Einfach so weiterspielen – dann erledigt sich der Preußen-Fluch von selbst

Die ersten zwei Siege in Folge sind ihm also wieder nicht gelungen. Nun wartet die nächste Herausforderung auf Sascha Hildmann, den Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Am Samstag, 14 Uhr, gegen Preußen Münster punkten, einen Gegner, der sein Team vergangene Saison in beiden Partien bezwang. Die große Frage: Wird, beziehungsweise kann der Coach tatsächlich in einer Englischen Woche drei Mal mit der gleichen Startelf beginnen? Ist unüblich, wäre zu Beginn einer Saison aber nachvollziehbar, um das Team weiter zusammenwachsen zu lassen. Auszufallen droht – neben den bekannten Verletzten – der erkrankte Christian Kühlwetter. Dass Hildmann auf Joker Andri Runar Bjanarson verzichten muss, ist dagegen sicher. Der Isländer erlitt einen Muskelbündelriss im Adduktorenbereich und fällt gleich für mehrere Wochen aus.

Zuvor aber blicken wir noch einmal auf die Partie gegen den FC Ingolstadt zurück, genauer: auf die „experted Goals“ (xG)-Grafiken. Wir geben zu, wir hatten erwartet, dass der FCI nach diesem 0:0 in der Timeline sogar als der verdientere Sieger dasteht, weil er die qualitativ höherwertigeren Einschussgelegenheiten verzeichnete – dies so gesehen zu haben, äußerte etwa auch Ingolstadts Coach Jeff Saibene.

Doch zeigt sich einmal mehr: Kleinvieh macht auch Mist. Sprich: Die vielen nicht ganz so aussichtsreichen Möglichkeiten von Kühlwetter und Co. läppern sich am Ende zu einem deutlichen Vorsprung für den FCK zusammen. Ein Lauterer Sieg wäre zu 51 Prozent wahrscheinlich gewesen, ein Triumph der Schanzer dagegen nur zu 22 Prozent.

Der Pitchplot: Der handelsüblichen Torschussstatistik zufolge endete die Partie 14:14. Ganz schön fettes Ergebnis nach einem Spiel, das 0:0 endete. Und beide Teams erarbeiteten sich das Gros ihrer Torchancen in der Box, dort, wo sie den größten Erfolg versprechen. Ein weiterer Beleg dafür: Hier wurde richtig Fußball gespielt.

Aber: Der Anteil an Standards am xG-Gesamtwert von 1.13 Punkten liegt bei Lautern wieder nur bei 0.2. Dabei hatte sich beim 3:1-Sieg in Großaspach doch eine Verbesserung abgezeichnet. Nach wie vor gilt: Das muss besser werden.

Immerhin: Dass die von Neuzugang Manfred Starke hereingegebenen Ecken gefährlicher sind als die der FCK-Spezialisten der vergangenen Saison, ist auch ohne analytische Visualisierung erkennbar.

Die Positions- und Passgrafik: Bachmanns Ballannahmeposition lag im Durchschnitt wesentlich tiefer im Aspach-Spiel. Wenn man sich Kühlwetters Spot noch ein bisschen zurückgezogener vorstellt, bildet sich fast so etwas wie ein 3-4-3 mit Raute, das Erinnerungen an Johan Cruyffs „Total Voetbal“-Formationen weckt… Spaß beiseite: Ein schön geknüpftes Netz ist das, allenfalls ein wenig linkslastig.

Zum Vergleich die Ingolstädter Grafik. Auch die Schanzer haben eine Schokoladenseite, die rechte nämlich, mit Kurzweg und Beister. Insgesamt präsentieren sie sich ebenfalls gut geordnet.

Gut zu sehen: Die Flügelspieler bieten sich auf gleicher Höhe wie die Stürmer an, so wird bei Ballbesitz aus Ingolstadts 4-4-2 eigentlich ein 4-2-4.

Die Zehnerräume im Vergleich: Sehen beim FCK wesentlich effektiver aus, der Grund dafür dürfte Manni Starke heißen.

Die Halbräume: Hier scheint sich wieder unsere Feststellung vom vergangenen Spiel zu bestätigen. In der unteren Hälfte bildet die rechte Seite nicht, wie man es erwarten würde, den linken, sondern den rechten Flügel des Gegners ab. So korrespondiert diese Visualisierung nämlich auch mit der Positions- und Passgrafik.

Und was sind daraus nun für Erkenntnisse mit Blick aufs Spiel in Münster zu ziehen? Wir schrieben es schon im Spielbericht, und auf der PK zum Kick hat es auch Sascha Hildmann bestätigt: einfach so weitermachen. Mit Engagement und Leidenschaft, aber auch mit der gleichen Ordnung und Disziplin, im Spiel nach vorne wie nach hinten.

KOMMT‘S ZUR ROTATION, WENN KÜHLWETTER AUSFÄLLT? WIR GLAUBEN: NEIN

Drum tippen wir mal nicht, dass Hildmann im dritten Spiel dieser Englischen Woche auf Rotation setzt, wie es viele Trainer täten. Auch nicht, wenn Kühlwetter tatsächlich ausfällt. Hundertprozentig ist das nämlich nicht, und seine Gedankenspiele dazu gibt der Trainer erwartungsgemäß nicht preis: „Soweit sind wir noch nicht.“

Denkbar wäre in diesem Fall, Kevin Kraus wieder in die Innenverteidigung rücken zu lassen und Carlo Sickinger ins Mittelfeld hochzuziehen. Dazu aber präsentierte sich unserer Erachtens die Innenverteidigung Sickinger/Matuwila in den jüngsten Partien einfach zu stark. Das Duo sollte sich weiter stabilisieren. Als Mittelfeld-Achter stünde neben Gino Fechner auch Anil Gözütok Disposition. Der Youngster stand zuletzt mehrmals im 18er Kader.

Seit Mittwoch befinden sich auch Simon Skarlatidis und Theo Bergmann wieder im Mannschaftstraining. Ihr Einsatz von Beginn an käme in Münster jedoch noch zu früh, erklärte Hildmann. Ihnen im Verlauf der Partie ein wenig Spielzeit einzuräumen, so es der Spielstand zulässt, könnte allerdings eine Überlegung wert sein. Und schaffte vor allem auch zusätzliche Optionen für den Pokalknaller gegen den FSV Mainz 05 am 10. August.

MÜNSTERS FORMATION IST BEWEGLICH, DIE LAUTRER ABER AUCH

Gegner Münster verlor am Mittwoch 0:2 in Duisburg, siegte zuvor allerdings zuhause in Jena. Der neue Trainer Sven Hübscher setzt auf wechselnde Grundordnungen, ließ schon im 4-4-2 und im 3-4-3 agieren. Aus Lauterns neuem 4-1-4-1 lässt es sich beiden Formationen gut begegnen – wenn es weiter so beweglich präsentiert wird wie in den jüngsten beiden Partien.

Interessant liest sich vor allem die Vita von Hildmanns Gegenüber auf der Trainerbank. Preußen Münster markiert seine erste Cheftrainerstation, dennoch praktiziert der erst 40-Jährige bereits seit 20 Jahren als hauptamtlicher Übungsleiter. Er coachte diverse Juniorenteams, die U23 von Werder Bremen und assistierte in Schalke Jens Keller, Roberto di Matteo und André Breitenreiter. Dazu absolvierte er Praktika bei Arsenal London und dem FC Chelsea. Ganz schön intensive Vorbereitung auf den ersten Chefposten.

Text: Eric Scherer

Grafiken: 11tegen11, meineaufstellung.de