Mit Mentalität und Matchplan: Souveräner Sieg in Großaspach stärkt Selbstbewusstsein für Ingolstadt-Spiel

Na also, geht doch: Der 1. FC Kaiserslautern gewinnt bei der SG Sonnenhof-Großaspach mit 3:1, hat nun nach zwei Spielen vier Punkte auf dem Konto und alle Optionen, sein Auftaktprogramm weiterhin positiv zu gestalten. Vor allem scheint eine zukunftsfähige Grundordnung gefunden. Der optimal gestartete Zweitliga-Absteiger aus Ingolstadt kann am Dienstag, 19 Uhr, auf den Betzenberg kommen – und mit ihm hoffentlich 30.000 Zuschauer, es dürfen auch ein paar mehr sein. 

Wir notieren: Lautern kann nicht nur gewinnen, Trainer Sascha Hildmann kann auch verblüffen. Nur zwei Namen hat er gegenüber der Startelf vom Saisonstart gegen Unterhaching geändert, die Grundordnung aber gewaltig durcheinander gewirbelt. Der Coach präsentiert eine komplett neue Innenverteidigung. Für Jonas Scholz rückt wie erwartet José Matuwila ins Team, neben ihm verteidigt – Überraschung – Carlo Sickinger. Kevin Kraus bleibt zunächst draußen.

Sickingers Part im Mittelfeld übernimmt der im Grunde offensiver orientierte Manfred Starke. Das erinnert an das Experiment, das Hildmann im Vorbereitungsspiel beim FC Homburg schon einmal wagte und das ziemlich schiefging (1:3). Aber: Die  Anordnung diesmal ist eine andere.

DAS HAT ZUKUNFT: EIN 4-1-4-1 MIT VIELEN OPTIONEN

Der FCK präsentiert sich nicht mit Zweiersturm und Mittelfeld-Raute. Christian Kühlwetter agiert nicht neben Timmy Thiele in der Spitze, sondern an der Seite Starkes im Mittelfeld. Lautern erwartet den Gegner in einem 4-1-4-1. Das sich auch in ein 4-4-2 verschieben kann, wenn Kühlwetter wieder nach vorne rückt. Oder in ein 4-1-2-3, in dem Florian Pick und Christoph Hemlein zu echten Flügelspielern mutieren. Und das alles geschieht so fließend, wie es im Fußball des 21. Jahrhunderts sein soll.

Wir haben nach dem ernüchternden 1:1 gegen Haching nicht zu negativ losgepoltert, drum wollen wir jetzt nicht gleich zu euphorisch werden, aber: Mit dieser beweglichen Formation könnte der FCK seine Grundordnung für diese Saison gefunden haben. Denn es sieht über weite Strecken richtig, richtig gut aus, wie die Mannschaft sich über den Platz  bewegt.

Kühlwetter zeigt schon nach fünf Minuten, dass ihm die neue Rolle aus der Tiefe durchaus liegen könnte. Er schlägt an der Mittellinie einen Top-Diagonalball auf den linken Flügelmann Florian Pick, und der tut, was er meistens tut: Nach innen ziehen und mit rechts aufs Tor halten. Und er trifft. Schon zum zweiten Mal in dieser Saison.

PICK IMMER BESSER, ABER DER VERGLEICH MIT ARJEN R. NERVT

Überhaupt gelingt dem 23-Jährigen die Nummer seit der Rückrunde der vergangenen Spielzeit immer öfter, so dass Beobachter zunehmen den Vergleich mit einem gewissen Arjen R. bemühen, der dergleichen jahrelang beim FC Bayern München exerzierte, allerdings der rechten Seite und mit dem linken Fuß. Wie Pick nach dem Spiel „Magenta Sport“ verriet, hat ihn Neuzugang Arni Runar Bjarnason mannschaftsintern bereits nach dem Holländer getauft. Pick selbst scheint das ein wenig unangenehm zu sein. Recht so. Muss nicht sein.

Drei Minuten später beginnen sich die 3500 Lautern-Fans unter den 6500 Zuschauern in der Mechatronik-Arena endgültig die Augen zu reiben. Sickinger spielt aus der Verteidigungslinie einen präzisen vertikalen Pass auf Starke. Der setzt aus dem Zehnerraum den durchgestarteten Rechtsverteidiger Dominik Schad ein, der in den Strafraum eindringt und flach auf Mittelstürmer Timmy Thiele querlegt – 2:0. Echte Spielkultur, und das in Liga drei.

Starke, auch sonst ordnender Faktor im Lautern-Spiel, hat kurz vor der Pause einen weiteren One-Touch-Moment. Diesmal schickt er den nach vorn drängenden Sechser Janik Bachmann halbrechts in den Strafraum. Der scheitert an SGS-Keeper SG Maximilian Reule, auch Hemlein hat im Nachschuss kein Glück.

