Mit vier, fünf Neuen die Weichen für die Zukunft stellen? Das wird knifflig

Simon Skarlatidis kommt, Julius Biada geht, U21-Innenverteidiger Jonas Scholz wird Profi. Das sind die drei einzigen Personalentscheidungen, die in den vergangenen Tagen vom 1. FC Kaiserslautern offiziell bestätigt wurden. Dabei gibt es noch einiges zu tun, bis am Sonntag, 16. Juni, die Vorbereitung auf die Spielzeit 2019/20 startet. In der vergangenen Saison präsentierte Sport-Geschäftsführer Martin Bader bereits zum Trainingsbeginn einen komplett neu zusammengestellten Kader, lediglich Timmy Thiele kam mit ein wenig Verspätung. Diesmal sollen die Personalbewegungen geringer, aber qualitativ hochwertiger ausfallen – was die Aufgabe nicht leichter macht. Allerdings stehen auch hinter den Kaderplanern selbst noch Fragezeichen.

Schauen wir zunächst noch einmal auf den finalen Saisonabschnitt. Unser letztes Zwischenzeugnis datiert von Mitte April, seither folgten noch zwei Siege und drei Niederlagen sowie ein 2:1 im Verbandspokalfinale gegen den künftigen Oberligisten Worms. Der Erkenntniswert aus diesen Partien ist dürftig. Die mäßigen Leistungen seiner Jungs damit zu erklären, dass es für sie schlicht und ergreifend um nichts mehr ging, will FCK-Trainer Sascha Hildmann so nicht gelten lassen, in unserem ausführlichen Interview hat er die Befindlichkeiten seines Teams differenzierter dargestellt.

DIE ZUM SCHLUSS AUSSEN VOR WAREN, SOLLEN WOHL WEG

Fingerzeige gab es allenfalls, was die Zukunftsperspektiven einiger Spieler angeht: Hendrick Zuck kam in die finalen fünf Partien gar nicht mehr zum Einsatz, Özgur Özdemir blieb auch weiterhin außen vor, Julius Biada durfte nur gegen Wiesbaden nochmal eine Halbzeit ran. Offenbar also standen drei  Spieler mit laufenden Verträgen auf dem Abstellgleis.

Der Vertrag mit Biada ist bereits aufgelöst worden. Zu Zuck wird Martin Bader im „kicker“ mit den Worten zitiert: „Wir haben das Gespräch gesucht. Jetzt liegt es an ihm, welchen Weg er gehen möchte.“ Was das bitteschön wohl bedeuten könnte?

 Versuchen wir uns mal an einer Interpretation: Es wurde ihm gesagt, dass es für ihn schwer werde, in die erste Elf zurückzukehren. Falls er seinen bis 2021 datierten Kontrakt dennoch aussitzen möchte, müsste er sich gegebenenfalls bei der Zweiten Mannschaft fithalten. Oder aber, er löst einen Vertrag auf. Oder so ähnlich.

GIBTS ZU ÖZDEMIR WIRKLICH BESSERE ALTERNATIVEN? 

Und Özdemir? Der heute 24-Jährige bekam nach schlechtem Saisonstart keine Chance mehr, hatte davor aber in Großaspach eine sehr ordentliche Drittligasaison gespielt, wie zuvor auch in Österreich beim SV Ried. Der FCK sucht auch nach der Beförderung von Jonas Scholz noch einen  Innenverteidiger, nach Möglichkeit ablösefrei.

In der Gerüchteküche aufgebrodelt ist bislang lediglich José-Junior Matuwila vom Absteiger Cottbus. Wäre der denn wirklich besser als Özdemir? Es soll Spieler geben, die einfach nur mal eine zweite Chance brauchen.

IN DER ZENTRALE MUSS SICH WAS TUN

Als sicher gelten die Abgänge von Jan Löhmannsröben und Mads Albaek. Florian Dick wird, wenn überhaupt, künftig als Nestor in der U21 agieren. Das schafft Bedarf im zentralen Mittelfeld, da hält die Gerüchteküche bislang noch gar keine Namen bereit. 

Unsere Empfehlung: Dominik Pelivan von Großaspach. Vertrag läuft aus, mit 22 Jahren noch entwicklungsfähig, dennoch bereits Leistungsträger der SG, kann zentrales Mittelfeld, aber auch Innenverteidiger, außerdem Freistöße und Elfmeter. Das wäre zumindest mal ein Kandidat, verpflichtet werden müssten für Spielfeldmitte allerdings eher zwei Kicker.

