehrhalten der Uerdinger in dieser wie in so ziemlich allen Szenen des Spiels müssen wir den Mantel des Schweigens ausbreiten, um die Freude am Lautrer Sieg nicht zu schmälern. Schon klar, diese teuer zusammengestellte Truppe wird diese Saison nicht erreichen, was sie sich vorgenommen hat, das mag in dieser Phase der Saison für eine gewisse Lethargie sorgen, andererseits: Für die Lautrer gilt das gleiche. Und die waren in jede Sekunde der Partie wacher, konzentrierter, immer den einen Tick schneller in den Zweikämpfen.

Das galt auch schon für die Phase, in der der KFC zu seinem Führungstreffer kam. Maximilian Beister schlenzt das Leder aus 18 Metern in den Torwinkel, nachdem er Sekunden zuvor noch am Boden lag, sich plötzlich aber wie Kai aus der Kiste erhoben hatte. 

Dieser kuriose Umstand darf als Entschuldigung für Jan Löhmannsröben gelten, der Beister beim Aufstehen ein wenig teilnahmslos zusah – immerhin hat er ihm nicht auch noch die Hand gereicht. „Löh“ soll auch deswegen nicht kritisiert werden, weil das, was er im Anschluss ablieferte, erste Sahne war. Sein Chipball auf Thiele etwa, der daraufhin das 3:1 erzielt – eine großartige Hommage an Franz Beckenbauer, auf die sich in der Dritten Liga nur wenige Kicker verstehen.

THIELE FÜHLT SICH ALS ZWEITE SPITZE PUDELWOHL – BESTE SAISONLEISTUNG

Der zweifache Torschütze hatte auch den Führungstreffer eingeleitet, mit einem Flankenlauf über die rechte Seite, den er mit einer halbhohen Flanke auf den aufs kurze Eck zulaufenden Theo Bergmann abschloss. Der kann den Ball allerdings nur verlängern, zum Abschluss muss Kühlwetter her. 2:1.

Kurz darauf leitet Thiele die nächste Einschussgelegenheit ein, diesmal über den linken Flügel… Man merkt’s: Der „Sorgenfall“ (O-Ton Jan Löhmannsröben) fühlt sich als Teil eines Zweimannsturms pudelwohl, wechselt die Flügel nach Belieben. Zwei Tore selbst gemacht, eins vorbereitet – auch abgesehen von diesen Zahlen hat Thiele sein bestes Saisonspiel abgeliefert.

Der Ausgleichstreffer wiederum war das besagte zweite „Traumtor“ der Partie. Florian Pick kopierte Beisters Treffer beinahe spiegelbildlich. Erwähnenswert: Der Treffer resultierte aus einer Ecke des FCK, bekanntlich eine der größten Schwächen der Lautrer im bisherigen Saisonverlauf.

Die Betrachtung erfordert allerdings ein bisschen Wohlwollen: Denn es war eine kurze Ecke, nach der anschließend auch noch ziemlich verzögert geflankt wurde und Pick musste sich erst den zweiten Ball sichern. Aber egal. Treffer fiel im Anschluss an eine Ecke. Basta.

DAS NEUE 3-4-1-2 MACHT LUST AUF MEHR

In der Schlussphase war der FCK sogar ganz nahe an einem noch unmittelbareren Eckballtreffer. André Hainault zwingt KFC-Keeper Robin Benz zu einer Glanzparade, der Abpraller fällt vor die Füße Carlo Sickingers, doch der knallt des Leder an Benz’ Kopf – das ist das Glück, aber auch der Schmerz des Tüchtigen.

Insgesamt aber bleibt festzuhalten: Was für eine Leistungssteigerung gegenüber der 1:3-Heimniederlage gegen Tabellenführer Osnabrück am vergangenen Sonntag! Und das nach nur zwei Personalwechseln. Sascha Hildmann hatte Löhmannsröben für Gino Fechner in die Startelf gestellt – und Theo Bergmann für Janek Sternberg.

Damit wiederum ging eine Umstellung der Grundordnung einher. Pick, in der Vorwoche noch Halbstürmer im 3-4-3, rückte für Sternberg auf die linke Außenbahn, und Bergmann nahm die Zehnerposition im neugeschaffenen 3-4-1-2 ein. Eine Formation, die Lust auf mehr macht.

DENNOCH: AALEN WIRD EINE GANZ ANDERE HERAUSFORDERUNG

Und vor allem auf die nächste Nagelprobe. Nächsten Samstag geht es gegen den VfR Aalen, das Tabellenschlusslicht, das, wir erinnern uns, im Hinspiel einen sehr gepflegten Fußball bot. Das Element „schnelles Umschaltspiel“, das die neue Lautrer Formation gegen Uerdingen bisweilen lehrbuchmäßig praktizierte, wird in diesem Kick nicht so gefragt sein. Da wird man sich gegen einen tief gestaffelten Gegner durch enge Räume spielen müssen. 

Zum Abschluss noch ein Schmankerl, das in den diversen Spielzusammenfassungen leider nicht zu sehen ist. Eine Szene aus der 42. Minute: Jan Löhmannsröben behauptet sich im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch gegen drei attackierende Uerdinger und schlägt anschließend einen Bilderbuchpass auf Pick. Was wär der Junge für ein Spieler, wenn er seine Aussetzer dann und wann mal abstellen könnte…

Foto: 1. FC Kaiserslautern