Glanzloser Halbfinalsieg und kein Knall im Aufsichtsrat – Jetzt geht’s ganz entspannt gegen Aalen

Der 1. FC Kaiserslautern quält sich mit einem 2:1-Sieg über Dudenhofen ins Finale des Verbandspokals und die Herren im Aufsichtsrat entschließen sich, ihre Zusammenarbeit nun doch weiter fortzuführen – das sind die beiden Nachrichten vom Betzenberg, die es unter der Woche zu verarbeiten gab. Im Vergleich dazu steht am morgigen Samstag, 13 Uhr, „Light Entertainment“ an: Die Testspielphase für die kommende Saison wird fortgesetzt, diesmal gegen den VfR Aalen, der als Tabellenletzter sieben Runden vor Schluss bereits neun Punkte Abstand zu Nichtabstiegsrang 16 aufweist. Da lässt sich nun trefflich diskutieren, ob dieser Gegner nun besonders gefährlich ist, weil er um seine allerletzte Chance kämpft, oder ob er bereits so frei im Kopf ist, dass er locker-unbeschwerten Fußball bieten kann.

ZUM GEGENWÄRTIGEN ZEITPUNKT EIN SIEG DER VERNUNFT

Zunächst zur Vereinspolitik. Patrick Banf bleibt Vorsitzender des Beirats der 1. FC Kaiserslautern Management GmbH sowie des Aufsichtsrats der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA, also der Profiabteilung. Sein als „Gegenspieler“ apostrophierter Kollege Michael Littig ist ab sofort Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e.V., als des Amateurbereichs. Dies ist das Ergebnis eines achtstündigen Sitzungsmarathons, an dem die Aufsichtsräte Patrick Banf, Paul Wüst, Michael Littig, Jochen Grotepaß und Jürgen Kind sowie die Geschäftsführer der GmbH, Michael Klatt und Martin Bader, die Vorstandsvorsitzenden des e.V., Wilfried de Buhr und Andreas Buck, und der Vorsitzende des Ehrenrats, Michael Koll, teilnahmen.

Damit ist der „große Knall“ ausgeblieben, der beispielsweise vom „kicker“ befürchtet worden war. Dem Vernehmen nach hatten Littig, Wüst und Kind Banfs Abwahl angekündigt, dergleichen stand im Januar schon mal auf der Agenda, was aber ebenfalls nicht umgesetzt wurde. Was davon nun zu halten ist?

Für die einen ist es die erneute Fortsetzung eines schon viel zu lange trügerischen Burgfriedens, der unmöglich ewig halten kann, für die anderen der endgültige Schulterschluss zum Wohl des FCK.

BECCA-EINSTIEG SCHEINT AUF DER ZIELGERADEN ZU SEIN

Wir sagen: Es ist die Verlängerung einer Zweckgemeinschaft, die zum jetzigen Zeitpunkt die sinnvollste aller Möglichkeiten darstellt. Denn hätte sich eine Seite klar durchgesetzt und die andere zum Rückzug gezwungen, hätte diese auch aktuelle und potenzielle Geldgeber vom Betzenberg mitabgezogen. Spannend bleibt allerdings, wie Hauptsponsor Harald Layenberger auf die erneute Nicht-Abwahl Banfs reagiert – bislang ist es auf seinem Facebook-Account ruhig, das sah im Januar noch anders aus.

Vermutlich hat Patrick Banf den „Putschisten“ überzeugend vermitteln können, dass die Bemühungen, den milliardenschweren Luxemburger Unternehmer Flavio Becca als Ankerinvestor zu gewinnen, so weit fortgeschritten sind, dass sich personelle Führungswechsel im Moment nur negativ auswirken könnten. Parallel lancierte Medienberichte  deuten darauf hin. „Wir sind ein Level weiter“, wird Banf beispielsweise in der „Rheinpfalz“ zitiert. Und sollte Beccas Einstieg nun tatsächlich zeitnah fix gemacht werden, dürfte Bans Position wieder gefestigt sein. Und die Zweckgemeinschaft in den Führungsgremien hat alle Chancen, auch noch länger fortzubestehen.

DUDENHOFEN: QUÄLEREI WAR KEINE ÜBERRASCHUNG

Zum Sport. Keine gute Kritiken erhielt der FCK für seinen glanzlosen 2:1-Sieg am Mittwoch gegen den FV Dudenhofen. Das Spiel war vergleichbar mit dem 0:0 des FCK gegen Eintracht Braunschweig Mitte März, als der Gegner aufgrund eines frühen Platzverweises gezwungen war, sich weit zurückzuziehen und mit hohem Laufaufwand und ungeheurer Leidenschaft verteidigte.

Dem Stilmittel „schnelles Umschaltspiel“ beraubt, offenbarten die Pfälzer ihre üblichen Schwächen, in engen Räumen den Weg zum Tor zu finden. Die haben andere Drittligisten zwar auch, doch die, die erfolgreicher sind als der FCK, sind effizienter bei den wenigen Chancen, die sich dennoch bieten. Solche boten sich dem FCK in der ersten Hälfte durchaus, etwa durch Elias Huth oder Theo Bergmann.

