1:1 gegen Haching: Der Traumstart ist verpasst, aber (noch) nicht verpatzt

Die Pfiffe nach dem Abpfiff schienen FCK-Trainer Sascha Hildmann mehr zu schmerzen als das 1:1 gegen die SpVgg. Unterhaching zum Saisonauftakt. „Ich könnte es verstehen, wenn meine Mannschaft faul gewesen wäre, aber das war sie nicht“, begründete der Coach in der anschließenden Pressekonferenz seinen konsternierten Blick in die Westtribüne. Nun ja: Mit seiner Reaktion – die im übrigen auch nicht übermäßig laut war – brachte der Anhang wohl lediglich seine Sehnsucht nach einem leidenschaftlich stürmenden, attackierenden FCK zum Ausdruck, der den Betzenberg wieder zu der  Festung werden lässt, die er einmal war. Von diesem aber war die Hildmann-Elf auch an diesem Samstagnachmittag erneut weit entfernt. Andererseits: Wer als Lautrer Anhänger das nicht optimale Ergebnis mal ausblenden kann, hat ein für Drittligaverhältnisse gutes Fußballspiel gesehen. Zu dessen Qualität die Hachinger allerdings ein bisschen mehr beigetragen haben.

Ist eben tückisch, so einen Gegner vor der Brust zu haben. Auf dem Papier macht Haching nicht den Eindruck einer Spitzenmannschaft, doch wie sagte schon Otto Rehhagel? „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“. Und da zeigt das Team von Trainer Claus Schromm öfter mal das Beste, was die Liga zu bieten hat, auch wenn die Tabelle es nach 38 Spieltagen meist nicht bestätigt. Wenn Bigalke, Marseiler und Co. Räume  zum Spielen haben, lassen sie den Ball runder laufen lassen als jedes andere Drittligateam.

Daher entscheidet sich der FCK-Trainer, den Gegner mit zwei dicht gestaffelten Viererketten erst ab der Mittellinie zu erwarten. Lediglich die Stürmer Christian Kühlwetter und Timmy Thiele tun gegen den Ball in des Gegners Hälfte Dienst. Allerdings: Ein bisschen geschickter anlaufen könnten sie die Hachinger Dreierkette schon.

WARTEN AUF DEN ERSTEN FEHLER: LAUTERN HAT GLÜCK – UND PICK

Nach etwa zehn Minuten gelingt dennoch mal ein  früher Ballgewinn, Kühlwetters Schussversuch misslingt jedoch. Zum Signal, mutiger zu werden, wird die Aktion allerdings nicht. Haching kurz darauf mit der ersten eigenen Chance: Max Dombrowa scheitert aus halblinker Position an FCK-Keeper Lennart Grill.

Die Anfangsphase zeigt das, was typisch ist für die „Fehlerliga“, als die Sascha Hildmann die Spielklasse in unserem Interview bezeichnet hat: Abwarten, wer den Fehler macht, der zum ersten Treffer führt. Und Lautern hat Glück. Und Florian Pick. Einer von denen, die „den Unterschied ausmachen können“, wie es so schon heißt.

Der Dribbler zieht in Minute 19 von links in die Mitte, sucht den Doppelpass mit dem zentralen Mittelfeldspieler Carlo Sickinger, dringt in den Strafraum ein, zieht den Ball erst vom rechten Mann der Hachinger Dreierkette weg, dann vom mittleren, legt sich das Leder dann sogar nochmal zurecht und zirkelt ihn ins lange Eck. Lehrbuchmäßiger geht’s nicht. 1:0.

„UMSCHALTMOMENTE“ SIND DA, ABER NICHT GENUG

Dem Standard-Szenario zufolge könnte, sollte und müsste nun alles für den FCK laufen. Mit Führung im Rücken ist Hintenreinstellen nun auch im eigenen Stadion keine Schande – und dann mit Tempo die, so langsam sind wir den Begriff leid, „Umschaltsituationen“ ausnutzen. So wäre es vorgesehen.

