Zwei Führungen verspielt, ein Elfer verschossen – „Ich weiß nicht, was wir verbrochen haben“

Kennen Sie auch diese Thriller, die immer dann, wenn der Zuschauer zu ahnen glaubt, was als nächstes kommt, eine vollkommen andere Wendung nehmen? So fesseln sie zwar einen gewissen Zeitraum, doch irgendwann wirken die vielen Plot-Twists nur noch unglaubwürdig… Die 2:3-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern bei Preußen Münster folgte einer solchen Dramaturgie. Fesseln mochte sie allerdings bis zum Schluss. Und auch wenn kaum zu glauben war, was sich da abspielte, war die Handlung nicht ausgedacht, sondern bittere Realität. Ein tragischer Held kam auch drin vor, und das Ende war nicht für ihn, sondern für sein komplettes Team alles andere als happy… Schade. Nach den ersten vier Saisonspielen markiert Lautern mit fünf Punkten nun erneut wieder nur Tabellenmittelmaß, dabei spielt die Mannschaft mindestens eine Klasse stärker als im Vorjahr.

Trainer Sascha Hildmann änderte im dritten Spiel dieser Englischen Woche seine Startelf nur auf einer Position. Für den erkrankten Christian Kühlwetter rückte Gino Fechner ins Team. Statt auf körperliche Auffrischung setzte der Coach lieber darauf, den Spirit der beiden jüngsten Partien gegen Großaspach (3:1) und Ingolstadt (0:0) zu bewahren – womit er unterm Strich auch richtig lag.

LAUTERN SCHNELL UND DIREKT, MÜNSTER KOMBINIERT

Von Beginn an entwickelt sich ein ungemein schnelles Drittligaspiel zweier Mannschaften, die ihre Spielstile äußerst konzentriert und konsequent umsetzen. Lautern sucht nach Ballgewinn direkter den Weg nach vorne, leitet seine Konter meist über Florian Pick und Manfred Starke ein, der mit einem flachen Diagonalball Christoph Hemlein eine erste Torchance eröffnet. Dessen Linksschuss aber pariert Preußen-Keeper Maximilian Schulze-Niehues.

Und wenn der Ball unpräzise nach vorne bugsiert wird, rückt das Team kompakt auf und sucht die erneute Balleroberung in Gegners Hälfte. Exakt das hat in der vergangenen Spielzeit so gut wie gar nicht klappt.

Münster dagegen spielt den gepflegteren Ball, kombiniert über mehrere Stationen, erreicht dabei aber bisweilen ebenfalls ordentliche Geschwindigkeiten. Es ist wirklich erstaunlich, auf welchem fußballerischen Niveau sich diese Dritte Liga bislang präsentiert. Nach Haching und Ingolstadt trifft Lautern schon auf den dritten Gegner, der auch höhere Ansprüchen erfüllt.

MÜNSTER IST AM DRÜCKER, DA TRIFFT LAUTERN 

Nach einer halben Stunde häufen sich dann die Torchancen. Nach einem Fehlpass von Starke im Spielaufbau kommt zunächst Rufat Dadashov zum Schuss, anschließend muss der starke Lennart Grill erneut gegen den Preußen-Stürmer und gegen Simon Scherder parieren. 

Lautern droht den Faden zu verlieren, der Führungstreffer der Münsteraner liegt in der Luft, doch dann – und das wird typisch für den Verlauf dieses Spiels Spiel – fällt das Tor auf der anderen Seite. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff setzt Pick wieder einmal zu einem seiner Dribblings von links in die Mitte an, wird nicht richtig attackiert und schließt ab.

Und nun? Sollte der FCK eigentlich tun, was bei anderen Mannschaften dieser Liga doch so oft so gut klappt. In die Seile hängen, dem Gegner zugucken, wie er sich abmüht, Lösungen gegen massierte Deckungen zu finden – und auf Konter warten.

DER KNACKPUNKT: SICKINGER VERSCHIESST ELFER, MÜNSTER TRIFFT

Das funktioniert in Hälfte zwei auch vorzüglich – allerdings nur sieben Minuten lang. Beim ersten der erwarteten Konter wird Pick im Strafraum zu Fall gebracht hat. Das Verwandeln des fälligen Elfmeters sollte jetzt eigentlich nur Formsache und das anschließende Verwalten eines 2:0 ein Klacks sein. 

Eigentlich…

Carlo Sickinger verschießt, und danach dauert es nur 16 Sekunden, bis Dadashov den Ball ins Lauterer Gehäuse schießt, nachdem ihn der starke Seref Özcan mit der Hacke freigespielt und Hemlein lediglich eskortiert hat. „Da waren wir wohl noch zu perplex“, analysiert Hildmann später. Die über 1500 mitgereisten Fans sind es nicht minder.

NÄCHSTER PLOT-TWIST: LAUTERN FÄNGT SICH – UND SCHLÄGT ZU

Und nun? Erwartet eigentlich jeder, dass Lautern nach dem doppeltem Schock einknickt und Münster vor heimischer Kulisse die Traute entwickelt, das Spiel endgültig zu drehen. Stimmt aber wieder nicht. Lautern wackelt nur ein paar Minuten, fängt sich  wieder – und macht das 2:1: Starke schickt Janik Bachmann mit einem seiner direkten Bälle halbrechts in den Strafraum, der legt quer auf Timmy Thiele auf und der wiederum muss nur noch einschieben.

Die zweite Führung in einem Auswärtsspiel, das sollte es doch nun wirklich gewesen sein für FCK, oder? Leider wieder nicht. Nur zwei Minuten später lassen sich die Lautrer den Ausgleichstreffer einschenken. Scherder fällt nach Ecke und Kopfball das Leder vor die Füße.

Damit nicht genug: Nochmal acht Minuten später lässt sich Grill eine bereits abgefangene Freistoßflanke wieder fallen und schiebt sie sich durch die Beine selbst ins Tor.

Ausgerechnet Grill, der zuvor so glänzend pariert hatte. Das tut wirklich weh.

IN VIER SPIELEN DREI MAL EINE FÜHRUNG VERSPIELT: IST DAS NUR PECH

Das sollte es nun eigentlich gewesen sein, aber: Starke und Bachmann haben in der Schlussminute noch mal den Ausgleichstreffer auf dem Fuß, der aber bleibt dem FCK jedoch verwehrt. Es ist zum Haare-Ausraufen.

Erklärungen zu finden, fällt Trainer und Spieler unmittelbar nach dem Spiel schwer. Ob bei ihm nun Wut, Enttäuschung oder Verzweiflung überwiegen, wird Sascha Hildmann am Ende gefragt. „Von allem ein bisschen“, grummelt der Coach. „Ich weiß nicht, was wir verbrochen haben.“

Bei aller Anerkennung dieser starken Leistung, bei allem Mitgefühl für die höchst unglückliche Niederlage – es muss auch festgestellt werden: Das 1:1 gegen Haching zum Saisonauftakt eingerechnet, hat der FCK in vier Partien nun schon drei Mal Führungen verspielt. Das darf man nicht einfach nur mit Pech erklären.

Text: Eric Scherer

Foto: 1. FC Kaiserslautern