Große Kulisse, großer Kampf, gerechtes Remis – doch so richtig zufrieden wirkte am Ende nur der Schiedsrichter

„In den Krallen des Teufels“ sollte der Gast eigentlich „den Tod“ finden – so harsch hatten es zumindest die Fans der Westtribüne in ihrer Choreo formuliert. Ums Haar wären den Roten Teufeln allerdings die Krallen gestutzt worden. Dem 1. FC Kaiserslautern gelang es zwar, im aggressiv hochgehypten Derby gegen den SV Waldhof Mannheim nach einem frühen Gegentreffer stark zurückzukommen. Er besaß auch die Chancen, das Spiel zu drehen – 20 Minuten vor Schluss jedoch überließ er  den Mannheimern zu viele Spielanteile und hätte am Ende auch als Verlierer vom Platz gehen können. So wirkte der Waldhof auch nach 90 Minuten noch quicklebendig.

Imposanter hätte die Kulisse auch in der Ersten Bundesliga nicht ausfallen können, und gut unterhalten fühlen durften sich die 36.766 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion ebenfalls. Nur einer konnte offenbar nicht schnell genug Schluss machen: Schiedsrichter Robert Hartmann pfiff nach 90 Minuten auf den Punkt genau ab, ohne auch nur eine Sekunde nachspielen zu lassen. Dabei hätten verschiedene Verletzungsunterbrechungen zwei bis vier Minuten extra durchaus gerechtfertigt. 

Offenbar konnte sich der Referee mit dem Remis am besten anfreunden. Dabei mag er auch an die Einsatzkräfte der Polizei gedacht haben. Ein Ergebnis zugunsten eines der Kontrahenten hätte das Aggressionspotenzial im anderen Lager sicher nochmal deutlich erhöht. Ein 1:1 machte Hoffnung auf Frieden, also Abpfiff zum schnellstmöglichen Termin.

DER FRÜHE SCHLUSSPFIFF KAM DEM FCK GELEGENER

Und auch wenn es die Fans nicht wahrhaben mochten: Dem FCK kam der frühe Schlusspfiff gelegener. In den Minuten zuvor hatte der Waldhof nochmal zwei Einschussgelegenheiten durch Kevin Koffi verzeichnet, und den Lautrern so verdeutlicht, dass sie die Partie längst abgegeben hatten.

Auffällig: Es ist nicht das erste Mal, dass der FCK nach hinten raus merklich nachließ. Der „Fluch der Nachspielzeiten“ aus der vergangenen Saison ist zwar besiegt, aber schon beim 2:3 in Münster gaben die Lautrer eine Führung ab, beim 0:3 im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig gerieten sie nach 70 Minuten ins Hintertreffen, und auch in den gewonnenen Partien in Großaspach und Zwickau durften die Gegner gegen Ende nochmal stärker herankommen, als es nötig gewesen wäre.

Schon klar: Einem Trainerteam vorzuwerfen, seine Mannschaft wäre nicht fit genug für 90 Minuten, ist so ziemlich die schlimmste Beleidigung, die sich Medienvertreter einfallen lassen können. Aber Antworten auf die Frage nach dem permanenten Nachlassen in den Schlussphasen sollten langsam mal gesucht werden. Wenn es nicht fehlende Kondition ist, was ist es dann? Konzentrationsschwäche vielleicht?

LAUTERN BLIEB NACH FRÜHEM GEGENTREFFER STABIL – SCHAD ÜBERRAGT

Dabei hatte Lautern auch in dieser Partie durchaus starke Phasen. Blieb beispielsweise wohltuend unbeeindruckt von der frühen Führung der Mannheimer.

Bereits nach zehn Minuten läuft Waldhofs Zehner Gianluca Korte mit dem Kopf in eine Rechtsflanke von Stürmer Valmir Sulejmani, nachdem der gleiche Spieler den Vorbereiter kurz hinter die Mittellinie auf die Reise geschickt hatte. So ein Doppelpass über den halben Platz ist zwar höchst bemerkenswert, wirft aber auch kein gutes Licht auf Lauterns Defensivverband.