Zwei, drei Szenen dieser Art hat Lautern bis zur Pause auch. Sickinger setzt Thiele mal auf der rechten Seite ein, nachdem er im Teamwork mit Kühlwetter den Ball erobert hat, der zieht ab, scheitert im ersten Versuch aber und verpasst den zweiten nur knapp. Dann hat Thiele die Chance, dem durchstartenden Kühlwetter den Ball in die Tiefe zu legen, spielt ihn aber zu hart.

Es läuft also alles Plan? Nicht ganz. Der Trainer sieht seine Vorgaben auch in dieser Phase nicht optimal umgesetzt, wie er hinterher erklärt: 

„Ja, wir wollten etwas passiver sein und  vom Mittelkreis anlaufen, aber dann auch aggressiv in den Zweikämpfen sein. Und vor allen Dingen mutig im Positionsspiel, im Aufbauspiel, das ging mir dann zu schnell. Da haben wir zu schnell den Ball nach vorne geschossen und sind dann durch größere Abstände nicht mehr in der Lage gewesen, den zweiten Ball zu bekommen. Da hätte ich mir mehr Mut und mehr Entschlossenheit gewünscht im eigenen Ballbesitz.“

BIGALKE, SCHRÖTER UND MARSEILER WIRBELN: DAS KANN NICHT LANGE GUTGEHN

Haching dagegen setzt sich auch in engen Räumen gut in Szene. Auf dem Papier setzt Schromm auf ein 3-4-1-2, das vor allem das Offensivtriangel Bigalke, Schröter und Marseiler sehr beweglich interpretiert. Auf der gesamten Breite des Spielfeldes ist immer einer anspielbar, auch Lucas Hufnagel setzt ständig Akzente. Noch vor der Pause setzt Sascha Bigalke ein Alarmzeichen, als er mit einem Freistoß von der linken Seite die Torlatte rasiert.

In Hälfte zwei verliert der FCK vollkommen den Faden. Hufnagel gleicht schon nach 50 Minuten aus. Insgesamt verdient, aber höchst unglücklich für Lauterns Debütanten Jonas Scholz. Der 20-Jährige, der bislang als linker Innenverteidiger der Viererkette unauffällig, aber fehlerfrei war, ist nach einem Hackentrick von Marseiler im Strafraum eigentlich vor dem attackierenden Hufnagel am Ball, tritt mit seinem schwächeren rechten Fuß jedoch nicht energisch gut dagegen, so dass Hufnagel das Leder blocken und einschießen kann.

Bis zur 70. Minute spielt nur noch Haching. Nach Einwechslung von Manfred Starke und Andri Runar Bjanarson bäumt sich Lautern noch einmal auf, erzeugt mit einer kleiner Serie ruhender Bälle eine kurze Druckphase, anschließend hat Haching bis zum Schluss aber die klareren Torszenen. Grill muss kurz vor Schluss noch einmal gegen den eingewechselten Stefan Schimmer retten.

GUTER START? DARÜBER ENTSCHEIDET DIE ENGLISCHE WOCHE

Es bleibt als Resümee: „Das Tor war super, aber wir müssen früher Druck ausüben, mal in ein 4-3-3 gehen“, so Hildmann. Und nochmal: „Wir müssen viel mutiger werden.“ Ebenfalls interessant: „Unterhaching hat vielversprechende Aktionen von uns vier, fünf Mal mit taktischen Fouls unterbunden, wie haben das nicht einmal gemacht. Auch das müssen wir cleverer werden.“

Der Traumstart ist damit verpasst, aber nicht verpatzt. Schlussendlich entschieden wird darüber in der Englischen Wochen zum Monatsende, wenn’s kurz hintereinander nach Großaspach, anschließend zuhause geben Zweitliga-Absteiger Ingolstadt und samstags drauf nach Münster geht. Da für einen insgesamt positiven Gesamteindruck zu sorgen, wärE ungemein wichtig vor den anstehenden Derbys gegen Mainz 05 im DFB-Pokal und Waldhof Mannheim am 7. Spieltag.

Foto: 1. FC Kaiserslautern