Erstes Zwischenzeugnis: Es fehlt an stabilen Strukturen – auch außerhalb des Platzes

Neun Punkte hat der 1. FC Kaiserslautern nach sieben Spieltagen auf dem Konto, dazu im DFB-Pokal gegen Erstligist Mainz ein 2:0-Highlight gesetzt einen Pflichtsieg im Verbandspokal eingefahren. Vergangene Saison zur gleichen Zeit hatte der FCK zwei Punkte weniger auf dem Konto und war von der TSG Hoffenheim bereits im hohen Bogen aus dem Pokalwettbewerb geballert worden. Es ist also ein bisschen was besser geworden, aber längst nicht in dem Maß, das im Umfeld gewünscht, erhofft und auch gefordert wird. Für eine nachhaltige Wende zum Besseren braucht es nach wie vor  stabile Strukturen, und die braucht nicht nur das Team auf dem Platz, sondern der ganze Verein. Zeit für einen Zwischenbericht zur Lage, wie er bei uns in Länderspielpausen üblich ist.

Wir erinnern uns: In unserem Saisonabschlussgespräch im Mai legte uns Sascha Hildmann seine Ansicht dar, weshalb der VfL Osnabrück vergangene Saison als souveräner Tabellenerster in die Zweite Liga aufstieg, ohne dass er zuvor als auch nur im weiteren Favoritenkreis angesiedelt worden war, nicht einmal von den Übungsleitern dieser Klasse.

Dies sei hier noch einmal zusammengefasst: Zunächst glückten dem VfL vom Start weg Siege, ohne dass er überragend spielte. Einige Male punktete er erst kurz vor dem Abpfiff, gerade auch durch die Standardsituationen. Diese  Erfolgserlebnisse machten das Team früh selbstbewusst.

Die Mannschaft gewann zudem an Stabilität, weil Trainer Daniel Thioune wenig wechselte, beziehungsweise wechseln musste: Insbesondere Hintermannschaft und zentrales Mittelfeld blieben von Spiel zu Spiel stehen, konnten sich nach und nach einspielen. Und als die Spitzenposition irgendwann gefestigt war, wurden die Köpfe frei und der VfL begann, richtig guten Fußball spielen.

FCK WIRD VON OSNABRÜCKS ERFOLGSGESCHICHTE NICHTS ÜBERNEHMEN

Gerade auch die beiden Spiele gegen den FCK belegten diese positive Entwicklung. Am 11. Spieltag der vergangenen Spielzeit mussten die Osnabrücker die Pfälzer im eigenen Stadion noch auskontern, um 2:0 zu gewinnen. Am 30. Spieltag dominierten sie die Lautrer bei ihrem 3:1 auf dem Betzenberg souverän.

Nach sieben Spieltagen dieser Saison ist nun festzustellen: Aus der Erfolgsgeschichte Osnabrücks wird sich auf den FCK 2019/20 wohl gar nichts übertragen lassen. Nach wie vor neigen die Lautrer dazu, in Schlussphasen eher Punkte zu verspielen als zu sichern. Standardsituationen sind nach wie vor alles andere eine Waffe, lediglich beim jüngsten 1:1 gegen Waldhof markierte Kevin Kraus mal einen Kopfballtreffer nach einer Ecke von Manfred Starke.

UMSTELLUNGEN ZU SAISONBEGINN VERHINDERN STABILTÄT

Zwölf Gegentreffer in sieben Spielen zeigen, dass sich da auch noch kein stabil gewachsener Defensivblock gebildet hat. Kein Wunder, da dessen Kernstück schon mehrmals umgebaut wurde. Zum Saisonstart gegen Unterhaching bildeten Jonas Scholz und Kevin Kraus die Innenverteidigung, ab Spieltag 2 liefen Carlo Sickinger und José Matuwila auf diesen Positionen auf, seit Spieltag 6 setzt Hildmann auf das Pärchen Kraus/Matuwila. Die Grundordnung, in der der Gegner erwartet wird, wurde nach dem 1. Spieltag ebenfalls geändert, statt in einem flachen 4-4-2 formiert sich der FCK nun in 4-1-4-1.

