Becca kommt nun doch, aber um die entstandenen Risse zu kitten, braucht es jetzt schnell sportlichen Erfolg – und eine aufklärende PK

Versuchen wir wenigstens mal, es sportlich zu sehen: Mit dem diese Saison abschließenden Heimspiel am morgigen Samstag, 13.30 Uhr, gegen den SV Meppen kann der 1. FC Kaiserslautern endlich in eine neue Zukunft starten, denn er hat wieder eine. Seit Donnerstag steht fest, dass der Luxemburger Unternehmer Flavio Becca als Ankerinvestor beim FCK einsteigt, womit die Lizenz für die kommende Spielzeit gesichert ist und weitere regelmäßige finanzielle Spritzen für die Zukunft zumindest zugesagt sind. Verzagte Auftritte der Mannschaft können nun nicht mehr mir Zukunftsängsten des Personals entschuldigt werden, also: Auf geht’s! Wie? Das klingt angesichts der jüngsten Geschehnisse schon wieder zu blumig? Ist doch aber nicht von der Hand zu weisen: Die Risse, die sich in den vergangenen Wochen in Verein und Umfeld aufgetan haben, lassen sich im Grunde nur kitten, wenn beim FCK jetzt stante pede sportlicher Erfolg einsetzt – das war „am Betze“ doch schon immer Allheilmittel für alles.

Da wir nicht mit eigenen Exklusivinfos aufwarten können, überlassen wir die detaillierte Berichterstattung weiterhin den intensiver von Insidern – manche darf man getrost auch Intriganten nennen –  infiltrierten Medien und beschränken uns auf eine Zusammenfassung. Unter der Woche wurde bekannt, dass die bisherigen Kreditgeber  Quattrex und Lagadere dem FCK nur noch Geld leihen möchten, wenn dieser Becca als Unterstützer ins Boot holt – und eben nicht die regionale Investorengruppe, für die sich der Beirat der Kapitalgesellschaft wenige Tage zuvor noch entschieden hatte, wnn auch mit einem nur knappen Abstimmungsergebnis von 3:2.

Dies führte zu einem erneuten Meinungsumschwung. Wenngleich sich dieser anscheinend nur bei einer einzigen Person vollzog. Eine erneute Abstimmung im Beirat soll am Donnerstag nun 3:2 zugunsten Beccas ausgegangen sein. Auf den ersten Blick scheint diese Person von der Angst getrieben worden zu sein, die Lizenzierung für die kommende Spielzeit wäre anders nicht mehr zu schaffen gewesen. Das wär ja zu verstehen.

MERKWÜRDIG: DAS ANGEBOT DER REGIONALEN INVESTOREN WAR STARK

Informationen von SWR-Reporter Bernd Schmitt sowie einem Interview mit Klaus Dienes, Kopf der regionalen Investorengruppe, im „Wochenblatt“ zufolge waren die lokalen Unternehmer allerdings nicht nur bereit, die nun fehlenden Millionen der Kreditgeber auszugleichen, sie hatten auch ein durchaus tragfähiges Konzept in petto, etwa was die künftige Ausgestaltung des Nachwuchsleistungszentrums Fröhnerhof angeht.

Und: Ihre drei Millionen Euro Soforthilfe wären Eigenkapital gewesen, bei den 2,6 Millionen Euro, die von Becca bislang zugesagt sind, handelt es sich lediglich um einen Kredit. Inwieweit die im Raum stehenden 25 Millionen Euro, die der Bauunternehmer in den nächsten fünf Jahren in den FCK investieren will, bereits schriftlich fixiert sind, ist noch nicht bekannt. Bislang ist lediglich die Rede davon, dass Becca sein Angebot unter der Woche gegenüber dem Beiratsvorsitzenden Patrick Banf „präzisiert“ habe.

Mit Beccas Einstieg war auch der Ausstieg des Beiratsvorsitzenden Michael Littig verknüpft, einem von der Mitgliederversammlung gewählten Ehrenamtsträger. Dessen Rücktritt erfolgte dann auch prompt. „Littig begründete seine Entscheidung damit, dass er Ruhe in die Gremien bringen und einen wichtigen Beitrag zur Befriedung innerhalb des 1. FC Kaiserslautern leisten möchte“, heißt es dazu in einer Presseerklärung des Vereins.

BEFFRIEDUNG? SCHÖN WÄR’S

Befriedung? Die wäre unter den gegebenen Umständen tatsächlich nur erwarten, wenn nun unmittelbar eine glanzvolle Ära sportlichen Erfolgs am Betzenberg begänne. Zu mies waren die Intrigenspiele, die in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen  abgelaufen sind, zu groß ist das Misstrauen gegen Becca, dem es möglicher Weise nur darum gehen könnte, so günstig wie möglich an die Grundstücke zu kommen, auf denen das Stadion steht und zu denen auch beträchtliche angrenzende Flächen zählen – und die wären für ihn unter Umständen noch billiger zu haben, wenn der FCK in die Insolvenz geführt würde, wie der SWR ebenfalls mal in einem lesenswerten Beitrag ausgeführt hat.

