Kommentar: Die Profis schwitzen – Kaderplanung und Betriebsfrieden bereiten weiterhin Kopfzerbrechen

Mit insgesamt 26 Spielern hat der 1. FC Kaiserslautern am Freitag sein Trainingslager in Herxheim bezogen. Der angekündigte defensive Mittelfeldspieler, den Sport-Geschäftsführer Martin Bader zu diesem Termin präsentieren wollte, ist nun doch nicht dabei. Mit dem Franzosen Mohamed Fadhloun ist zwar ein Testspieler mit von der Partie, der diese Position bekleidet, aber als die Sofort-Verstärkung, als die der Neue angekündigt worden ist, lässt sich der 25-Jährige, der zuletzt mit dem FC Virton in Belgiens zweite Liga aufstieg, kaum bezeichnen. Am Betzenberg wünscht sich die FCK-Führung derweil einmal mehr „Ruhe im Umfeld und Geschlossenheit“. Zuvor wurde dem auch vom Ehrenrat geäußerten Wunsch, die Ereignisse der vergangenen Wochen in außerordentlichen Mitgliederversammlung aufzuarbeiten, allerdings nur sehr eingeschränkt entsprochen. Den Betriebsfrieden festigen könnten, neben sportlichen Erfolgen, die angekündigten Millionen des designierten Investors Flavio Becca – der hat sich jüngst immerhin mal in der „Bild am Sonntag“ zu Wort gemeldet.

Ja, es ist schwierig, als Drittligist, der permanent Negativschlagzeilen produziert und vergangene Saison nur als Neunter abgeschlossen hat, Personal zu verpflichten, mit dem sich wieder oben angreifen lässt. Ja, es garantiert den Erfolg nicht allein, alle Personalplanungen schon zu Beginn der Vorbereitung abgeschlossen zu haben – das hat die vergangene Saison gezeigt. Ja, es kann durchaus Sinn machen, auf dem Transfermarkt erst einmal die Ruhe zu bewahren.

ZWEITLIGASPIELER, DEREN ZUKUNFT NICHT ENTSCHIEDEN IST? MEDOJOVIC?

Es lässt aber auch nicht leugnen: Optimal verläuft diese Transferperiode nicht, nicht nur wegen der Absage des ehemaligen Aaleners Nicolas Sessa, dessen Verpflichtung schon als sicher galt. Den Kader bis zum Beginn des Trainingslagers komplett zu haben, hatte Martin Bader schließlich selbst als Ziel formuliert. Jetzt revidiert der „kicker“: Der Sport-Geschäftsführer habe für die vakante Sechserposition „Zweitligaspieler“ im Auge, „deren Zukunft noch nicht entschieden ist.“ Eventuelle Abschlüsse könnten sich noch hinziehen.

Um wen es sich da handeln könnte? So ganz spontan fällt uns da Slobodan Medojovic ein, der Darmstadt 98 definitiv verlässt. Er entspricht voll und ganz der Stellenbeschreibung „robust, zweikampfstark, erfahren“. Und es würde auch ins Bild passen, dass der 28-Jährige, der auch schon 57 Erstligaspiele absolviert hat, noch eine Weile den Markt sondieren will, ehe er sich für die Dritte Liga entscheidet.

SPAHIC SCHEINT SICHER, RETTIG IM TEST

Kurzfristig ersetzen muss der FCK Torwart Wolfgang Hesl, dessen Vertrag recht unvermittelt aufgelöst wurde, über die Hintergründe ist nichts bekannt. Mit Avdo Spahic scheint bereits ein mehr als gleichwertiger Ersatz gefunden. Der 22-Jährige war vergangene Saison die Nummer 1 bei Absteiger Energie Cottbus und käme sicher nicht, um sich selbstverständlicher Weise als Nummer 2 hinter Lennart Grill einzureihen.

Auch die Verpflichtung eines Außenverteidigers ist noch denkbar, da der Kader gegenwärtig keine „gelernten“ Alternativen für Janek Sternberg und Dominik Schad bereithält. Für diese Rolle darf sich im Trainingslager Testspieler Filip Rettig von der TSG Hoffenheim II aufdrängen.

FRIEDE SOLL JETZT HERRSCHEN – ZU DEN BEDINGUNGEN DES VEREINSRATS

In vielerlei Hinsicht helfen könnten die Millionen des angekündigten Investors Flavio Becca – nicht nur, um die sportliche Personalentwicklung weiter voranzutreiben, sondern auch um den Betriebsfrieden am Betzenberg weiter zu festigen. Den hat der Vereinsrat in einer Montag veröffentlichten Erklärung erneut angemahnt, nachdem er die jüngsten Eingaben von Ehrenrat und Mitgliedern abgearbeitet sah.

Die vom Ehrenrat empfohlene Außerordentliche Mitgliederversammlung kommt nun nicht. Statt dessen soll es gegebenenfalls noch im Juli ein „Mitgliederforum“ geben, in dem die Verantwortlichen zu den Ereignissen der vergangenen Wochen Rede und Antwort stehen. Irgendwelche Konsequenzen gegen sie beschließen kann dieses Forum allerdings nicht.

