Der FCK hat den „drittwertvollsten“ Kader der Liga – tatsächlich? Über die Fragwürdigkeit von Marktwert- und Spielerrankings

Der 1. FC Kaiserslautern verfügt über den drittwertvollsten Kader der Dritten Liga. So stellt es zumindest die Marktwerttabelle dar, die transfermarkt.de gerade aktualisiert hat. Klingt doch recht vielversprechend für ein Team, welches die Vorsaison lediglich auf dem neunten Rang abgeschlossen hat. Oder? Ein genauerer Blick zeigt: Derlei Rankings lügen zwar nicht unbedingt, sind aber mit Vorsicht zu genießen. Ebenso wie die Schulnoten, die nach Spielen vergeben werden.

Mit einem Gesamt-Marktwert von 6,78 Millionen steht der FCK in der „tm.de“-Liste, hinter dem FC Ingolstadt und dem KFC Uerdingen. Die beiden Klubs haben die führenden Plätze übrigens gerade erst am Mittwoch wieder getauscht. Ingolstadt hat den mit 1,5 Millionen Euro veranschlagten Lucas Galvao in die Vereinigten Arabischen Emirate verliehen, Uerdingen dagegen den Dänen Andreas Maxsö vom FC Zürich geholt, dessen Marktwert mit dem gleichen Betrag angegeben ist.

Zuvor hatte der Klub des millionenschweren Investors Michail Ponomarev bereits mit der Verpflichtung von Jan Kirchhoff aufgetrumpft. Der heute 28-Jährige trat in der Bundesliga schon in Mainz, auf Schalke und bei den Münchner Bayern gegen den Ball, war auch schon in der englischen Premier League unterwegs. Sein aktueller Marktwert liegt nach Karriereflaute zwar bei nur noch 800.000 Euro, die für Drittligaverhältnisse allerdings top sind. Uerdingens Gesamt-Marktwert steht bei nunmehr 9,23 Millionen Euro.

SCHON TRAGISCH: LAUTERNS WERTVOLLSTER STEHT VOR DER SPORTINVALIDITÄT

In Ingolstadt dagegen könnten auch Konstantin Kerschbaumer (Marktwert: 800.000 Euro) und Thorsten Röcher (700.000 Euro) noch wechseln, so dass die gegenwärtig insgesamt 8,25 Millionen Euro wohl nur einen vorübergehenden Wert darstellen. Andererseits werden die Ingolstädter sicher auch noch Spieler verpflichten. Was zeigt: Diese Marktwerttabelle ist ein recht instabiles Gebilde, solange das Transferfenster noch geöffnet ist.

Beim FCK dagegen ist der zweitwertvollste Spieler derzeit nicht mehr als eine Karteileiche: Lukas Spalvis ist immer noch mit 425.000 Euro gelistet, obwohl es derzeit noch vollkommen offen ist, ob der an einem Knorpelschaden laborierende Stürmer überhaupt noch einmal Profi-Fußball spielen kann. Rechnet man den Betrag aus der Gesamtsumme raus, fällt der FCK bereits auf Rang 4 zurück, hinter den MSV Duisburg.

VERMEIJ IST 500.000 EURO WERTVOLLER ALS BJANARSON – WESHALB?

Der Gesamt-Marktwert des MSV wiederum wird im Wesentlichen von den 900.000 Euro in die Höhe getrieben, die Neuzugang Vincent Vermeij beansprucht, eine 1,96 Meter-Kante, die in der vergangenen Rückrunde sechs Treffer für den holländischen Zweitligisten FC Den Bosch erzielte. Interessant: Die ungefähr baugleiche FCK-Neuerwerbung Andri Runar Bjanarson, immerhin isländischer Nationalspieler, ist laut tm.de nur 400.000 Euro wert.

Okay, Vermeij ist vier Jahre jünger, aber macht ihn das gleich eine halbe Million teurer?

Die aktuellen Top-Talente der Lautrer sind mit 300.000, beziehungsweise 400.000 Euro veranschlagt: Lennart Grill, Carlo Sickinger und Christian Kühlwetter. Realistischer Weise dürften sie gegenwärtig jedoch für diese Beträge nicht zu haben sein, die Saison ist durchfinanziert, Notverkäufe hat der FCK in diesem Sommer nicht mehr nötig. Eine „Schmerzgrenze“ könnte allenfalls bei Angeboten um die Millionengrenze erreicht werden.

KRAUS IST DER WERTVOLLSTE FCK-AKTIVE, ABER DENNOCH IM ABWÄRTSTREND

Was zeigt: Diese Marktwerttabellen sind mit Vorsicht zu genießen. Neben den berühmten Schmerzgrenzen, die jeder Klub für sich unterschiedlich festlegt, entscheidet zudem das „Steigerungspotenzial“ des jeweiligen Kickers, und das ist bei jüngeren Spielern nunmal höher, allerdings auch schwerer zu beziffern. Drum gibt’s dazu auch keine Rankings.

