Viele Fragezeichen, aber rustikal wird’s ganz bestimmt: Das Duell der Wundertüten 

Wieder geht’s gegen einen akut abstiegsbedrohten Gegner, wieder hat dieser gerade vor Wochenfrist „Big Points“ gegen den FC Carl Zeiss Jena liegen lassen – und wieder will dieser nun seine Chance gegen den 1. FC Kaiserslautern nutzen, um die verlorenen Punkte so schnell wie möglich wieder hereinzuholen. Die Unterschiede: Energie Cottbus hat mit nur vier Zählern Abstand auf Rang 15 das rettende Ufer wesentlich deutlicher vor Augen – und empfängt den FCK am morgigen Samstag, 14 Uhr, vor eigener Kulisse. Für Lautern-Trainer Sascha Hildmann stellt sich die Frage: Wie aggressiv werden die Lausitzer auf Sieg spielen? „Das ist eine Wundertüte“, räumt der Coach ein. Da macht es sich eigentlich doch nicht schlecht, dass sein Team selber eine ist.

Im Hinspiel vergangenen Oktober siegte Energie auf dem Betzenberg mit 2:0 – und traf die Lautrer damit ins Mark. Nach zwei Siegen gegen Uerdingen und in Aalen schienen sich die Pfälzer nach mauem Saisonstart endlich zu festigen und Kurs Richtung Aufstiegsplätze zu nehmen. Nach dieser Heimpleite jedoch fanden sie nie mehr so richtig in die Spur.

Und Cottbus siegte, wie Teams  der Dritten Liga in der Fremde gerne siegen. Aus einer tief stehenden 5-4-1-Formation warteten die Schützlinge von Trainer Pele Wollitz auf Kontergelegenheiten, ließen den Gegner agieren, beschränkten sich aufs Reagieren. Gerade dem FCK lässt sich so bekanntlich sehr gut beikommen.

„WIR MÜSSEN AUF ALLES VORBEREITET SEIN“

Energie weiß also, wie es geht. Und was einmal funktioniert hat, könnte auch noch mal klappen. Aber werden sie morgen tatsächlich mit der gleichen Zurückhaltung ans Werk gehen? „Ich bin mir nicht sicher“, gab Sascha Hildmann in der PK zum Spiel zu Protokoll. „Vielleicht werden sie uns auch aggressiv anlaufen. Wir müssen auf alles vorbereitet sein.“

Die Cottbusser stellen dem Coach zufolge also eine „Wundertüte“  dar. Die Pfälzer allerdings nicht minder. Nicht nur wegen ihrer permanent schwankenden Leistungen, auch die vielen personellen Fragezeichen erlauben dem Gegner kaum Aufschlüsse zu, mit welcher Startelf der FCK morgen aufläuft. Theo Bergmann (Gehirnerschütterung) und André Hainault (Gelbsperre) fallen auf jeden Fall aus, dazu sind Hendrick Zuck, Christoph Hemlein, Janek Sternberg und Florian Dick angeschlagen.

3-4-1-2 ODER 3-1-4-2? WAHRSCHEINLICH 3-4-3

Für Hainault dürfte Lukas Gottwalt ins Team rücken. Zehner Bergmann wäre allenfalls von Julius Biada 1:1 zu ersetzen, wenn Hildmann am zuletzt praktizierten 3-4-1-2 festhalten möchte. Allerdings hatte Biada zuletzt schlechte Karten beim Coach, musste wiederholt in der Zweiten Mannschaft ran.

Denkbar wäre eine nur geringfügige Umstellung auf ein 3-1-4-2, mit Mads Albaek und Gino Fechner auf den zentralen Halbpositionen – aber wären die beiden tatsächlich „Achter“, die auch mal mit vorne rein gehen?

Am wahrscheinlichsten scheint uns, dass Hildmann wieder ein 3-4-3 formiert und den wiedergenesenen Youngster Antonio Jonjic auf der Position des rechten Halbstürmers einbaut. 

Was bedeuten würde, dass Florian Pick, falls Sternberg ausfällt, erneut die linke Außenbahn besetzt, für die er sich in Cottbus freilich defensiver ausrichten müsste als zuhause gegen Aalen. Zweifelsohne ein Risikofaktor, da Pick auf seinen Wegen nach vorne gerne mal den Ball verliert.

ÜBERRASCHT HILDMANN MIT ÖZDEMIR?

Vielleicht überrascht Hildmann ja auch. Trainingskiebitz „Windhund“ berichtet bei „transfermarkt.de“ , dass der fast schon in der Versenkung verschwundene Özgur Özdemir im Training zuletzt beeindruckte. Wie wärs mit einer Rückkehr zu einer Viererkette – und einem Özdemir als rustikaler, hauptsächlich auf Sicherung bedachter linker Verteidiger, der Pick den Rücken freihält? Könnte passen, denn bei allen Fragezeichen hinter dieser Partie dürfte eines sicher sein: dass es rustikal zugehen wird.

WOLLITZ RÜHRT – UND RANGELOV WILL GEGNER, DIE FUSSBALL SPIELEN

 An der Lausitz wird derweil immer noch gehadert – wegen des unberechtigten Elfmeters, der vor Wochenfrist die 1:2-Niederlage in Jena besiegelte, aber auch wegen der Sperre für Coach Wollitz, der nach einem Ausraster jüngst in diesem wichtigen Heimspiel nun auf der Tribüne Platz nehmen muss.

Wollitz’ Statement dazu im Rahmen der gestrigen PK ist ein wahrhaft anrührendes Dokument menschlicher Empfindsamkeit, das nicht kommentiert, sondern einfach nur mit Andacht betrachtet werden will, etwa hier. Das Video findet sich unten auf der Seite.

Stürmer Dimitar Rangelov jedenfalls ist zuversichtlich, dass es gegen Lautern besser läuft als in Jena.„Wir haben große Schwierigkeiten gegen solche Mannschaften, die fast gar keinen Fußball spielen. Die spielen mit langen Bällen ohne Plan, alles andere ist Zufall“, erklärt der Bulgare die jüngste Pleite in der „Lausitzer Rundschau“, und ergänzt: „Uns liegen die Gegner mehr, die versuchen, Fußball zu spielen.“

DIE XG-GRAFIKEN: „VIEL UM STRAFRAUM RUMGESPIELT“ – IN DER TAT

Wie immer zum Schluss die Rückschau auf Lauterns jüngste Pleite. Die XG-Timeline bestätigt unseren subjektiven Eindruck. Bis zur 65. Minute war Lauterns Auftritt eigentlich gar nicht so übel, verzeichneten die Pfälzer sogar ein klares Chancenplus, nur danach kam eben gar nichts mehr, so dass das späte Tor der Aalener ein gar nicht mal so  unverdienter Tritt in die Weichteile war.

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Die Positions- und Passgrafik bildet die 3-4-1-2-Formation deutlich ab, zeugt auch davon, dass mehr oder weniger alle ins Spiel einbezogen waren. Ausnahme: Von Zehner Zuck führen wieder einmal kaum Passlinien weg.

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Dass gegen viel „um den Strafraum herum“ gespielt worden sei, hat Sascha Hildmann auf der jüngsten PK ebenfalls erwähnt. Dies belegt auch die „Zone 14“-Grafik. 18 Pässe spielten die Lautrer aus dem Zehnerraum heraus, und 11 davon kamen an – da haben wir diese Saison wahrlich schon üblere Visualisierungen gezeigt. Aber: Wo gehen diese Pässe hin? Am besten, wir reden nicht mehr drüber.