Kommentar: Die Gräben sind zu tief – Die Außerordentliche Mitgliederversammlung muss kommen

Die vermeintliche Kompromisslösung „Mitgliederforum“ hat sich als untauglicher Versuch an einem untauglichen Objekt entpuppt. Viereinhalb Stunden diskutierten am Sonntag rund 170 Mitglieder des 1. FC Kaiserslautern mit Geschäftsführern und Beirat, lange Zeit sachlich, dann aber äußerst emotional. Um am Ende zu erkennen, dass sie um die außerordentliche Mitgliederversammlung, wie sie auch der Ehrenrat zunächst angedacht hatte, nun doch nicht herumkommen. Erstens, weil diese bereits auf den Weg gebracht ist und die Antragsteller die erforderlichen 600 Unterstützer problemlos zusammenbekommen müssten – und zweitens, weil sie Sinn macht. Ohne Konsequenzen für einzelne handelnde Personen werden sich die nach wie vor offenen  Gräben nicht mehr zuschütten lassen.

Es ist nahezu unmöglich, diese „Mitgliederforum“ in allen Facetten Revue passieren zu lassen. Thomas Hilmes von „Der Betze brennt“ hat es versucht.  Wir sparen uns, dem einen eigenen Entwurf entgegenzustellen, werden uns im Folgenden nur auf einige Punkte beschränken und unsere persönliche Einschätzung dazu abgeben.

Zunächst noch einmal zur Entscheidung für Flavio Becca. Dass sie sich am Ende für den Geldgeber entschieden, mit dem sie bereits über Monate im Gespräch waren, haben die Geschäftsführer Michael Klatt und Martin Bader durchaus nachvollziehbar dargestellt. Sie sind diejenigen, die haften und den Kopf dafür hätten hinhalten müssen, wenn das Lizenzierungsverfahren für die kommende Drittligasaison gescheitert wäre. Insofern durften sie zurecht erwarten, dass der Beirat bei seiner Abstimmung ihrer Empfehlung folgt.

DIENES UND SACHS: WARUM NICHT FRÜHER

Wie kurzfristig das Angebot der regionalen Investorengruppe Dienes/Sachs nun tatsächlich kam und ob es ausreichend ausgearbeitet war, um eine Lizenzierung zu erreichen, kann ein außenstehender Beobachter unmöglich entscheiden, da steht Aussage gegen Aussage.

Weshalb Sachs und Dienes ihr Angebot nicht früher einreichten? Die beiden Unternehmer führen aus, dass erst die „unmoralische“ Rücktrittsforderung Beccas gegen Aufsichtsratsmitglied Michael Littig den Ausschlag für sie gegeben habe, ihren Hut in den Ring zu werfen. Das Argument, da ist wiederum Beiratsmitglied Jochen Grotepass Recht zu geben, überzeugt nur bedingt. Wenn es ihnen wirklich darum gegangen wäre, das Fortbestehen des FCK zu ermöglichen, hätten sie sich früher melden müssen.

 Nicht zu akzeptieren ist dagegen Grotepass´ flapsige Bemerkung in Richtung Littig, er sei schließlich nicht mit der Pistole gezwungen worden zurückzutreten. Damit hat er den emotionalen Ausbruch des Angesprochenen förmlich provoziert.

ES GAB KEINE „ANTI-BECCA-FRAKTION“ – BIS ZUR RÜCKTRITTSFORDERUNG

Was Littig sowie der mittlerweile zurückgetretene Vorstandsvorsitzende des „e.V.“, Andreas Buck, aber ebenfalls deutlich machten: Es hatte und es hätte beim FCK niemals eine „Anti-Becca-Fraktion“ gegeben, bevor die Rücktrittsforderung gegen Littig kam. Alle waren froh, dass endlich ein Geldgeber gefunden war, obwohl alle sich darüber im Klaren waren, welche Risiken es birgt, sich in die Abhängigkeit eines Investors dieses Kalibers zu begeben. Doch alle wollten den Dialog mit Luxemburger suchen. Wie und weshalb dieser manchen verwehrt blieb, mutet weiterhin merkwürdig an.

