Saisoneinstieg, Teil II: Nach dem Großaspach-Spiel soll der Daumen nach oben zeigen

Es war kein gutes Auftaktspiel, aber auch kein kompletter Fehlstart. Noch lässt sich der Saison-Einstieg des 1. FC Kaiserslautern nicht bewerten, hält der Daumen sich in der Waagrechten. Je nachdem, wie die Partie bei der SG Sonnenhof Großaspach am Samstag, 14 Uhr, endet, könnte er sich nach oben oder nach unten bewegen… Als Auswärtsspiel lässt sie sich jedenfalls kaum bezeichnen, angesichts der zu erwartenden Zahl an mitreisenden Lautern-Fans. Und der Ausgang der Partie dürfte auch die Stimmung beim ersten „Mitgliederforums“ des FCK beeinflussen, auswirken, am Sonntag, 10 Uhr, im Fritz-Walter-Stadion anberaumt ist. Insbesondere das ausführliche Interview mit Flavio Becca, das das Online-Magazin „Der Betze brennt“ unter der Woche veröffentlichte, wirft neue Fragen auf.

Ob Trainer Sascha Hildmann – zum Missfallen des eigenen Anhangs – wieder „abwartend und passiv“ beginnen lässt, wie beim 1:1 zum Heimauftakt gegen die spielstarke SpVgg Unterhaching? „Wir wollen Druck aufbauen“, verspricht der Coach, und auch hochsommerliche Temperaturen sollen auf seine Taktik keinen Einfluss nehmen. Die sind für Samstag ohnehin nicht gemeldet. Unter 30 Grad sind angesagt.

Statt der Außentemperaturen könnten allerdings die Platzverhältnisse Einfluss auf die Lautrer Spielweise nehmen. Denn wie im vergangenen Jahr hat auch diesmal der Schlagerstar Andrea Berg ein „Heimspiel“ in der Mechatronik-Arena ausgetragen, unmittelbar bevor der FCK zum Gastspiel erscheint. Der Rasen ist  dabei eher zum Sandplatz mutiert. Hildmann will seine Elf darauf flexibel reagieren lassen: „Wenn es nicht so funktioniert mit dem Passspiel, müssen wir  mit pragmatischen Mittel versuchen, um zum Torerfolg zu kommen“, kündigt Hildmann an.

DAS 1:4 IN DUISBURG SAGT NICHT VIEL ÜBER DIE LEISTUNG DER SG AUS

Das 1:4, mit dem die SG bei Zweitliga-Absteiger Duisburg in die Saison gestartet ist, deutet zwar eine klare Angelegenheit ab, die aber war es tatsächlich nicht. Die Elf von Oliver Zapel bot bis zur 54. Minute ein gutes Auswärtsspiel, ehe ihr drei Gegentreffer innerhalb von sechs Minuten den Knockout verpassten. „Wir dürfen uns von diesem Ergebnis nicht blenden lassen“, so Hildmann.

Einer der Leistungsträger, die die SG im Sommer verließen, ist beim FCK gelandet: Flügelspieler Philipp Hercher, der in seinem neuen Team unerwartet schnell als Linksverteidiger Platz gefunden hat. Mit ihm habe er sich bereits ausgetauscht, aber „der Philipp weiß auch nicht alles“, so Hildmann, der zu Beginn der vergangenen Spielzeit ebenfalls noch Trainer in Großaspach war.

STARKE IST EINE OPTION – VORSICHT VOR BOELE

Ob Manfred Starke, der sich zum Saisonauftakt gegen Haching nach seiner Einwechslung als belebendes Element präsentierte, diesmal von Beginn an randarf, lässt der Trainer offen. Die vorsichtige Formulierung „Er könnte absolut  eine Option sein“ deutet eher darauf hin, dass Hildmann lediglich auf einer Position umstellt: José Matuwila, gegen Haching noch gesperrt, dürfte für Jonas Scholz in die Innenverteidigung rücken. Kein Thema für Samstag sind der erkrankte Theo Bergmann und weiterhin Lukas Gottwalt sowie Simon Skarlatidis.