Immerhin: Es könnte ab jetzt besser werden. Mit dem Wiedereinbau von Kraus hat die Hintermannschaft Kopfball- und Zweikampfstärke zurückgewonnen, allerdings fehlen nun Sickingers präzise erste Bälle aus der letzten Reihe. In der Abwägung ist die neue Formation aber zu bevorzugen. Zumal Matuwila mehr technisches Geschick offenbart, als ihm zugetraut worden war. Aus Cottbus angekündigt war der 27-Jährige  als schneller, aber grobschlächtiger Abwehrspieler, doch wie sich zeigte, ist er durchaus im Stande, exakte Diagonalpässe zu schlagen. Auch Ballbehauptungen auf engsten Raum dennoch nicht sein Ding sind.

DIE NEUZUGÄNGE ÜBERRASCHEN UND ÜBERZEUGEN

Überhaupt kann der FCK mit seinen bislang eingesetzten Neuverpflichtungen sehr zufrieden sein. Philipp Hercher bleibt auf der linken Außenverteidigerposition gesetzt, obwohl Janek Sternberg von seiner Verletzung mittlerweile genesen ist. Manfred Starke hat sich direkt auf der Acht als  kluger, immer anspielbarer Ballverteiler profitiert. Interessant: Bei ihren vorangegangen Arbeitgebern interpretierten Hercher und Starke vornehmlich noch andere Rollen. Da hat beim Scouting offenbar jemand ganz genau hingeschaut und bislang kaum genutzte Potenziale erkannt.

Janik Bachmann hingegen erfüllt als robuster Sechser die gleichen Aufgaben wie zuvor in Würzburg, könnte allerdings seine 1,96 Meter Körpergröße bei Standardsituationen noch wirkungsvoller einsetzen.

Wenn man das so liest, stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb es nach sieben Spieltagen lediglich zwei Punkte mehr sind als in der Vorsaison zur gleichen Zeit.

Dazu bieten wir zunächst mal eine These an, über die diejenigen, die, den üblichen Reflexen folgend, partout dem Trainer die Schuld am durchwachsenen Saisonstart geben wollen, wohl nur den Kopf schütteln werden: Der FCK hat sich unter Hildmann fußballerisch durchaus weiterentwickelt, aber etliche Liga-Konkurrenten haben parallel einen gleich großen, wenn nicht gar größeren Qualitätssprung nach vorne gemacht.

DIE LIGA IST INSGESAMT STÄRKER GEWORDEN 

Belege? Da ist zum Beispiel die Art und Weise, wie sich die Drittligisten in der ersten DFB-Pokalrunde gegen klassenhöhere Teams behaupteten. Weitergekommen sind zwar nur zwei, aber alle haben starke Vorstellungen auf der vielzitierten „Augenhöhe“ geboten und sind meist nur knapp gescheitert – kompakt nachzulesen ist dies etwa bei „Liga 3 online“.

Und in den Spielen gegen Haching, Ingolstadt, Münster, Braunschweig und  Mannheim ist der FCK in nur sieben Spielen bereits fünf Mal einer Qualität begegnet, der er sich in den 38 Begegnungen 2018/19 nur in den Partien gegen Osnabrück, Wiesbaden, Halle und Rostock ausgesetzt sah.

Und gegen all die genannten Gegner hatte der FCK starke Phasen und Momente, in denen er die Spiele durchaus für sich entscheiden konnte. Das gilt sogar für das unerklärlich leidenschaftslos geführte 0:3 gegen Braunschweig, das deswegen so maßlos enttäuschte, weil es auf den glorreichen 2:0-Sieg im DFB-Pokal gegen Mainz folgte, von dem alle so inbrünstig gehofft hatten, er habe endlich die Weiche in bessere Zeiten gestellt.

ES FEHLT AN ÜBERZEUGENDEN AUFTRITTEN ÜBER 90 MINUTEN

Hat er aber nicht, werden sich spätestens jetzt die Trainerkritiker zu Wort melden. Und Fakten anführen, die nicht zu leugnen sind: In 15 Heimspielen unter Hildmann hat der FCK in der einstigen Bastion Betzenberg erst vier Mal gewonnen. Vor allem schafft die Mannschaft es nicht, konzentriert über volle 90 Minuten zu überzeugen. Insbesondere in den Schlussphasen baut sie immer wieder ab.