BEWEGUNG AM FLÜGEL – ABER AUCH NACH HINTEN BESTEHT BEDARF

Mit Simon Skarlatidis von Kickers Würzburg hat der FCK bereits einen Offensivspieler verpflichtet, der sowohl auf beiden Flügeln als auch auf der Zehn Verwendung finden kann. Damit hat sich auf der größten Baustelle im Kader schon mal was getan. Gut so. 

Mit dem Jenaer Manfred Starke soll laut „Bild“ sogar noch ein weiterer flexibler Offensivspieler fix sein. Allerdings: Die nach sicherem Vollzug klingende Meldung datiert bereits von Mitte Mai, offiziell bestätigt worden ist bislang nichts.

Doch auch auf den defensiven Außenbahnen herrscht Bedarf. Für Linksverteidiger Janek Sternberg gab es schon während dieser Spielzeit keine Alternative, ein zweiter Rechtsverteidiger hinter Dominik Schad ist nach Dicks Abgang im bestehenden Kader ebenfalls nicht in Sicht.

 Allerdings: Gino Fechner füllte die Rolle in der zweiten Halbzeit beim 0:2 in Wiesbaden mal aus – und das gar nicht mal schlecht. Den „Westfälischen Nachrichten“ zufolge soll der FCK den Münsteraner Fabian Menig auf dem Zettel gehabt haben, der aber wechselt nun nach Österreich.

VORNE MITTE: AUSGEGUCKTE KANDIDATEN SIND SCHWER ZU REALISIEREN

Vorne soll ein Ersatz für Lukas Spalvis her, dessen Rückkehr nach wie vor nicht abzusehen ist, schlimmstenfalls droht ihm Sportinvalidität. Dem Vernehmen nach buhlt der FCK um den gebürtigen Ludwigshafener Lucas Röser, der gegenwärtig bei Zweitligist Dresden nicht unbedingt erste Wahl ist, aber auch nicht vollkommen außen vor. Zudem wäre er ablösepflichtig. 

Ein Thema soll auch Christian Beck von Zweitliga-Absteiger Magdeburg sein, der eine Ausstiegsklausel für den Abstiegsfall im Vertrag stehen hat. Die 1,96 Meter Sturmkante – in der Tat ein „Wandspieler“, wie er Sascha Hildmann vorschwebt – ist in Magdeburg allerdings tief verwurzelt. Der dürfte nur wechseln, wenn’s sein Verein ihm nahelegt.

Auch an Drittliga-Torjäger Manuel Schäffler von Wiesbaden soll der FCK gebaggert haben. Die Option dürfte sich mit dem Aufstieg der Wehener allerdings erledigt haben. Wie wär’s mit John Verhoek? Der erfahrene Zweitliga-Torjäger bekam bei Absteiger Duisburg in der abgelaufenen Runde kein Bein auf der Erde, weswegen sich die Zahl der Interessenten gegebenenfalls in Grenzen hält. Vielleicht will der 30-Jährige mal einen Schritt zurückgehen, um wieder zwei nach vorne machen zu können?

AUFSTIEG 2020? NUR VOLLTREFFER HELFEN WEITER

Mindestens vier Spieler sollten also mindestens noch kommen, besser fünf. Denn einen Außenverteidiger zu finden, der beide Seiten kann und das auch noch ungefähr gleich gut, ist zwar nicht unmöglich, aber schwierig. Damit stehen zwar nicht so viele Neuzugänge wie vergangene Saison an, allerdings: Wenn der FCK diesmal tatsächlich oben angreifen will, müssten die allesamt Volltreffer werden. Und die sind auch mit dem dank der Becca-Millionen möglichen Topetat nicht selbstverständlicher Weise zu bekommen.

Inwieweit sich die ungeklärte Zukunft der Kaderplaner aufs Personalpuzzle auswirkt? Der Vertrag von Chefscout Olaf Marschall läuft aus, ebenso der von Sportdirektor Boris Notzon. Die Meldungen um Martin Baders Flirt mit Ingolstadt scheinen keine weiteren Nachwehen zu bewirken, die Option, seinen bis Jahresende laufenden Vertrag bereits vorzeitig zum 30. Juni zu beenden, scheint wohl nicht gezogen zu werden. Die Gerüchte um Dino Toppmöller, dem der künftige Investor Flavio Becca den Trainerjob in Kaiserslautern angetragen haben soll, haben sich indes erledigt, er wechselt nach Belgien. 

Ob alle Beteiligten dennoch noch mit vollem Engagement bei der Sache sind? Die nächsten Tage werden es zeigen.