Wenn Fußball zum Sinnbild wird: FCK-Elf spiegelt auf dem Rasen den Zustand der Führungsetage wider

War das noch Fußball – oder schon Flippern? So wirr, wie die Elf des 1. FC Kaiserslautern in Wiesbaden die Kugel bisweilen über die Spielfläche springen ließ, muss da einfach mal nachgefragt werden. Das Spiel endete folgerichtig 2:0 für den Gastgeber und Aufstiegskandidat – aber, hey, redet in der Pfalz eigentlich noch irgendjemand über Fußball? Strenggenommen spiegelte die Mannschaft auf dem Platz doch nur das Bild wider, das die Führungsmannschaft des einst ruhmreichen Klubs derzeit abgibt. Und wenigstens das gelang ihr eindrucksvoll.

Fangen wir halt mal wieder vollkommen unsportlich an. Am Sonntagabend hatten „kicker“ und „Rheinpfalz“ es nahezu zeitgleich angekündigt, und angesichts des Gleichtaktes dieser Veröffentlichungen durfte auch sofort davon ausgegangen werden, dass es sich hier um keine Latrinenparole handelte, sondern um eine gezielt platzierte Indiskretion aus interessierten Kreisen, wie sie beim 1. FC Kaiserslautern mittlerweile üblich ist. Die Tage von Sport-Geschäftsführer Martin Bader beim FCK sind gezählt, hieß es. Beziehungsweise, sollen gezählt sein.

BADER SOLL WEG – BESCHLOSSEN WERDEN SOLL ES ABER ERST MITTE MAI

Denn der Beirat der nunmehr ausgegliederten Profiabteilung, der FCK-GmbH, hat dies noch nicht formell beschlossen. Es soll aber in dem fünfköpfigen Gremium eine dreiköpfige Mehrheit geben, die für seine Ablösung ist, und zwar noch vor Beginn dieses Transfersommers, also einem halben Jahr vor dem offiziellen Vertragsende Baders. Offiziell entschieden könnte dies aber erst in der nächsten turnusgemäßen Beiratssitzung am 16. Mai.

Und nun? Bader, der ja bekanntlich eine eigene Wahrnehmung von Realitäten hat,  gab sich am Montagnachmittag gegenüber „kicker“ und SWR verhältnismäßig entspannt. Solange es keinen offiziellen Mehrheitsbeschluss des Beirats gebe, mache er einfach weiter. Immerhin stehen am heutigen Dienstag Gespräche mit dem Luxemburger Unternehmen Flavio Becca an, der als der dringend gesuchte „Ankerinvestor“ des Klubs im Gespräch ist, aber auch 20 Millionen ins Stadion investieren will.

FÜR BADERS ABLÖSUNG SPRICHT EINIGES – ABER NICHT SO

Ohne Frage: Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, die aktuelle Führungskrise des Klubs erneut öffentlich zur Schau zu stellen. Allerdings: Es sprechen auch gute Gründe dafür, Bader vor der kommenden Transferperiode aus der Verantwortung zu nehmen, denn in in den 14 Monaten seiner bisherigen Tätigkeit für den FCK ist ihm wenig geglückt. 

Und bei der Kaderzusammenstellung für die nächste Spielzeit darf sich der Klub keine Fehler mehr erlauben – okay, das sagen wir eigentlich seit Jahren vor jeder Saison, und der FCK existiert immer noch, wenn auch schlecht. Doch irgendwann könnte es tatsächlich vorbei sein. So, wie sich die anscheinend angedachte Ablösung Baders nun aber vollzieht, ist’s einmal mehr nur zum Haare raufen.

REALSATIRE PUR: IDENTISCH BESETZTE GREMIEN BREMSEN SICH AUS

Das Heft des Handelns hält jetzt Patrick Banf in der Hand. Der könnte als Vorsitzender des Beirats der FCK-Gmbh nun kurzfristig eine Sitzung anberaumen, damit dieser für alle Beteiligten unwürdige Zustand nicht noch zwei Wochen andauert.