Dennoch: Lautern antwortet energisch, aber nicht blindwütig. Und zeigt vor allem über die rechte Seite mit Timmy Thiele und Dominik Schad, oft in Szene gesetzt von Manfred Starke, immer wieder gelungene Angriffsaktionen.

Überhaupt: Schad. Der Rechtsverteidiger präsentiert sich seit Wochen in blendender Form, ist auf seiner Flanke nicht nur ständig an Offensivaktionen beteiligt, sondern fällt auch durch giftige Balleroberungen auf. Nach gegnerischen Ecken sorgt er zudem für eine wirksame Absicherung gegen schnelle Konter. Dürfte der FCK-Spieler dieser Saison sein, der bislang die größte Marktwertsteigerung verzeichnet.

KRAUS BESORGT AUSGLEICH, KÜHLWETTER HAT DIE CHANCE ZUR FÜHRUNG

Der Ausgleich fällt nach 34 Minuten: Kevin Kraus köpft eine Ecke von Starke ins Netz, die dieser von rechts serviert. Endlich mal ein Tor nach einer Standardsituation – und hoffentlich ein Wink, dass es auch damit nun langsam besser wird.

Kurz nach der Pause bieten sich dem FCK gute Möglichkeiten, in Führung zu gehen. Schad provoziert nach gewonnenem Zweikampf im Angriffsdrittel und Rechtsflanke von der Grundlinie beinahe eine Mannheimer Eigentor, und Christian Kühlwetter scheitert nach tollem flachen Zuspiel von Thiele an Keeper Timo Königsmann, der vor der Partie für die verletzte Stammkraft Markus Scholz zwischen die Pfosten rückte.

KÖNIGSMANN UND KOFFI: WALDHOFS STARKE ALTERNATIVEN

Überhaupt ist es erstaunlich, wie viel Qualität beim Waldhof von der Bank kommt. Sulejmani, der Stürmer Nummer eins, musste schon nach einer knappen halben Stunde verletzt raus. Für ihn kam Koffi, der die FCK-Hintermannschaft jedoch nicht minder in Atem hielt.

Koffi leitet nach 70 Minuten auch Mannheims größte Chance zum erneuten Führungstreffer ein. Er legt am Strafraum quer auf Dorian Diring, der Lauterns Keeper Lennart Grill überlupft – doch auf der Torlinie rettet Kraus. Spätestens ab dieser Szene ist klar: Das Spiel ist gekippt. Der Waldhof hat sich weiter nach vorne geschoben und ist nun am Drücker. Lautern entlastet gelegentlich, wobei sich von nun an Florian Pick verstärkt auszeichnet.

DER FCK WIRD NUR NOCH AUF DEM PAPIER NOCHMAL OFFENSIV

FCK-Trainer Sascha Hildmann versucht, ein neues Signal zu setzen, indem er mit Neuzugang Lucas Röser einen zweiten Stürmer für Mittelfeldspieler Starke bringt. Dazu ist der ebenfalls weiter vorne agierende Simon Skarladitis für Carlo Sickinger gekommen, so dass Lauterns Formation nun auf dem Papier megaoffensiv aussieht. Auf dem Platz tut sie das allerdings nicht.

Die Schlussminuten gehören, wie eingangs geschildert, dem Waldhof.

„Wir hätten gerne gewonnen, gerade vor dieser Kulisse“, versichert Sascha Hildmann hinterher. Nun, die Fans in der Westtribüne wollten den Triumph über den Lokalrivalen sicher noch mehr. Und angesichts seiner Torchancen gegen Ende freute sich auch der Waldhof nicht so recht über das Remis. Zufrieden schien wirklich nur Schiedsrichter Robert Hartmann zu sein.

Text und Foto: Eric Scherer