Fußball-Fiesta hat niemand erwartet, Siesta aber auch nicht – Ein 1:1 zum Grausen

Immerhin hat sich eine Sorge Sascha Hildmanns in Cottbus nicht bestätigt: Dass die abstiegsbedrohten Gastgeber unter dem Druck, unbedingt gewinnen zu müssen, besonders aggressiv auftreten und die Lautrer Hintermannschaft früh anlaufen. Tatsächlich versuchten die Lausitzer gegen den 1. FC Kaiserslautern so zu punkten, wie sie auch im Hinspiel auf dem Betzenberg gepunktet hatten. Sie überließen Lautern die Spielkontrolle und warteten auf ihre Chance, sprich, auf Fehler ihrer Gäste. Deprimierend aus FCK-Sicht ist: Ums Haar hätten sie damit erneut Erfolg gehabt. Mit seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 in der 89. Minute rettete Jans Löhmannsröben den Lautrern in der 89. Minute wenigstens einen Punkt nach einer über weite Strecken unsäglichen Partie.

FCK-Trainer Sascha Hildmann hatte nach dem Ausfall von Theo Bergmann seine zuletzt praktizierte 3-4-1-2-Grundordnung doch nicht grundlegend geändert und mit Gino einen zentralen Mittelfeldspieler nachrücken lassen, der freilich nicht wie Bergmann als Zehner agierte, sondern als Achter, so dass sich zumindest in Hälfte eins ein 3-1-4-2 formierte. 

DER BALL LÄUFT BEI LAUTERN – ALLERDINGS NUR BIS INS ANGRIFFSDRITTEL

So steht Lautern gegen den Ball durchaus stabil, erobert immer wieder den Ball, noch bevor Energie auch nur ansatzweise in eine Einschussposition kommt. Die Hidlmann-Elf kontrolliert die Partie auch, baut bisweilen angenehm besonnen auf – allerdings nur solange, bis der Pass ins Angriffsdrittel gespielt wird.

Danach nämlich ist der Ball schnell weg, so dass sich ein ätzend ereignisarmes Spiel seinen Lauf nimmt. Eine Fußball-Fiesta hatte zwar niemand erwartet, 90 Minuten Siesta hätten es aber auch nicht. Wollten die akut abstiegsbedrohten Cottbusser nicht bis zum Umfallen fighten, um die „Big Points“, die sie vor Wochenfrist in Jena verspielten, wieder hereinzuholen?

Größter Aufreger bleibt für lange Zeit ein 20-Meter-Schuss des Cottbusser Zehners  Marcelo Freitas. Keeper Lennart Grill taucht und bekommt die Hand an den Ball, in der Wiederholung ist aber zu sehen, dass der Ball lediglich im Spielertunnel eingeschlagen wäre, der sich links neben dem Tor öffnet.

DIE PROBLEME BEIM NACHRÜCKEN WAREN ABSEHBAR

„Wir haben den letzten Pass zu schlampig gespielt, und sind zu langsam nachgerückt, wenn wir die Bälle gewonnen hatten“, analysiert Hildmann hinterher wieder einmal treffend. Teil I dieser Aussage stellt fürs FCK-Spiel dieser Saison nichts Neues dar. Teil II war mit dieser Startformation, mit Verlaub, ebenfalls ziemlich vorhersehbar. Von dem Triangel Jan Löhmannsröben-Gino Fechner-Mads Albaek in der Spielfeldmitte war kein aggressives Nach-vorne-Schieben zu erwarten.

In Hälfte zwei agiert Albaek zwar vor seinen beiden Kollegen, meist auf der halbrechten Position. Was er da will oder soll, wird allerdings nie so klar. Ein Linksschuss aus halbrechter Position bleibt Albaeks Highlight aus dem Spiel heraus. Und den hätte Energie-Keeper Avdo Spahic nur passieren lassen, wenn ihn im entscheidenden Moment ein Schlaganfall ereilt hätte.

KAUM ZU GLAUBEN: HALBZEIT ZWEI IST NOCH SCHLECHTER

Denn es ist zwar kaum zu glauben, aber wahr. In der zweiten Hälfte agiert Lautern noch grausliger als in der ersten. Was auch daran liegt, dass Florian Pick bei seinen Versuchen, sich auf dem linken Flügel durchzusetzen, fortan nur noch hängen bleibt. Hildmann lässt sich bis zur 71. Minute Zeit, um Antonio Jonjic für Pick zu bringen, der wieder für ein wenig mehr Betrieb sorgt, nach fast vier Wochen Verletzungspause aber auch nicht direkt brillieren kann.

