Von wegen „frei aufspielen“: Die Kickers macht’s munter, die Lauterer fahrig

Abwechslungsreich ist sie ja tatsächlich geworden, die Partie zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und den Würzburger Kickers, in der beide Mannschaften, nunmehr  unbelastet von Abstiegssorgen und Aufstiegshoffnungen, „einfach nur Fußball spielen“ wollten. Zu gelungenen Aktionen führten die „freien Köpfe“ allerdings nur bei den Gastgebern. Beim FCK dagegen wirkte sich die Unbekümmertheit eher negativ auf Konzentrationsfähigkeit und Biss aus, was insbesondere bei den beiden Gegentreffern zu Tage trat, die dieses 0:2 besiegelten. Gut, dass diese Saison kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen SV Meppen zu Ende geht. Allerdings: Acht Tage später muss der FCK noch einmal im Verbandspokalfinale gegen Wormatia Worms ran. Da ist nichts mit „freien Köpfen“, da geht’s um die Qualifikation für den DFB-Pokalwettbewerb 2019/20.

Dabei hatte es zunächst durchaus so ausgesehen, als wollten die Lautrer die Ankündigung ihres Trainers Sascha Hildmann, in Würzburg für einen munteren Schlagabtausch zu sorgen, tatsächlich umsetzen.

Die Elf schiebt sich von Beginn an geschlossen nach vorne, attackiert früh, provoziert Ballverluste des Gegners, hat nach zwei Minuten eine erste Chance, als Toni Jonjic aufs lange Eck flankt, Florian Pick in die Mitte passt, Christian Kühlwetters Schuss auf der Linie geklärt wird und Dominik Schad im Anschluss den Ball nicht mehr gezielt ins Tor zu köpfen vermag.

Nach acht Minuten ist es mit dem Lautrer Schwung aber schon wieder vorbei. Bei einem Abwurf von Kickers-Keeper Eric Verstappen steht das FCK-Team zwar nach wie vor hoch, attackiert die Ballführenden aber nicht energisch – und das eine ohne das andere endet bei dieser Spielanlage oft fatal. Wobei es in diesem Fall noch nicht mal besonders schnell geht.

DAS 0:1: HOCH STEHEN, OHNE ZU PRESSEN, TUT SELTEN GUT

Die Kickers dürfen seelenruhig auf ihren Rechtsverteidiger passen, der haut den Ball die Seitenlinie entlang. André Hainault grätscht an der Mittellinie ins Leere, Dave Gnaase marschiert daraufhin mutterseelenallein den rechten Flügel entlang – wo eigentlich ist Linksverteidiger Janek Sternberg? Gnaase passt flach in die Mitte, Gino Fechner verpasst die Möglichkeit, gegen den Ball zu treten, auch Dominik Schad ist beim Versuch, Orhan Ademi bei der Ballannahme zu stören, nicht leidenschaftlich genug – und schon steht’s 0:1. Wieder mal eine Fehlerkette, an der die halbe Mannschaft beteiligt ist. 

Und wie so oft gibt so ein früher Treffer der einen Mannschaft Auftrieb, während das Selbstvertrauen der anderen erst mal auf den Gefrierpunkt absackt. Der FCK ist fast 25 Minuten lang völlig von der Rolle, die Kickers haben Chancen, um mindestens zwei weitere Treffer zu erhöhen. Dass es dazu nicht kommt, ist Keeper Lennart Grill zu verdanken.

Erst in den zehn Minuten vor der Pause fängt sich Lautern einigermaßen. Kühlwetter hat nach einer Schad-Flanke die größte Chance des Spiels, verpasst aus fünf Metern knapp.

HALBZEIT ZWEI: FATALER FLANKENWECHSEL LEITET ENTSCHEIDUNG EIN

In Hälfte zwei stellt der FCK 2018/19 erneut seine Unfähigkeit unter Beweis, Eckbälle gefährlich vors Tor zu bringen. In Minute 56 passt Verstappen einen Abstoß direkt in die Füße Picks, der zieht von links los Richtung Tor, die Kickers machen jedoch rechtzeitig wieder dicht. Im Gegenzug muss Grill gegen Ademi retten.

