„Wenn man in Kaiserslautern Fußball spielt, ist das Motivation genug“ – Tatsächlich? Dann beweist es doch mal

Um Mannschaft und Trainer blieb es in den vergangenen Tagen still am Betzenberg – kein Wunder nach der jüngsten 0:2-Heimpleite gegen Hansa Rostock. Dafür gab es einige Verlautbarungen zur Zukunftsplanung, sowohl in Sachen Lizenz also auch zu sportlichen Ambitionen. Wobei die Verantwortlichen 1. FC Kaiserslautern zum wiederholten Mal ein nicht unbedingt einheitliches Bild abgeben. Am Montag, 19 Uhr, soll nun wieder Fußball gespielt werden: In Wiesbaden, gegen den SV Wehen, der noch immer mitten im Aufstiegsrennen steht. Also ist es eigentlich keine Frage, wer motivierter zu Werke gehen dürfte. Doch exakt solche Konstellationen haben sich schon oft als trügerisch erwiesen.

Der Reihe nach. Unter der Woche hat der FCK die  Crowdlening-Aktion bei Kapilendo bis 30. April verlängert. Eine Million Euro will der kaufmännische Geschäftsführer Michael Klatt bis Monatsende auf diesem Weg generieren, eine weitere Million soll durch Zeichnung oder Eintausch der „Betze-Anleihe II“ realisiert werden. Das wären noch nicht die entscheidenden, aber wichtige Schritte, um bis Ende Mai die „Auflagen und Bedingungen“ zu erfüllen, die der DFB zur Vergabe der Drittliga-Lizenz für die kommende Spielzeit einfordert.

KLATT IST NICHT „ALLZU OPTIMISTISCH“, LITTIG SEHR WOHL

Klatt erklärte gegenüber der „Rheinpfalz“ zudem, dass der in Aussicht gestellte Ankerinvestor Flavio Becca zur aktuellen Lizenzsicherung noch nichts beitragen werde.   Insgesamt gibt sich der Finanzprofi gegenüber der Tageszeitung nicht „allzu optimistisch“, was das Gelingen des laufenden Vorhabens angeht.

Da lesen sich die Ausführungen des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des „e.V.“; Michael Littig, im ausführlichen Interview mit dem Online-Magazin „Der Betze brennt“  zuversichtlicher: „Zu 99,9 Prozent werden wir am 28. Mai formal so aufgestellt sein, dass wir die Lizenz bekommen.“

Noch lieber werden die leidgeplagten FCK-Fans die Zeilen gelesen haben, in denen sich Littig zur kommenden Saison äußert: „Das Ziel muss ganz klar der Aufstieg sein. Alles andere wäre völlig unseriös.“

LITTIG WILL AUFSTIEG, BADER RUDERT ZURÜCK

Dumm nur: Auch Sport-Geschäftsführer Martin Bader hat diese Woche mit der „Rheinpfalz“ gesprochen. Und ist da vorsorglich schon mal zurückgerudert, was Aufstiegsambitionen angeht: „(…) Wenn das Geld nicht da ist, dann starten wir mit einer ganz jungen Mannschaft eben in der Dritten Liga und entwickeln etwas Eigenes. Das dauert dann aber … Das muss man dann aber auch ehrlich sagen. Dann kann man nicht direkt um den Aufstieg mitspielen, aber der Verein bleibt erhalten.“

Bislang ist in den Planungen für den Lizenzspieler-Bereich erneut ein Budget von rund fünf Millionen Euro vorgesehen. Damit lassen sich durchaus höhere Ansprüche stellen als die, die der FCK auch in dieser Saison schon nicht erfüllt hat. 

Von der abermals uneinheitlichen Außendarstellung der FCK-Führung mal abgesehen: Derart abwiegelnde Zukunftsprognosen helfen derzeit niemand, am allerwenigstens den Fans, die sich in diesen Wochen entscheiden müssen, ob sie für die nächste Saison wieder Dauerkarten ordern sollen.

„KICKER“: BADERS VERTRAG LÄUFT BIS 31.12.

Im „kicker“ stand in dieser Woche obendrein zu lesen, was unter der Hand schon länger gemunkelt wird. Baders Vertrag endet nicht im Sommer, sondern mit Kalenderjahr 2019. Der Sport-Geschäftsführer, dessen Bilanz nach anderthalb Jahren die Verpflichtung des kläglich gescheiterten Trainers Michael Frontzeck und eine Transferpolitik mit mehr Flops als Tops vorweist, könnte also auch diesen Sommer noch ein weiteres Mal suboptimal agieren und dürfte sich dann im Winter geräuschlos verabschieden, falls die sportlichen Ergebnisse abermals nicht stimmen… 

Es wird allerdings ebenso gemunkelt, dass eine Trennung von Bader auch im Sommer möglich wäre, ohne dass dem FCK große finanziellen Nachteile entstünden.  Wie sagt doch Michael Littig im zweiten Teil des „Der Betze brennt“-Interviews? „Wir brauchen im Sommer die richtigen Entscheidungen, auch ein bisschen Glück auf den relevanten Positionen muss dabei sein.“ Dem ist nichts hinzufügen.

VOLLES HAUS IN WIESBADEN – UND WIEDER SIND LAUTRER IN DER ÜBERZAHL

Ach ja, Fußball gespielt wird auch in der aktuellen Saison noch. Noch vier Mal. Am Montagabend geht’s nach Wiesbaden. Die Hessen kicken normaler Weise vor rund 3.000 Zuschauern. Obwohl sie um den Aufstieg spielen. Offiziell sollen rund 2.500 Lautrer Fans mit über den Rhein kommen. 

