Generalprobe geglückt: Mögen die Spiele beginnen!

Was nach dem Auftritt bei der 1:3-Testspielpleite gegen den FC 08 Homburg vergangenen Dienstag kaum möglich schien, hat der 1. FC Kaiserslautern bei seiner anschließenden Generalprobe doch noch geschafft: Der 1:0-Sieg über den AFC Wimbledon macht richtig Laune auf den Saisonstart am 20. Juli, 14 Uhr, gegen die SpVgg. Unterhaching. Und auch wenn Trainer Sascha Hildmann es verständlicher Weise offiziell nicht bestätigt – die Elf, die in Weingarten aufgelaufen wird, sollte auch am kommenden Samstag auf dem Betzenberg starten, sofern die noch anstehende Trainingswoche keine weitere Verletzungen oder andere neuen Erkenntnisse mit sich bringt. Und diese Formation sieht nicht unbedingt aus wie allgemein erwartet.

Dass Christoph Hemlein etwa zur Generalprobe nicht nur in der Startelf, sondern auch als Kapitän aufs Feld marschiert, hätte er vor wenigen Wochen wohl selbst kaum geglaubt. Der Rackerer profitiert im Moment noch von der Verletzung des Neuzugangs Simon Skarlatidis. Auch Manfred Starke ist noch nicht soweit, da er erst eine Woche beim Team ist und zuvor mit Namibia noch am Afrika-Cup teilgenommen hat.

Zudem setzt FCK-Trainer Sascha Hildmann zum Saisonbeginn wohl lieber auf Erfahrung – drum steht auch Youngster Toni Jonjic hinter Hemlein an. Schließlich hat der VfL Osnabrück vergangene Spielzeit vorgemacht, wie eminent wichtig ein guter Start ist.

THIELE VOR KÜHLWETTER – WANDSPIELER BJANARSON IST DIREKT DABEI

Vorne hat, ebenfalls ein wenig überraschend, aktuell Timmy Thiele die Nase vor Christian Kühlwetter, der mit zwölf Treffern bester Lautrer Torschütze im abgelaufenen Wettbewerb war. Das dürfte auf Sicht ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden, das sich von Spieltag zu Spieltag neu entscheiden kann.

Neuzugang Andri Runar Bjanarson ist ebenfalls dabei, obwohl er in Vorbereitung zehn Tage passieren musste. Aber als der lange gesuchte „Wandspieler“ ist sein Mitwirken gerade bei einer Saisonpremiere vor eigener Kulisse angezeigt. Dass der 28-Jährige gegen Wimbledon schon nach 24 Minuten den entscheidenden Treffer erzielte, dürfte ihm zudem Selbstvertrauen gegeben haben. Obwohl der größere Anteil am Treffer Florian Pick zugeschrieben werden muss. Sein Geschoss war es nämlich, das Wimbledons Schlussmann Nathan Trott zu kurz abwehrte, der Isländer musste nur abstauben.

Überhaupt Pick: Seinen Platz vorne links hat der 23-Jährigen mit guten Testspielleistungen souverän behauptet, auch bei der Generalprobe war er einer der Aktivposten. Auf der linken Verteidigerposition hat Neuling Philipp Hercher sich im  Wettbewerb mit Janek Sternberg leichter durchgesetzt als zu erwarten war – Sternberg ist nämlich angeschlagen.

HERCHER UND BACHMANN SIND SCHNELL INTEGRIERT

Integrationsprobleme sind bei Hercher trotz seines späten Wechsels nicht zu befürchten, schließlich hat er bei Ex-Verein Großaspach zuvor ein normales Vorbereitungsprogramm absolviert, ebenso wie Janik Bachmann in Würzburg. Der langgesuchte Sechser fügte sich ins Lautrer Spiel nahezu ohne Anpassungsprobleme ein. Robust im Zweikampf und mit einer beachtlichen körperlichen Präsenz – der 23-jährige misst 1,96 Meter – erfüllt er das Anforderungsprofil des kopfballstarken Abräumers zu einhundert Prozent. 

Noch nicht ganz rund läuft Carlo Sickinger auf seiner neuen Position als kreativer Part im zentralen Mittelfeldduo. Er muss sich da offenbar noch eingewöhnen. Zudem sollte bei dem 21-Jährigen die Messlatte auch nicht zu früh zu hoch angelegt werden, gerade im zweiten Profijahr müssen Talente auch mal schwächere Phasen zugebilligt. Zudem hat der FCK mit Theo Bergmann für diese Position noch einen ebenso stark veranlagten Spieler in der Hinterhand.

Dass José Matuwila und Kevin Kraus die Innenverteidigung bilden, Lennart Grill im Tor steht und Dominik Schad auf der rechten Außenverteidigerposition nach wie vor alternativlos ist, hatte sich schon in den vorangegangenen Tests abgezeichnet. 

In den Fanforen heiß diskutiert wird übrigens die Frage, ob Matuwila zum Saisonauftakt auflaufen darf, da er finalen Saisonspiel seines ehemaligen Klubs Energie Cottbus gegen Eintracht Braunschweig (1:1) Gelb-Rot sah, was normaler Weise eine Sperre fürs nächste Pflichtspiel nach sich zieht. Saisonübergreifend ist dies aber wohl nicht der Fall: Auf der Verbandsrecht-Seite des DFB taucht Matuwila jedenfalls nicht als gesperrter Spieler auf. Lediglich glatte Rotsperren werden in die nächste Spielzeit übernommen.

Somit sieht die Startelf fürs Haching-Spiel wohl so aus: Grill – Schad, Kraus, Matuwila, Hercher – Hemlein, Baumann, Sickinger, Pick – Bjarnason, Thiele. 

