Die xG-Grafiken vom Preußen-Spiel: Kühlwetter fehlte mehr, als es sich grafisch darstellen lässt

„Wir haben es mehr gewollt.“ So begründete Preußen-Trainer Sven Hübscher, weshalb sein Team am vergangenen Samstag nach hochdramatischen 90 Minuten gegen den 1. FC Kaiserslautern doch noch mit 3:2 das bessere Ende für sich hatte. In dieser Richtung kommentierten die Niederlage auch viele Lautrer Anhänger in den sozialen Medien, sogar noch um einiges saftiger, wie es an diesen Stellen eben heutzutage üblich ist. Zwei Führungen zu verspielen, einen Elfmeter zu verschießen und sich kurz vor Schluss noch einen Torwartfehler zu leisten, ist eben schwer zu verkraften. Auch Ergebnisse und Tabellenstand nach vier Spieltagen deuten noch nicht an, dass der FCK diese Saison wieder weiter oben angreifen kann. Dennoch steht da eine Mannschaft mit einer wesentlich konturierteren Spielanlage auf dem Platz als in der vergangenen Saison. Das belegen auch die xG-Grafiken.

Bei der Betrachtung der Timeline ist zunächst aber festzuhalten: Die Preußen haben verdient gewonnen, in der Addition der qualitativ bewerteten Torchancen liegen sie am Ende mit 2.36 : 2.0 vorne. Als unterlegene Mannschaft mit 2.0 abzuschließen, ist einerseits recht eindrucksvoll, andererseits: Den größten Sprung nach oben hat Sickingers verschossener Elfer verursacht.

2019-08-03 1437373 xG plot Preussen Munster 3 - 2 Kaiserslautern.png

Zu erkennen – und anzuerkennen – ist aber, wie sich der FCK nach dem Doppelschock – erst Elfer verschossen, dann direkt den Ausgleich kassiert – nochmal fing. Thieles 2:1 fiel nicht aus heiterem Himmel, Lautern hatte auch zuvor schon begonnen, sich weiter Einschusspositionen zu erarbeiten.

Der verschossene Elfer verwässert auch den Pitchplot. Der ordentliche xG-Wert von 0.82 bei den „Set Pieces“ des FCK wird im Wesentlichen durch ihn verursacht. Ansonsten gab es zwar abermals ein paar besser getretene Eckbälle zu sehen, wirkliche Chancen resultierten daraus jedoch nicht.

2019-08-03 Pitch plot Preussen Munster 3 - 2 Kaiserslautern.png

Generell zeigt sich: Im Lautrer Strafraum war doch einiges mehr los als bei den Münsteranern.

Der Blick auf die Positions- und Passgrafik lohnt vor allem im Vergleich zum vorangegangenen Spiel gegen Ingolstadt. Gino Fechner, den Sascha Hildmann für den erkrankten Christian Kühlwetter aufgeboten hatte, ist tiefer positioniert als Bachmann, der ja der eigentliche Sechser im 4-1-4-1 sein soll. Und Fechner arbeitete, wie die Seitwärtspfeile zeigen, mehr in die Breite als der lieber vertikal marschierende Kühlwetter.

2019-08-03 Kaiserslautern Passing plot Preussen Munster - Kaiserslautern.png

Bachmann dankte die Rückendeckung zwar mit starken Offensivaktionen, bereitete Thieles Führungstreffer vor und hatte kurz vor Schluss sogar eine  Einschussmöglichkeit zum 3:3, insgesamt aber überzeugt dieses Gefüge nicht so ganz.

Kühlwetter ist in der Grafik zum Spiel gegen Ingolstadt zwar ebenfalls recht weit  hinten positioniert, man darf aber nicht vergessen: Der Spot wird dort gesetzt, wo der Spieler die Bälle am häufigsten annahm. Wie oft er ohne Ball in die Spitze vorstieß, wie oft er aus der offensiven Mittelfeldreihe herausrückte, um den einzigen Stürmer beim Pressing zu unterstützen, darüber gibt diese Visualisierung keinen Aufschluss.

PICK ALS KLASSISCHER LINKSAUSSEN

Und das sind eben Dinge, bei denen sich gerade Kühlwetter hervortut. Daher Hut ab vor Nils Drube, einem derzeit arbeitslosen Übungsleiter, der sich „Magenta Sport“ zum Pauseninterview stellte, allerdings nicht gerade als intensiver FCK-Beobachter bekannt ist. Er wies auf die fehlende „körperliche Präsenz“ Kühlwetters hin, mit der dieser „Räume für Thiele ziehen“ könnte.

Ebenfalls erneut zu sehen: Die Linkslastigkeit des Lautrers Spiels. Pick ist diesmal als fast schon klassischer Linksaußen positioniert.

Zum Vergleich die Grafik der Münsteraner. Ein starker, gut geordneter, aber auch beweglicher Gegner. Interessant die weit vorgezogene Position Özcans, der sich (Seitwärtspfeile!) immer wieder auf der gesamte Breite des Spielfelds anbot.

2019-08-03 Preussen Munster Passing plot Preussen Munster - Kaiserslautern.png

Der Vergleich der Zehnerräume: Hier zeigt sich wieder, dass mit Manfred Starke Leben in den Lautrer „Zone 14“ eingekehrt ist. Und insgesamt herrschte bei den Unterlegenen nicht weniger Aktivität als bei den Gewinnern.

2019-08-03 Zone 14 plot Preussen Munster - Kaiserslautern.png

Starkes größte Tat ist allerdings in der Halbraum-Grafik zu sehen: Sein Querpass auf Thiele, der mit dem 2:1 abschließt. Das öffnende, vertikale Zuspiel kam von Bachmann. Zu erkennen an der Raute am Ende des Pfeils. Wie immer der Hinweis: Diese Darstellung ist seitenverkehrt, die Aktion lief über die halbrechte Seite.

2019-08-03 Halfspace plot Preussen Munster 3 - 2 Kaiserslautern.png