Kühlwetter rettet FCK den Verbandspokal – Wormser Sieg wäre Überraschung gewesen, keine Sensation

Der 1. FC Kaiserslautern schließt eine in jeder Hinsicht unbefriedigende Spielzeit mit dem Gewinn des Verbandspokals ab, schlägt Wormatia Worms im Finale 2:1. Durch ein Elfmetertor von Christian Kühlwetter in der 90. Minute. Nein, es ist keine Überraschung, dass das Ergebnis so knapp ausfällt, und es ist auch keine Überraschung, dass der FCK nicht annähernd so viele Offensivaktionen zustande brachte wie beim 4:2 vor einer Woche zum Ligaabschluss gegen den SV Meppen –  sogar Trainer Sascha Hildmann benutzte hinterher die Bezeichnung „Grottenkick“, gegen die er sich in unserem Interview diese Woche noch verwahrt hatte. Überraschend ist viel mehr, wie nah der künftige Oberlist an einem Triumph über den Drittligisten war.

Sechs Minuten vor Schluss wäre es ums Haar so soweit gewesen. Sascha Korb zwirbelt einen Freistoß aus 20 Metern aufs FCK-Tor, der überragend reagierende Keeper Lennart Grill faustet den Ball an die Unterkante der Latte, von dort springt er auf die Torlinie – und wohl eher nicht dahinter – und anschließend ins Feld zurück.

Von diesem erneuten Rückschlag hätten sich die Lautrer wohl kaum noch erholt. Und fairer Weise muss gesagt werden: Außer den Wormatia-Anhängern hätte auch jeder neutrale Zuschauer im Stadion – sofern denn welche anwesend waren – den Wormsern diesen Erfolg gegönnt, der vielleicht eine Überraschung, aber noch nicht einmal eine Sensation gewesen wäre.

HILDMANN: „DIE ERSTE HALBZEIT WAR SCHWACH“

Dazu war schon vor dem Spiel zu absehbar gewesen, dass der FCK 2018/19 gegen diesen Gegner Mühe haben würde, und die ersten 84 Minuten der Partie hatten diese Befürchtung voll bestätigt.

Halbzeit eins aus FCK-Sicht: zum Vergessen. Da Sascha Hildmann seine Jungs von den Medien, insbesondere auch uns, oft zu hart kritisiert sieht, überlassen wir die Manöverkritik ihm: „Die erste Halbzeit war schwach, viel zu viele Fehler, wir waren beim Gegenpressing viel zu weit weg von den Gegenspielern. So machst du den Gegner stark. Dann fangen wir das 0:1 durch einen Konter, gehen mit einem Pfeifkonzert in die Pause, da hieß es, ruhig bleiben.“

Wobei: Ganz so sehr auf Konter haben die Wormser gar nicht spielt, spätestens nach 25 Minuten trauten sie sich auch beherzt nach vorne, selbstbewusst geworden, nachdem sie ihren Gegner gut in den Griff bekommen hatten. 

WORMS BREMST LAUTERNS FLANKENWECHSEL AUS

Wormatia-Trainer Steven Jones hatte sich den FCK in den vergangenen Wochen offenbar genau angeschaut, seine Elf gut eingestellt auf deren typischstes Stilmittel, die weiten, diagonalen Flankenwechsel. Sofern überhaupt einer dieser Bälle auf den Außenbahnspieler mal ankam, waren sofort zwei Gegenspieler bei ihm und nahmen ihm den Raum, den er für einen Flankenlauf benötigt hätte.

Lautern hatte ein paar halbgare Aktion nach Ballgewinnen im Mittelfeld. Eine Rechtsflanke von Dominik Schad segelt zu weit, eine Sternberg-Flanke von links fliegt  wenigstens in die Nähe des köpfbereiten Timmy Thiele, Florian Pick dringt mal gefährlich in den Wormser Strafraum ein, reißt aber nichts – und damit hat sich’s auch schon. 

Pech allerdings: Bereits in der 5. Minute hätte es nach einem Handspiel von Wormatia-Innenverteidiger Tom Scheffel Elfmeter für Lautern geben müssen, Schiedsrichter Nicolas Winter lässt jedoch weiterspielen. Das wäre vielleicht das berühmte frühe erste Tor gewesen, das die Köpfe frei macht.

AB MINUTE 40 LIEGT DIE SENSATION IN DER LUFT. SENSATION?

So kommt die Wormatia immer besser ins Spiel – und es ist ihr Stürmer Koki Matsumoto, der in der 33. Minute den ersten geraden Torschuss fabriziert. Grill hält. Damit hat sich das Unheil bereits angedeutet, das in der 40. Minute Realität wird. Wormatia-Rechtsverteidiger Malte Maas darf von der rechten Seite in die Mitte einen ganz weiten Weg gehen, halblinks auf den lauernden Luca Graciotti ablegen – und der vollstreckt.

1:0 für Worms. Die Sensation liegt in der Luft. Sensation? Aber woher denn.

Der FCK in Hälfte zwei: energischer, auch zielstrebiger. Muss ja. Wirklich torgefährlicher? Nicht unbedingt. 