Nur drei Minuten später kommt es, wie es kommen muss: Der FCK leistet sich einen Ballverlust in der eigenen Hälfte, aber nicht, weil der Gegner diesen gekonnt provoziert. Der gerade eingewechselte Theo Bergmann, als neues spielerisches Element eigentlich sehnlich erwartet, versucht sich nach einem Einwurf auf der linken Seite an einem reichlich hanebüchenen Flankenwechsel, da gegenüber keiner frei steht.

Statt dessen darf Kickers-Linksverteidiger Peter Kurzweg den Ball aufnehmen, Richtung Tor ziehen, worauf sich vier oder fünf Lauterer in seine Richtung orientieren, während Stürmer Dominic Baumann frei auf der rechten Seite stehen bleiben darf – hatten wir nicht schon einmal fragt, wo eigentlich Linksverteidiger Sternberg sich gerade aufhält? Baumann bekommt das Leder, schießt – 0:2.

„WIR HÄTTEN NOCH 45 MINUTEN LÄNGER SPIELEN KÖNNEN“

Auch im folgenden bleibt Würzburg durch Konter stets gefährlicher als der FCK bei seinen Bemühungen, einen Weg durch den nun verständlicher Weise tief positionierten Defensivverband des Gegners zu finden. Die einzige Chance hat Timmy Thiele, als Lautern auch mal „umschalten“ darf. Kühlwetter darf Thiele auf den langen Weg schicken, den er für sein Spiel nun mal braucht – und er trifft den Außenposten.

„Wir hätten noch 45 Minuten länger spielen können, ohne ein Tor zu schießen“, resümiert ein abermals niedergeschlagener Sascha Hildmann hinterher. Ob’s nicht vielleicht doch die unsichere Zukunft ihres Arbeitgebers ist, die seine Spieler derzeit hemmt? Normaler Weise würden wir dergleichen als Ausrede abtun, allerdings: Wenn diese Zeiten für den FCK im Moment etwas nicht sind, dann normal…

Wer sich einen sachlichen Überblick über die aktuelle Situation im Kampf um die Lizenz für die kommende Saison verschaffen will, dem sei dieser „kicker“-Bericht ans Herz gelegt. Zur Berichterstattung diverser anderer Medien ersparen wir uns gegenwärtig jeden Kommentar.

DER KAMPF UM DIE LIZENZ: VIEL HÄNGT NUN VON QUATTREX AB

Die Kurzfassung: Viel wird nun vom Wohlwollen des Kreditgebers Quattrex abhängen, mit dem am morgigen Montag weitere Gespräche anberaumt sind. Nach „kicker“-Informationen hängt dieses aber nicht von der Person des Sport-Geschäftsführers Martin Bader ab, wie es zuletzt, offenbar von interessierter Seite, immer mal kolportiert wurde.

Ebenfalls interessant: Den „kicker“-Rechercheuren zufolge, die sich darüber hinaus von Kollegen des SWR bestätigt sehen, hat auch der Luxemburger Unternehmer Flavio Becca den Wert der FCK-Kapitalgesellschaft nicht auf die ursprünglich veranschlagten 120 Millionen Euro taxiert, sondern ebenfalls auf lediglich 30 Millionen Euro. Mit denen kalkuliert auch die regionale Investorengruppe, die die Beiratsmehrheit derzeit Becca vorzieht. Der Beiratsvorsitzende Patrick Banf, der sich für ein Einstieg Beccas  engagiert, hatte zuletzt erklärt, der FCK verkaufe sich damit unter Wert.

Allerdings muss sich auch die regionale Investorengruppe, die von Beiratsmitglied und Banf-Widerpart Michael Littig, sehr kurzfristig ins Spiel gebracht wurde, nun langsam mal zu erkennen geben. Der FCK hat nur noch bis 28. Mai Zeit, dem DFB nachzuweisen, dass er die nächste Spielzeit in der Dritten Liga finanzieren kann.

Foto: 1. FC Kaiserslautern