Nicht jeder Sieg steht für guten Fußball – Die zehn besten FCK-Spiele dieser Saison

Was ist im Fußball eigentlich „gut“ – und was ist „besser“? Das Internetportal „Liga 3 online“ listet seit einigen Tagen „die besten Spiele der Saison“ auf. Der 1. FC Kaiserslautern ist in den Top Twenty bislang drei Mal vertreten – mit der 0:5-Klatsche in Unterhaching sowie den beiden 3:3-Unentscheiden gegen Köln und in Jena. Was zeigt: „Die besten Spiele der Saison“ sind nicht unbedingt die des FCK. Und: Die Auswahl der „Liga 3 online“-Redaktion orientiert sich hauptsächlich an turbulenten Spielverläufen und der Anzahl geschossener Tore. Was ohne Frage hohen  Unterhaltungswert hat, aber nicht unbedingt für guten Fußball steht. Daher haben wir uns mal gefragt: Was waren denn die für uns besten Spiele unseres FCK? Hier unsere persönliche Top Ten.

Irgendwie muss man sich ja die Zeit vertreiben, bis es wieder mal Vollzugsmeldungen vom Transfermarkt gibt. Als nächstes dürfte der FCK die Verpflichtungen von Nicolas Sessa und José-Junior Matuwila offiziell bestätigen. Doch bis es soweit ist, widmen wir uns mal dieser Bestenliste. Dabei haben wir uns weniger von Ergebnissen beeindrucken lassen, sondern uns angeschaut, wann und wo der FCK seine konzentriertesten Mannschaftsleistungen bot.

So bleibt beispielsweise Lauterns höchster Saisonsieg unberücksichtigt, das 4:0 gegen Unterhaching, denn dieses Spiel war bis zu Kühlwetters 1:0 in der 60. Minute einfach nur grauslig. Ebenso ist der 2:1-Duselsieg in Aalen nicht gelistet, auch die beiden Erfolge gegen Lotte nicht, da sie trotz Happy Ends lange schwache Phasen beinhalteten. Und das auf dem Papier interessante 4:2 zum Saisonfinale gegen Meppen haben wir eher als Freundschaftsspiel eingeordnet. Außerdem war es in zweiten Hälfte zum Gähnen.

Platz 10: FCK – 1860 München 1:0, 1. Spieltag

Zugegeben: Bei der Platzierung dieser Partie lassen auch wir uns mehr von der Dramaturgie als von der Qualität leiten, setzen sie allerdings bewusst nur auf Rang 10. Denn der FCK brauchte lange, um ins Spiel zu kommen, hatte phasenweise auch Glück, nicht in Rückenstand zu geraten, steigerte sich aber nach und nach, erarbeitete sich erste Chancen durch Lukas Spalvis und sorgte mit der Einwechslung von Timmy Thiele nochmal für neuen Schwung. Janek Sternberg Siegtreffer vier Minuten vor Schluss setzte den erlösenden Schlusspunkt. Und das vor über 40.000 Zuschauern zum Saisonstart in Liga 3 – so etwas bleibt eben haften.

Platz 9: FCK – Carl Zeiss Jena 4:1, 27. Spieltag

Eine Partie, in die der FCK ebenfalls zunächst gar nicht gut reinkam, sogar mit 0:1 ins Hintertreffen geriet. Aber: Der damals noch neue Jena-Trainer Lukas Kwasniok hatte sich einige starke taktische Kniffe einfallen lassen, ließ unter anderem sein Personal während des Spiels immer wieder rotieren und wirbelte den Gastgeber erst einmal durcheinander. Umso löblicher, dass die Lautrer es dennoch mit der Zeit schafften, Linie in ihr Spiel zu bringen und die Partie zu drehen. Mit dem Schlusspunkt zum 4:1 markierte Florian Pick den ersten Treffer seiner Profikarriere.

Platz 8: FSV Zwickau – FCK 1:1, 6. Spieltag

Wie? Ein Unentschieden in der Bestenliste – und dann auch noch das berüchtigte „Cornflakes“-Spiel? Ja, doch, wir wollen es so. Denn in dieser Partie ließ der FCK nach mauen Darbietungen zu Saisonbeginn eine deutliche Leistungssteigerung erkennen, übernahm als Gast die Initiative, ging nach einer knappen Stunde durch Timmy Thiele verdient in Führung und geriet erst in der Schlussphase ins Schwimmen. Dazu debütierten Lukas Gottwalt und Theo Bergmann eindrucksvoll in der Startelf. Und, natürlich, ein bisschen haben wir die Partie auch deswegen nominiert, um noch einmal an den Witzelfmeter in der Nachspielzeit zu erinnern, der Jan Löhmannsröbens legendär gewordene „Cornflakes“-Rede nach sich zog. Der härteste Beschiss dieser Saison.

Platz 7: FCK – Halle 0:0, 23. Spieltag

Noch ein Remis – und noch dazu eine Nullnummer? Wir können einfach nicht anders. Denn nach diesem Spiel waren alle unglücklich, Publikum, Spieler und beide Trainer. Weil alle glaubten, dass für ihre Farben mehr drin gewesen wäre. Daher ist es jetzt Zeit, Abbitte zu leisten, denn die Partie war interessanter, als sie hinterher gemacht wurde. Halle kam als Tabellendritter – und das nicht von ungefähr. Keiner verschob sich in dieser Spielzeit so kompakt übers Feld wie die Hallenser, da fällt es schwer, spielerische Glanzlichter zu setzen.  Die Lauterer hielten mit zunehmender Spieldauer jedoch gut dagegen, erarbeiteten sich in Hälfte zwei phasenweise sogar Vorteile. Und zeigten, dass sie gegenüber dem erbärmlichen 0:2 im Hinspiel ordentlich dazu gelernt hatten.