Warum aber ist die Brita-Arena, die 12.500 Zuschauer fasst, dann ausverkauft, an einem ungeliebten Montags-Spieltag? „Die Lautrer haben auch unsere Karten alle weggekauft“, ist aus dem Wiesbadener Fanshop zu hören. Obwohl deren Saison komplett verzockt ist. Womit eigentlich hat sich diese FCK-Führung solche Fans verdient?

DIE IMMER WIEDERKEHRENDE FRAGE NACH DER MOTIVATION

Aktuell kann eigentlich nur noch die Mannschaft Vorfreude auf die nächste Saison schüren. Sie ist jung, ohne Frage talentiert, war zuletzt aber ziemlich erfolglos. Nur ein Sieg in den letzten fünf Spielen, dafür drei Niederlagen, allerdings allesamt zuhause. In der Fremde verloren die Pfälzer zum letzten Mal am 1. Februar, 0:2 in Münster.

Jetzt geht’s gegen einen Gegner, für den es in dieser Saison noch um alles geht. Kann da angesichts dieser Motivations-Ausgangslagen überhaupt was gehen? Klar – gerade solche vermeintlich eindeutigen Konstellationen haben sich für den Favoriten schon oft genug als verhängnisvoll erwiesen.

„Wenn man in Kaiserslautern Fußball spielt, ist das Motivation genug“, behauptet FCK-Trainer Sascha Hildmann nach wie vor, auch wenn die jüngsten Darbietungen seines Teams nicht unbedingt danach aussahen. Doch der Trainer glaubt an seine Jungs, daran, „dass sie sich ein Stück weit selbst beweisen wollen, dass sie besser sind, als sie zuletzt gezeigt haben.“

WECHSEL IN DER STARTELF SIND MÖGLICH

Mit welchem Personal und in welcher Grundordnung er beginnen will, lässt er wie immer noch offen. Verschiedene Wechsel seien nicht angeschlossen. Im Verlauf der enttäuschenden 0:2-Heimpleite gegen Rostock hat er sogar die von ihm geschätzte Mittelfeldzentrale Mads Albaek/Jan Löhmannsröben vom Platz genommen, ob dies „ein „Fingerzeig“ war, mag Hildmann weder bestätigen noch dementieren.

Timmy Thiele und Elias Huth hatten unter Woche zwischenzeitlich mal passen müssen, wären beide aber wieder „fit für 90 Minuten“. Überraschend schnell ist der zuletzt verletzte Dominik Schad wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, bei ihm sei aber noch Vorsicht geboten.

Bei Wiesbaden fürchtet Hildmann insbesondere „die enorme Geschwindigkeit auf den Außenbahnen“. Da passt es gut, dass der linke Außenbahnspieler Janek Sternberg diese Woche im Training wieder stärker auftrumpfte, denn die Besetzung mit dem offensiven Florian Pick auf der Position erscheint als ziemlich riskant.

Ob hinten eine Dreier- oder Vierkette steht, ließ Hildmann ebenfalls offen. Da sein  Kollege Rüdiger Rehm fast immer ein 4-4-2 formiert, bietet sich eine Dreierkette eigentlich an. Andererseits: Eine Viererkette würde es erlauben, mit Carlo Sickinger den seit Wochen besten Lautrer ins Mittelfeld zu ziehen und dieses entsprechend zu beleben. Denn: „Wir wollen auch nach vorne spielen“, versichert Hildmann.

WIESBADEN WINKT SPRUNG AUF PLATZ DREI: DAS MOTIVIERT

Der Tabellenvierte SV Wehen hat sich zuletzt in Jena eine 1:3-Niederlage geleistet, hatte zuvor jedoch fünf von sechs Spielen gewonnen. Am Freitag hat der Tabellendritte Halle in Großaspach zwei Punkte liegen lassen, so dass die Wiesbadener mit einem Sieg über den FCK wieder auf den Relegationsrang rücken können. Das dürfte zusätzlich motivieren.

Mit bislang 64 erzielten Treffern stellt die Mannschaft von Trainer Rüdiger Rehm die stärkste Offensive der Liga. Top-Kanoniere mit 15 und 14 Einschlägen sind Manuel Schäffler, 30, und Daniel-Kofi Kyereh, 23. Es scheint also alles für Wiesbaden zu sprechen. 

Allerdings: Auch vergangene Saison lagen die Hessen lange Zeit sehr gut im Aufstiegsrennen, vergeigten dann aber fünf der letzten sieben Partien. Dies soll so manchem noch im Kopf herumspuken.

GANZ KURZ NOCH: DIE XG-GRAFIKEN IM SCHNELLDURCHLAUF

Wir können einfach nicht anders. Auch wenn er von Woche zu Woche unerfreulicher wird, schließen wir abermals mit dem Blick auf die xG-Grafiken. Große Kommentare ersparen wir uns aber.

Die Timeline zeigt: Rostock hat vollkommen verdient gewonnen. Irgendjemand überrascht?

2019-04-21 1204852 xG plot Kaiserslautern 0 - 2 Hansa Rostock.png

Positions- und Passgrafik: Sieht zum wiederholten Mal eigentlich ganz manierlich aus. Die Lahmarschigkeit des Lautrer Spiels bildet diese Visualisierung halt nicht ab.

2019-04-21 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Hansa Rostock.jpg

Und, als das wirklich Allerletzte, die „Zone 14“-Grafik. Ist ja gut, wir hören ja schön auf.

2019-04-21 Kaiserslautern Zone 14 plot Kaiserslautern 0 - 2 Hansa Rostock.jpg