Pokalfight vor – vielleicht – historischer Rekordkulisse: Ehrfurcht ist da  nicht angesagt

Ist es nun ein Lokalderby oder nicht? Für die Fans des FSV Mainz 05 anscheinend sehr wohl, die des 1. FC Kaiserslautern sehen in der Begegnung gegen den SV Waldhof Mannheim am 1. September das heißere Nachbarschaftsduell. Egal, ein Hammerspiel ist es auf jeden Fall, und es hat Chancen, das am besten besuchte Spiel einer 1. DFB-Pokalhauptrunde aller Zeiten zu werden. Über 40.000 Zuschauer werden auf jeden Fall dabei sein, wenn Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie am Samstag um 15.30 Uhr auf dem „Betze“ anpfeift. Favorit ist natürlich der Erstligist. Aber: Drittligist Lautern hat bereits vier Pflichtspiele in dieser Saison bestritten, Mainz noch keins. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil: „Es macht schon einen Unterschied, ob du bereits in einer Runde drin oder noch in der Findungsphase bist“, bestätigt auch FCK-Trainer Sascha Hildmann.

In diesen vier Partien hatte der FCK starke Phasen, brachte sich aber in gewissen Fehlermomenten immer wieder selbst um Punkte. Am dramatischsten zuletzt bei der 2:3-Niederlage in Münster, und das nicht nur durch den Patzer durch Lennart Grill, den dieser, so Hildmann, mittlerweile „gut verarbeitet“ hat.

Das Gegentor zum 1:1 nur 16 Sekunden nach einem verschossenen Elfmeter, bei dem Dominik Schad nach Ansicht des Trainers wegen seiner Gelb-Vorbelastung den Zweikampf nicht richtig suchen kpnnte, sowie das Abwehrverhalten nach dem Eckball, der zum 2:2 führte, sprächen für eine gewisse „Naivität“, die es nun abzuschalten gelte. In der Offensive erwartet Hildmann „Mut zum Aufbau, zum Positionsspiel, zum Laufen und Freilaufen – eben zu dem, was Fußball ausmacht.“

KÜHLWETTER UND SKARLATIDIS SIND FIT – IN DIE STARTELF RÜCKT WOHL NUR EINER

Seit Dienstag wieder voll im Training befindet sich Christian Kühlwetter, der gegen Münster grippeerkrankt ausgesetzt hatte. Er dürfte in die Startelf zurückkehren. Neuzugang Simon Skarlatidis hingegen steht nunmehr zwar ebenfalls wieder voll im Training, wird aber aller Voraussicht nach zunächst auf der Bank Platz nehmen.

Elfmeterschießen hat Hildmann zwar trainieren lassen – „Wir haben mal einen Durchlauf gemacht“ –, viel Bedeutung misst er solchen Übungen allerdings nicht bei: „Es ist eben ein Unterschied, ob du auf einem Trainingsplatz einen Elfer schießt oder vor 45.000 Zuschauern.“

HILDMANN WILL GEWINNEN, „WENN ES IRGENDWIE KLAPPT“

An der „Underdog“-Rolle seines Teams will der Coach nicht rütteln, auch wenn er betont: „Wenn es irgendwie klappt, will ich gewinnen.“ Zuviel Ehrfurcht ist allerdings nicht angesagt, hat sich in der Vergangenheit doch immer wieder gezeigt, dass Erstligisten ohne Wettkampfpraxis von Viert- und Drittligisten, die zum Zeitpunkt der 1. DFB-Pokalhauptrunde bereits „voll im Saft“ stehen, durchaus geschlagen werden können. Vergangene Saison etwa bezwang Hansa Rostock Drittligist Stuttgart, und Titelverteidiger Eintracht Frankfurt musste sich sogar dem Viertligisten Ulm geschlagen. 