Also ist wieder mal der Trainerwechsel der einzige Ausweg? Die Frage zu stellen, ist  nicht unanständig, schließlich haben andere Medien Hildmann längst angezählt. Darüber zu diskutieren, ob es jetzt noch zwei oder drei Niederlagen mehr braucht, bis die „Mechanismen des Geschäfts“ greifen, ist uns allerdings zu blöd.

Wir sagen: Denkt einfach mal eine Ecke weiter.

BITTE NICHT SCHON WIEDER ALTE FEHLER WIEDERHOLEN

Angenommen, Hildmann würde entlassen – wer soll dann eigentlich für die Verpflichtung seines Nachfolger verantwortlich zeichnen? Das sollte doch auf jeden Fall jemand tun, der auch nach dem 31.12.2019 beim FCK noch in der Verantwortung steht. Doch der Vertrag von Sport-Geschäftsführer Martin Bader läuft zum Jahresende aus. Und der amtierende Aufsichtsrat wäre angesichts der Querelen in den vergangenen Monaten gut beraten, mit einer Vertragsverlängerung zu warten, bis die Mitglieder auf der nächsten Jahreshauptversammlung im Oktober über seine Entlastung entschieden haben. Zumal Baders Erfolgsbilanz beim FCK bislang nicht gerade berauschend anmutet, und auch Geldgeber Flavio Becca diesbezüglich sicher noch ein Wörtchen mitreden will.

Folgt jetzt wieder ein Trainer- vor einem Managerwechsel, setzt sich genau die Dynamik fort, die wir schon einmal in einem Vergleich mit dem ebenfalls darniedergesunkenen Hamburger SV beschrieben haben. Da wird ein Trainer entlassen, der Manager verpflichtet einen neuen, der neue Vorstellungen von Spielanlage und Personal hat, kurz darauf wechselt die Klubführung, die wiederum feuert den Manager und verpflichtet einen neuen, der wiederum gerne einen Trainer seiner Wahl verpflichten würde, also wird der amtierende bei nächster Gelegenheit wieder entlassen und durch einen ersetzt, der wiederum eigene Vorstellungen von Spielweise und zu verpflichtendem Personal hat… Und so weiter und so fort.  Nicht zu vergessen: Zwischendurch funkt auch der Investor immer mal mit eigenen Personalvorstellungen rein.

ES WÄRE AN DER ZEIT, DAZU ZU LERNEN

Was auf diese Weise auf gar keinen Fall entsteht: Eine Struktur, die von oben nach unten etabliert wird, und die einen Verein mal wenigstens über ein paar Jahre trägt. Das ist beim HSV über Jahre nicht gelungen, und dem FCK ebenfalls nicht.

Aber mal im Ernst: Ist tatsächlich zu erwarten, dass diese Vereinsführung mal zeigt, dass sie dazulernen kann? Machen wir uns nichts vor: Sollte Hildmann nach weiteren Misserfolgen gehen müssen, würden die Verantwortlich direkt einen neuen Übungsleiter installieren, egal, wie lange sie selbst noch im Amt sind. 

Die absehbaren Begründungen: Wir wollen so schnell wie möglich handeln, um von der Saison noch zu retten, was noch zu retten ist. Und: Wir haben schließlich ein Mandat über drei Jahre erhalten, da können wir Entscheidungen doch nicht jedes Mal bis zur jährlichen Entlastung aufschieben.

ANTRAG AUF AOMV IST VORLÄUFIG ZURÜCKGESTELLT

By the way: Die Vereinsmitglieder Johannes B. Remy und Ken Kinscher haben ihren  Antrag, eine Außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, mittlerweile vorläufig zurückgestellt, obwohl sie bereits über 500 der dafür benötigten 600 Unterschriften von Vereinsmitgliedern gesammelt hatten. Dies sei nach „konstruktiven Dialogen“ mit dem Vorstandsvorsitzenden des e.V., Wilfried de Buhr, geschehen. Und ohne Selbstbeweihräucherung betreiben zu wollen, möchten wir anmerken: Diese konstruktiven Dialoge kamen als Reaktion auf die Beiträge dieses Blogs am 20. und 21. August zustande. Zuvor hatte zwischen den beiden Funkstille geherrscht.

