Die xG-Grafiken vom Derby: Die letzten 30 Minuten sind erschreckend

Mit einem 6:0 gegen den Siebtligisten DJK-SV Phönix Schifferstadt ist der 1. FC Kaiserslautern am Mittwochabend in die nächste Runde des Verbandspokals eingezogen. Standesgemäß, denn schließlich bleiben es vier Klassen Unterschied, auch wenn Trainer Sascha Hildmann Spieler aufs Feld schickte, die zuletzt vornehmlich Bank und Tribüne drückten. Erfreulich: Last Minute-Verpflichtung Lucas Röser hat zwei Treffer erzielt. Das Spiel soll hier aber nur am Rande gestreift werden. Interessanter scheint uns der Blick auf die xG-Grafiken vom Derby gegen Waldhof Mannheim vergangenen Sonntag.

Die Timeline überrascht zunächst. Nach „expected Goals“-Situationen lag der FCK am Ende 1.62 : 1.12 vorne, „11tegen11“ hat eine Siegeswahrscheinlichkeit von 48 Prozent errechnet. In der Tat bestätigt sich unser subjektiver Eindruck vom Sonntag: Nach dem frühen Rückstand reagierte der FCK gut, erspielte sich ebenso energisch wie geordnet mehrere gute Einschusspositionen, kam verdient zum Ausgleich und hatte anschließend Gelegenheiten, in Führung zu gehen.

2019-09-01 1437404 xG plot Kaiserslautern 1 - 1 Waldhof Mannheim.png

Alarmierend ist allerdings der Blick auf die letzte halbe Stunde. Keine Ausschläge mehr bei den Roten, dafür einige bei den Blauen. Wie pflegen Doppelkopfspieler zu sagen? „Hinten stechen die Bienen.“ Glück für Lautern, dass insbesondere Koffi diese  Weisheit nicht auf Fußball zu beziehen vermochte.

Im „Pitchplot“ relativiert sich die für den FCK überzeugend wirkende Timeline weiter. Aus dem Spiel heraus produzierten die Pfälzer lediglich einen xG-Wert von 0.73, die Kurpfälzer einen von 0.99. 

2019-09-01 Pitch plot Kaiserslautern 1 - 1 Waldhof Mannheim.png

Das kann man natürlich auch positiv sehen: Endlich war Lautern nach ruhenden Bällen, insbesondere Eckbällen, mal einigermaßen gefährlichen. Auch Kraus’ Ausgleichstreffer folgte auf eine Starke-Ecke.

Die Positions- und Passgrafiken: Erstaunlich, in welch hoher Position der sich unermüdlich anbietende Starke den Ball annahm. Im Durchschnitt stand er sogar vor Stürmer Kühlwetter platziert. Thiele war der Spieler, der an den meisten Toraktionen beteiligt war. Ansonsten sieht die Formation eher nach einem 4-3-3 als nach einem 4-1-4-1 aus, aber genau das ist ja das Schöne an dieser Grundordnung: Bei Ballbesitz kann sie sich in alles Mögliche verschieben.

2019-09-01 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - Waldhof Mannheim.png

Dazu im Vergleich die Positions- und Passgrafik des SV Waldhof Mannheim: Da ist einiges mehr an Ballzirkulation in den vorderen Reihen zu erkennen, und wesentlich mehr Bewegung. Ohne Frage: Das ist ein sehr starker und vor allem selbstbewusster Aufsteiger. Mal sehen, wo er in der Endabrechnung landet.

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Die „Zone 14“-Grafiken: Unterscheiden sich nicht wesentlich. Lautern sogar mit ein paar mehr Anspielen in die Box.

2019-09-01 Zone 14 plot Kaiserslautern - Waldhof Mannheim.png

Und last but not least die Halbräume: Auch da machte der FCK auf den ersten Blick mehr Betrieb. Mannheim hingegen bereitete aber aus dem rechten Halbraum immerhin seinen Führungstreffer vor. Wie immer zu beachten: Die Visualisierung der unteren Hälfte ist seitenverkehrt. Der Pfeil mit der Raute am Ende markiert Suleijmanis Flanke auf Korte.

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Zum Schluss noch ein bisschen Nachlese zum Spiel gegen Schifferstadt. Neben Rösers Treffern ist noch der Auftritt von Jonas Singer zu erwähnen, der in der U21 des FCK bislang vier Treffer erzielte. Der 21-Jährige machte ein gutes Spiel auf der rechten Offensivposition und erzielte den Treffer zum 4:0.

Ebenfalls interessant: Hinter Singer agierte Toni Jonjic als Rechtsverteidiger. Ob er auch künftig die Alternative zu Dominik Schad sein kann? Die Schnelligkeit und körperliche Robustheit für die Außenverteidigerposition bringt Jonjic mit, und für Schad gibt es im derzeitigen Kader keinen 1:1-Ersatz. Fiele er aus, würde Hildmann wohl Philipp Hercher auf die rechte Seite ziehen und Janek Sternberg links bringen – so hätten wir jedenfalls bis gestern vermutet. 

Text: Eric Scherer / Foto: Andreas Schlichter/Getty Images