Zwischenzeugnis und Ausblick: Auf flinken Flügeln in die Zukunft – das wär’s

Acht Spiele haben wir uns nun Zeit gelassen, um in einem weiteren „Zwischenzeugnis“ einen weiteren Saisonabschnitt des 1. FC Kaiserslautern zu beleuchten. Wo tun sich Schwächen auf, wo bilden sich Stärken heraus, die es für die Zukunft zu kultivieren gilt? Einfach ist es nicht, angesichts der permanenten Schwankungen Fingerzeige zu erkennen. Mit einigen Mühen lässt sich dennoch feststellen: Über die Flügel vermag der FCK durchaus Torgefährlichkeit zu entwickeln – obwohl er gerade da personell nicht optimal aufgestellt ist.

Zunächst mal die nüchternen Zahlen. In den acht Spielen, die wir näher betrachten wollen, holten die Lautrer zwölf Punkte, und da mit einem Torverhältnis von 14:8. Und auch wenn die jüngsten beiden Spiele zum Davonlaufen waren – das ist als Ergebnis  gar nicht mal so haarsträubend. 

Ergibt einen Punkteschnitt von 1,5, was auf 38 Spiele hochgerechnet 57 Punkte wären. Die würden zu einem Platz am oberen Tabellendrittel reichen, aber nicht zu einem Aufstiegsrang – und exakt da ist die Qualität des Kaders bei realistischer Einschätzung auch einzuordnen.

Schauen wir uns als zuerst einmal die Gegentreffer an.

ANGRIFFSPRESSING – BITTE MEHR DAVON 

In Köln wird beim ersten Treffer das Lautrer Angriffspressing überspielt, das sich zumindest phasenweise als Lautrer Stilmittel etablieren soll, wie Trainer Sascha Hildmann versprach. Dergleichen ist zu Jahresbeginn in Münster schon einmal geschehen. 

Da lässt sich sicher noch was in punkto Tiefenstaffelung verbessern, ein Besorgnis erregendes Fehlerbild lässt sich daraus aber nicht ableiten. Zumal beim Gegentreffer in Köln Hainault durchaus nochmal die Gelegenheit hatte, den Torschützen zu stellen, er ließ sich jedoch viel zu leicht ausspielen. Insofern war’s mehr ein individueller Fehler als schlechte Staffelung.

Andererseits: Welche zählbaren Erfolge haben sich bislang aus einem Angriffspressing ergeben? Gegen Jena hat Pick sich mal im Angriffsdrittel einen Ball erobert und nach Doppelpass mit Bergmann eingelocht. Allerdings stand es da schon 3:1 für den FCK… Nichts desto trotz sollte Angriffspressing unbedingt weiter kultiviert werden, um vor allem auf dem Betzenberg wieder Leben in die Bude zu bringen.

FEHLENDE BALLSICHERHEIT FÜHRT ZU BALLVERLUST – UND ERLAUBT KONTER 

Aus den vielzitierten „Umschaltsituationen“, also durch schnelle Konter des Gegners nach eigenen Ballverlusten, fielen Gegentreffer gegen beim 1:3 gegen Osnabrück, beim 4:1 gehen Jena und beim 0:1 in Aalen. Da ist sicher noch einiges zu verbessern in punkto Kontersicherung. Vor allem aber fehlt es an eigener Ballsicherheit. Einige Böcke blieben nämlich ungestraft. In Köln etwa verloren sowohl Sickinger als auch Löhmannsröben den Ball früh in der Vorwärtsbewegung und verursachten so ums Haar Gegentreffer.

Gegen Osnabrück fielen zwei Treffer nach Standardsituationen, der erste direkt, der zweite über den berühmten „zweiten Ball“. Immerhin lassen sich im betrachteten Saisonabschnitt auch zwei Erfolge nach ruhenden Bällen verzeichnen: Der Ausgleichstreffer in Uerdingen fiel nach kurzer, abgewehrter Ecke durch Pick, das 1:1 in Cottbus nach Freistoßflanke Albaeks.

Beim 2:2-Ausgleichstreffer in Köln, beim Führungstreffer des KFC beim 4:1 in Uerdingen und vor der Elfmetersituation beim 1:1 in Cottbus hatte die FCK-Elf den gegnerischen Angriff im Grunde geordnet stehend erwartet. Da sollte einer Mannschaft, die sich perspektivisch nach oben orientieren will, eigentlich wenig bis nichts gar nichts passieren.

WENIGER SPÄTE GEGENTREFFER, ABER SCHLÄFRIGE SCHLUSSPHASEN

Wenigstens ist die Serie der dramatischen Gegentreffer in der Nachspielzeit endlich gerissen, in Cottbus und in Lotte gelangen dem FCK sogar eigene späte Treffer. Allerdings darf nicht vergessen werden: Vor allem in Köln und gegen Aalen baute die Mannschaft ab der 70. Minute brutal ab und brachte sich so um Punkte. 

