Kommentar: Die vorgezogene JHV kann mehr als ein Kompromiss sein – Sie bietet auch die Chance zur Selbstreinigung

Die Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern wird 2019 vorgezogen. Mit dieser Entscheidung reagiert der Vereinsrat des FCK auf die Empfehlung seines Ehrenrats, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, um die jüngsten Vorgänge in den Führungsgremien aufzuarbeiten und „Transparenz“ herzustellen. So war es am Dienstag zumindest in der „Rheinpfalz“ zu lesen, offiziell bestätigt hat der Verein es noch nicht. Dagegen ist nichts hören, wie mit dem Antrag auf Vereinsausschluss weiterverfahren wird, den ein FCK-Mitglied gegen die Aufsichtsratsmitglieder Patrick Banf, Jochen Grotepaß und Paul Wüst gestellt hat, da dürfte sich die rechtliche Prüfung noch hinziehen. Dessen Bekanntwerden hat erneut für großen Unmut im Umfeld gesorgt, auch mit Anfeindungen gegen den Antragsteller wird nicht gespart. Zurecht?

Der Antrag käme zur Unzeit, heißt es. Mitten in die Saisonvorbereitung, zu einem Zeitpunkt, in dem die Kaderplanung noch nicht abgeschlossen sei. Wie sollen  interessante Kicker vom FCK überzeugt werden, wenn der Verein ständig solche Schlagzeilen produziere?

Diese Argumente lassen sich in der Tat nicht von der Hand weisen.  Andererseits: Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt, ein solches Verfahren einzuleiten? Nach dem Saisonstart, wenn es bereits auf die ordentliche Jahreshauptversammlung im Dezember zugeht?

SO ODER SO: DER ZEITPUNKT IST IMMER UNGÜNSTIG

Wohl kaum. Bei einem bis dahin erfolgreichen Saisonverlauf des FCK sähe sich der Antragssteller dem Vorwurf ausgesetzt, jetzt, wo es einigermaßen mal wieder liefe, würde so ein „Profilneurotiker“ – oder Schlimmeres –  dem Klub direkt wieder Knüppel zwischen die Beine werfen. Und nach einem erneut mauen ersten Saisondrittel hieße es, da wolle jetzt einer unbedingt derjenige sein, der den letzten Nagel in den Sarg schlägt…

Es gibt also keinen richtigen Zeitpunkt. Der Antragsteller hat gewartet, bis die Lizenz für anstehende Spielzeit gesichert war. Das ist ihm schon einmal zugute zu halten. Und so gerne auch wir uns in den nächsten Wochen in diesem Blog mal nur noch mit Fußball beschäftigt hätten: Ihm ist es nicht vorzuwerfen, dass dieser Schlamassel nun wieder hochgekocht wird.

Hätte denn die Art und Weise, wie die angesprochenen Teile des Aufsichtsrats, der auch den Beirat der Management GmbH bildet, im Mai den Rücktritt ihres Kollegen Michael Littig erzwungen haben, um den Luxemburger Flavio Becca als Bürgen – wohlgemerkt: mehr ist er derzeit noch nicht – ins Boot zu holen, folgenlos bleiben sollen?

MIT DER RÜCKTRITTSFORDERUNG GRIFF BECCA MASSIV IN VEREINSGESCHICKE EIN

Um es noch einmal zu sagen: Littig war ein von der Mitgliederversammlung demokratisch gewähltes Aufsichtsratsmitglied des Vereins. Mit seinem mit 3:2-Mehrheit gefassten Beschluss zugunsten eines Engagements Beccas haben die genannten Funktionäre dessen damit verbundene  Rücktrittsforderung gutgeheißen und damit zugelassen, dass ein potenzieller Geldgeber massiv in die Führung des Vereins eingreift –  und das, noch bevor erste finanzielle Mittel von seiner Seite geflossen sind. 

Der Punkt ist darüber hinaus auch im sogenannten „Letter of Intent“ aufgeführt, den FCK-Verantwortliche und Becca unterzeichneten. Konkret unterschrieben haben diesen neben Patrick Banf auch Martin Bader und Michael Klatt, die Geschäftsführer der Kapitalgesellschaft. Dies hat Michael Klatt in einem Pressegespräch auch bestätigt.

„Jedes Mitglied ist verpflichtet, das Ansehen des Vereins zu wahren sowie die Satzung einzuhalten“, zitiert der Antragsteller Artikel 6 der Vereinssatzung. Und in Artikel 7 heißt es: „Ein Mitglied kann ausgeschlossen werden, wenn es in erheblichem Maße gegen die Interessen des Vereins verstößt.“

AUCH WENN ES WEH TUT: DIESER ANTRAG IST KEINESFALLS ABWEGIG

Im Verhalten der drei genannten Funktionäre einen Satzungsbruch zu sehen, ist also keinesfalls abwegig. Und der Antragsteller ist absolut nicht der einzige, der einen solchen erkannt hat. Auch der Ehrenrat bezeichnet dieses in seiner Empfehlung an den Vereinsrat, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, als „satzungswidrig“. Nach unseren Informationen hat sogar einer der Beschuldigten vor dem Ehrenrat bereits eingeräumt, er sei sich bewusst gewesen, einen Satzungsbruch zu begehen, als er Beccas Forderungen zustimmte, doch habe er im Interesse des Vereins das Engagement des Luxemburgers unbedingt sichern wollen.

