Ausbildungsentschädigungen – was geht? Transfers von Koch und Trapp wären für den FCK interessant

Sommerzeit, Transferzeit. Während der Anhang des 1. FC Kaiserslautern auf neue Vollzugsmeldungen vom Betzenberg wartet, ist der internationale Spielermarkt ordentlich in Bewegung. Auch die Namen einiger Kicker, die beim FCK großgeworden sind, brodeln in den Gerüchteküchen. Was die Frage aufwirft: Geht da was mit Ausbildungsentschädigungen gemäß der FIFA-Statuten? Angesichts der Summen, mit denen heutzutage im internationalen Geschäft gehandelt wird, können selbst Beteiligungen von nur zwei oder drei Prozent an der fälligen Ablösesumme für einen wirtschaftlichen klammen Drittligisten eine ordentliche Finanzspritze darstellen. Wir haben uns mal umgeguckt.

Um Schnellleser nicht lange auf die Folter zu spannen: Die einzigen Personalien, die für den FCK unter diesem Gesichtspunkt gegenwärtig relevant wären, heißen Robin Koch und Kevin Trapp.

Koch kickte allerdings nur von 2015 bis 2017 beim FCK, somit wäre der Verein lediglich mit einem Prozent an einer fälligen Ablöse zu beteiligen. Über den großen Rest der insgesamt möglichen fünf Prozent dürfte sich Eintracht Trier freuen.

DIE FIFA-REGELUNGEN: BIS ZU FÜNF PROZENT BETEILIGUNG AN ABLÖSEN

Gemäß den FIFA-Statuten werden nämlich zwischen dem 12.und 15. Lebensjahr, in denen das Talent bei einem Verein ausgebildet wurde, pro Saison 0,25 Prozent Beteiligung an einer Ablöse fällig, die bei einem Verkauf bis zur Vollendung des 23. Lebensjahr erzielt wird, zwischen dem 16. und 23. Lebensjahr sind’s 0,5 Prozent pro Spielzeit. Bei Wikipedia finden sich die Bestimmungen knapp zusammengefasst, wer’s exakt recherchieren will, kann sich’s aus dem Originalreglement herausklauben. 

Bei den Summen, die bei Koch mittlerweile im Gespräch sind, könnte für den FCK  immerhin ein ordentlicher sechsstelliger Betrag herausspringen. Bei transfermarkt.de wird sein Marktwert auf zehn Millionen Euro beziffert, jüngsten Medienberichten zufolge allerdings buhlen die internationalen Topklubs Tottenham und Valencia um den vielseitig einsetzbaren Defensivspieler, da können sich die Ablöseangebote schnell auf über die 20-Millionen-Grenze hochschaukeln, wenn nicht gar noch höher. 

Allerdings: Die Medienberichte sind nun bald vier Wochen alt. Das kann für abgekühltes Interesse sprechen, muss aber nicht.

FÜR TRAPP GIBT’S NICHTS MEHR

Im Gespräch ist derzeit auch Kevin Trapp, den Paris Saint-Germain vergangene Saison an Eintracht Frankfurt ausgeliehen hatte. Die in der Euro-League so fulminant aufgetretenen Hessen würden den Ex-Lauterer jetzt gern fest verpflichten, auch der AS Rom soll interessiert sein, im zu erwartenden Poker wären die bislang veranschlagten zwölf Millionen Euro Marktwert schnell obsolet.

Trapp hat drei Junioren- und vier Profijahre beim FCK absolviert, das ergäbe eine Beteiligung von 3,5 Prozent. Möglich ist aber auch, dass Paris Trapp nun behalten will, nachdem Stammkeeper Gianluigi Buffon gerade erklärt hat, seinen auslaufenden Kontrakt nicht zu verlängern. Kehrt Trapp nach Paris zurück, sieht der FCK verständlicher Weise kein Geld.

Festzuhalten bleiben aber: Sollten Koch- und Trapp-Transfer zustande kommen, wären für den FCK rund eine halbe Million Euro zusätzlich drin. Viel Geld in der gegenwärtigen Situation.

LÖWEN, POLLERSBECK ZIMMER: DA IST – STAND JETZT – NICHTS ZU HOLEN

Wohlgemerkt: Wir reden hier nur über die FIFA-Regelungen, die erst bei Wechseln zwischen Klubs verschiedener Verbände Kräfte greifen. Über Weiterverkaufsklauseln,, die individuell in den Spielerverträgen geregelt sind, können wir an dieser Stelle nichts sagen.