In Köln ließ sie sich nach 2:1-Führung unnötig weit nach hinten drängen. Der Trainer versicherte hinterher, er habe dies permanent zu korrigieren versucht, die Mannschaft hätte sein Rufen jedoch nicht erhört. Das muss man jetzt nicht gleich als mangelnde Autorität des Trainers auslegen – es kommt nun einmal vor, dass Mannschaften, denen es an Selbstvertrauen fehlt, auch mit einer Führung im Rücken zu flattern beginnen.

Zur Heimpleite gegen Aalen müssen wir dem Coach allerdings vorhalten: Da fehlte ab der 70. Minute ein positiver Impuls von der Bank, die vorgenommenen Wechsel erwiesen sich eher als kontraproduktiv.

AM STÄRKSTEN SCHWÄCHELT DER FCK AUF DEN FLÜGELN – ODER?

Festzustellen bleibt aber auch: In den ersten acht Spielen unter Hildmann spielte der FCK fünf Mal zu null, in diesen zweiten acht Partien stand die Null dagegen nur noch zwei Mal. Die Hintermannschaft ist also anfälliger geworden, wobei keine klaren Fehlerschwerpunkte zu erkennen sind. Kontertore kassiert sie ebenso wie durch Stellungsfehler oder schlechtem Zweikampfverhalten in Situationen, in denen sie eigentlich geordnet steht. Andererseits: Acht Gegentore in acht Spielen sind jetzt auch kein Drama.

Und wie schießt der FCK Tore, so er dann mal welche erzielt? Hier lässt sich in diesem Saisonabschnitt ein interessantes Phänomen feststellen. Die Stärke des FCK ist sein Flügelspiel, obwohl er da augenscheinlich am stärksten schwächelt: Für die Außenbahnspieler Schad und Sternberg hält der Kader keine personellen Alternativen bereit, bei Pick weiß man wie, was kommt, Jonjic war die vergangenen Wochen verletzt und ist erst gegen Cottbus wieder zurückgekehrt.

Schad hat sich nunmehr auch verletzt und fällt für den Rest der Saison aus. Da wird  vornehmlich jetzt wohl Christoph Hemlein zeigen müssen, inwieweit er eventuell auch nächste Saison als Backup zu gebrauchen ist.

WENN THIELE MIT ANLAUF KOMMT, WIRD’S GEFÄHRLICH

Dennoch: In Köln erzielt Kühlwetter das 1:1 nach Sternberg-Flanke von links, das 2:1 fällt nach einem Elfmeterpfiff, vor dem sich Kühlwetter von links in den Strafraum getankt hat. Gegen Jena leitet Löhmannsröben den 1:1-Ausgleich mit einer Rechtsflanke ein, der Elfer zum 2:1 fällt, nachdem Jonjic von rechts in den Strafraum dribbelt. In Lotte fällt das 1:0 nach Linksflanke Picks auf Thiele, das 2:0 Pick nach langem Flankenlauf Thieles über rechts, in Üerdingen bereitet Thiele Kühlwetters 1:1-Ausgleich über den rechten Flügel vor, ebenso Schad Thieles 4:1. 

Bei näherer Betrachtung sind es aber nicht unbedingt die vom Trainer propagierten „Umschaltsituationen“, die dabei genutzt werden. Zugegeben, auch wir haben nach dem 4:1 in Uerdingen von „Kontertoren“ gesprochen, dafür bitten wir im Nachhinein um Entschuldigung. Denn gerade gegen den KFC wurden die Flügelangriffe meist eben nicht direkt nach einer Balleroberung eingeleitet, sondern aus Situationen, in denen er FCK bereits länger in Ballbesitz war. Löhmannsröben oder Albaek leiteten sie per tiefem langen Ball oder Flankenwechsel ein.

ES KLAPPT MEIST NUR, WENN DER GEGNER HÖHER STEHT

Um damit erfolgreich zu sein, darf der Gegner aber nicht allzu tief stehen, vor allem Thiele benötigt immer auch Raum, um in Schwung zu kommen. Lediglich die 1:1-Ausgleichstreffer in Köln und gegen Jena sowie der Führungstreffer in Lotte fielen, als der Kontrahent massiert am und im Strafraum stand. 

Den Gefallen, höher zu stehen, werden dem FCK in der Dritten Liga allerdings nur die wenigsten Gegner tun. Und genau da gilt es in der näheren Zukunft, noch stärker anzusetzen.

Welche Probleme das Hildmann-Team mit massiv verteidigenden Gegnern hat, war beim 0:0 gegen Braunschweig zu sehen, aber auch beim Verbandspokal-Halbfinale gegen Dudenhofen, diesem dünnen 2:1 gegen ein, man muss es nun einmal betonen, sechstklassiges Team.

