Nur windelweiche Worte vorm Zwickau-Spiel? Geschenkt – Die Fakten müssen auf dem Platz geschaffen werden

Wer Fußballberichterstattung, insbesondere die über den 1. FC Kaiserslautern, seit nun über 50 Jahren verfolgt, mag über gewisse Beißreflexe nur noch gähnen. Nach den nun zum „Fehlstart“ erklärtem Saisonbeginn haben die Medien den Trainer angezählt und die Partie gegen den FSV Zwickau am Montag, 19 Uhr, verschiedentlich sogar schon zum „Endspiel“ ausgerufen – sonst noch was? Fakt ist: Der FCK und Sascha Hildmann benötigen dringend einen überzeugenden Auftritt, um die Stimmungslage am Betzenberg aufhellen, gerade vor dem Derby gegen Waldhof Mannheim am 1. September. Die xG-Grafiken vom jüngsten 0:3 Eintracht Braunschweig belegen derweil: Lauterns Offensivspieler sollten versuchen, mehr miteinander zu spielen.

Dass es für einen Trainer nahezu unmöglich ist, nach einem Auftritt wie dem des FCK gegen Eintracht Braunschweig vor den Medien eine gute Figur abzugeben, haben wir bereits zu Wochenbeginn dargestellt. Insofern willen wir auch auf die Pressekonferenz Sascha Hildmanns vor dem Spiel gegen den FSV Zwickau am kommenden Montag, 19 Uhr, nicht näher eingehen.

Hildmann hat darauf verwiesen, dass die Leistungen seiner Mannschaft bislang nicht durchgehend schlecht waren, phasenweise sogar gut, und dass die erzielten Ergebnisse diesen nicht unbedingt gerecht geworden sind. Jetzt gelte es, das „Momentum“ zurückgewinnen. Er hat die absehbaren Fragen, wie er damit umgehe, in den Medien bereits angezählt zu werden, mit dem Verweis abgetan, sich nur auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Gleiches gilt für den irgendwo aufgetauchten, aber nicht konkret belegten Vorhalt, Geldgeber Flavio Becca schätze Hildmann nicht besonders.

ÄNDERUNGEN JA, AKTIONISMUS NEIN

Das mag man als „phrasenhaft“ oder auch „hilflos“ interpretieren. Wir meinen: Etwas grundlegend Anderes, geschweige denn Substanzielleres, kann der Trainer in der gegenwärtigen Situation gar nicht sagen. Die Worte vor dem Spiel können gar nicht anders sein als windelweich, denn nur auf Platz lassen sich harte Fakten schaffen.

Änderungen in der Startelf schließt Hildmann nicht aus, „aktionistisch zu werden“, sei aber der falsche Weg. Auch an der zuletzt gewählten 4-1-4-1-Grundordnung könne sich was ändern, allerdings scheint der Coach eher zu situativen Verschiebungen während des laufenden Spiels zu neigen.

Was die zuletzt gewählte Stammformation ja auch erlaubt. So kann der derzeitige Achter Christian Kühlwetter auch mal zu Timmy Thiele in die Spitze rücken und ein 4-4-2 entstehen lassen, oder die Flügelspieler verschieben sich nach vorne zu einem 4-3-3 et cetera.

SKARLATIDIS KOMMT – UND VIELLEICHT AUCH KRAUS

Gleichzeitig weist Hildmann auf die körperliche Robustheit der Zwickauer hin, betont deren Kopfballstärke, insbesondere des in nunmehr 36 Jahren gereiften Sturmtanks Ronny König, der in einem anderen Leben auch schon mal für den FCK an den Ball getreten hat. Könnte ein Hinweis sein, dass Hildmann einen geeichten Luftkämpfer in seinen Defensivverbund einbaut, und der hieße wohl Kevin Kraus. In den Trainingsspielen hat sich zudem angedeutet, dass Simon Skarlatidis von Beginn an spielt, er wäre wohl die Wahl für Christoph Hemlein.

Doch wer könnte für Kraus weichen? Möglicherweise Carlo Sickinger. Der spielstarke Youngster könnte aber auch ins Mittelfeld rücken, so dass dort einer überzählig wäre. 

