Schicksalswochen eines Herzblutvereins – Diese Seifenoper braucht endlich eine klare Linie, um zu einem Happy End zu finden

Trainer Sascha Hildmann zimmert zurzeit am FCK-Team der Zukunft, und das sah zumindest am Freitag äußerst vielversprechend aus. Im Hintergrund läuft derweil das Lizenzierungsverfahren, das diesem Team die Spielberechtigung für die kommende Saison sichern soll. Parallel arbeitet die FCK-Führung fieberhaft an einer „Zwischenfinanzierung“, mit der sie Zeit gewinnen will, um in der näheren Zukunft Investoren an Land zu ziehen. Zu dieser wiederum können seit vergangenen Mittwoch auch die weniger betuchten FCK-Anhänger einen Beitrag leisten, die bekanntlich auch die treuesten sind – indem sie die „Betze-Anleihe II 2019/22“ zeichnen oder sich an einer „Crowdlending“-Aktion bei „Kapilendo“ beteiligen… Schicksalswochen eines Herzblut-Vereins. Klingt nach Seifenoper, nicht? So, wie derzeit ausgerechnet diejenigen chargieren, die überzeugender als alle anderen Ge- und Entschlossenheit zur Schau stellen müssten, ist der Vergleich gerechtfertigt. Doch wenn die Suche nach frischem Geld von Erfolg gekrönt werden soll, muss der Aufsichtsrat in seiner Darstellung endlich klare Konturen finden. 

Nicht alle Folgen dieser Seifenoper werden öffentlich ausgestrahlt. Die jüngste, die frei empfangbar war, war die „Klartext“-Podiumsdiskussion des SWR 4 am 19. März. Wie man hört, haben manche FCK’ler diese sogar bewusst gemieden, weil ihnen von vorneherein klar war, dass bei der Konfrontation der Aufsichtsratsmitglieder Patrick Banf, Michael Littig und Hauptsponsor Harald Layenberger die eigentlich bekannten Konfliktlinien offen sichtbar würden.

NACH WIE VOR KEIN STATEMENT ZU KESSLERS VORHALT – IST DAS TRANSPARENT?

Aber auch die Nachbearbeitung dieser wenig ruhmreichen Außendarstellung verwundert. Wie berichtet, meldete sich Rainer Kessler, der abberufene Vorstandsvorsitzende des e.V., aus dem Publikum zu Wort und berichtete von potenziellen Investoren, zu denen er Kontakte vermittelt habe, die von den Handlungsbevollmächtigten aber nicht intensiviert worden seien. Dass der Aufsichtsratsvorsitzende Patrick Banf darauf nicht spontan überzeugende Antworten parat hatte, könnte ihm ja verziehen werden – aber wäre dazu mittlerweile nicht mal ein eingehenderes, durchdachtes Statement fällig gewesen?

Wenn Kesslers Darstellung niemand widerspricht, ist es dann nicht legitim, davon auszugehen, dass sie zutreffend ist? Was ist mit der Transparenz, mit der die Verantwortlichen angeblich ihre Geschäfte führen wollen?

Auch gegen den Vorhalt des im Podium sitzenden SWR-Reporters Bernd Schmitt, nach seinen Recherchen sei der FCK-Aufsichtsrat in zwei Parteien gespalten, verwahrten sich weder Banf noch Littig überzeugend – und korrigierten diesen Eindruck auch im Nachgang noch nicht. In Erinnerung geblieben ist Littigs Äußerung, im Aufsichtsrat werde deswegen gerne leidenschaftlich und kontrovers diskutiert, weil da ausschließlich „Alphatiere“ und „Charakterköpfe“ säßen.

ZWEI PARTEIEN ARBEITEN GEGENEINANDER – WIE LANGE NOCH?

Wer sich da zofft, ist zwar nie offiziell bestätigt worden, aber längst kein Geheimnis mehr: Die, die die unter allen Umständen festhalten wollten angestrebten „Vier-Säulen-Modell“, in dem einem „Ankerinvestor“ zwar erlaubt ist, tüchtig in den Verein zu investieren, ihm aber nur ein bescheidener Einfluss im sportlichen Bereich eingeräumt wird. Und auf der anderen Seite die, die sich nicht der Illusion hingeben wollen, ein wirklich potenter Geldgeber könne in den FCK investieren, ohne dass ihm Entscheidungsbefugnisse eingeräumt werden. Und die mit dem russischen Milliardär Mihail Ponomarev zumindest schon bei einem Kandidaten bereits konkretes Interesse geweckt hatten. Was ebenso flugs wie indiskreter Weise an die Medien durchgesteckt wurde –  wer da wohl dahintersteckte?

Gegen Ponomarev mag es berechtigte Vorbehalte geben. Und dass Investoren, die sich im vorgesehenen Rahmen dieses Vier-Säulen-Modells engagieren, jedem FCK’ler sympathischer wären, steht ebenfalls außer Frage. Allerdings haben die, die nach wie vor keinen Jota davon abweichen wollen, bislang nichts vorzuweisen. Mit den jüngst gestarteten Aktionen will man sich dafür nun „Zeit bei der Familie“ borgen, wie Sport-Geschäftsführer Michael Klatt auf der „Kapilendo“-Homepage formuliert. Nun gut – aber hat Patrick Banf in der Außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juni 2018 nicht davon gesprochen, dass „Geld eingesammelt“ werden könne, sobald die Ausgliederung beschlossen und auch juristisch abgesegnet sei?