Und: Dass es unmöglich war, Becca die Rücktrittsforderung gegen Littig auszureden, vermochten die handelnden Personen dem Mitgliederforum ebenfalls nicht überzeugend darstellen – doch gerade dies steht nach dem vergangene Woche auf „Der Betze brennt“ veröffentlichten Interview mit Becca mehr denn je im Raum. Statt dessen riskierten Klatt, Bader und der Beiratsvorsitzende Patrick Banf einen Bruch der Satzung  des FCK – und den tiefen Riss, der sich nach wie vor durch den Verein zieht.

„FCK-JETZT.DE“ SAMMELT BEREITS UNTERSCHRIFTEN 

Daher muss es nun zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kommen, in der über die Entlastung des Aufsichtsrats abgestimmt und gegebenenfalls eine Abwahl in die Wege geleitet werden kann. Eleganter wär’s ja, die handelnden Personen lenkten von sich aus ein und gäben den Mitgliedern die Gelegenheit, ihnen entweder erneut das Vertrauen auszusprechen oder sie ihren Hut nehmen zu lassen, doch diese große Geste ist wohl nicht zu erwarten.

Die Mitglieder Johannes B. Remy und Ken Kinscher haben den dafür notwendigen Antrag bereits formuliert und ins Netz gestellt. Mitglieder finden auf der Seite auch eine Möglichkeit, ihre Zustimmung zu erteilen. Insgesamt benötigt der Antrag 600 Befürworter, damit eine Außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden kann.

UND WAS IST NUN MIT DIENES / SACHS?

Wir wollen jedoch noch auf einen anderen Punkt hinweisen. Recht früh nach  Beginn der Sitzung fragte ein Mitglied, ob es auch Bemühungen gäbe, neben Becca die regionale Investorengruppe Dienes/Sachs doch noch ins Boot zu holen. 

Denn, so viel ist klar: Die 25 Millionen Euro, die der Luxemburger in den nächsten fünf Jahren in den FCK investieren will, mögen ein stattlicher Betrag sein, aber um sich für eine nachhaltige Rückkehr in die Erste Bundesliga zu stärken, wird der FCK noch viel mehr Geld benötigen. Und das nach wie vor gültige Vier-Säulen-Modell zur Finanzierung bietet Möglichkeiten, sich auch an der Seite eines „Ankerinvestors“ zu engagieren.

So richtig beantwortet wurde diese Frage allerdings nicht. Später gab es die ein oder andere Verlautbarung in der Art von „Wir bemühen uns“ oder „Wir bleiben auf jeden Fall im Gespräch“. Ob dies mehr als Höflichkeitsfloskeln waren, muss sich noch weisen.

DER FCK UND SEINE GELDGEBER – EIN TRAURIGES KAPITEL

Grundsätzlich befremdet schon, wie die Verantwortlichen mit potenziellen oder bereits existenten Investoren und Sponsoren umgehen. Auch, dass sich die wenigen Unternehmer, die bereit sind, sich beim FCK finanziell zu engagieren, untereinander nicht grün sind, entsetzt immer wieder.

So lieferte sich der langjährige Sponsor Dieter Buchholz am Sonntag ein Wortgefecht mit Klaus Dienes, das sich nicht gerade – Achtung, Ironie – nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft anhörte. Schade. Wenn sie noch mal einen Annäherungsversuch starteten, wär das sicher im Sinne des FCK.

Dass sich auch Hauptsponsor Harald Layenberger, der am Sonntag anwesend war, aber nicht ans Mikrofon trat, von Banf und Co. schlecht behandelt fühlt, ist sattsam bekannt.

Und zuguterletzt sei an die SWR 4-Podiumsdiskussion im März erinnert, in der sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende Rainer Keßler zu Wort meldete und von potenziellen Investoren berichtete, die er dem FCK vermitteln wollte, doch seien diese Versuche irgendwie im Sand verlaufen… Banf war auf den Einwurf nicht vorbereitet, was für den Augenblick durchaus verständlich ist. Doch fühlte er sich auch in den Tagen danach nicht bemüßigt, dem Vorhalt nachzugehen und ein Statement dazu abzugeben.

Man hat fast den Eindruck, Flavio Becca sei der einzige Geldgeber, den die Verantwortlichen mit Nachdruck hofieren.