Zumal sich das Mainzer Team für die Saison 2019/20 noch nicht voll konfiguriert hat. Zwei Neue haben die 05er erst in den vergangenen Tagen verpflichtet, Defensivkraft Jeremiah St. Juste sowie Stürmer Taiwo Awoniyi, der den längerfristig verletzten Torjäger Jean-Philippe Mateta ersetzen soll. Die beiden stehen am Samstag wohl im Aufgebot, 05-Trainer Sandro Schwarz glaubt aber nicht, dass sie von Beginn an spielen werden.

GLEICH DREI PARTIEN KÖNNTEN BESUCHERREKORD KNACKEN

Wie eingangs erwähnt, könnte an diesem Pokalwochenende der Besucherrekord für ein Spiel der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals geknackt werden. Den Titel hielt  bislang die Partie Germania Windeck gegen Bayern München aus dem Jahr 2010 inne, als 41.100 Zuschauer ins Kölner Stadion strömten. 

Die Marke könnte in Lautern am Samstag durchaus geknackt werden, allerdings stehen noch zwei Partien auf dem Plan, die einen neuen Rekord aufstellen könnten: Atlas Delmenhorst gegen Werder Bremen, das im 42.000 Besucher fassenden Weserstadion ausgetragen wird, sowie KFC Uerdingen gegen Borussia Dortmund, zu dem bis zu 54.600 Zuschauer ins Düsseldorfer Rheinstadion kommen könnten.

DAS BEKANNTE ELFERDRAMA: SO EIN „SKANDALSPIEL“ WAR DAS GAR NICHT

Viel geschrieben wird in diesen Tagen über das letzte Aufeinandertreffen der beiden Nachbarn im DFB-Pokal. Am 20. Dezember 2005 unterlag der FCK auf dem Betzenberg den Mainzer 3:4 nach Elfmeterschießen. Damals waren übrigens beide Klubs noch Erstligisten.

Dabei jagte der Lauterer Ferydoon Zandi einen Ball an die Unterkante der Ball, der von dort wohl hinter die Torlinie und anschließend aus dem Kasten hinaus sprang, wie die Zeitlupe zu belegen scheint. Da war und ist viel von „krasser Fehlentscheidung“ und „Skandalspiel“ die Rede.

Dazu unsere und wie so oft unpopuläre Meinung: Wer damals live dabei war und sich erinnert, wird fairer Weise bestätigen: Jeder, der – wie der Schiedsrichter – nach einmaligen Ansehen und in Echtzeit hätte entscheiden müssen, ob das Ding nun drin war oder nicht, hätte sich wohl dagegen entschieden. Unabhängig davon, was so ein Zeitlupe anschließend zutage fördert.

DIE ZWEI POKALDUELLE ZUVOR GEWANN LAUTERN

Erinnern wir lieber an die vorangegangen beiden Pokalderbys, denen leider kaum noch gedacht wird. Im Dezember 2001 schlug im Achtelfinale der damalige Erstligist Kaiserslautern den Zweitligisten Mainz mit 2:3 im Bruchwegstadion. Trainer, respektive Teammanager war damals Andreas Brehme, die Tore für Lautern erzielten Vratislov Lokvenc und der Brasilianer Lincoln, der gleich zwei Mal traf. Auch die übrigen Namen der damaligen Besetzung lassen FCK-Fans heute wehmütig werden: Harry Koch, Miro Klose, Mario Basler… okay, wir hören ja schon auf. 

Und in der Saison 89/90 traf der Oberligist Mainz 05 zuhause auf Erstligist Lautern – und unterlag mit 1:3. FCK-Trainer war damals Gerd Roggensack, die Tore für die Gäste schossen Bruno Labbadia, Sergio Allievi und Stefan Kuntz – Namen, die man auch heute noch kennt. 

Die Mainzer haben diese Niederlage seinerzeit übrigens schnell verschmerzt. Am Ende dieser Spielzeit stiegen sie in die Zweite Liga auf. Wenn’s für Lautern am Samstag schiefgeht, wissen wir also bereits, wie sich das Ganze zum „guten Omen“ stilisieren lässt.

Text: Eric Scherer