Wer saufen kann, kann auch laufen: Zwei gar nicht verkaterte Pokalsieger liefern sich ein unterhaltsames Montagsspiel

Was für ein schöner Abend! Den Alten machte er die Zeiten wieder lebendig, als der 1. FC Kaiserslautern auf einem proppenvollen Betzenberg noch den ganz Großen des deutschen Fußballs das Fürchten lehrte, und den Jungen vermittelte er einen äußerst plastischen Eindruck, was mit diesem Verein möglich wäre, wenn er endlich wieder auf Erfolgskurs käme. Jetzt bräuchte es „nur“ noch kluge Leute an der Spitze, die diese Träume wahr machen… Immerhin: Wie die „Rheinpfalz“ am heutigen Dienstagmorgen meldet, teilte Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt am Rande des „Retterspiels“ zwischen Lautern und Bayern München mit, der DFB signalisiert, dass die Lizenz des FCK für die kommende Drittligasaison gesichert sei.

Die einen sind am Samstag DFB-, die anderen Verbandspokalsieger geworden. Da fragt sich der geneigte Zuschauer zurecht, was da bei einer Freundschaftsbegegnung am Montagabend angesagt ist: Noch immer anhaltende Feierlaune oder Katerstimmung? Das Motto gibt Bayern-Präsident Uli Hoeneß vor, der mittlerweile zwar nicht mehr jeden Tag was Intelligentes sagt, diesmal aber wieder voll ins Schwarze trifft: „Wer saufen kann, kann auch laufen.“

Obwohl: Der frischgebackene Doublegewinner hat seine Ankündigung, mit allen Stars anzutreten, ein wenig relativiert. Von den DFB-Pokalsiegern des Samstags stehen nur Mats Hummels, Serge Gnabry und Thomas Müller in der Startelf, im Lauf der Partie werden Niklas Süle, Kingsley Coman, Robert Lewandowski und Franck Ribery eingewechselt. Dazu dürfen die 48.500 Zuschauer auf dem stimmungsprächtigen Betzenberg den Münchner Edelreservisten Renato Sanches in Aktion erleben, gewissermaßen als Eye Candy für die weiblichen Besucher.

SAG ZUM ABSCHIED LEISE „STARTELF“

Den großen Rest des Bayern-Personals werden die Lautrer in der kommenden Runde im grauen Saisonalltag wiedersehen – die Zweite Mannschaft der Münchner ist gerade in die Dritte Liga aufgestiegen. Ebenfalls mit von der Partie: der gebürtige Lautrer Oliver Batista Meier, nunmehr 18 Jahre alt, der noch als B-Junior vom Betzenberg an die Isar wechselte.

FCK-Trainer Sascha Hildmann gibt fast allen seinen Schützlingen Gelegenheit, mal die ganz große Fußballluft zu schnuppern. Außer den Langzeitverletzten kommen lediglich André Hainault und Christoph Hemlein während der 90 Minuten nicht zum Einsatz. 

Und die, die dem Vernehmen nach trotz laufenden Vertrags wegtransferiert werden sollen, stehen sogar in der Startelf: Özgur Özdemir, der seit dem 21. Spieltag keine Spielminute mehr absolviert hat, Hendruck Zuck, Julius Biada sowie Jan Löhmannsröben, dessen Vertrag ausläuft. 

Was für eine Kulisse, um, wenn auch nicht offiziell, Abschied zu nehmen. Schöne Geste. Hätte den Jungs nicht jeder Trainer gegönnt.

GANZ IN WEISS, MIT „GYMPER“ AUF DER BRUST…

Und wer weiß, vielleicht hat sich der ein oder andere in diesen ersten 45 Minuten ja  doch noch mal für einen Verbleib empfohlen. Zuck zum Beispiel, der am linken Flügel stürmt und befreiter aufspielt als bei seinen 21 Einsätzen in der abgelaufenen Runde. In der achten Minute markiert er das 1:0. Und Julius Biada, der mit dem 1. FC Saarbrücken in Verbindung stehen soll, hat zwölf Minuten später eine Riesenchance zum zweiten Treffer.