Die Jahreshauptversammlung bereits auf September vorzuziehen, wie es Vereinsvorstand Wilfried de Buhr zunächst andachte, ist ebenfalls nicht möglich. Die Satzung erlaubt den 15. Oktober als frühesten Termin.

Ein von verschiedenen Mitgliedern gefordertes  Vereinsausschlussverfahren gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Patrick Banf wird es ebenfalls nicht geben. Die Vertragsanwälte des Vereins hätten die Eingaben überprüft und diese seien zu dem Entschluss gekommen, dass Banf nicht „in erheblichem Maße“ gegen die Interessen des Vereins verstoßen habe, als er unter anderem einen „Letter of Intent“ unterzeichnete, in dem er dem Rücktritt von Michael Littig zustimmte, einem von der Mitgliederversammlung gewählten Aufsichtsratsmitglied, das sich durch den dadurch erzeugten Druck anschließend tatsächlich genötigt sah, sein Amt aufzugeben.

Mit anderen Worten: Der Vereinsrat fordert einen Frieden ein, dessen Konditionen er mehr oder weniger selbst fest bestimmt hat. Wer entscheidet eigentlich, wann ein Maß „erheblich“ ist und wann nicht? Anzunehmen, dass die kritischen Stimmen im Vereinsumfeld dem Wunsch nach Ruhe nun entsprechen, erscheint unter diesen Umständen jedenfalls arg blauäugig. Seit Samstag kursiert etwa ein anonymer Drohbrief im Netz, der gegen die Verwahrer des Fritz-Walter-Erbes gerichtet ist – und so unsäglich, dass er keine weitere Aufmerksamkeit verdient hat.

BECCA VERSPRICHT ANSCHUBFINANZIERUNG – ABER WANN?

Die dem Treiben der FCK-Führung skeptisch gegenüber stehenden Beobachter  verweisen beispielsweise darauf, dass von den angekündigten Becca-Millionen bislang noch keine wirklich verbindlich festgemacht. Bislang stehe nur die Kreditzusage über 2,6 Millionen Euro, über die 25 Millionen Euro, die der Luxemburger angeblich in den nächsten fünf Jahren über dem Betzenberg ausschütten will, sei bislang nur geredet worden.

Immerhin hat Becca sein Vorhaben mittlerweile in der „Bild am Sonntag“ näher ausgeführt. Darin sagt er unter anderem: „Diese Summe kann man nicht einfach durch die Anzahl der Jahre teilen. Denn in der dritten Liga wird viel mehr Geld benötigt als in der zweiten und der ersten. Das Anschubkapital muss also viel höher sein. Deshalb ist die Bundesliga mein Ziel. Ich bin ein Investor, kein Mäzen.“

 Da stellt sich allerdings die Frage: Wann kommt diese Anschubfinanzierung? Je länger sie hinausgezögert wird, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass der FCK mit einer weiteren Saison Dritte Liga kalkulieren und erneut ein strukturelles Defizit von über fünf Millionen Euro überbrücken muss.

Oder will der Investor erst mal abwarten, was die sportliche Leitung mit dem bereits fixierten Lizenzspieleretat anstellt, der mit über fünf Millionen Euro für Drittligaverhältnisse ja durchaus ordentlich bemessen ist? Und erst dann weiter investieren, wenn er von Machern vollends überzeugt ist – oder er eventuell ihren Austausch veranlasst hat?

Diese  Überlegung werden die aktuell Verantwortlichen sicher als haltlose Spekulation abtun. Dass sie aus Beccas Sicht Sinn ergäbe, lässt sich jedoch nicht abstreiten.

IMMER DRAN DENKEN: NACHFRAGEN FÜHRT ZU VERTRAUENSBILDUNG

Insofern sollten die Funktionsträger das angekündigten Mitgliederforum nutzen, mal zu dieser Frage Stellung zu beziehen: Wann startet die Beccasche Anschubfinanzierung eigentlich – und warum kommt sie nicht sofort?

Oder stellt auch dieser Kommentar aus ihrer Sicht schon wieder „Unruhestifterei“ dar? Wer so denkt, dem sei dieses schöne Zitat an die Hand gegeben: „Kritisches Nachfragen führt, bei ehrlicher Beantwortung, zur Vertrauensbildung. Ohne das Hinterfragen von Sachverhalten kommt es zu Vertrauensmissbrauch.“

Wer das gesagt hat? Das heutige Aufsichtsratsmitglied Jochen Grotepaß im Interview mit „Der Betze brennt“ anlässlich der Kandidatenkür im November 2017. Der Beitrag trug die Zitatüberschrift „Ich will zeigen, dass es auch anders geht“.

Wir wünschen bei der Verwirklichung dieses Selbstanspruchs weiterhin gutes Gelingen.