Ein 1:4 bremst die Vorfreude auf die Saison – doch Bjarnason, Bakhat, Pick und Zuck bieten Lichtblicke

Eine befriedigende Antwort darauf wird es wohl nie geben: Was hat man als Zuschauer davon, eines der ersten Testspiele einer Saisonvorbereitung zu besuchen? Wie sehr darf man sich über Schlappen gegen unterklassige Gegner ärgern – und über die hinterher absehbare Erklärung des Trainers, nach den ersten harten Trainingstagen habe eben die „Spritzigkeit“ gefehlt? Rund 800 Fans kamen am Samstagnachmittag nach Langenlonsheim und sahen ihren 1. FCK Kaiserslautern gegen den Regionalligisten FSV Frankfurt verlieren. Das macht sicher nicht gerade Hoffnung auf die kommende Saison, und so etwas wie Vorfreude schürt’s schon gar nicht.  Andererseits, und auch wenn es eine Floskel ist: Das Ergebnis ist zweitrangig. Versuchen wir lieber, ein paar Erkenntnisse zu gewinnen, die darüber hinaus gehen.

Für die deprimierende erste Halbzeit fällt dies freilich schwer. Bereits nach 35 Minuten liegt der FCK 0:3 hinten. Beim FSV, der einen Tag später in die Saisonvorbereitung gestartet ist, klappt hingegen alles. Drei Chancen, drei Treffer. 

Insbesondere der ehemalige Wormser Steffen Straub wirbelt seine Landsleute auf der linken Seite heftig durcheinander. Vor dem 1:0 flankt er auf Mittelstürmer Arif Güclü, zum 3:0 zirkelt er einen Freistoß persönlich in den Winkel. Dazwischen hat Ahmet Azaouagh mit einem gezielten Flachschuss aus dem Hinterhalt das 2:0 erzielt.

MATUWILA FÄLLT AUF: DAS HÄTTE MAN NICHT PFEIFEN MÜSSEN

Und der FCK? „In der ersten Halbzeit stand die schwächere Elf auf dem Platz“, wird es hinterher heißen. Nun ja, wenn dem so ist, stehen beim FCK 2019/20 wohl einige Änderungen in der Stammbesetzung an: Denn mit Lennart Grill im Tor und Dominik Schad, André Hainault und Janek Sternberg lief eine Abwehrformation auf, die vergangene Saison mehr oder weniger gesetzt war.

Komplettiert wird die Vierer-Abwehrkette von Neuzugang José Matuwila auf der linken Innenverteidiger-Position. Der soll die Tempodefizite in der hinteren Reihe beheben, und  einigen Laufduellen darf er denn auch andeuten, dass er dazu in der Lage sein könnte. Seine auffälligste Szene hat er, als den Freistoß vor dem 0:3 verursacht. Er spitzelt den Ball mit hohem Körpereinsatz vor seinem durchgebrochenen Gegenspieler weg – das hätte Schiedsrichter Patrick Alt vielleicht gar nicht mal unbedingt pfeifen müssen.

DAS ETABLIERTE STURMDUO MÜHT SICH VERGEBENS

Vor der Abwehr agiert mit Carlo Sickinger die große Mittelhoffnung dieser Saison, vorne müht sich mit Christian Kühlwetter und Timmy Thiele das Stamm-Duo der vergangenen Spielzeit, allerdings wirkungslos.

Ganz so unbedarft ist diese erste Elf also nicht, auch wenn sie ansonsten von drei Youngstern komplettiert wird: Anil Gözütok auf dem rechten, Mohamed Morabet auf dem linken Flügel, Anas Bakhat in der Mittelfeldzentrale.

Dennoch: Von den Spielelementen, die in der kommenden Runde verbessert sollen,  ist in diesen ersten 45 Minuten nichts zu sehen: Forciertes Flügelspiel, mehr Flanken in den Strafraum, verbesserte Standards – Fehlanzeige. Ist eben nach sechs Trainingstagen auch nicht zu erwarten.

BAKHAT ÜBERZEUGT – UND DARF DURCHSPIELEN

Immerhin: Der für seine 19 Jahre recht robuste Bakhat macht neben Sickinger eine gute Figur, kann ebenso wie sein Nebenmann für präzise Flankenwechsel sorgen. Da scheint sich in der Mittelfeldzentrale eine ernsthafte Alternative aufzudrängen.

Vor Hälfte zwei wechselt FCK-Trainer Sascha Hildmann auf zehn Positionen durch, lediglich Bakhat darf durchspielen. Was aber nicht als besonderer Härtetest zu verstehen ist: „Ich hab halt nur 21 Spieler dabei“, erklärt der Coach. Da müsste einer eben durchspielen, und dafür sucht er sich halt gerne einen von den ganz Jungen aus. Das letzte Mal war’s Leon Hotopp, der diesmal in den zweiten 45 Minuten auf der rechten Außenverteidiger-Position aufläuft.

Im Tor steht nun Lorenz Otto, die Abwehrreihe komplettieren Kevin Kraus, Jonas Scholz und Hendrick Zuck. Im Mittelfeld agieren Toni Jonjic, Gino Fechner, Theo Bergmann und Florian Pick. Bakhat ist nun nach vorne gerückt, neben dem, den die Fans wohl mit der größten Spannung erwartet haben: den neuen Mittelstürmer Andri Rúnar Bjarnason.

BJANARSON MIT EINEM TOR – UND EINIGEN GUTEN ANSÄTZEN

Und der fügt sich denkbar gut ein, markiert nach 47 Minuten bereits das 1:3, trifft kurz darauf nach einer Zuck-Ecke die Latte und hat später noch eine weitere Einschusschance. In der Tat: Der FCK kommt jetzt richtig gut auf, kassiert aber schon  bald den vierten Treffer durch Muhamed Alawie: Der darf nach einem Bergmann-Fehlpass Otto überlupfen, auch kein Ruhmesblatt. 

Erkenntnisse, die dennoch bleiben: Bjanarsons Momente, und das bezieht sich nicht nur auf seine Torszenen. Der 28-Jährige zeigt auch, dass er durchaus der „Wandspieler“ sein kann, als der er geholt wurde. Kann den Ball mit dem Rücken zum Tor annehmen und durchstecken, das gelingt ihm einmal sehr gut auf den eingewechselten Pick. 

Der in diesem Test übrigens ein absoluter Aktivposten ist. Wird spannend sein, wie er auf die neuen Mitbewerber auf den Flügeln reagiert. In Langenlonsheim fehlte Simon Skarlatidis wegen einer leichten Verletzung, Manfred Starke weilt mit der namibischen Nationalmannschaft noch beim Afrika-Cup.

ZUCK ALS LINKER VERTEIDIGER: EINE ECHTE OPTION

Ebenfalls einer Notiz würdig: Zucks Auftritt als linker Verteidiger. Überlegte Aktionen, gutes Zusammenspiel mit Pick. Das könnte durchaus seine neue Position sein, und die Suche nach einer Alternative zu Sternberg überflüssig machen.

Ansonsten muss sich geneigte Betrachter an das halten, was Sascha Hildmann am Ende sagt: „Nächste Woche wird das schon ganz anders aussehen.“ Sein Trainingsprogamm sei nun mal auf den Saisonstart am 19. Juli ausgerichtet: „Da müssen Fitness, Zweikampfhärte und Mentalität stimmen.“

Foto: 1. FC Kaiserslautern