Doch, sie spielen munter auf, die Roten Teufel, die ganz in Weiß antreten und ein neues Produkt ihres Hauptsponsors Layenberger bewerben. Gegen einen Gegner freilich, der nicht wirklich ernst macht.  Aber wie pfiffig sich die Betze-Buben manchmal aus engen Situationen befreien, um eigene Angriffe einzuleiten – das hätte man so inspiriert gerne auch in den Ligaspielen öfter gesehen.

In Hälfte zwei kommt dann die Besetzung aufs Feld, die näher dran ist an der Stammelf, mit der Hildmann in die nächste Spielzeit starten möchte: Lennart Grill, Kevin Kraus, Carlo Sickinger, Gino Fechner, Florian Pick, Christian Kühlwetter, Timmy Thiele. Lediglich die Außenverteidiger Dominik Schad und Janek Sternberg spielen durch, weil es für sie derzeit keine Alternativen gibt – da soll und muss im Sommer nachgebessert werden.

FCK MIT GUTEN STANDARDS? JA, IS DENN HEUT SCHON WEIHNACHTEN?

Kraus hat kurz nach der Pause eine Einschusschance nach einem Pick-Freistoß, später köpft Sickinger eine Pick-Ecke gefährlich aufs Tor. Kaum zu glauben: Der FCK entwickelt Gefahr bei Standardsituationen. Ja, is denn heut scho’ Weihnachten?

Das einzige noch neue Gesicht im Profiteam gehört Mohamed Morabet. Der 21-Jährige darf sich auf dem rechten Flügel versuchen, gefällt mit guter Ballbehandlung und behauptet sich damit auch, wenn’s eng wird. Vielversprechend, wenngleich es ihm für die Außenposition ein wenig an Speed fehlt. Merkwürdig: Laut transfermarkt.de hat der Junge noch gar keinen Vertrag für die neue Saison. Das sollte man ändern.

Kurz vor Schluss hat Morabet sogar noch die Chance, den Siegtreffer zu markieren. Ebenso wie Pick, der auf einem seiner Wege von links in die Mitte den Ball knapp am Tor vorbeischlenzt. Was allerdings ein wenig zu viel des Guten gewesen wäre.

RIBERY, „LEWA“ UND KOMAN ZAUBERN NOCH MAL GLANZ IN DIE HÜTTE

Die Bayern sind doch viel zu nette Gäste, als dass man sie mit einer „Blamage gegen einen Drittligisten“ nach Hause schicken wollte. Und mit den Einwechslungen von Ribery, Coman und Lewandowski haben sie nochmal zusätzlich internationalen Fußballglanz in die volle Hütte gezaubert. 

Zehn Minuten vor Schluss narrt Koman Sternberg und flankt flach auf Lewandowski – 1:1. Und Ribery, der zuvor schon den Pfosten getroffen hat, kocht auf der anderen Seite Schad ab und scheitert mit einem irren Lupfer nur knapp.

Irgendwo ums Stadion herum soll es auch „Freundschaftsschals“ mit Bayern und FCK-Emblem gegeben haben. Die erschienen vielen Fans dann doch nicht angebracht, wie die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen. Das sollten die Gäste keinesfalls falsch verstehen, dahinter steckt wohl nichts als die Hoffnung, dass es irgendwann vielleicht mal wieder ein Treffen der beiden Teams unter richtigen Wettkampfbedingungen könnte, zu dem kein Schmusekurs mehr angezeigt wäre.

Für diesmal bleibt nur, den „Rettern“ danke zu sagen. Diese Benefizgala soll dem FCK zwischen 500.000 und 700.000 Euro an Einnahmen beschert haben. Ein ganz schön fettes Gastgeschenk in wahrlich schweren Zeiten.

Foto: 1. FC Kaiserslautern