Außer Hercher verlor die SG im Sommer auch ihren Stammkeeper Kevin Broll (zu Dynamo Dresden), Offensivkraft Makana Baku (Holstein), sowie Mittelfeldspieler Dominik Pelivan, der bislang auch bei keinem anderen Verein einen neuen Vertrag unterschrieben hat. Interessantester Neuzugang ist der französisch-kongolesische Stürmer Dimitry Imbongo Boele. Der 29-Jährige erzielte vergangene Saison für Alemannia Aachen in der Regionalliga elf Treffer, war zuvor sechs Jahre in der nordamerikanischen Major League Soccer aktiv und davor in Österreich aktiv. In Duisburg hat er direkt genetzt.

„GUTE AUSSAGE“: BECCA WILL IN DIE CHAMPIONS LEAGUE

Generell als „gute Aussage“ wertet Sascha Hildmann eine Zitat-Überschrift, mit der die Sport-Bild in dieser Woche auftrumpfte: „Natürlich ist die Champions League eines unserer Ziele, die wir uns setzen müssen“, verkündet Lauterns Geldgeber Flavio Becca in dicken Lettern. „Sonst hätte es keinen Wert, in der dritten Liga in den FCK zu investieren.“ Aus Freude an der Metapher sei noch eine weiteres Zitat aus dem anhängenden Text ergänzt: „Jetzt müssen wir versuchen, den Zwölfzylinder FCK, der im Moment auf sechs Zylindern vor sich hinstottert, wieder hinzukriegen.“

Immerhin zeigt die Aussage, dass der Luxemburger nach seinem Einstieg etwas bewegen will am Betzenberg. Wie genau, das hat der millionenschwere Unternehmer unter der Woche in einem dreiteiligen Interview auf „Der Betze brennt“ ausgeführt. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist besonders vor dem Hintergrund des anstehenden Mitgliederforums am kommenden Sonntag im Fritz-Walter-Stadion bislang.

„MITGLIEDERFORUM“: GUTER KOMPROMISS ODER ALIBI?

Das „Mitgliederforum“ ist ein bislang auch in der Vereinssatzung des FCK unbekanntes Format, das aus der Taufe gehoben wurde, damit Geschäftsführung, Vereinsrat, Ehrenrat und Aufsichtsrat den Mitgliedern „Informationen aus erster Hand“ liefern können, um die Ereignisse der vergangenen Wochen zu erhellen. Anstelle einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die der Ehrenrat zunächst gefordert hatte. Für die einen ist dieses Mitgliederforum eine gute Kompromisslösung, für die anderen nur ein Alibi-Event, ein „zahnloser Tiger“, da die Veranstaltung den Mitgliedern keine Handhabe lässt, auf die Ausführungen der Gremien mit Anträgen zu reagieren.

Spannend könnte es dennoch werden, insbesondere vor dem Hintergrund des Becca-Interviews. Im Grunde verbittet es sich, sich Deutungshoheit darüber anzumaßen. Jeder, dem der FCK am Herzen liegt, sollte es selbst lesen und sich sein eigenes Urteil bilden, in welche Zukunft sich sein Klub da nun bewegt.

Auf einige Punkte wollen wir dennoch kurz eingehen.

HÄTTEN FCK-UNTERHÄNDLER NICHT DOCH AUF RÜCKTRITTSFORDERUNG EINFLUSS NEHMEN KÖNNEN?

Beispielsweise stellt Becca die Vorgeschichte, die zur sattsam bekannten Rücktrittsforderung gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Littig führte, ein wenig anders dar als es insbesondere der Beiratsvorsitzende Patrick Banf bislang tat.

Demzufolge war diese Forderung nämlich ausschließlich und unvermeidlich von Becca gekommen, da dieser mitten in den Verhandlungen über ein mögliches FCK-Engagement sein bis dato alleinigen Ansprechpartner nicht verlieren wollte. Dem Vernehmen nach wollte Littig sowohl Banf absetzen als auch den Vertrag des Sport-Geschäftsführers Martin Bader nicht verlängern.

