Zum Trainingsstart fehlt es noch an Personal und Feuer – dies aber könnte das Pokalderby gegen Mainz nun entfachen

Zeiten ändern sich. Zum Trainingsstart in die Saison 2018/2019 tummelten sich seinerzeit bereits 15 extern Neuzugänge auf dem Betzenberg, nur Stürmer Timmy Thiele kam ein paar Tage später. In diesem Sommer durften die Trainingskiebitze zum Aufgalopp lediglich zwei Neulinge in Augenschein nehmen, zwei bis drei weitere will Sport-Geschäftsführer Martin Bader bis zum Beginn des Trainingslagers am 28. Juni in Herxheim noch unter Vertrag nehmen. Die angestrebte punktuellen Verstärkungen des Kaders kommen also nur langsam voran. Einen herben Rückschlag markierte der Rückzieher von Nicolas Sessa in der vergangenen Woche. Der Wunschkandidat für die Zehnerposition zog trotz anfänglicher Zusage am Ende doch ein Engagement bei Zweitligist Aue vor. Was zeigt: Der 1. FC Kaiserslautern muss beim Personaleinkauf heuer wieder ein Stück tiefer ins Regal greifen.

Der Lizenzspieleretat mag sich dank der Soforthilfe des angekündigten Investors Flavio Becca auf dem gleichen Niveau bewegen wie im Vorjahr, an Attraktivität für aufstrebende junge Kicker hat der FCK dennoch weiter verloren. Im Vorjahr etwa glückte es Bader noch, im Werben um das Erfurter Talent Theo Bergman auch Zweitligisten auszustechen. Damals aber war der FCK in Liga 3 gerade frisch aufgeschlagen, strebte scheinbar entschlossen den direkten Wiederaufstieg an, wurde prompt aufs Favoritenschild gehoben und strahlte im Umfeld einen ansteckenden Optimismus aus. Nach Jahren des Niedergangs sollte der Turnaround geschaffen werden, endlich. 

Doch nach einem weiteren Jahr der Ernüchterung und einem neunten Rang in der Abschlusstabelle ist von dieser Sexyness nicht mehr viel geblieben. Und trotz abermaligen Top-Etats dürften die Lauterer diesmal allenfalls im erweiterten Kreis der Aufstiegskandidaten Platz finden. 

Denn die Zweitligaabsteiger Duisburg und Ingolstadt werden heuer kaum so tief fallen wie ihre Vorgänger aus den Spielzeiten davor. Mit Torsten Lieberknecht und Jeff Saibene sitzen da für Drittligaverhältnisse zwei Hochkaräter auf den Trainerbänken. Eintracht Braunschweig hat personell enorm aufgerüstet, bei Hansa Rostock ist ebenfalls viel in Bewegung, und auch der KFC Uerdingen sollte irgendwann mal in der Lage sein, mit den Millionen seines Investors Ponomarev mehr sportlichen Ertrag zutage zu fördern als zuletzt.

SESSA ABSAGE TRIFFT HART, IST ABER AUCH KEINE ÜBERRASCHUNG

Drum ist es naiv, auf den „Charakter“ des ehemaligen Aaleners Sessa zu schimpfen, wie es im Lautrer Umfeld derzeit geschieht. Der 23-Jährige hat mit der Zusage, die er vor über zwei Wochen gegeben haben soll, den FCK lediglich hingehalten, um noch in Ruhe weitere Angebote sondieren zu können.

Derlei ist in diesem Geschäft durchaus nicht unüblich. Der FCK hat auch schon in Jahren, in denen er sich noch höherklassiger orientierte, solche Rückzieher erlebt. Nur ist die Zahl der Vereine, die ihn überbieten können, was Finanzen und sportliche Perspektiven angeht, mittlerweile noch größer geworden.

Ablösefreie Leistungsträger von Drittligisten werden vorzugsweise bei Zweitligisten landen. Erst recht, wenn sie noch unter 25 Jahre alt sind und so noch Potenzial für Marktwertsteigerungen aufweisen, denn gerade darauf achten Einkäufer von Klubs wie Aue, Sandhausen und Heidenheim besonders. Kein Wunder also, dass für den FCK eher was bei älteren Spielern gehen. Die bisherigen Neuzugänge Simon Skarlatidis und José-Junior Matuwila etwa, die Stammspieler in Würzburg und Cottbus waren, zählen bereits 28 und 27 Lenze.

Was für Lautern gegenwärtig ja auch okay: Den eigenen Talentschuppen mit ein wenig Erfahrung zu stärken, hat Bader schließlich auch zum Ziel seiner Personalpolitik für diesen Sommer erklärt.

KOMMT STARKE? DER FÄHRT ERST MAL ZUM AFRIKACUP

In dieses Raster passt auch Manfred Starke, offensiver Aktivposten von Carl Zeiss Jena, ablösefrei zu haben, aber auch schon 28 Jahre alt. Die „Bild“ und die „Thüringer Allgemeine“ haben seinen Wechsel nach Kaiserslautern bereits als quasi fix bezeichnet, der Spieler selbst hält sich im Interview mit „Liga 3 online“ noch bedeckt, kündigt aber eine Entscheidung in Kürze an. 