Platz 6: Eintracht Braunschweig – FCK 1:4, 9. Spieltag

Der höchste Auswärtssieg dieser Saison – nur auf Rang 6? Doch, muss so sein. Denn da war ganz viel Dusel dabei. Kühlwetters Führungstreffer ermöglichte ein eklatanter Torhüterbock, Lauterns 2:1 schossen sich die Braunschweiger selbst rein. Aber: Obwohl sie als Tabellen-19. in die Partie ging, war die Eintracht an diesem Abend stark, ging sauber strukturiert und engagiert zu Werke. Da muss man auch mit Glück erst mal mit klarkommen. Als der damalige FCK-Trainer Michael Frontzeck hinterher meinte, sein Team hätte den bislang stärksten Gegner dieser Saison besiegt, wurde er belächelt – zu Unrecht. Und nach der Führung machte es richtig Laune, wie Kühlwetter und Hemlein das Ergebnis auf 4:1 hochschraubten.

Platz 5: FCK – Großaspach 2:0, 21. Spieltag

Lauterns erster Auftritt im Jahr 2019 und das erste Pflichtspiel in 3-4-3-Grundordnung. Gegner nahezu über 90 Minuten kontrolliert, das 1:0 –  Löhmannsröben per Kopf mit anschließendem Häschen-Jubel – nach einer längeren Druckphase erzwungen, den zweiten Treffer durch Thiele nach vorbildlicher Balleroberung durch „Löh“ und direktem Zuspiel in die Spitze erzielt. Starkes Debüt des eingewechselten Jonjic. In guten Tagen hätte man einen Heimerfolg gegen einen Tabellen-17. als „Pflichtsieg“ bezeichnet, in Spielzeiten wie diesen landet dergleichen auf Rang 5.

Platz 4: SV Meppen – FCK 0:1, 19. Spieltag

Das zweite Spiel mit Sascha Hildmann auf der Trainerbank. Starke Defensivleistung, früher eigener Treffer durch Zuck. Was die hohe Platzierung aber eigentlich rechtfertigt: In der zweiten Hälfte mauert der FCK nicht, sondern schiebt sich trotz Führung immer wieder geschlossen nach vorne, um den Ball vom eigenen Tor wegzuhalten. „Vorwärts verteidigen“ nennt der Trainer das. Hätten wir in dieser Saison gerne öfter gesehen. Etwa in Köln, als es bereits 2:1 für den FCK stand, dann aber doch 2:2 endete.

Platz 3: Karlsruher SC – FCK 0:1, 24. Spieltag

Derby- und Auswärtssieg beim damaligen Tabellendritten und späteren Direktaufsteiger. Zugegeben: Auch diese Partie gestaltete der FCK nicht durchgehend souverän, hätte insbesondere nach Hemleins Katastrophen-Fehlpass in der ersten Hälfte in Rückstand geraten können. In Hälfte zwei aber ein schönes Schad-Tor auf Zuspiel Kühlwetters, der zum ersten Mal von Anfang an im Sturmzentrum agierte. Und danach zog der FCK ein gutes Konterspiel auf. Kühlwetter und Sternberg hätten sogar noch erhöhen können.

Platz 2: KFC Uerdingen – FCK 2:4, 31. Spieltag

Weiter Diagonalpass Albaek, Kopfballablage Kühlwetter auf Schad, der startet zur Grundlinie durch, passt flach in die Mitte, Thiele vollstreckt. Der am schönsten herausgespielte Treffer der Saison, doch auch die anderen drei waren sehenswert. Diese Partie hatten viele auf Rang 1 erwartet, stimmt’s? Dafür aber machten es die Krefelder ihren Gästen unserer Ansicht nach einfach zu leicht. Hoch stehen, aber keinen Druck auf den Ballführenden ausüben, so dass dieser  den öffnenden tiefen Pass spielen, das kann nicht gutgehen. Diese Unart wurde auch dem FCK immer wieder mal zum Verhängnis.

Platz 1: FCK – KFC Uerdingen 2:0, 12. Spieltag 

Sorry, aber in der Abwägung der beiden Uerdingen-Spiele war diese Partie dann doch die bessere. Damals kam der KFC noch als Tabellenzweiter und war eigentlich richtig gut drauf. Lautern hielt jedoch mit der konzentriertesten Mannschaftsleistung dieser Saison dagegen, zeigte ein gut strukturiertes Mittelfeldpressing, eroberte sich den Ball immer wieder wenige Meter hinter der Mittellinie, um dann direkt in die Spitze zu spielen: Als hätten Frontzeck und seine Buben in den Tagen davor ausgiebig das Spiel von Weltmeister Frankreich studiert. Und als Sahnehäubchen noch ein Traumtor von Hemlein, das muss einfach reichen für Platz 1.

Foto: 1. FC Kaiserslautern