Lautern gegen Rostock: Zwei Frustrierte auf der Suche nach einem versöhnlichen Saisonende

Fünf Spiele hat der 1. FC Kaiserslautern in seiner ersten Saison in der Dritten Liga noch zu spielen, und mancher Dauergast auf dem Betzenberg würde wohl lieber sagen: zu überstehen. Egal, über 19.000 Zuschauer werden dennoch erwartet, dieser Anhang ist einfach nur Wahnsinn. Dabei waren gerade die Leistungen der jüngsten beide Spiele  mehr als dürftig und wurden von vielen darauf zurückgeführt, dass die Mannschaft diese Spielzeit abgehakt hat, da in der Tabelle weder nach oben noch nach unten ernsthaft noch was drin ist. Trainer Sascha Hildmann versichert indes, dass sein Team alle fünf Spiele gewinnen will. Damit begonnen werden soll am Ostersonntag, 13 Uhr, gegen Hansa Rostock. Nach Theo Bergmann hat sich auch Dominik Schad in den Krankenstand verabschiedet, so dass der Trainer nicht nur seine Startelf, sondern wahrscheinlich auch seine Grundformation ändert.

In Cottbus sollte Mads Albaek in Hildmanns neuem 3-4-1-2 den Zehner für Bergmann geben. Dabei sah er nicht wirklich gut aus, was Hildmann freilich diplomatischer formuliert: „Es ist nicht seine beste Position“. Entschieden hat der Trainer zur Stunde noch nicht, wie er diese gegen Rostock besetzt, allerdings  liebäugelt er mit einer Rückkehr zum 3-4-3.

Was die Frage aufwirft, wer den zentralen Stürmer Christian Kühlwetter auf den Halbpositionen flankieren soll. Florian Pick war zuletzt auf der linken Außenbahn eingesetzt – für den verletzten Janek Sternberg, der am Sonntag wieder zur Verfügung steht, in der Rückrunde aber noch nicht überzeugt hat.

Toni Jonjic und Christoph Hemlein wiederum, die eigentlich rechts offensiv zuhause sind, sind laut Hildmann aber auch beide Kandidaten, um den defensiveren Part des verletzten Schad zu übernehmen. Vielleicht dürfen sie ja beide ran, und ein Wechselspiel praktizieren, das den Gegner mehr verwirrt als die Mitspieler.

„EINSPIELEN, EINSTUDIEREN, FESTIGEN, AUTOMATISIEREN“

Natürlich gäbe es noch etliche Optionen mehr. Elias Huth beispielsweise mal von Anfang an im Zentrum bringen und Kühlwetter auf die Halbposition zurückziehen. Oder mal austesten, wie zukunftsfähig Julius Biada auf dem Betzenberg eigentlich noch ist. Wär gerade mit Hinblick auf die kommende Spielzeit interessant, für die ja bereits erste Überlegungen anzustellen sind.

„Experimentieren“ will Hildmann aber nicht nennen, was in der im Grunde nicht mehr sehr spannenden Restspielzeit noch ansteht. Sondern „einspielen, einstudieren, festigen, automatisieren“. Auf jeden Fall zurückkehren wird, da legte sich der Coach bereits fest, der zuletzt gelbgesperrte André Hainault.

ROSTOCK STEHT DREI PLÄTZE, ABER NUR EINEN PUNKT BESSER

Mit Hansa Rostock erwarten die Lautrer einen Gegner, der ähnlich, wie sie, vor der Saison eigentlich die Aufstiegsplätze ins Visier genommen hatte. Jetzt rangiert er auf Rang 5, drei Plätze, aber nur einen Punkt vor Lautern – und ebenfalls im Grunde chancenlos im Aufstiegsrennen. 