JETZT ENDLICH WIRD GELD EINGESAMMELT – ABER NICHT BEI DENEN, DIE’S HABEN

Fakt ist, dass seit vergangenen Mittwoch Geld eingesammelt wird, aber nicht bei denen, die erfahrungsgemäß viel davon haben, sondern bei den einfachen Fans, den treuesten der treuen, die aber leider auch nur über geringe Budgets verfügen. Also seit dem 27. März 2019. Über drei Monate nach dem 16. Dezember 2018, dem Tag der jüngsten Jahreshauptversammlung, an dem Patrick Banf verkündete, nun endlich könne das „Geld einsammeln“ beginnen. Bereits mitten im Lizenzierungsverfahren für die nächste Spielzeit, in dem es, auch das ist kein Geheimnis, Spitz auf Knopf steht.

Wir werden den Teufel tun und diese „Crowdlending“-Idee schlechtreden oder auch nur ihre Erfolgschancen bewerten. Wir werden, wie alle, die dem Verein nahestehen, unseren Beitrag leisten und die Daumen drücken. Doch die Frage sei gestattet: Lässt der späte Zeitpunkt, zu dem diese Aktion gestartet wird, tatsächlich auf einen „klaren Plan“ schließen, von dem Michael Klatt ebenfalls kündet – oder mutet das alles nicht viel eher wie ein Verzweiflungsakt an? 

CROWDLENDING IM SOMMER 2018 – DAS WÄR’S GEWESEN

Man stelle sich nur einmal vor, ein solches „Crowdlending“ wäre im vergangenen Sommer aus der Taufe gehoben worden, in der Euphorie, die da aufflammte, nach dem Abstieg und trotz des Abstiegs in die Dritte Liga, entgegen jeder Vernunft, weil die Pfälzer eben nicht vernünftig ticken, wenn es um ihren FCK geht – was hätte es da bewirken können. Vor und nach der Saisonpremiere mit dem 1:0-Sieg gegen 1860 München, als über 40.000 Zuschauer auf den Betzenberg strömten… Vorbei. Verschenkt. Versäumt.

Apropos Zeit. An der schien es noch nicht zu fehlen, als die FCK-Mitglieder Ende 2017 einen neuen Aufsichtsrat wählten. Manche wollten die angedachte Ausgliederung da noch so schnell wie möglich auf den Weg bringen, bereits im Januar 2018, dann aber   hieß es, dem neuen Aufsichtsrat solle erst einmal Zeit gegeben werden, sich einzuarbeiten. Patrick Banf sprach seinerzeit von einem „Weihnachtsmodus“, in den sich die neuen Gremiumsmitglieder erst mal verabschiedeten… 

Bei der jüngsten Jahreshauptversammlung bezeichnete selbst Banf diese Verzögerung  zunächst als „fatalen Fehler“, um sich dann zu korrigieren in „ein an sich guter Gedanke mit fatalen Folgen.“

WARUM ZÖGERN DIE REGIONALEN INVESTOREN?

Am 15. März diesen Jahre, immerhin auch schon drei Monate nach der Ankündigung, das „Geld einsammeln“ könne nun beginnen, kündigte Patrick Banf in der „Rheinpfalz“ an, man sei nun „formaljuristisch auf der Zielgeraden, in den nächsten Wochen wird sich in Sachen Fremdkapital und Eigenkapital einiges bewegen“. Die Zeitung sprach zudem davon, dass nach ihren Informationen zehn regionale Firmen bereit seien, Aktienpakete von „deutlich über 100.000 Euro“ zu zeichnen. Offiziell bekannt gemacht worden ist bislang lediglich die neue Betze-Anleihe und diese Crowdlending-Aktion.

Statt dessen wird gemunkelt, potenzielle Geldgeber, regionale wie überregionale, würden sich zurückhalten, bis dieser Aufsichtsrat sich endlich klar konturiert präsentiert – okay, es sind nur Gerüchte, doch dass diese Einstellung nachvollziehbar wäre, darf wohl mal festgestellt werden.

Wer im Aufsichtsrat dem Hauptsponsor Harald Layenberger ein Dorn im Auge ist, weiß jeder, der die „Klartext“-Diskussion verfolgt hat und ab und zu auf Facebook unterwegs ist. Was, wenn der Hauptsponsor irgendwann hinwirft, so, wie er es schon zwei Mal getan hat, als ihm der Stil der jeweiligen FCK-Führung nicht mehr behagte?

Dazu stehen, wie schon erwähnt, Rainer Kesslers Vorhaltungen weiterhin unwidersprochen im Raum.

IHR SEID „ALPHATIERE“ UND „CHARAKTERKÖPFE“? DANN ZEIGT’S JETZT, BITTE

 „Politisch“ taktieren hilft jetzt nicht mehr, auch nicht den FCK-Funktionären, die sich parallel in der Lautrer Lokalpolitik engagieren. Dieser Aufsichtsrat braucht endlich eine klare Linie, um erfolgreich um Geldgeber werben zu können. Dazu müssen die selbsternannten „Alphatiere“ und „Charakterköpfe“ sich nun endlich wie solche benehmen.

Einer, auf den beide Begriffe ohne Frage zutreffen, hat gerade beim „Torwarttalk“ eindringlich an alle Verantwortlichen appelliert, diese Grabenkämpfe endlich einzustellen: Torwarttrainer und -legende Gerry Ehrmann, dessen kernige Sätze von Funktionsträgern ja auch sonst gerne zitiert werden.

Jetzt gilt es, einen davon mal zu beherzigen. Im Sinne des 1. FC Kaiserslautern, um den es allen ja zu allererst geht – was ebenfalls jeder betont, der ein Amt in diesem Klub ausübt.