Andererseits haben wir es an dieser Stelle schon öfter geschrieben: Nahezu alle Mannschaften der Dritten Liga haben Probleme, einen mauernden Gegner mit spielerischen Mitteln zu knacken. Die sogenannten Top-Teams helfen sich da mit Standardsituationen. Der Karlsruher SC etwa hat nunmehr 19 Treffer nach ruhenden Bällen erzielt, der FCK drei, da erübrigt sich jeder Kommentar. Abgesehen davon, dass es uns längst zum Hals raushängt, uns über die Lautrer Standardschwäche auszulassen.

MIT DRIBBLINGS UND SCHNELLEM PASSSPIEL GEGEN TIEF STEHENDE GEGNER

Gleichwohl sollte weiter daran gearbeitet werden, tief stehende Gegner aus dem Spiel heraus zu schlagen. Das geht zum einen mit schnellem Kurzpassspiel – dafür wollen mit einem Drittliga-Budget aber erst mal die richtigen Spieler verpflichtet sein. Oder mit flotten Dribblings über die Flügel – auch dafür muss das Personal vorhanden sein.

Insofern war es ein guter Zug, in diesen Tagen mit Florian Pick zu verlängern. Der nunmehr 23-Jährige hat zudem in den vergangenen sieben Partien drei Treffer markiert, nachdem er in seinen fünf Profi-Jahren zuvor noch nicht ein einziges Mal genetzt hatte. Grundsätzlich optimistisch, wie wir nun einmal sind, wollen wir das mal als Zeichen dafür werten, dass Picks Leistungsniveau sich langsam stabilisiert.

Allerdings: Er wird bei seinen Dribblings auch künftig immer mal den Ball verlieren, das bringt sein Spiel nun mal mit sich, wie auch das der meisten anderen offensiven Flügelspieler, die für Liga drei erschwinglich sind. Also auch Jonjics und der anderen, die der FCK in den nächsten Wochen hoffentlich noch verpflichten wird.

DIE FRAGE NACH DER KÜNFTIGEN GRUNDORDNUNG

Was wiederum die Frage aufwirft, in welcher Grundordnung man sich präsentieren sollte, wenn man auf offensive Flügelspieler setzt. Pick auf der linken Außenbahn, allein und ohne Absicherung in einem 3-4-3 oder einem 3-5-2, wie zuletzt praktiziert, scheint da keine gute Lösung. Da läge die Rückkehr zu einer Viererkette näher, so dass der Flügeldribbler einen linken Verteidiger hinter sich weiß.

Vor allem das Spiel gegen Tabellenführer VfL Osnabrück hat aber auch gezeigt: Wer ein Spiel wirklich kontrollieren will, sollte mit zwei statt drei zentralen Mittelfeldspielern agieren. Hildmann hat danach auch gehandelt und setzt seither auf ein 3-4-1-2.

Das klappte in Uerdingen, mit Bergmann als Zehner, hervorragend, lief gegen Aalen aus dem Ruder, als Bergmann früh verletzt raus musste, und sorgte in Cottbus, bleiben wir wohlwollend, zumindest gegen den Ball für eine stabile Struktur (sonst aber auch für nichts).

FÜR DIE RÜCKKEHR ZUR VIERERKETTE FEHLEN DIE AUSSENVERTEIDIGER

Drei zentrale Mittelfeldspieler, aber auch zwei offensive Flügelspieler, die ordentlich abgesichert werden? Damit wären wir wieder bei einem 4-2-3-1, einem 4-3-3 oder einem 4-1-4-1, einer Formation mit Vierkette also. Dazu aber bräuchte der FCK auch geeignete Außenverteidiger. Sternberg und Schad, das hat sich gezeigt, funktionieren besser als Außenbahnspieler mit Dreierkette.

Also gibt es keine gute Lösung ohne größeren Kaderumbau?

Nun ja, es gibt einige wenige Ausnahmen, bei denen die beschriebenen Voraussetzungen auch mit Dreierkette erfüllt wurden. Marcelo Bielsa etwa hat mit der chilenischen Nationalmannschaft um 2010 herum mit einem 3-3-1-3 für Furore gesorgt.

WAS FÜR FREUNDE MIT „SPECIAL INTEREST“: DAS 3-3-3-1

Etwa zur gleichen Zeit hat sich der SV Ried mit einer ähnlichen Grundordnung sehr erfolgreich in der österreichischen Liga behauptet, und das zum Teil gegen wesentlich höher budgetierte Gegner. Ein gewisser „seas“ hat diese in einem Blog bei spox.com sehr schön beschrieben, insbesondere die Passage, wie sich das 3-3-3-1 gegen den Ball in ein 5-4-1 verwandelt, ist sehr interessant.

Das bekäme der FCK auch mit seinem aktuellen Personal glatt hin. Man müsste es  nur mal ausprobieren. Zum Testen eignet sich der Rest dieser Saison eigentlich ideal. Und ist auf jeden Fall spannender, als in den drei noch ausstehenden Heimspielen das eigene Publikum vollends zu vergraulen – so, wie es zuletzt gegen Aalen bereits versucht wurde.