Das Problem: Banf gehörte – bislang jedenfalls – gemeinsam mit Beiratskollege Jochen Grotepaß der Minderheit an, die an Bader festhalten, seinen Vertrag sogar verlängern wollte. Gegen die beiden stehen, auch das ist längst kein Geheimnis mehr, Jürgen Kind, Paul Wüst und Michael Littig, nunmehr Vorsitzender des Aufsichtsrats des Restvereins, des „FCK e.V.“ 

Die beiden Gremien sind personell identisch, haben aber verschiedene Vorsitzende sowie unterschiedliche Befugnisse und Möglichkeiten, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Klingt kompliziert, um nicht zu sagen bescheuert? Wer da einigermaßen durchsteigen will, dem sei dieser Artikel im „kicker“ empfohlen, die Kollegen haben es  gut erklärt, sofern sich diese Realsatire überhaupt gut erklären lässt.

ZUM SPIEL: HILDMANN ROTIERT – GEDANKT WIRD’S IHM NICHT

Versuchen wir statt dessen, den Auftritt des FCK in Wiesbaden zu erklären. Das ist schwer genug und macht auch nicht wirklich Freude. Wir versuchen, es einigermaßen kurz zu machen, um unsere leidgeprüfte Leserschaft nicht über Gebühr zu quälen.

FCK-Trainer Sascha Hildmann hat sich offenbar entschlossen, vier Spieltage vor Saisonende Ende doch noch ein wenig personell zu rotieren, um eventuell Aufschlüsse für die Zukunft zu gewinnen. Julius Biada taucht erstmals seit dem 23. Spieltag wieder in der Startelf auf, als Zehner, denn Hildmann will wieder mal ein 3-4-1-2 spielen lassen. Dazu darf Lukas Gottwalt in der Dreierkette ran. Carlo Sickinger rückt für Jan Löhmannsröben in Mittelfeld, und auf der linken Außenbahn läuft Janek Sternberg auf.

Auch Hildmanns Kollege und Freund Rüdiger Rehm ändert seine Grundordnung, was er, Überraschung, in dieser Saison selten bis nie getan hat. Sein zweiter Stürmer Daniel-Kofi Kyereh fehlt gelbgesperrt, Rehm ersetzt ihn jedoch nicht 1:1 mit Offensivmann Florian Hansch, sondern bringt mit Patrick Schönfeld einen zusätzlichen Mittelfeldspieler.

REHM STÄRKT SEINE FLÜGEL – HAT ER DAS ROSTOCK-SPIEL GESEHEN?

Wer jetzt denkt, mit dem Verzicht auf einen zweiten nominellen Stürmer solle eine defensivere Ausrichtung einher gehen, die vielleicht sogar dem Respekt vor dem Gegner aus Kaiserslautern geschuldet ist, liegt gewaltig daneben. Rehm hat vermutlich lediglich Lauterns jüngste 0:2-Heimpleite gegen Rostock studiert – und gesehen, wie hilflos Lauterns Defensivordnung mit Dreier-/Fünferkette gegen starke Flügelzangen agiert.

Durch den Verzicht des zweiten Stürmers rücken nämlich Wiesbadens starke Außen Maximilian Dittgen und Nicklas Shipnoski weiter nach vorne – ja, diese Namen standen auch schon mal auf der Payroll des FCK, aber davon wollen wir jetzt nicht auch noch anfangen. Und die beiden wiederum werden wirkungsvoll abgesichert von den Außenverteidigern Alf Mintzel und Moritz Kuhn.

So sind die FCK-Außenbahnspieler Christoph Hemlein und Janek Sternberg im Prinzip von Beginn an überfordert. Wechselt Wiesbaden den Flügel, muss erst einer der zentralen drei zentralen Mittelfeldspieler auf die ballführende Seite joggen. Die Drei hinten Mitte versuchen derweil irgendwie, sich um Stürmer Manuel Schäffler herum zu sortieren, der ist ja auch gefährlich, hat immerhin schon 15 Treffer erzielt.

EXKLUSIV: DIE SPIEL-IDEE DES FCK – ODER WIE IMMER MAN ES NENNEN WILL

FCK offensiv? Über die Flügel kann angesichts dieser Konstellation eigentlich nichts gehen, und da auch Rehm einen dritten zentralen Mittelfeldspieler eingebaut hat, ist die Mitte ebenfalls dicht. Zumal das Wiesbadener Trio giftiger, lauffreudiger und konzentrierter zu Sache geht als das Lautrer.

Die ungefähre Spiel-„Idee“ des FCK könnte sein: Irgendwann mal einen vertikalen Pass in die Spitze versuchen, wo Christian Kühlwetter und Timmy Thiele dann versuchen sollen, sich direkt durchzusetzen oder auf einen Nachrücker prallen zu lassen, vielleicht sogar einen schnellen Doppelpass zu realisieren. Diese Darstellung ist  allerdings hypothetisch, da sie niemals anschaulich belegt wird.

