Startelf für Haching? Die Testspielpleite in Homburg wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet

Okay, es nervt, nach Testspielniederlagen zu schreiben, dass das alles ja noch gar nichts zählt, dass erst ab dem Saisonstart am 20. Juli abgerechnet wird. Hunderte von Fans investieren Zeit und Geld in den Besuch solcher Partien, nehmen zudem schlecht organisierte Bratwurstbuden in Kauf, an denen sie ewig anstehen müssen, um schließlich zu erfahren, dass Speis und Trank ausverkauft sind. Und dann sollen sie sich für die Darbietung ihres Herzensklubs von Fans eines tieferklassiger spielenden Nachbarn auch noch auslachen lassen? Das mindert die Lebensqualität, ohne Frage. Dennoch: Selbst diese 1:3-Testspielklatsche des 1. FC Kaiserslautern gegen den Regionalligisten FC 08 Homburg hat einen differenzierten Blick verdient.

Am besten betrachten wir beide Hälften gesondert, dann können wir wenigstens berichten, dass der FCK die zweiten 45 Minuten 1:0 gewonnen hat. Dafür aber mutet der erste Abschnitt umso ernüchternder an. 

Trainer Sascha Hildmann hat die Startelf aus dem gelungenen Testspiel gegen den SV Sandhausen (1:0) vergangenen Donnerstag nur auf zwei Positionen verändert. Ein Indiz dafür, dass er sich bereits einer Grundformation für den Saisonstart annähern will. Für Theo Bergmann debütiert Manfred Starke im FCK-Dress, Neuzugang Andri Runar Bjanarson kommt für Timmy Thiele.

ERNÜCHTERND: HOMBURG IST HEISSER, SCHNELLER, TREFFSICHERER

Was dann abläuft, ist erst mal zum Haareraufen. Der ambitionierte Regionalligist ist vom Anpiff weg heißer, besser organisiert und in Ballnähe immer einer mehr. Patrick Dullek markiert bereits nach vier Minuten das 1:0, Christian Telch nach 14 Minuten das 2:0. Kurz vor der Pause erzielt Thomas Steinherr aus einem Strafraumgewühl heraus das 3:0, das ist einem derartigen Testspiel noch am ehesten zu entschuldigen.

Die ersten beiden Treffer jedoch alarmieren. Beide fallen nach Zuspielen in den  Rückraum erzielt. Dort sollten eigentlich zwei defensive Mttelfeldspieler dem Vierer-Abwehrbund buchstäblich den Rücken freihalten. absichern müssten. Carlo Sickinger beackert den Raum jedoch alleine. Der zweite Zentrale, Neuzugang Starke, ist weiter vorn positioniert.

Was das sein soll? Eine Mittelfeldraute jedenfalls nicht, denn dazu kleben die Flügelspieler Florian Pick und Christoph Hemlein zu sehr an den Außenlinien. Entsprechend groß sind die Lücken, entsprechend das Ergebnis. Die linke Abwehrseite mit Janek Sternberg bildet eine weitere Achillesferse.

FÜNF WECHSEL IN DER HALBZEIT: ES WIRD EIN BISSCHEN BESSER

Das FCK in der Offensive? Das schnelle, vertikale Spiel in die Spitze wird immer wieder versucht, allerdings erfolglos, es dauert beinahe 25 Minuten, bis ein paar Aktionen wenigstens in Homburger Tornähe enden. Starke steckt auf Pick durch, auch ein Anspiel in die Tiefe auf Runarson gelingt, Sickinger schlägt einen präzisen Diagonalball auf Hemlein –  richtig gute Einschussgelegenheiten ergeben sich daraus nicht. Kevin Kraus bekommt nach einer Starke-Ecke mal den Kopf ans Leder, ansonsten sind die ruhenden Bälle so schlecht wie in der vorangegangenen Saison.

In der Halbzeit wechselt Hildmann fünf Mal, nach 70 Minuten noch zwei Mal. Neuzugang Avdo Spahic kommt für Keeper Lennart Grill, mit Philipp Hercher ersetzt ein weiterer Neuer Janek Sternberg auf der linken Abwehrseite, Gino Fechner und Theo Bergmann bilden eine neue Mittelfeldzentrale, Thiele kommt für Bjanarson.