Becca bestätigt zwar, dass diese Meldung sein Missfallen erregt habe, aber wie Littigs Name anschließend auf dem „Letter of Intent“ (LOI) landete, in dem Littigs Rücktritt zur Bedingung für ein Engagement Beccas gemacht wurde, liest sich bei ihm so. Er, so Becca, habe sich „bereiterklärt, beim FCK einzusteigen, aber nur verbunden mit der Lösung der Frage: Wie bekommen wir Ruhe rein? Antwort: Wenn die Leute, die gegen dieses Projekt steuern, nicht mehr da sind. Littig muss gehen, so lautete die Konsequenz.“

Demzufolge hatten es Banf, Bader und Finanz-Geschäftsführer Michael Klatt  durchaus in der Hand, Becca auszureden, diesen Punkt in den LOI zu setzen. Dass er mit der Satzung des FCK nicht in Einklang zu bringen ist, gilt mittlerweile als Tatsache. Dass der Verein nicht zuletzt dadurch seither tief gespalten ist, ebenso.

WARUM WAR LITTIG NIE IN LUXEMBURG?

Ebenso erstaunt Beccas Darstellung, weshalb es nie zu einer Aussprache zwischen ihm und Littig kam, bei der etwaige Unstimmigkeiten hätten ausgeräumt werden können. Er habe den Handlungsbevollmächtigten des FCK immer angeboten, zu ihren Treffen auch andere Beiratsmitglieder mizubringen, auch Littig. Warum dieser Einladung niemand Folge leistete, wisse er nicht.

Darüber hinaus erklärt der designierte Investor, das von der Mitgliederversammlung verabschiedete Vier-Säulen-Modell nicht in Frage stellen wollen. Dieses Modell erlaubt auch regionalen Investoren, stillen Teilhabern und Fans, Anteile am FCK zu erwerben. Um den Einstieg als Ankerinvestor konkurrierte mit Becca etwa auch eine regionale Gruppe um die Lautrer Unternehmer Sachs und Dienes.

„MÖCHTE MITREDEN, WENN ES UM ENTSCHEIDUNGEN GEHT“

In punkto Mitspracherecht formuliert der Luxemburger allerdings an anderer Stelle: „Im FCK-Aufsichtsrat gibt es heute mit fünf Personen schon große Probleme. Wie soll das dann erst morgen werden, wenn neben Sachs und Dienes noch zehn oder 20 weitere Investoren an einem Tisch sitzen?“

Dass er selbst mit am Ruder sitzen will, daraus macht er freilich ebenfalls keinen Hehl: „Wir – ich und mein Team – kennen uns im Sport aus und dementsprechend möchten wir auch mitreden, wenn es um die Entscheidungen geht.“

Ist es sehr argwöhnisch, dies ungefähr so übersetzen: In den Verein investieren darf natürlich jeder, der will, sagen, wo es langgeht, darf aber nur ich? 

SOLL NICHT NEGATIV KLINGEN: „AM ERFOLG MESSEN LASSEN“

Zudem macht er deutlich, dass das Saisonziel für ihn der Aufstieg sein muss. Um eine solche Aussage hatte sich Martin Bader in der Saison-Eröffnungs-PK noch herumgedruckst. Und zuguterletzt sei auch Beccas Schlusswort aus dem zweiten Teil des Interviews nochmal wiedergegeben. „Die FCK-Verantwortlichen haben auch dank meiner finanziellen Unterstützung den Kader bekommen, den sie haben wollten. Daran müssen sie sich jetzt messen lassen, was aber gar nicht negativ klingen soll, sondern das ist der normale sportliche Druck.“

Das liest sich für Otto Normalfan grundsätzlich nicht schlecht, für einige seiner bisherigen Ansprechpartner allerdings ein wenig besorgniserregend. So, als könnte der Mann, wenn er beim FCK erst einmal im Sattel sitzt, seine Steigbügelhalter glatt wegkicken, wenn sich der sportliche Erfolg nicht zügig  einstellt. Was jetzt natürlich aber gar nicht negativ klingen soll.

Text: Eric Scherer