DFB-Pokal war gestern, jetzt ist wieder Ligaalltag: Gegen Braunschweig erwartet Hildmann ein hartes Geduldsspiel

Eintracht Braunschweig kommt auf dem Betzenberg. Damit treffen sich zwei, bei denen auch nach vier Spieltagen noch nicht raus ist, wohin in dieser Saison die Reise geht. Die Braunschweiger haben immerhin vier Punkte mehr auf dem Konto, sind mit drei Siegen gestartet, haben zuletzt mit einem 0:3 gegen den MSV Duisburg aber einen herben Rückschlag einstecken müssen. Der 1. FC Kaiserslautern hatte bislang in jedem Spiel starke Phasen, hat aber noch kein Heimspiel gewonnen und sich zuletzt in Münster quasi selbst geschlagen. Aus dem jüngsten 2:0-Pokalerfolg gegen Mainz hoffen die Lautrer nun jedoch, genug mentale Kraft zu schöpfen, um endlich auf Kurs nach oben zu kommen. Ob zurecht, wird sich am Sonntag ab 13 Uhr zeigen.

Als „Gradmesser“ möchte FCK-Trainer Sascha Hildmann die Partie noch nicht gewertet wissen, denn: „Gradmesser haben wir doch an jedem Wochenende.“ Wie gehabt, fordert der Coach von seinem Team „Mut“ und „Lösungen im Positionsspiel“ und erwartet ein „für uns hartes Spiel“, in dem auch Geduld verlangt sein dürfte. 

Die Frage, ob sich sein Team sich gegebenenfalls gegen einen Erstligisten wie Mainz leichter tue, als sich im Ligaalltag selbst in der Favoritenrolle üben zu müssen, beschäftige ihn nicht, so Hildmann. Es gehe nicht um leichter oder schwerer – „die Voraussetzungen sind eben andere.“

Personell sieht es immer besser aus. Die zuletzt verletzten Janek Sternberg und Lukas Gottwalt befinden sich wieder voll im Mannschaftstraining, dass sie am Sonntag Kaderplätze einnehmen, hält Hildmann allerdings für unwahrscheinlich.

GIBT SKARLATIDIS SEINE STARTELFDEBÜT? WIR REDEN NOCH MAL

Spannend wird sein, ob Simon Skarlatidis sein Startelfdebüt gibt. Nach seiner Einwechslung gegen Mainz präsentierte sich der Neuzugang, der sich während der Saisonvorbereitung verletzt hatte, als durchaus belebendes Element, legte auch Florian Pick den Ball zum erlösenden 2:0 vor.

„Wenn ich ihn frage, will er natürlich von Anfang an spielen“, erklärt Hildmann. „Wir müssen aber noch aufpassen.“ Er wolle sich mit Skarlatidis nochmal unterhalten, dann entscheiden.

 AUSRUTSCHER – ODER SCHWÄCHEN, DIE BISLANG KASCHIERT WURDEN?

Nach der 0:3-Klatsche gegen Duisburg, die ausgerechnet der langjährige Trainer Torsten Lieberknecht seinem Ex-Team verpasste, lautet die Frage in Braunschweig nun: War dies ein Ausrutscher, wie ihn jede Mannschaft in dieser Spielkasse mal ereilt, oder offenbarten sich hier Schwächen, die in den ersten drei Partien noch nicht zum Tragen gekommen waren? Der Auftritt auf dem Betzenberg soll dazu weitere Aufschlüsse liefern.

 „Sobald der Gegner, in diesem Fall die Zebras, das Spiel schnell machte, wirkte der BTSV unsortiert, etwas träge. Die Ü30-Generation im Mittelfeld musste dem Tempo Tribut zollen, Duisburg kombinierte sich in die Freiräume und stach zu. Dass dann auch vorne fast gar nichts zusammenlief, passte ins eher triste Bild“, kommentiert Jan Ahlers bei „Liga 3 online“.