DIE GEGENTREFFER: KEINE TAKTISCHE ÜBERFORDERUNG, SONDERN BÖCKE

Die Tore, mit denen Wiesbaden die Partie schon Mitte der ersten Hälfte entscheidet, resultieren dann allerdings nicht unmittelbar aus der zuordnungsbedingten Überforderung der beiden Außenbahnspieler, sondern aus banalen individuellen Fehlern derselben. Vor dem 1:0 köpft Sternberg bei der Abwehr einer weiten Flanke den Ball fataler Weise Richtung Mitte, wo Schäffler auf Schönfeld ablegt und dieser vollstreckt.

 Und vor dem 2:0 widmet  Hemlein einen eigentlich als Rückpass gedachten Ball zum Steilpass auf einen Gegenspieler um. Dergleichen hat er in Karlsruhe auch schon mal getan, nur hat Anton Fink da versiebt, aber so geht’s nunmal nicht immer aus. Dittgen flankt auf Shipnoski und der schiebt ein. Jubelt aber nicht, schließlich hat er 13 Jahre lang des FCK-Dress getragen. Guter Junge.

Überhaupt: Es ist noch nicht einmal Häme, die sich auf den drei Tribünen der Brita-Arena breitmacht – die vierte fehlt wegen Umbaus, so dass nur 7.500 Zuschauer ins Stadion passen. Vielen Wiesbadener Zuschauern scheint der FCK im Folgenden nur noch leid zu tun. Und das ist beinahe schwerer zu ertragen als Spott.

HALBZEIT ZWEI: VIERERKETTE MACHT STABILER, VIEL MEHR ABER NICHT

In Hälfte zwei stellt Hildmann auf Viererkette um. Er nimmt den angeschlagenen Sickinger sowie Hemlein raus, bringt Gino Fechner und Toni Jonjic. Hinten formiert sich nun die Linie Fechner-Kraus-Hainault-Gottwalt. 

Und, damit auch mal was Positives gesagt ist: Vor allem Fechner macht seine Sache auf der ungewohnten Position recht ordentlich. Vielleicht eine Option für die restlichen drei Partien. Dem 21-jährigen ist als Mittelfeldspieler im Zentrum in dieser Saison nicht viel gelungen, vielleicht kann er sich als Rechtsverteidiger ein wenig Selbstvertrauen für die Zukunft erarbeiten.

WIESBADEN IN HÄLFTE ZWEI PASSIVER – MEHR MUSS AUCH NICHT SEIN 

Insgesamt steht der FCK in der zweiten Hälfte nun stabiler, nennenswerte Torgelegenheiten spielt aber nicht heraus. Kapitän Sebastian Mrowca muss Thiele taktisch foulen und sich die 5. Gelbe Karte abholen, das ist noch der größte Aufreger. Ansonsten agieren die Wiesbadener in den zweiten 45 Minuten recht passiv, was manche als Folge ihrer enormen Laufintensität in Hälfte eins werten.

Vielleicht geben sie sich aber auch nur zurückhaltender, weil mehr einfach nicht nötig ist. Die besseren Torchancen arbeiten sie sich auch mit dieser nun reaktiven Spielweise heraus. Am Ende hat Lauterns Torsteher Lennart Grill den FCK sogar noch vor einer höheren Niederlage bewahrt.

NOCH DREI SPIELE: DENKT AUCH MAL AN EUREN TRAINER!

Jetzt sind es noch drei Spiele, kommenden Samstag geht’s gegen Unterhaching. Da gilt es nun, dem Negativtrend der vergangenen sechs Spiele mit vier Niederlagen endlich ein Ende zu setzen, sonst gerät der FCK tatsächlich noch in Abstiegsgefahr. 

Davon abgesehen, sollten sich die Spieler langsam mal Gedanken um ihren Trainer machen, der nach wie vor an sie glaubt und immer wieder betont, sie wären gute Jungs. Wenn er noch drei Mal vor jedem Spiel ankündigt, sie würden nun endlich wieder ihr wahres Gesicht zeigen und sie dann doch wieder Auftritte bieten wie zuletzt gegen Aalen, Cottbus, Rostock und Wiesbaden, rauben sie dem armen Kerl vollends jede Autorität und Glaubwürdigkeit.

Foto: 1. FC Kaiserslautern