Insofern sieht Lautern auch nichts von den geschätzten „über sieben Millionen“, die Hertha BSC jetzt an 1. FC Nürnberg für Eduard Löwen überweist. Der heute 22-Jährige hat in der Jugend für den FCK gekickt, ist zu Beginn der zweiten A-Juniorenjahres nach Saarbrücken gewechselt. Gleiches gilt auch für Philipp Klement , der für geschätzte 2,5 Millionen Euro von Paderborn nach Stuttgart wechselt. Der 26-jährige hat beim FCK alle Jugendmannschaften durchlaufen.

Auf dem Markt ist jetzt auch wieder Julian Pollersbeck. Der Hamburger SV will den Keeper trotz seines bis 2021 laufenden Kontrakts abgeben. Pollersbeck stand von 2013 bis 2017 in Lautern unter Vertrag. Bislang sind allerdings lediglich Düsseldorf und Frankfurt – falls Trapp nicht verpflichtet werden kann – als Abnehmer im Gespräch, keiner aus dem Ausland.

Jean Zimmer, der von 2009 bis 2016 für den FCK am Ball war, wird sogar schon 26. Über ihn wurde zuletzt was von Kontakten nach Russland gemunkelt, die aber nie konkretisiert wurden.

HEINTZ UND ORBAN: ZU ALT – UND KEIN GEGENSTAND VON GERÜCHTEN

Andere Lauterer Eigengewächse, die mittlerweile für den internationalen Markt für interessant wären und fette Beträge brächten, sind gegenwärtig nicht Gegenstand aktueller Wechselgerüchte. Mit Dominique Heintz etwa, der von 2001 bis 2015 Roter Teufel war, ist der SC Freiburg absolut glücklich, seit er ihn vor einem Jahr aus Köln holte. Sein Marktwert steht mittlerweile bei 7,5 Millionen Euro.

Für Willi Orban, von 2007 bis 2015 FCK’ler, gelten mittlerweile sogar 20 Millionen Euro als Verhandlungsbasis. Sollte der heute 25-Jährige tatsächlich nochmal ins Ausland wechseln, würde also richtig Kohle fällig. Allerdings steht ein Wechsel des Kapitäns von Red Bull Leipzig aktuell nicht zur Disposition. Dafür gibt der Deutsch-Ungar absolut lesenswerte Interviews. Interessant sind vor allem seine Ausführungen zum 1. FC Kaiserslautern und die Frage nach dem Fußballromantiker.

An einem Marktwert, der für den FCK noch spannend werden könnte, arbeitet Nicklas Shipnoski noch. Der 21-Jährige, der beim FCK ebenfalls alle Juniorenmannschaften durchlief, ist mit dem SV Wehen Wiesbaden jetzt erst einmal in die Zweite Liga aufgestiegen und wird noch mit bescheidenen 250.000 Euro taxiert. Aber da ist durchaus Potenzial für mehr.

AKTUELLE FCK-GERÜCHTE: NICOLAS SESSA IM ANFLUG?

Und was tut sich aktuell beim FCK so? Gewöhnlich gut informierten Beobachtern zufolge sollen die ins Auge gefassten „Wandspieler“ für den Sturm alle abgesagt haben: Lukas Röser, Christian Beck und Manuel Schäffler. Dagegen sollen die Verhandlungen mit Nicolas Sessa angeblich kurz vor dem Abschluss stehen. Der 23-Jährige, auf der Zehn und auf den Flügeln unterwegs, glänzte in der vergangenen Saison bei Absteiger VfR Aalen und gilt gegenwärtig als einer der begehrtesten Drittligaspieler auf dem Markt. 

Dem Internet-Portal „Liga 3 online“ zufolge interessiert sich der FCK außerdem für Serkan Firat  von Kickers Offenbach, laut „Reviersport“ soll eine Leihe des Kölner Mittelfeldtalentes Nikolas Nartey zum FCK ziemlich sicher sein.

In die Schlagzeilen geriet gestern auch mal wieder Lauterns künftiger Investor Flavio Becca. Er muss sich wegen Veruntreuung vor Gericht verantworten. Dass Becca im Visier der Justiz steht, ist freilich so neu nicht, als aktuelle Lektüre empfehlen wir einmal mehr den vergleichsweise unaufgeregten Beitrag auf SWR.de .

Update: Es ist schon schwer durchzufinden durch diese FIFA-Statuten. In einer ersten Version dieses Beitrags hieß es, die Ausbildungsentschädigungen würden nur fließen, bis die Spieler das 23. Lebensjahr erreicht haben. Sie gelten aber bei jedem vorzeitigen Wechsel, das haben wir mittlerweile korrigiert. Besonders gedankt sei an dieser Stelle dem Leser „marbod“ von transfermarkt.de.