Das immer mal angeführte Argument, formal sei Littig am Ende ja „freiwillig“ zurücktreten, ist hingegen einfach nur scheinheilig. Nach unseren Informationen hat Littig dem Verein mittlerweile sogar anwaltlich untersagen lassen, von einem „freiwilligen“ Rückzug seinerseits zu sprechen.

VORGEZOGENE JHV TATSÄCHLICH SCHON IM SEPTEMBER?

Das Problem ist allerdings: Sollte der Antrag auf Vereinsausschluss zugelassen werden, ist der Verein im Grunde handlungsunfähig, da Mitglieder, gegen die ein Ausschlussverfahren läuft, keine Ämter ausüben dürfen. Für den Fall, dass hohe Funktionsträger von einem solchen Verfahren betroffen sind, hält die Satzung nämlich keine Lösung bereit.

Da ist guter Rat teuer. Will sagen: Da müssen jetzt Fachanwälte ran.

Fakt scheint bislang lediglich zu sein: Die Jahreshauptversammlung (JHV) wird vorgezogen. Ob diese tatsächlich schon im September über die Bühne gehen kann, wie die „Rheinpfalz“ vermeldet, ist jedoch fraglich.

Laut Satzung kann nämlich vor dem 15. Oktober eines Jahres gar keine JHV anberaumt werden. Auch dürfte es schwierig werden, zu einem solch frühen Zeitpunkt bereits Geschäftsabschlüsse zu präsentieren. Möglicherweise werden diese Punkte in einem offiziellen Statement des FCK geklärt, denn ein solches existiert bislang ja noch gar nicht.

Darüber hinaus hat der Vereinsrat die Einführung eines „FCK-Mitgliederforums“ beschlossen, das Ende August erstmals tagen soll. Dort sollen alle Gremien für Fragen zur Verfügung stehen und „Informationen aus erster Hand liefern“. Irgendwelche Handlungsbefugnisse hat dieses Forum allerdings nicht, daher haken wir es zunächst mal als „nette Idee“ ab.

WAS KANN AUF DER VORGEZOGENEN JHV NUN GESCHEHEN?

Wichtiger ist die Frage: Gesetzt den Fall, es kommt bis zu diesem Termin zu keinem Vereinsausschlussverfahren – was haben die „Satzungsbrecher“ dann in dieser vorgezogenen JHV zu erwarten?

Es ist durchaus möglich, dass ihnen die Entlastung verweigert wird. Es sei denn, das FCK-Team um Sascha Hildmann hat bis dahin einen derart stimmungsaufhellenden sportlichen Höhenflug eingeleitet, dass die Mitglieder beide Augen zudrücken, damit der Betriebsfrieden erhalten bleibt. Das eine hat mit dem anderen zwar nichts zu tun, aber wer die FCK-Familie kennt, dass ein solches Verhalten durchaus denkbar ist.

Und wenn Banf & Co die Entlastung verweigert wird, ist auch ihre anschließende Abwahl möglich. Wobei sie, wie weiland Dieter Rombach, dann anstandshalber eigentlich von sich aus zurücktreten müssten.

WARUM NICHT ZURÜCKTRETEN – UND NEUWAHLEN ERMÖGLICHEN?

Die Liste der denkbaren „Nachrücker“ für den Aufsichtsrat umfasst mittlerweile aber  nur noch zwei Namen, nachdem Bruno Otter bereits auf Michael Littig gefolgt ist. Heißt: Wenn drei Aufsichtsräte abgewählt werden oder zurücktreten, muss es zu vorgezogenen Neuwahlen kommen – und somit zu eben der Außerordentlichen Mitgliederversammlung, die der ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende Wilfried de Buhr dem Verein eigentlich ersparen wollte.

Vor diesem Hintergrund sei die Anregung erlaubt: Warum ringen sich die Angesprochenen nicht zur ganz großen Geste durch – und stellen unter den gegebenen Umständen ihre Ämter von sich aus zur Verfügung, so dass es bereits zur vorgezogenen JHV zu Neuwahlen kommen kann?

Wenn sie von einem Vereinsausschlussverfahren verschont bleiben, könnten sie in diesem Fall sogar neu kandidieren – und eventuell wieder gewählt werden, wenn es ihnen gelingt, den Mitgliedern glaubhaft darzulegen, dass sie überzeugt waren, mit ihrem Satzungsbruch einfach das richtige für den FCK zu tun.

In diesem Falle böte die vorgezogene JHV nicht nur die Kompromisslösung, als die sie bislang allenthalben angesehen wird, sondern eine echte Chance zur Selbstreinigung.