DIE VORENTSCHEIDUNG: MARTINOVICS PLATZVERWEIS

Dennoch scheint die Partie bereits vorentschieden, als in der 45. Minute SGS-Mittelfeldspieler Dominik Martinovic die Gelb-Rote Karte sieht. Jetzt muss sich der FCK die Gegentreffer schon selber reinmachen, um noch zu verlieren. Allerdings weiß der Fan aus leidvoller Erfahrung: Das bringt er durchaus auch fertig.

Ärgerlich sind aus FCK-Sicht nur ein paar Fahrlässigkeiten nach ruhenden Bällen. Dadurch kommen die Großaspacher zu zwei klaren Kopfballchancen. An Tagen, an denen der Fußballgott schlecht drauf ist, macht man sich so die eigene Vorstellung  kaputt – und den Gegner stark.

Ansonsten aber bietet die Hildmann-Elf in den ersten 45 Minuten ein beinahe perfektes Auswärtsspiel. Auch der verletzte Neuzugang Simon Skarlatidis, der auf der Tribüne sitzt, ist total begeistert: „Ich fresse meine Fingernägel auf, weil ich da nicht zur zugucken, sondern auch mitspielen will“, gibt er bei der Telekom zu Protokoll. 

SICKINGERS KNICKT UM: EINSATZ AM DIENSTAG

In Hälfte zwei darf der Grieche genussvoll weiterknabbern. Obwohl Sickinger nach 49 Minuten rausmuss. Der 21-Jährige knickt um. Nichts Ernstes, aber ob der dicke Knöcheln bis Dienstag abschwillt, ist fraglich. Schade, denn mit Sickinger in der Vierkette verbesserte sich das Hoffentlich nichts Ernstes. Durch ihn in der Viererkette hat sich das Spiel aus der Abwehr deutlich verbessert. Auf diese Partie nimmt seine Auswechslung freilich keinen Einfluss mehr.

Kraus kommt für ihn, und fügt sich gleich gut ein. Nach einer endlich mal  gefährlichen Ecke, die Starke aufs lange Eck schlägt. Kraus erwischt sie mit dem Kopf – und verfehlt nur haarscharf.

SGS-Trainer Oliver Zapel hat in der Pause auf Dreierkette umgestellt, Eric Hottmann und Konstantin Burger gebracht, dass Lautern im Spiel Elf gegen Zehn locker auf Konterchancen warten kann, kann er dadurch jedoch nicht verhindern. Sebastian Bösel vermag nur durch ein Gelb-Foul verhindern, dass vier Lauterer gegen einen Großaspacher Abwehrspieler aufs Tor zulaufen, Starke hat den dritten Treffer auf dem Fuß, versucht aber lieber, quer zu legen und scheitert.

UND NOCHMAL KOMMT DIE SGS NACH RUHENDEN BÄLLEN

Ab Minute 70 gelingt es den Gastgebern, sich wieder über Standardsituationen in Szene zu setzen. Erst streift ein Freistoß von Burger am Tor der Gäste vorbei, dann pariert Keeper Lennart Grill mit einer Flugparade einen Schlenzer von Imbongo Boele – und schließlich fällt der Anschlusstreffer. Kai Gehring trifft nach langem Einwurf von Julian Leist und Kopfball-Verlängerung von Imbongo.

„Die Standardsituationen haben uns weh getan“, resümiert auch Hildmanns hinterher. Erst, als auch Gehring mit Gelb-Rot vom Platz muss, ist Großaspach geschlagen. Und dieser Platzverweis ist nicht so ganz schlüssig. Klar, Gehring schubst den eingewechselten Gino Fechner – aber wann hat er eigentlich die Erste Gelbe Karte gesehen, die einer Gelb-Roten eigentlich vorausgehen muss?

„DIESE MENTALITÄT BRAUCHEN WIR JETZT AUF DEM BETZE“ – O JA!

Pick erledigt bei Elf gegen Neun anschließend den Rest. Diesmal legt Starke erfolgreich quer. 3:1, Abpfiff. Oliver Zapel ist zurecht sauer wegen des zweiten Platzverweises, gibt diesem aber nicht die Schuld an der Niederlage: „Die anfänglichen Fehler haben uns aus der Bahn geworfen. Für unsere Moral können wir uns am Ende genauso wenig kaufen wie für den Anschlusstreffer.“

Kollege Hildmann dagegen freut sich. Nicht nur, weil sein Matchplan diesmal voll aufgegangen ist, sondern auch an der entschlossenen Art und Weise, wie seine Jungs diesen umsetzten: „Diese Mentalität brauchen wir jetzt auch auf dem Betze.“ Und das schon am Dienstag.