Und siehe da: Das sieht plötzlich besser aus. Bergmann und Fechner bringen tatsächlich ein bisschen Ordnung ins Spiel, Bergmann bespielt nach 51 Minuten mustergültig einen Passweg auf Thiele in den Strafraum, und der macht das 1:3. 

Die 4-4-2-Formation steht nun kompakter, schiebt sich weiter nach vorne, erobert auch ein paar Mal Bälle in Gegners Hälfte – so richtig nach Aufholjagd sieht das Ganze dann aber doch nicht aus. Dazu fehlen wirklich klare Aktionen vorm Homburger Tor.

Nach 70 Minuten ersetzen Toni Jonjic und Anas Bakhat Starke und Hemlein, haben durchaus auch ein paar Aktionen, am Gesamtbild ändert sich jedoch nichts mehr.

DIE NEUEN SIND NOCH NICHT ANGEKOMMEN

Erkenntnisse mit Hinblick auf den Saisonstart? Fechner, Bergmann und Thiele sind näher an der Startelf, als man nach den Neuverpflichtungen der vergangenen Wochen glaubte. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Die Neuen sind noch nicht angekommen. Simon Skarlatidis fällt wegen eines Haarrisses im Knie ohnehin bis auf Weiteres aus.

Bjanarson fehlt noch die Bindung, allerdings ist er in Homburg als „Wandspieler“ nicht gefordert worden. Gleiches gilt für Starke, bei ihm ist dies jedoch kein Wunder, er trainiert nach seiner Teilnahme für Namibia beim Afrika-Cup erst zwei Tage mit seinem neuen Team. 

Auch Herchers Wechsel von Großaspach ist erst am Sonntag klargemacht worden. Er hat allerdings gute Chancen, Sternberg als linker Verteidiger zu verdrängen. Obwohl: Dicht bekommen hat er seine Seite auch nicht, Homburg startete seine besten Angriffe auch in Hälfte zwei über rechts.

Am souveränsten dürfte sich José-Junior Matuwila seinen Platz in der Innenverteidigung gesichert haben. Er bringt Tempo und Härte ins Spiel.

Spahic hatte in Homburg keine Gelegenheit, sich auszuzeichnen. In Hälfte zwei löste er eine 1:1-Situation gegen einen durchgebrochenen Angreifer entschlossen und mit gebotener Vorsicht, allerdings auch nicht ganz perfekt: Da hätte es auch Elfmeter für Homburg geben können. Auf jeden Fall verfügt der Keeper mit 1,90 Meter Körpergröße über eine respektable Strafraumpräsenz.

GENERALPROBE AM FREITAG GEGEN WIMBLEDON

Weitere Erkenntnis: Von der Startelf fürs Auftaktspiel gegen Unterhaching am Samstag in einer Woche ist Hildmann sicher noch weiter entfernt, als er es zu diesem Zeitpunkt gerne wäre. Grill wird wohl im Tor stehen, Schad, Kraus und Matuwila werden drei der vier Plätze in der Viererkette belegen, Sickinger vor der Abwehr agieren.

Hinter allen übrigen Positionen aber stehen noch kleinere und größere Fragezeichen. Auf dem linken Flügel hat Pick die Nase wohl noch vorn, im Sturm sollte Christian Kühlwetter nach seinen Treffern in der vergangenen Saison erste Wahl bleiben – und weiter?

Die nächsten Aufschlüsse muss der letzte Härtetest liefern. Gegen den englischen Drittligisten AFC Wimbledon, am Freitag, 12. Juli, um 19 Uhr, in Weingarten. Bei solchen Generalproben läuft in der ersten Halbzeit meist zu mindestens 90 Prozent die Mannschaft auf, die auch ins erste Pflichtspiel startet. Da darf man wirklich gespannt sein. Diese Testspielpleite hat mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet.

Foto: 1. FC Kaiserslautern