Das Ergebnis überzeugt, das Spiel nur 30 Minuten – und hilft auch nicht über trostlose Gesamtsituation hinweg

Es ist schwer, in diesen Stunden, in denen der Existenzkampf des 1. FC Kaiserslautern ständig neue Kapriolen schlägt, einfach nur über ein Fußballspiel zu schreiben, aber das hat sich dieser Blog nun mal zur Aufgabe gemacht. Also: Der FCK hat sein Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching mit 4:0 gewonnen und sich damit den sportlichen Verbleib in der Dritten Liga auch rechnerisch gesichert. Das Ergebnis überzeugt, die ersten 59 Minuten der Partie allerdings überzeugen nicht. „Meistens kommt erst dann der Spielfuss zustande, wenn ein Tor fällt“, erklärt FCK-Trainer Sascha Hildmann hinterher. Bei allem Respekt: Das kann in diesen Wochen nicht der Anspruch sein, geht es doch darum, in der Restsaison zumindest ein mannschaftliches Grundgerüst zu formen, das nächste Spielzeit oben angreifen kann.

Der Trainer hat hinten wie erwartet auf eine Viererkette umgestellt. Ausschlaggebend dafür seien seine Eindrücke aus dem Wiesbaden-Spiel vom vergangenen Montag (0:2) gewesen, erklärt er in der Pressekonferenz hinterher. In der zweiten Hälfte hatte er auf diese Anordnung umgestellt und wenigstens ein bisschen mehr Stabilität im Defensivverband geschaffen. Auch habe er sich intensiv mit Gegner Haching beschäftigt, zudem stünden die richtigen Spieler für diese Formation wieder zur Verfügung: Florian Pick und Toni Jonjic auf den Flügeln, Janek Sternberg als linker Verteidiger.

Davon, dass der FCK durch die Umstellungen buchstäblich wieder „beflügelter“ auftritt, ist lange, lange Zeit aber nichts zu sehen. Die „Spielanlage“ gleicht abermals der der jüngsten Grottenkicks.

LANGER BALL, ZWEITER BALL, ABER KEIN PRESSING

Der Ball wird aus der hintersten Linie in die vorderste gedroschen, in der sich bestenfalls ein Offensivspieler im mehr oder weniger richtigen Moment in Bewegung zu setzen versucht. Ein wirklich aggressives Spiel auf den zweiten Ball, das bei dieser Spielwiese zwingend erfolgen müsste, findet nicht statt.

Die ärmste Sau auf dem Platz ist der Ballführende. Dabei gab’s unter der Woche so viel tollen Fußball im TV zu sehen. Okay, zwischen Champions League,  Euro League und Dritter Liga mögen Welten liegen, aber so ein bisschen inspirieren lassen könnte man sich doch… Wie wär’s etwa mal damit, dass sich zwei Mitspieler auf den Ballführenden zubewegen, um diesem einen kurzen, diagonalen Passweg zu eröffnen? Das setzt auch den Gegner in Bewegung, und schafft unter Umständen auch die Option auf einen längeren Ball in einen freien Raum.

HACHING HAT DIE ERSTE CHANCE, DANN PASSIERT NICHTS – BIS ZUR 59. MINUTE

In Minute 17 hat Haching die Gelegenheit, in Führung zu gehen. Hachings Kapitän Alexander Winkler schickt Flügelspieler Luca Marseiler über die linke Seite, der kommt am herauslaufenden Lennart Grill vorbei, trifft anschließend aus spitzem Winkel aber das leere Tor nicht. Glück gehabt, Lautern.

Dann passiert lange, lange nichts. „Man hat gesehen, dass da zwei Mannschaften auf dem Platz stehen, die derzeit nicht den besten Kopf zur Verfügung haben“, formuliert Sascha Hildmann hinterher. So kann man es auch sehen.

 Die 59. Minute. Gelegenheit für Sternberg oder Pick, eine Freistoßflanke von links in die Box zu drehen. Eine der „Standardsituationen“ also, die, so Hildmann, „in der Dritten Liga oft auch fürs erste Tor entscheidend sind.“ Beim FCK 18/19 allerdings nicht, die Schwäche der Lautrer bei ruhenden Bällen ist fast schon legendär. Das Schöne am Fußball ist aber: Auch die schwärzeste Serie reißt irgendwann.

Pick flankt, Kühlwetter bekommt den Kopf an den Ball – 1:0. Kühlwetters zehnter Saisontreffer. Bislang war dem 23-Jährigen noch gar nichts gelungen. Allerdings: Allen anderen auch nicht.

DAS 2:0: PICK MACHT, WAS ER AM LIEBSTEN MACHT

Von nun wirkt der FCK „frischer, freier, mit mehr Mut“ (Hildmann). Man könnte auch sagen: Haching, das 2019 erst ein Spiel gewonnen hat, ist mental geknickt, und muss jetzt vor allem Räume nach hinten öffnen. 

Der zweite Lautrer Treffer entsteht allerdings nicht auch einer der viel zitierten „Umschaltsituationen“ – endlich klappt mal eine Langer Ball-Zweiter Ball-Aktion. Kevin Kraus haut das Leder nach vorne, Timmy Thiele verlängert mit dem Schädel, Kühlwetter sorgt mit einer Rempel-Aktion dafür, dass der Ball bei Pick landet, der tut, was er am liebsten tut, zieht von links in die Mitte und dreht den Ball mit dem rechten Fuß aufs Tor. Hat er Minuten schon mal versucht, diesmal ist er drin. 2:0.

Nächster Treffer: Beinahe wieder eine Standardsituation, ein kleines Wunder also, allerdings wird es nur auf Umwegen wahr. Sternbergs Ecke von links wird nicht direkt verwandelt, der Ball landet erst auf der anderen Seite bei Jan Löhmannsröben, der flankt, der eingewechselte Elias Huth köpft an den Pfosten, der ebenfalls neu ins Spiel gekommene Christoph Hemlein schiebt den Abpraller zu André Hainault, und der aufgerückte Innenverteidiger jagt ihn unter die Latte. Hainaults erster Saisontreffer

Der krönende Abschluss: Fechner schickt Thiele über die linke Seite auf die Reise, der flankt flach in die Mitte, Hemlein grätscht rein. 4:0. Tolles Ergebnis, vor allem angesichts von nur 30 Minuten Fußball, der den Namen verdient hat.

FAZIT: SEID FAIR ZU PICK UND THIELE

Wir notieren: Lautern punktet endlich mal wieder nach ruhenden Bällen. Aber auch: Über Thiele und Pick wird immer viel geschimpft. Tatsächlich verdaddeln sie auch viel,  aber: Fast alle gelungenen Aktionen aus dem Spiel heraus laufen über die Flügel – und über diese beiden. Thiele braucht für seine Wege über die Seite allerdings Platz.

Damit wollen wir es heute gut sein lassen. Lediglich noch den jüngsten Beitrag des SWR zu den aktuellen Entwicklungen um Becca, Banf, Bader und Co. verlinken. Mit einer weiteren Kommentierung wollen wir uns noch zurückhalten. Die gesamte Situation stellt sich gerade so schrecklich dar, dass sie für sich selbst spricht.