Ein Kevin Kraus etwa müsste sich unter diesem Gesichtspunkt bereits auf dem berühmten „absteigenden Ast“ wähnen, obwohl er aktuell Lauterns wertvollster Kicker ist. „transfermarkt.de“ veranschlagt ihn  450.000 Euro. Vor drei Jahren, als er noch beim FC Heidenheim kickte, war er angeblich noch eine Million wert. Ist das denn gerecht? Kraus ist gerade mal 26 Jahre alt, und vergangene Saison war er anerkannter Maßen der konstanteste Abwehrspieler des FCK.

KRAUS IST AUCH DER NOTENBESTE – ODER?

Das belegen auch die „kicker“-Noten. Mit einer Durchschnittsnote von 3,39 wird Kraus  vom Fachblatt als bester Lautrer der Saison 2018/19 angesehen. Im Gesamtranking der Dritten Liga nimmt er damit gerade mal Rang 152 ein – ein Zeichen dafür, dass auch die „kicker“-Redakteure die FCK-Saison als nicht sehr berauschend angesehen haben. 

Allerdings muss auch in diese Auflistung mal genauer hingeschaut werden. Lennart Grill (2,82) und Carlo Sickinger (3,06) etwa weisen bessere Durchschnittsnoten als Kraus auf. Ins „kicker“-Gesamtranking schaffen es aber nur Spieler, die in der abgelaufenen Saison insgesamt 19 Mal benotet worden sind. Sickinger und Grill ist diese Ehre allerdings jedoch nur 18 Mal zuteil geworden, drum finden sie nicht statt.

Ohnehin offenbart sich hier eine generelle Schwäche solcher Spielerbenotungen. Es springt einfach ins Auge: Mit Nils Jonathan Körber (VfL Osnabrück), Kevin Broll (SG Sonnenhof-Großaspach) und Johannes Brinkies (FSV Zwickau) weist das „kicker“-Ranking drei Torleute als beste Spieler der abgelaufenen Saison aus. Es folgen fünf Abwehrspieler, danach wieder drei Keeper. Kann das noch Zufall sein?

DIE OFFENSIVEN KOMMEN ERST UNTER „FERNER LIEFEN“

Erst auf Rang 14 findet sich mit David Blacha ein erster Mittelfeldspieler. Interessanter Typ übrigens: War im Sommer 2018 ablösefrei zu haben, nachdem er in Wiesbaden nicht mehr recht zum Zuge kam. Wechselte dann nach Osnabrück und wurde absoluter Leistungsträger beim souveränen Tabellenersten, und das mit 28 Jahren, einem Alter also, in dem einem Profi gemeinhin keine Entwicklungssprünge mehr zugetraut werden.

Grill wäre, wenn er ein weiteres Spiel auf dem Level seiner Durchschnittsnote bestritten hätte, Zwölfter in diesem Ranking, ein weiterer Torhüter also. Bester Offensivspieler auf der Liste ist Marcos Alvarez, ebenfalls von Osnabrück. Guter Kicker sicherlich, aber auch bei ihm sei angemerkt: Seine spektakulärsten Aktionen zeigt der 27-Jährige bei ruhenden Bällen.

Was wir damit sagen wollen? Die besten Noten heimsen offenbar bevorzugt die ein, in deren Arbeitsplatzbeschreibung das Vermeiden von Fehlern die oberste Priorität hat. Die offensiv ausgerichteten Spieler, die kreativen, die, die das Eigentliche zur Attraktivität eines Kicks beitragen, haben es viel schwerer, gute Noten zu bekommen. Denn ihnen kann nun mal nicht jede Aktion gelingen, sonst würden sich Fußballergebnisse an die Spielausgänge von Handballpartien angleichen.

WESHALB IST IN DIESEM BLOG AUCH KÜNFTIG KEINE SPIELERNOTEN GIBT

Wie lässt sich der Stürmer gerecht bewerten, der sich in 90 Minuten eigentlich gut bewegt, permanent anbietet, der aber nie kompetent angespielt wird? Wie der Mittelfeldspieler, der nur einfache Bälle spielt, diese aber zu einhundert Prozent präzise und der darüberhinaus unentwegt Löcher stopft, die seine Nebenleute öffnen?

Unsere Meinung: Damit Einzelne herausragen können, muss die Mannschaftsleistung um sie herum mindestens gut sein, sonst könnten sie gar nicht glänzen. Drum sollte immer zuallererst das Team betrachtet werden. Und darum wird es in diesem Blog auch künftig keine Spielerbenotungen geben.

Beim Beziffern von Marktwerten halten wir uns eher daran, dass Angebot und Nachfrage in der akuten Situation, in der ein Transfer verhandelt wird, den Preis bestimmen.