ZWEI SENIOREN AUF DER DOPPELSECHS – UND EIN STARKER KOBYLANSKI

Demnach bekäme die Eintracht Probleme, wenn Speed gemacht wird. Pick, Thiele und Schad werden dies mit Interesse zur Kenntnis nehmen. Mit der „Ü30“ im Mittelfeld ist die Doppelsechs Marc Pfitzner/Bernd Nehrig gemeint, die bereits 34 und 32 Lenze zählen. Die übrigen zuletzt eingesetzten Spieler befinden sich jedoch im besten Fußballeralter, abgesehen vom Ex-Lautrer Benjamin Kessel (31) und Stürmer Nick Proschwitz (32), dem bislang noch nicht viel geglückt ist.

Überragender Akteur in den ersten vier Spielen war Martin Kobylanski, der Neuzugang aus Münster, der vier Mal traf und zwei Treffer vorbereitete. Auch den Lautrer Fans ist dieser Meister der ruhenden Bälle noch in schmerzhafter Erinnerung. Vergangene Saison leitete er mit seinen Freistößen die 1:2-Heimniederlage des FCK gegen die Preußen ein.

Fürs Spiel am Sonntag sind allerdings personelle Änderungen in der Startelf angekündigt. Diese dürften zum Teil aus dem schwachen Auftritt gegen Duisburg resultieren, zum Teil aber auch taktischer Natur sein. In den jüngsten beiden Partien agierten die Braunschweiger hinten mit Dreierkette, in den ersten beiden mit vier Mann auf der Linie. Gegen die 4-1-4-1-Formation der Lauterer, mit nur einer Spitze also, ist Dreierkette eigentlich nicht angesagt.

FLÜTHMANN: DER FUSSBALLLEHRER, DER IN ENGLAND LERNT

Auf der Trainerbank der Eintracht sitzt jetzt Christian Flüthmann. Genauer: Er sitzt dort seit Saisonbeginn als Cheftrainer, vergangene Spielzeit hatte er als Co-Trainer Platz genommen. Nach dem Abgang von André Schubert, der den zunächst böse abgestürzten Zweitligaabsteiger wieder auf Kurs gebracht hatte, sah die Klubführung die größte Chance, „Kontinuität“ zu gewährleisten, darin, den zweiten Mann zum ersten zu machen.

Interessant an Flüthmann: Der 37-jährige ist der erste deutsche Trainer, der seinen Fußballlehrer in England macht. Gegenwärtig drückt er die Schulbank mit Leuten wie Frank Lampard, dem neuen Headcoach von Chelsea London. 

Ansonsten scheint Flüthmann gerne deutschen TV-Köchen zuzusehen. Ein erfolgreiches Team, verriet er transfermarkt.de, „vergleiche ich gerne mit einem Rezept für ein Menü. Die Zutaten sind die Spieler. Entscheidend ist, wie dosiere ich und wie finde ich eine optimale Mischung. Manchmal dauert es länger, manchmal geht es schneller, am Ende kommt es nur auf den Geschmack oder in diesem Fall Erfolg an.“

Na denn: Guten Appetit.

„SEHNSUCHTSORT“ BETZENBERG: BITTE MEHR DAVON!

Am Freitag waren über 16.000 Tickets für die Partie am Sonntag verkauft. Ob der Zauber, den der Betzenberg in der DFB-Pokalpartie vergangenen Samstag gegen Mainz ausstrahlte, sich auch auf den Drittliga-Alltag übertragen lässt?

Zu sehr hallen die Bilder und Szenen noch nach, und Worte wie die, die Jan Christian Müller danach in der „Frankfurter Rundschau“ über diesen „Sehnsuchtsort, vollgestopft mit Erinnerungen und Emotionen“ schrieb: „Der Erfolg im Pokal gegen Mainz 05 war größer als ein Sieg: Er hat die Kraft, die von diesem Berg ausgeht, wieder fühlbar gemacht.“

Text: Eric Scherer / Grafik: meineaufstellung.de