HEMLEIN ALS BACKUP FÜR SCHAD: DAS KÖNNTE ZUKUNFT HABEN

Eine andere Möglichkeit zum Erfolg böten Standardsituationen, diesbezüglich geht beim FCK jedoch schon die ganze Saison nicht viel. Bleibt noch die Chance, dass ein Fernschuss mal den Weg durch Freund und Feind hindurch findet. Exakt so markierte Mads Albaek in der 64. Minute das 1:0, und, nach dem der Bann gebrochen war, erhöhte Bergmann flugs auf 2:0. Fast im Gegenzug jedoch markierte der Dudenhofener Kapitän Kevin Hoffmann jedoch den Anschlusstreffer zum 2:1, bei dem es dann auch blieb.

Interessant, wie FCK-Trainer Sascha Hildmann seine Stammbesetzung für den Pokalkick geändert hatte. Für Dauerbrenner Kevin Kraus durfte Lukas Gottwalt  Innenverteidiger spielen, Elias Huth ersetzte Timmy Thiele – und Christoph Hemlein Dominik Schad. Hemlein also auf der rechten Außenbahn in der defensiveren Position. Das könnte auch seine Rolle für die nächste Spielzeit sein. Weiter vorne fehlte es dem 28-jährigen zuletzt doch etwas an Durchsetzungsvermögen.

AALEN: JENA SOLLTE DIE WENDE BRINGEN – UND NUN?

 Nun also Aalen, der Tabellenletzte. Vergangene Woche glückte dem Team nur ein 0:0 gegen den Vorletzten Jena, das Spiel hatte eigentlich die Initialzündung geben sollen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Inwieweit die Aalener nun tatsächlich noch an den Klassenverbleib glauben, ist müßig zu diskutieren.

Vergangene Spielzeit schloss der VfR noch mit 50 Punkten und einem zwölften Platz ab. Dann trennte sich der Klub vom erfahrenen Drittligatrainer Peter Vollmann und übergab die Trainingsleitung Newbie Argirios Giannikos. Für die Kritiker, die hinterher immer alles schon vorher gewusst haben, liegt darin der Hauptgrund der gegenwärtigen Misere. 

Wie alle einfachen Erklärungen dürfte auch diese nicht so ganz hinhauen. Im Hinspiel präsentierten sich die Aalener, auch damals schon Kellerkind, dem FCK jedenfalls als spielstarke Einheit, die nur mit viel Pech und wegen eines brutalen Torwartpatzers 1:2 unterlag. Vor neun Spieltagen hat Rico Schmitt in Aalen die Übungsleitung übernommen, der bezüglich Alter und Erfahrung genau die Mitte zwischen Giannikos und Vollmann markiert.

ZULETZT VIER MAL UNGESCHLAGEN – TRUMPFKARTEN MORYS UND SESSA

Und auch wenn der VfR tabellarisch auf der Stelle tritt: Zuletzt blieb er vier Spiele ungeschlagen, und vor Wochen hat er mit einem 3:0 beim Aufstiegsaspiranten Karlsruher SC einen echten Paukenschlag gesetzt. Sascha Hildmann erwartet nicht unbedingt einen defensiv eingestellten Gegner: „Die sind zum Siegen verdammt.“ Dem FCK-Spiel kann das nur guttun. Neue Verletzungssorgen haben sich für den FCK nicht aufgetan. Hildmann steht der gleiche Kader zur Verfügung wie in den jüngsten Spielen. Ob sich die drei Neuen vom Mittwoch für weitere Startelf-Einsätze empfohlen haben, ließ der Coach offen. 

Stärkste Waffen der Aalener sind der pfeilschnelle Flügelspieler Matthias Morys, der allerdings schon 32 Lenze zählt, sowie der junge Nicolas Sessa, der im Falle eines Abstiegs einige Begehrlichkeiten am Markt wecken dürfte, für den der VfB Stuttgart aber bislang eine Rückkaufoption besitzt. Der 23-jährige ist ein „Zehner“, ein Linksfuß und nur 1,70 Meter groß, daher muss er, wie alle Spieler mit diesen Attributen, immer wieder Vergleiche mit einem gewissen Lionel M. aushalten. Wir sagen: Es macht einfach Spaß, ihm beim Fußball spielen zuzuschauen.

DIE XG-GRAFIKEN: DIE SCHÖNSTE TIMELINE DER SAISON

Zum Schluss wie immer der Blick auf die xG-Plots vom jüngsten Spiel in Uerdingen. Diesmal mit der schönsten Timeline der Saison. 92 Prozent Siegeswahrscheinlichkeit, ein Abschlusswert von 3.1, ohne dass eine Elfmeter für einen unverhältnismäßig hohen Ausschlag sorgt – gerne wieder.

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Ebenfalls überzeugend die Position- und Passgrafik, die ein gut funktionierendes 3-4-1-2 offenbart, in das alle Spieler gut miteinbezogen sind.

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Und, eine leider immer noch nicht ganz überzeugende „Zone 14“-Visualisierung. Aber irgendwo wird man sich ja auch noch verbessern dürfen. Immerhin: Von neuen Passen kamen sieben an.

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