Littig bleibt, Becca ist weg, Lizenz ist sicher, die Zukunft bleibt ungewiss: Der Machtk(r)ampf scheint entschieden – fürs Erste

Erst lange nach 23 Uhr gab der 1. FC Kaiserslautern die Verhandlungsergebnisse des wohl längsten Montags seiner Vereinsgeschichte bekannt: Michael Littig, Aufsichtsratsvorsitzer des „e.V.“ und Beiratsmitglied der Kapitalgesellschaft, behält seine Ämter. Eine regionale Investorengruppe hat am Montagnachmittag Eigenkapital in Höhe von drei Millionen Euro zugesagt, erhält dafür einen zehnprozentigen Anteil an der Kapitalgesellschaft, womit die Lizenz für eine weitere Drittliga-Spielzeit gesichert ist. Nach der Darstellung der in diesem Machtkampf unterlegenen Funktionärsfraktion ist das Angebot des Luxemburgers Unternehmers Flavio Becca, sich langfristig beim FCK zu engagieren, vom Tisch. Becca hatte den Rücktritt Littigs zur Bedingung gemacht. Vereinsrat, Ehrenrat und Vereinsvorstand bestärkten Littig jedoch, in seinen Ämtern zu bleiben. Damit mag eine Chance vertan sein, sich längerfristig regelmäßig fließende Mittel zu sichern, das Problem der erdrückenden Stadionkosten bleibt bestehen, das „Vier-Säulen-Modell“ der Kapitalgesellschaft und deren Taxierung auf einen Gesamtwert von 120 Millionen Euro sind ad absurdum geführt. Dennoch: An Seriosität und Glaubwürdigkeit, auch gegenüber zukünftigen Geldgebern, hat der FCK an diesem Montag wieder gewonnen – erst recht, wenn nun auch weitere personelle Konsequenzen gezogen werden.

Detailliert noch einmal nachvollziehen, wie dieser gesamte Machtk(r)ampf mit all seinen Animositäten und Intrigen überhaupt begonnen und sich entwickelt hat, ist müßig und wäre auch nicht zu leisten, dazu sind immer noch zu wenige Internas bekannt – obwohl sich beide Seiten über Monate bemüht haben, diese öffentlich zugänglich zu machen, sofern sie dem jeweiligen Gegner schaden.

Der finale Akt soll hier aber noch einmal rekapituliert werden. 

Der Stein kam ins Rollen, als sich im Beirat der Kapitalgesellschaft eine 3:2-Mehrheit gegen Sport-Geschäftsführer Martin Bader formierte. Offiziell sollte und konnte dessen Ablösung erst in der nächsten Beiratssitzung am 16. Mai beschlossen werden, doch wurden die neuen Mehrheitsverhältnisse kurzerhand schon am 28. April an die Medien durchgesteckt. Wenige Tage, bevor die im Raum stehenden Angebote Beccas öffentlich gemacht wurden.

SWR: „INDIZIEN“ SPRECHEN FÜR BADER ALS URHEBER DER INDISKRETION

Diese wiederum führten zu Beccas Ultimatum – und den FCK an den Zerreißpunkt. Becca wollte nicht nur Littigs Rücktritt, sondern auch, dass an Bader festgehalten wird. „Ist doch verständlich, dass Flavio mit den Leuten weiterarbeiten will, mit denen er auch bislang verhandelt hat“, erklärte der Sportchef recht entspannt am Samstag, am Rande des Lautrer Heimspiels gegen die SpVgg Unterhaching, ins bereitstehende Mikrofon von telekomsport.

Hätte Becca erst nach dem 16. Mai vom Votum gegen Bader erfahren, wäre seine finanzielle Soforthilfe wollte schon fix gewesen. Da stellt sich doch die Frage: Wer dürfte das größte Interesse daran gehabt haben, es durch eine Indiskretion öffentlich zu machen und so dieses verhängnisvolle Ultimatum zu provozieren?

Der SWR hat noch am Samstagabend berichtet, dass „Indizien“ darauf hindeuten, Bader selbst habe die Meldung lanciert. Bader hat dazu bislang keine Stellungnahme abgegeben.