Wir tippen daher einfach mal: Kühlwetter macht Platz für Sickinger, indem er für Thiele in die Spitze rückt. Schließlich war „Kühli“ vergangene Saison Lauterns bester Knipser, und ein solcher wird ja ebenfalls dringend gesucht.

ZWICKAU MUSS LINKE ABWEHRSEITE NEU BESETZEN

FSV-Trainer Joe Enochs ließ zuletzt hinten mit Dreierkette spielen. Behält er diese bei, sind Lauterns Flügelpärchen gefragt, diese möglichst weit auseinanderzuziehen, um die Zwischenräume zu vergrößern. Zudem muss der FSV nach der Verletzung von Nils Miatke in der zurückliegenden Partie gegen den MSV Duisburg (1:3) auf der linken Abwehrseite wechseln. Vermutlich kommt René Lange. 

Spannend wird auch sein, ob und wann die Lautrer Leihgabe Elias Huth zum Einsatz kommt. Enochs lässt seine drei Stürmer in seiner 3-5-2-Formation munter rotieren, setzt mal Huth, mal König, mal Gerrit Wegkamp auf die Bank und die beiden anderen auflaufen.

Die Zwickauer sahen bei den hoch favorisierten Duisburgern übrigens lange Zeit sehr gut aus, überzeugten auch spielerisch, führten sogar 1:0. Gut eingefügt hat sich vor allem Fabio Viteritti. Der Deutsch-Italiener, der aus Cottbus kam, gibt die zentrale Schaltstelle im Mittelfeld. Generell ist die Vereinsführung mit der bisherigen Saisonentwicklung nicht unzufrieden, obwohl der FSV nur zwei Zähler mehr auf dem Konto hat als der FCK. Aber die Ansprüche in Sachsen sind nun mal andere.

XG-GRAFIKEN: KEINE LINIEN ZWISCHEN PICK, THIELE UND HEMLEIN

Zum Schluss noch, als Nachtrag: Die xG-Grafiken vom Spiel gegen Braunschweig. Und wie immer machen die Betrachtung nach einem solche vergurkten Spiel keine Freude. Daher schauen wir, dass wir schnell damit durchkommen.

Die Timeline zeigt, dass Braunschweig am Ende zwar völlig verdient die Nase vorn hatte, allerdings: So ab der 20. Minute bis zu Kühlwetters Großchance hätte eine  Führung des FCK dem Geschehen auf dem Platz durchaus entsprochen. Und ohne den Sprung, den Proschwitz´ Elfmeter verursache, läge die Eintracht xG-technisch sogar nur sehr knapp vorne.

2019-08-18 1437384 xG plot Kaiserslautern 0 - 3 Eintracht Braunschweig

Der Pitchplot: Lautern ließ ziemlich viel auf der rechten Abwehrseite zu, also an der Schnittstelle zwischen Carlo Sickinger und Dominik Schad. In diesem Raum sind auch die ersten beiden Treffer markiert worden. Zufall? Wenn unsere Vermutung stimmt, wird gegen Zwickau ja Kraus als rechter Innenverteidiger auflaufen.

2019-08-18 Pitch plot Kaiserslautern 0 - 3 Eintracht Braunschweig.png

Die Positions- und Passgrafik: Die Vernetzung sieht auf den ersten Blick gar nicht mal so schlecht aus. Beim zweiten Hinschauen fällt auf: Es gibt kaum Interaktionen zwischen den Offensivspielern Pick, Thiele und Hemlein. Da wird also nicht viel miteinander gespielt.

2019-08-18 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Eintracht Braunschweig.png

Zum Vergleich das siegreiche Team: Da zirkuliert der Ball auch in den vorderen Reihen ganz gut. Auffallend: die sehr beweglichen Flügelspieler, die öfter die Seiten wechseln, so dass Ihr Spot sich in der Mitte visualisiert.

2019-08-18 Eintracht Braunschweig Passing plot Kaiserslautern - Eintracht Braunschweig.png

Die Aktivitäten in den Zehnerräumen: sprechen für sich.

2019-08-18 Zone 14 plot Kaiserslautern - Eintracht Braunschweig.png

Und zum Schluss noch die Halbräume: In denen war Lautern durchaus umtriebig. Nur ohne Erfolg.

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