Mit Julius Biada ist ein spielstarker Mittelfeldspieler für Innenverteidiger Kevin Kraus gekommen, Carlo Sickinger dafür in die Viererkette zurechtgerückt, das verbessert die Qualität des ersten Passes im Aufbauspiel. Aber Biada, der dem Vernehmen nach auf dem Absprung ist, statt des ebenso geeigneten Theo Bergmann, der beim FCK noch eine Zukunft hat? Das ist nicht unbedingt nachzuvollziehen, aber egal.

KÜHLWETTER MAL WIEDER … 

In der 59. Minute die erste wirklich gelungene Lautrer Offensivaktion. Christoph Hemlein geht im richtigen Moment endlich mal so tief, wie der Trainer sich das öfter wünscht, Schad passt ihm gut in den Raum, Hemlein zieht den Ball von rechts nach innen, Kühlwetter lauert in der Mitte und markiert den Ausgleich.

Also Kühlwetter mal wieder. Zwölf Treffer hat er bereits in der Liga markiert, dazu  jetzt auch noch „Arschretter“ im Verbandspokal. In der Halbzeit sei es auch der 23-jährige gewesen, der in der Kabine eine „Motivationsrede“ gehalten habe, erzählt Sascha Hildmann später. 

Auch sein Auftreten auf dem Platz und seine Körpersprache zeigen: Diese so maue Saison hat dem 1. FC Kaiserslautern wenigstens einen Siegertypen geformt, der das Potenzial zur Führungsfigur hat. Solche fehlen dem Team so dringend.

HILDMANN: „WIR MÜSSEN UNS NICHT ENTSCHULDIGEN“

Von daher wundert auch nicht, wer zum Elfmeter antritt, den Schiri Winter in der 90. Minute pfeift, nachdem Thiele beim Versuch, eine Freistoßflanke Florian Picks zu erreichen, geschubst wird. Hart für Wormatia, aber vertretbar. Keeper Chris Keilmann ahnt die Ecke zwar, aber Kühlwetter kanoniert so satt, wie es halt nur jemand mit richtig viel Selbstvertrauen kann.

„Egal, ob es schlecht war oder gut, natürlich war es nicht gut, aber wir müssen uns auch nicht entschuldigen, wenn wir Pokalsieger werden“, sagt Hildmann am Ende ins SWR-Mikrofon. Das lassen wir mal so stehen.

NUN BRAUCHT ES EINE RUHIGE HAND – ABER WER HAT DIE?

Am morgigen Montag, 18.30 Uhr, wird nun eine Benefitparty mit dem frischgebackenen Double-Gewinner Bayern München gefeiert, in den Wochen danach ist dem FCK einfach nur ein kluges, besonnenes beim Zusammenbau seines Kaders für die nächste Saison wünschen. Sicher steht ein Grundgerüst mit ein paar hoffnungsfroh stimmenden Talenten, der Kader braucht aber auch mehr Speed, Inspiration, Persönlichkeiten, Spieler, die sich auch auf engem Raum durchsetzen können, quantitativ wie qualitativ stärker besetzte Außenbahnen, defensiv wie offensiv…

 Es gibt viel zu tun, wenn aus dem vorhandenen Torso ein echter Aufstiegskandidat geformt werden soll.

Die Vorzeichen dafür, dass diese Politik der ruhigen Hand glückt, stehen aktuell, es muss leider gesagt werden, nicht gut. Durch die Fanforen geistert ein Zeitungsartikel aus Luxemburg , demzufolge Dino Toppmöller, Trainer des F91 Düdelingen, vom künftigen FCK-Investor Flavio Becca bereits der Trainerjob in Kaiserslautern angetragen worden sei. Der Sohn des ehemaligen FCK’lers Klaus Toppmöller verfügt bislang freilich nicht einmal über die erforderliche Fußballlehrerlizenz für ein deutsche Profiliga.

Und Sport-Geschäftsführer Martin Bader? Der „kicker“ berichtete am Donnerstag, er habe sich in Ingolstadt beworben, Bader korrigierte tags darauf in der „Rheinpfalz“, Ingolstadt sei auf ihn zugekommen, „just“, als er erfahren habe, dass sich im FCK-Aufsichtsrat eine Front gegen ihn gebildet habe, worauf er sich das Angebot mal angehört, aber nicht weiterverfolgt habe…

Einen Kommentar verkneifen wir uns lieber.

Foto: 1. FC Kaiserslautern

DIE XG-GRAFIKEN: STERNBERG PASST ÖFTER, SCHAD PROGRESSIVER

Für Komplettisten: Hier die xG-Grafiken vom Saisonfinale gegen den SV Meppen. Die xG-Timeline sieht so gut aus, wie es nach einem 4:2 zu erwarten ist. Und zeigt: Es hätte auch nach der Pause ruhig noch ein wenig weiter gehen können. Was für ein schönes Treppchen!

2019-05-18 1204888 xG plot Kaiserslautern 4 - 2 SV Meppen.png

Die Positions- und Passgrafik: Bewegliche Offensivspieler, Sternberg passt öfter, Schad „progressiver“ – in der Tat.

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Die „Zone 14“-Grafik. Okay, durch die Mitte hat der FCK die ganze Saison schon nichts gerissen. Lassen wir sie einfach so stehen.

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