Wie wär’s jetzt mal mit einer großen Pressekonferenz, in der sich die Geschäftsführer Michael Klatt und Martin Bader glaubhaft bemühen, Medien und Anhängerschaft zu überzeugen, weshalb die Entscheidung dennoch für Becca fallen musste? Der Beirat folgte mit seiner Abstimmung schließlich ihrer Empfehlung. Am Donnerstagabend wollten die beiden zu den aktuellen Ereignissen erst einmal nichts sagen.

GEGEN MEPPEN MIT SICKINGER UND GOTTWALT

Zurück zum Sport. Morgen geht’s gegen Meppen, und unser Wunschergebnis wäre natürlich ein 3:2, weil es so gut zu den jüngsten Abstimmungsergebnissen in den Kontrollgremien passen würde. Nach dem Verbandspokalfinale am darauffolgenden Samstag kommt am Montag, 27. Mail der FC Bayern München zu einem Benefizspiel auf den Betze, mit einiger Wahrscheinlichkeit als neuer Deutscher Meister. 40.000 Tickets sind für diesen Sommerkick schon weg – so traurig sich der FCK an der Führungsspitze gegenwärtig präsentiert, seine Anhängerschaft ist und bleibt der Wahnsinn.

Gegen Meppen will FCK-Trainer Sascha Hildmann Carlo Sickinger im zentralen Mittelfeld eine 4-4-2-Formation aufbieten. Youngster Lukas Gottwalt soll in der Viererabwehrkette auflaufen. Meppen-Trainer Christian Neidhart, für den es ebenfalls um nichts mehr geht, wird sein Team wohl kräftig durchrotieren lassen, will auch seine lediglich angeschlagenen Spieler schonen, unter anderem Flügelspieler Marius Kleinsorge, der beim 1:0-Sieg der Pfälzer im Hinspiel stark aufspielte.

JETZT IST PERSONALARBEIT GEFRAGT – UND ZWAR GUTE

In Meppen dreht sich längst auch das Personalkarussell für die kommende Saison. Vor dem letzten Heimspiel wurden bereits neun Spieler verabschiedet, darunter Stammkraft Nico Granatowski, den es in die Zweite Liga zieht. Beim FCK dagegen muss mit den Weichenstellungen erst noch begonnen werden.

Immerhin soll die Becca-Spritze für die kommende Saison wieder einen Top-Etat für Drittliga-Verhältnisse ermöglichen. Den hatte Sport-Geschäftsführer Martin Bader auch für die ausklingende Spielzeit zur Verfügung, ohne dass er damit nennenswerte Erfolge zu erzielen vermochte. Schön für ihn: Die, die sich im Beirat nun durchgesetzt haben, gelten dennoch als seine Befürworter, da kann er der Tatsache, dass zum Jahresende sein Vertrag ausläuft, einigermaßen gelassen entgegensehen.

XG-GRAFIKEN: DER TREND GEHT ZUM RÜCKPASS AUS DEM ZEHNERRAUM

Zum Schluss – auch wenn es kaum noch jemanden interessiert, aber wir latzen nun einmal dafür – die xG-Grafiken vom Spiel gegen Würzburg.

Die Timeline: Wen wundert’s – auch dieses Spiel ging vollkommen verdient an den Gegner. Unschlagbar wirkte Würzburg allerdings nicht. Und die stehen nunmehr als Fünfter in der Tabelle.

2019-05-11 1204879 xG plot Wurzburger Kickers 2 - 0 Kaiserslautern.png

Die Positions- und Passgrafiken hat Sander Ijtsma ein wenig aufgehübscht. Lauterns Visualisierung präsentiert sich jedoch auch so angenehmer, als das Spiel eigentlich war, mit im Grunde ordentlicher Passvernetzung.

2019-05-11 Kaiserslautern Passing plot Wurzburger Kickers - Kaiserslautern.png

Interessant die neue Rubriken, die Sander eingeführt hat. Fechner hatte die meisten Ballkontakte, Schad hat das Spiel nach vorne am nachhaltigsten belebt, auch wenn er weniger Ballbesitz hatte als Sternberg auf der anderen Seite. Was Sander mit „Most Centrality“ meint, bringen wir noch in Erfahrung.

Die „Zone 14“-Grafiken gibt’s ab nun im direkten Vergleich. Berühmt sehen diese bei beiden Teams nicht aus. Bei Lautern scheint sich die Entwicklung, dass der Zehnerraum nur noch für Quer- und Rückpässe genutzt wird, munter fortzusetzen.

2019-05-11 Zone 14 plot Wurzburger Kickers - Kaiserslautern.png