In der Winterpause musste Trainer Pavel Dotchev seinen Stuhl für Jens Härtel räumen, den 49-Jährigen, der zuvor in vier Jahren beim FC Magdeburg Großartiges geleistet und den Klub vergangene Saison in die Zweite Liga geführt hatte. Umso überraschender war es, dass die Magdeburger ihn im November 2018 freistellten. Härtel war zwar mit nur neun Punkten in 13 Spielen schlecht in die Runde gestartet, aber ein bisschen mehr Vertrauen in ihn wäre der Vereinsführung zuzutrauen gewesen.

DER STILLE HERR HÄRTEL: EINER, DER ES BODENSTÄNDIG MAG

Härtel ist bei Insidern hochangesehen, gilt aber als stiller Typ, der sich nie in Vordergrund drängt. Möglicher Weise wäre er nie im Rampenlicht des Profifußballs gelandet, wäre da nicht der 18. August 2012 gewesen. An diesem Tag schlug der Regionalligist Berliner AK 07 den Erstligisten TSG Hoffenheim im DFB-Pokal sensationell mit 4:0. 

Späher berichteten dem RB Leipzig-Manager Ralf Rangnick daraufhin von dem überragenden Matchplan, den der Mann auf Berliner Trainerbank ausgetüftelt hatte, worauf dieser diesen als Junioren-Coach verpflichtete. Nach nur einer Spielzeit verließ Jens Härtel den Brauseklub jedoch wieder.

Er fühle sich wohler bei einem Klub, in dem es „bodenständige Arbeitertypen gibt und wenig Schickeria“, erklärte er der „Süddeutschen Zeitung“. Ein Satz, bei dem auch Fans des 1. FC Kaiserslautern das Herz aufgehen dürfte. Härtels komplette Geschichte ist übrigens in der aktuellen Ausgabe von „11Freunde“ nachzulesen.

HANSA ZULETZT SIEBEN SPIELE UNGESCHLAGEN – DANN KAM DIE HEIMPLEITE

Wie alle guten Trainer braucht auch Härtel eine gewisse Zeit, bis er seine Ideen in eine Mannschaft eingepflanzt hat. Auch in Rostock verlor er seine ersten beiden Spiele, danach stabilisierte sich das Team nach und nach, war zuletzt sieben Partien  ungeschlagen, ehe es vergangene Woche mit einer 1:2-Niederlage gegen Carl Zeiss Jena einen herben Rückschlag erlitt. 

„Die spielen von der Struktur her ähnlich wie wir, sind offensiv ausgerichtet, und haben zuletzt auch im 3-4-3 gespielt“, weiß Sascha Hildmann.

FÜR NOTORISCHE SELBSTQUÄLER: DIE XG-GRAFIKEN VON COTTBUS

Wie immer an dieser Stelle: Der Blick auf die xG-Grafiken vom vergangenen Spiel in Cottbus. Lässt man den Ausschlag, den Gjasulas Elfmeter verursacht, außer acht, bewegen sich beide Team deutlich unter einem Wert von 0.5. Eigentlich lagen beide Mannschaften bis zu ihren späten Treffern sogar nahe an der Nulllinie. Die Zuschauer dieses Spiels kann man im nachhinein nur noch ein weiteres Mal bedauern.

2019-04-13 1204839 xG plot Energie Cottbus 1 - 1 Kaiserslautern

Bei der Betrachtung der Positions- und Passgrafik empfiehlt es sich dagegen, Mitgefühl für Timmy Thiele aufzubringen. Nicht eine einzige Passlinie führt zu dem Jungen, einsamer kann ein Stürmer sich nicht fühlen. Der Rest ließ, so scheint es jedenfalls, den Ball schon irgendwie zirkulieren, in welchem Tempo oder ob sogar „effizient“, lässt sich in dieser Art Visualisierung freilich nicht ausdrücken. Immerhin macht sie deutlich, dass das, was Albaek spielte, tatsächlich ein Zehner gewesen soll. Da wäre man beim subjektiven Betrachten nicht unbedingt drauf gekommen. 

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Die „Zone 14“-Grafik: ein Bild des Jammers. Das Netteste, was uns sonst noch dazu einfällt, ist: schweigen.

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