In der 80. Minute dann doch noch der Adrenalin-Schub, mit dem niemand mehr gerechnet hat: Die Cottbusser Lasse Schlüter und Streli Mamba entdecken ein spielerisches Element, das in dieser Partie bislang vollkommen unbekannt schien: den Doppelpass. Diese Demonstration fußballerischer Hochkultur lässt Schlüter frei vor Grill auftauchen, dessen Rettungsversuch kommt zu spät, Schlüter hebt ab – Elfmeter, und das vollkommen zurecht.

GJASULA VOLLSTRECKT – HUTH KOMMT

Ein Oldie namens Jürgen Gjasula, der in jungen Jahren und in einer anderen Zeit, in der sich der FCK noch in einer anderen Fußballwelt bewegte, auch mal das Dress der Roten Teufel trug, vollstreckt. 1:0 für Energie. Die Cottbusser Rechnung, „wir warten ab, bis Lautern sich selbst schlägt“, ist so gut wie aufgefangen.

Aber eben nur so gut wie.

Hildmann bringt Elias Huth für Fechner, und der wuchtet kurz darauf einen wirklich starken Kopfball aufs kurze Eck, bei dem sich Spahic ernsthaft anstrengen muss, um ihn zu parieren. Was spricht eigentlich dagegen, Huth auf der Saisonzielgeraden mal ein paar Einsatzminuten mehr zu gönnen?

Diese erste große Torchance resultiert, man glaubt es kaum, aus einer Ecke von Lautern. Von denen gab es wieder mal runde zehn Stück zu sehen, die Ausführungen  teilten sich Löhmannsröben und Albaek, die dabei zum Teil auf ein recht eigenwilliges Chip-Verfahren setzen. Hätte es was gebracht, wär’s egal gewesen, dass es merkwürdig aussah. Hat es aber nicht.

UND ZUM SCHLUSS NOCH EIN PAAR MERKWÜRDIGKEITEN

In den Schlussminuten dann werden Cottbusser in dem Selbstverständnis bestätigt, das vor allem ihr auf die Tribüne verbannter Trainer Claus-Dieter Wollitz so leidenschaftlich zu nähren versteht wie kein zweiter: Dass sie in der professionellen Fußballwelt ganz auf sich allein gestellt sind, weil sie niemand mag und alle gegen sie sind, vor allem die Schiedsrichter.

Der bislang absolut souveräne Referee Tobias Reichel lässt in der 89. Minute zu, dass Albaek einen Freistoß in der Cottbusser Hälfte schlägt, obwohl eigentlich eine Abseitsposition eines Energie-Spielers abgepfiffen war. Abseits kann es bekanntlich erst ab der Mittellinie geben.

Albaek schlägt seinen zweiten gelungenen ruhenden Ball in diesem Spiel, im Cottbusser Strafraum steigt Timmy Thiele hoch, verlängert auf Löhmannsröben, und der netzt mit einer sauberen Direktabnahme ein. 1:1.

COTTBUS WÄRE VERDIENTER SIEGER GEWESEN? JA, NEE, IS KLAR

Die Nachspielzeit endet dann damit, dass Reichel einen indirekten Freistoß für die Cottbusser pfeift, den diese für einen letzten weiten Schlag in den Lautrer Strafraum nutzen könnten. Ausführen lässt der Schiedsrichter den Ball dann aber doch nicht mehr. Muss er regeltechnisch auch nicht, ist aber halt nicht nett gegenüber dem Gastgeber.

 „Wäre es beim 1:0 geblieben, wären wir als verdienter Sieger vom Platz gegangen“, behauptet hinterher der Cottbusser Co-Trainer Frank Eulberg, der für den gesperrten Wollitz das Sagen auf der Energie-Bank hatte. Ja, nee, is klar – ein hämischer Kommentar dazu würde uns zwar einfallen, aber Lautern hat selbst so grottig gespielt, dass wir ihn uns verkneifen.

Foto: 1. FC Kaiserslautern