Auf geht’s: Mit dem Spirit von Großaspach erstmals zwei Hildmann-Siege in Folge einfahren

Schafft es Sascha Hildmann, den 1. FC Kaiserslautern zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt zu zwei Siegen in Folge zu führen? Wär ein Riesenschritt, um sich schon in der Anlaufphase der Saison vorne festzusetzen – wie wichtig dies fürs Selbstvertrauen ist, hat der VfL Osnabrück vergangene Spielzeit vorexerziert. Ob’s klappt, entscheidet sich am heutigen Dienstagabend ab 19 Uhr, wenn „uffem Betze“ die Partie gegen den FC Ingolstadt angepfiffen wird. Fehlen wird dem FCK möglicher Weise Carlo Sickinger, ansonsten sind keine große Veränderungen gegenüber der Partie bei der SG Sonnenhof Großaspach zu erwarten. An diesem 3:1-Sieg gibt’s auch nicht viel rumzumäkeln, wie der Blick auf unsere xG-Grafiken zeigt.

Die Timeline der „expected Goals“ bestätigt auch den subjektiven Eindruck, den wohl jeder Beobachter dieser Partie gewonnen hatte. Nach dem frühen Doppelschlag hatte Lautern das Spiel über weite Strecken gut im Griff und spielte auch die qualitativ höherwertigen Chancen heraus. Hätte die SGS in der Anfangsphase allerdings die eine Chance genutzt, die sich ihr über eine Standardsituation bot, hätte die Partie aber auch früh eine Wende nehmen können.

2019-07-27 1437355 xG plot SG Sonnenhof Grossaspach 1 - 3 Kaiserslautern.png

Der „Pitchplot“ bestätigt ebenfalls: Lautern hatte beim Herausarbeiten seiner Einschusspositionen einen Vorteil dort, von wo Tore nun einmal am besten zu erzielen sind: in der Box. Und, wie schön: 0.93 des xG-Gesamtwerts von 2.06 sind über „Set Pieces“, also Standardsituationen generiert worden. Den größten Sprung – siehe Timeline – bewirkte Kevin Kraus’ Kopfball nach Ecke von Manfred Starke kurz nach Beginn der zweiten Hälfte.

2019-07-27 Pitch plot SG Sonnenhof Grossaspach 1 - 3 Kaiserslautern.png

Mit Spannung erwartet haben wir die Positions- und Passgrafik, um checken zu können: Wie sieht das neue 4-1-4-1 visualisiert aus? Und wir sehen: Wir erkennen die Grundordnung nicht unbedingt. Was damit zusammenhängt, dass die Lautrer die Formation sehr beweglich präsentierten, wie es im modernen Fußball auch sein soll. Insgesamt aber ist die Elf deutlich strukturierter vernetzt als im Auftaktspiel gegen Unterhaching.

2019-07-27 Kaiserslautern Passing plot SG Sonnenhof Grossaspach - Kaiserslautern.png

 Überraschend, wie tief Christian Kühlwetter im Durchschnitt den Ball annahm. Überhaupt war sein Auftritt in neuer Rolle einer der größten Pluspunkte Lauterns. „Das Wechselspiel mit Manfred Starke klappte sehr gut“, bestätigte auch Coach Hildmann bei der PK am Montagabend. 

Bei der Nennung des Spielers mit dem „Most Progressive Passing“ dürfte „11tegen11“-Mastermind Sander Ijtsma allerdings ein Fehler unterlaufen sein: Statt Hemlein müsste da wohl eher Schad stehen.

AUS DEM HALBRAUM GEHT MEHR

Die „Zone 14“-Plots im Vergleich: Auch da war Lautern aktiver, ein paar Pässe mehr direkt in die Box dürften es aber schon sein. Allerdings ist es auch keine Schande, es eher über die Flügel zu versuchen, wenn man Leute wie Schad oder Pick in seinen Reihen weiß.

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Last, but not least die „Halbraum“-Aktivitäten. Hier muss man sich zunächst mal umgewöhnen. Diese sind hier seitenverkehrt gestaltet. Zu erkennen ist das an den Pfeilen, die eine Raute am Ende aufweisen. Die markieren nämlich erfolgreiche Torabschlüsse. Und das 2:0 sowie das 3:1 wurde von Schad, beziehungsweise Starke aus dem rechten Halbraum eingeleitet, der in dieser Draufsicht eigentlich links abgebildet sein müsste.

2019-07-27 Halfspace plot SG Sonnenhof Grossaspach 1 - 3 Kaiserslautern.png

Schön zu sehen: Wo Pick dribbelt und knoddelt, ist insgesamt mehr Aktivität, auf Schads Seite werden die geraderen Wege gegangen.

Was bedeutet dies nun fürs Spiel gegen Ingolstadt? Ganz einfach: Am besten genauso weitermachen. Wie zu erwarten, hat Sascha Hildmann in der Vorab-PK auch angedeutet, das 4-1-4-1 beizubehalten, sich aber vorbehalten, es möglicher Weise anders zu machen. Wo kämen wir da auch hin, zu viel zu verraten, der Feind hört – und liest – schließlich mit.

Fällt Carlo Sickinger aus, der in Großaspach eine Fußprellung erlitten hat, rückt Kevin Kraus von Anfang an in die Innenverteidigung. Was gegen Ingolstadt vielleicht gar kein Nachteil ist. Sickinger und Matuwila nebeneinander wären vielleicht zu wenig Kante, um dem 1,94 Meter großen FC-Koffer Stefan Kutschke im Sturmzentrum zu begegnen.

IMMER DRAN DENKEN: AUCH INGOLSTADT KOCHT NUR MIT WASSER

Ansonsten bietet sich auch deswegen kein Wechsel an, weil man in der Startphase einer Saison ein Team erstmal zusammenwachsen lassen will. Auch Hildmanns Kollege Jeff Saibene hat in den ersten beiden Partien zwei Mal die gleiche Startelf geboten. Und beide gewonnen. 

Was auf dem Papier natürlich imponiert, und Ingolstadts 3:2 gegen den MSV Duisburg soll ein richtig gutes Drittligaspiel gewesen sein. Das 2:1 in Jena zum Auftakt war jedoch ausgesprochen glücklich. Underdog Jena dominierte über weite Phasen und brach sich durch zwei Eigentore im Grunde selbst das Genick.

Will sagen: Auch Ingolstadt kocht nur mit Wasser. Also ran den Speck.