Zudem nimmt der in Namibia aufgewachsene Starke mit seiner Nationalmannschaft nun erst einmal am Afrikacup teil, der bis 19. Juli andauert – an diesem Tag startet die Dritte Liga bereits. Falls Namibia die Vorrunde nicht übersteht, was angesichts der Konkurrenz Marokko, Elfenbeinküste und Südafrika keine Überraschung wäre, stünde der Linksfuß seinem neuen Klub allerdings bereits unmittelbar nach dem 1. Juli zur Verfügung. 

Möglich, dass die Verzögerungen, die sich bis zum Einstieg ins Mannschaftstraining noch auftun können, auch den Vertragsabschluss beeinflussen. Der FCK sucht schließlich Verstärkungen, die direkt einschlagen.

DER NEUE „WANDSTÜRMER“ HEISST WOHL BJARNASON

Dass es noch schwerer geworden ist, auf dem deutschen Markt Spieler anzuwerben, die den FCK weiterbringen könnten, haben auch die Bemühungen um den gewünschten „Wandstürmer“ gezeigt: Lucas Röser (Dynamo Dresden), Manuel Schäffler (Wiesbaden) und Christian Beck (Magdeburg) haben abgesagt. 

Der Blick musste sich zwangsläufig ins Ausland richten, und da sind die Lautrer wohl in Schweden fündig geworden: Der Isländer Andri Rúnar Bjarnason soll am heutigen Montag unterschreiben. Die 1,93-Kante hat für Helsingborg in der laufenden Runde in acht Erstligaspielen drei Mal genetzt. In der Spielzeit davor hat er seinen Klub mit 16 Treffern aus der Zweiten Liga in die Erste geschossen. Sieben Assists deuten darauf hin, dass er sich auch aufs Auflegen versteht, denn gerade das soll ein „Wandspieler“ ja auch können.

Interessant: Zweitliga-Absteiger Duisburg hat soeben die Verpflichtung eines nahezu baugleichen Stürmertyps bekanntgegeben: Vincent Vermeij vom niederländischen Erstligisten Heracles Almelo, zuletzt an Zweitligisten FC Den Bosch ausgeliehen. 1,96 groß, ablösefrei, allerdings vier Jahre jünger als Bjanarson. Wir werden die beiden im Saisonverlauf immer mal vergleichen. Mal sehen, wessen Scouts das bessere Auge hatten.

EIN SECHSER SOLL NOCH KOMMEN – UND KEIN AUSSENVERTEIDIGER?

Auf der Wunschliste stehen noch ein „Sechser“ und auch der soll körperlich robust sein, wie FCK-Trainer Sascha Hildmann im aktuellen Interview mit „Rheinpfalz“ erklärt. „Groß und kopfballstark“, also die Markus Karl-Kategorie.

Die „Marbacher Zeitung“ meldete vergangene Woche, dass die SG Sonnenhof Großaspach ihre Bemühungen, Dominik Pelivan zu halten, eingestellt habe. Der 23-Jährige würde ins Lautrer Profil passen, wäre darüber hinaus auch spielerisch eine Bereicherung, ist aufgrund seines Entwicklungspotenzials aber auch für Zweitligisten attraktiv. Martin Bader hat unlängst erklärt, mit zwei „Sechsern“ im Gespräch zu sein. Pelivan könnte einer davon sein.

Ein neuer Außenverteidiger wird beim FCK derzeit anscheinend nicht gehandelt. Das erstaunt, denn im Prinzip gibt es für Janek Sternberg und Dominik Schad im Kader derzeit keine „gelernten“ Alternativen. Beim ersten Aufgalopp gestern in Waldfisch-Burgalben gegen eine Regionalauswahl der Südwestpfalz füllte Hendrick Zuck eine Halbzeit lang die Linksverteidiger-Position aus, der bislang eher auf den offensiven Flügelpositionen zuhause war. Auf der rechten Seite verteidigte Youngster Leon Hotopp 45 Minute lang, der eigentlich Innenverteidiger ist.

DIE CHANCE ZUM EUPHORIESCHUB: IM DFB-POKAL GEGEN MAINZ

Dieses erste Testspiel endete übrigens 7:0. Dabei trug sich mit Anas Bakhat ein weiterer aufgerückter A-Junior gleich zwei Mal in die Torschützenliste ein, ansonsten traf Christian Kühlwetter drei Mal, die beiden übrigen Treffer steuerten Timmy Thiele und Elias Huth bei.

Die elektrisierendste Nachricht aber kam von außerhalb des Platzes. In der ersten DFB-Pokalhauptrunde, die vom 9. bis 12. August 2019 ausgetragen wird, trifft der 1. FC Kaiserslautern auf den FSV Mainz 05! Das Nachbarschaftsduell könnte für einen ausverkauften Betzenberg sorgen – und dafür, dass am Betzenberg doch noch das Feuer aufflammt, an dem es vor dieser Spielzeit noch fehlt.

Foto: 1. FC Kaiserslautern