VOTUM GEGEN BADER: DER BEIRAT HAT NUR SEINE ARBEIT GEMACHT

An dieser Stelle muss aber auch festgehalten werden: In einer ebenfalls noch am Samstag veröffentlichten Presseerklärung gibt der FCK nun auch offiziell bekannt, dass Baders zum Jahresende auslaufendes Arbeitspapier die Option einer Vertragsauflösung zum 30. Juni 2019 beinhaltet. 

Dass sich der Beirat der Kapitalgesellschaft Ende April darüber unterhält, ob es angezeigt sei, diese zu ziehen, ist nichts Ehrenrühriges. Dass die Mehrheit des Gremiums Baders Arbeit nach nunmehr 14 Monaten nicht positiv bewertet, überrascht angesichts der sportlichen Entwicklung ebenfalls nicht. Dass die interne Abstimmung 3:2 gegen ihn endet, zeigt, dass kontrovers diskutiert wurde. Und dieses Ergebnis ist auch für die Unterlegenen im Gremium keine Schande, sofern sie die Spielregeln demokratischer Führung verinnerlicht haben.

Will sagen: Bader wurde eben nicht „auf die Lichtung gestellt“ (Rheinpfalz), dieser  Beirat hat einfach nur seine Arbeit gemacht, ein anstehendes Thema zu einem angemessenen  Zeitpunkt bewertet. Umso entsetzlicher, was sich daraus dann entwickelt hat.

WEITERE PERSONELLE KONSEQUENZEN SOLLTEN FOLGEN

Nicht unerwähnt werden bleiben sollte auch: Auch aus den Reihen seines  langjährigen Arbeitgebers, dem 1. FC Nürnberg, sind Geschichten bekannt worden, in denen Bader einige sehr verschlungene Manöver ersann, als ihm der Machtverlust drohte – wobei sich seine Kritiker weitaus weniger gewählt ausdrücken.

Es sollte nun auch Pflicht des Vereins sein zu überprüfen, wie stichhaltig die „Indizien“ sind, von denen der SWR spricht. Stellt sich heraus, dass Bader tatsächlich für die fatale Indiskretion verantwortlich ist, sollte auch über unmittelbare arbeitsrechtliche Konsequenzen nachgedacht werden. 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Bader der „Rheinpfalz“ erzählte, er sei vom Beiratsvorsitzenden Patrick Banf über das – wohlgemerkt: inoffizielle – Votum gegen ihn informiert worden. Hat eigentlich schon mal jemand nachgefragt, inwieweit Banf überhaupt berechtigt war, diese Interna an den Angestellten weiterzugegeben? 

DIE ZUKUNFT BLEIBT UNGEWISS – DENNOCH: ES WAR EIN GUTER TAG FÜR DEN FCK

Ebenfalls weiter im Raum steht die Frage, die sich auch der stets gut informierte SWR-Journalist Bernd Schmitt schon seit Tagen stellt, wie er in der SWR-Sendung „Flutlicht“ am Sonntag mitteilte: Angesichts der enormen Investitionen, die der Bauunternehmer dem Vernehmen nach nicht nur auf dem Lautrer Stadiongelände, sondern in der gesamten Stadt plante, erscheint es grotesk, dass er sein Engagement vom Amtsverbleib eines Mannes abhängig machte, den er nach Schmitts Recherchen gar nicht kennt.

Wie kann das sein? Bislang scheint Becca nur über Banf, Bader und Finanzchef Michael Klatt mit dem FCK gesprochen zu haben. Vielleicht sollten ja mal andere Verhandlungsbevollmächtigte bei dem Luxemburger vorstellig werden. Auch die Aussage, dass Kreditgeber wie Quattrex und Lagadere weitere Zuwendungen von der Personalie Bader abhängig gemacht haben, sollte erst einmal in Ruhe überprüft werden. Insbesondere Quattrex hat bereits so viel Geld in den FCK gesteckt, dass ein Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt kaum Sinn macht.

Wir bleiben dabei: Dieser Montag war ein guter Tag für den FCK. Obwohl einige Weichen in die Zukunft, die gestellt werden konnten, nun wieder ins Ungewisse führen. Doch wenn sie tatsächlich im Abgrund enden, hat sich nicht Michael Littig zum „Totengräber des Vereins“ (Bild) gemacht. Der Titel gebührt anderen.