Und allen, die nach wie vor der Ansicht sind, dass Remy und Kinscher diese Aktion nur starteten, weil sie selbst in Führungsämter drängen wollten, sei an dieser Stelle ausdrücklich der „Auszug aus der Stellungnahme des Ehrenrates“ ans Herz gelegt, der in diesem Zusammenhang auf fck-jetzt.de veröffentlicht wurde. Selbst die moralisch höchste Instanz des Klubs spricht davon, dass die „Räte des Vereins“ einen „Satzungsverstoß auch bewusst in Kauf“ genommen hätten.

WIE REAGIERT HILDMANN NUN AUF DAS ÜBERANGEBOT AN STÜRMERN?

Zurück zum Sport. Wie könnte es mit dem FCK diese Saison weiter gehen?

Noch ist alles drin. Wenn die Mannschaft endlich zu Stabilität findet. Auf dem Papier kündigen sich vielversprechende neue Optionen ab. Simon Skarlatidis ist endlich fit, mit Andri Runar Bjanarson ist in Kürze ein weiterer Neuzugang ebenfalls endlich voll einsatzfähig, Last Minute-Verpflichtung Lucas Röser hat im Verbandspokal gegen Siebtligist Schifferstadt bereits zwei Mal genetzt.

Die Frage ist nun: Wird angesichts des nun bestehenden Überangebots an zentralen Stürmern das zuletzt im Grunde erfolgreiche 4-1-4-1 dennoch weiter etabliert, oder wechselt Hildmann erneut die Grundordnung, um wieder Platz für eine Doppelspitze zu schaffen?

Das wäre schade, denn dieses 4-1-4-1 ließ sich recht vielversprechend an, erst recht,  nach dem sich Thiele als rechter Flügelmann profiliert hat. Bei Ballbesitz geht es fließend in ein 4-3-3 über, eine Formation, wie sie auch in den oberen Ligen von Topteams  bevorzugt wird, die ihre Gegner dominieren wollen – und das sollte auf Sicht auch der Anspruch des FCK in der Dritten Liga sein, vor allem vor eigenem Publikum.

RÜCKKEHR ZUR DREIERKETTE?

Wahrscheinlich wäre eine Rückkehr zu einem flachen 4-4-2. In diesem aber würde uns ein dritter zentraler Mittelfeldspieler fehlen, der hat sich unseres Erachtens einfach bewährt, um mehr Präsenz im Zentrum zu schaffen. Ein 4-4-2 mit Raute also? Hat es beim FCK zuletzt unter Tayfun Korkut gegeben. In der Bundesliga wird die Grundordnung von Mainz 05 bevorzugt, seit Saisonbeginn experimentiert auch Gladbach wieder damit.

Wie wärs mit einer Rückkehr zur Dreierkette? Ein 3-1-4-2 böte die Möglichkeit, zwei Stürmer und drei zentrale Mittelfeldspieler aufzubieten und mit Sickinger wieder einen Mann für den ersten Pass in die Hintermannschaft einzubauen.

Das könnte dann so aussehen:

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Eine Umstellung wäre das allenfalls für Pick, der bis dato als reiner Flügelspieler auflief. Allerdings: Beim 5:3 gegen Zwickau etwa war auch viel in den Halbräumen unterwegs, könnte also klappen.

Die Ordnung könnte auch mit der kompletten zweiten Garnitur abgebildet werden, obwohl sich gerade vorne jetzt erst mal zeigen muss, wer von nun an erste und wer zweite Garnitur ist. Und Kühlwetter könnte, wie bereits geschehen, ja auch auf der Acht ran.

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Leider fehlt Theo Bergmann in beiden Formationen. Der 22-Jährige fehlt zurzeit leider Problemen mit dem Herzmuskel – und hat absolutes Sportverbot. Da bleibt uns nur, alles Gute zu wünschen. 

Text: Eric Scherer / Foto: Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images