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Ein klar konturiertes 4-4-2 also, mit Flügelpärchen, in denen beide Parts energisch den Weg nach vorne suchen. Vor allem, was das Duo Hercher/Pick in Weingarten zeigte, sah schon sehr vielversprechend aus. Mit offensiven Außenbahnspielern, die möglichst direkt nach Ballgewinn „tief“ gehen und die vorzugsweise mit Diagonalpässen auf die Reise geschickt werden.

WIESBADEN ALS VORBILD? KOMMT NICHT GANZ HIN

Das erinnert stark an den Stil des SV Wehen Wiesbaden, den Sascha Hildmann ja auch zuletzt in unserem Interview hervorgehoben hat. Lauterns Coach ist mit dem Wiesbadener Übungsleiter Rüdiger Rehm übrigens auch privat gut befreundet, da wundert es nicht, dass da auch fußballphilosophisch ein gewisser Gleichklang erkennbar ist.

Ein Unterschied zur Stammformation des frischgebackenen Zweitliga-Aufsteigers fällt allerdings auf. Rüdiger Rehm bot in der Innenverteidigung mit Niklas Dams, Jeremias Lorch oder Sebastian Mrowca immer auch einen technisch versierten Abwehrspieler auf, der einen präzisen „ersten Ball“ spielen kann. Daran könnte es beim Duo Kraus/Matuwila hapern.

DREIERKETTE IST DERZEIT KEIN THEMA, KÖNNTE ABER WIEDER EINS WERDEN 

Auf Sicht könnte es daher auch eine Überlegung wert sein, Sickinger wieder in die Viererkette zu integrieren. Zudem hat Hildmann im Hinterkopf, im Lauf der Saison gegebenenfalls mal wieder auf eine Dreierkette umzustellen. In dieser zeigte Sickinger als Mittelmann wiederholt hervorragende Leistungen.

Mit der aktuellen Startelf aus einem 4-4-2 ein 3-5-2 oder ein 3-4-3 zu formen, dürfte allerdings schwer werden. Von den Flügelspielern oder den Stürmern scheint keiner prädestiniert, auf den zentralen Mittelfeldplatz neben Bachmann zu rücken. Anders sieht es aus, wenn Skarlatidis und Starke voll integriert sind, die nämlich sind beide gewohnt, auch mal in die Mitte zu rücken. Dann könnte sich etwa folgende 3-1-4-2-Formation ergeben: Grill – Kraus, Sickinger, Matuwila – Bachmann – Schad, Skarlatidis, Starke, Hercher – Bjarnason, Thiele (Kühlwetter). 

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Jetzt aber heißt es erst einmal, erfolgreich starten, und das unter neuen Vorzeichen.

LAUTERN IST „INVESTORENKLUB“ – DA IST SELBSTBEWUSSTSEIN ANGESAGT

Der „kicker“ es unlängst öffentlich gemacht, „Liga 3 online“ nachgerechnet: Für vier seiner sieben Neuzugängen hat der FCK Ablösesummen in einer Gesamthöhe von 750.000 Euro gezahlt, laut Sport-Geschäftsführer Martin Bader mit Unterstützung des neuen Geldgebers Flavio Becca. Für die Verhältnisse der Dritten Liga ist dies Großmannsgebaren. Der vom russischen Millionär Mihail Ponomarev unterstützte KFC Uerdingen hat zwar vermutlich allein für seinen Neuzugang Andreas Maxsö mehr Ablöse bezahlt, doch dazu wurden (noch) keine Zahlen kolportiert.

Das heißt: Der FCK ist jetzt im Kreis der investorengepimpten Klubs angekommen, wofür ihm aus fremden Fanlagern nun die Antipathie entgegenschlagen wird, mit denen der eigene Anhang bislang solchen Fußballunternehmen begegnete. Diese neue Rolle als Liga-Krösus verlangt ein entsprechendes Selbstbewusstein, und mit diesem muss auch ein gewisser Selbstanspruch einhergehen. 

Rumgepienze über „überzogene Erwartungshaltungen“ oder das ach so „schwierige Umfeld“ passt nicht mehr ins Bild, auch der Klassiker „Die Mannschaft braucht Zeit“ sollte endlich aus dem Wortschatz von Betreuern und Funktionären getilgt werden. Hildmann fordert Siegermentalität von seinen Jungs, die sollte nun auch die Führungsmannschaft vorleben.

EIN GUTER START SCHÜRT BEGEISTERUNG – UND TRÄGT ÜBER DIE SAISON

Mit Mainz im DFB-Pokal am 10. August und Waldhof Mannheim am siebten Spieltag stehen schon früh in dieser Saison zwei Knaller-Derbys auf dem Programm, die das Fritz-Walter-Stadion vermutlich bis auf den letzten Platz füllen. Und mit Ingolstadt am 3. Spieltag und Eintracht  Braunschweig am 5. Spieltag geht es direkt zu Beginn und vor eigener Kulisse gleich gegen zwei vermeintliche Topfavoriten, die ebenfalls volle Häuser bescheren.

Das ist kein „mörderisches“ Auftaktprogramm, das es zu fürchten gilt, sondern eine riesen Chance, vom Start weg eine Begeisterung zu schüren, die über ein ganzes  Spieljahr tragen kann. Wenn diese ersten Auftritte den Anhang überzeugen, kann der „Betze“ 2019/20 Zuschauerzahlen schreiben, wie sie die Dritte Liga noch nie erlebt hat und sobald nicht mehr erleben wird. Und mit überzeugenden Auftritten meinen wir noch nicht einmal, dass diese Spiele alle gewonnen werden müssen.

Foto: 1. FC Kaiserslautern / Grafiken: meineaufstellung.de