Kommentar: Der FCK ist am Boden – um wieder aufzustehen, braucht es mehr als das übliche Bauernopfer

Manchmal ist es nahezu unmöglich, neue Formulierungen zu finden, um den Zustand des 1. FC Kaiserslautern zu beschreiben. „Am Boden“ wähnt er sich doch schon, seit er in Dritte Liga abgestiegen ist. Wie soll er denn jetzt betrachtet werden, nach diesem fatalen 1:6 beim SV Meppen? Als „ungespitzt in die Erde gerammt“? Kommt ungefähr hin. Keine Frage ist jedenfalls. Der FCK ist erneut an einem Tiefpunkt angelangt, und der übliche Verdächtige scheint seine Rolle als Bauernopfer bereits angenommen zu haben. Damit darf es jedoch nicht genug sein. Die gesamte Führungsmannschaft ist angehalten, sich selbst in Frage zu stellen.

Da dies ein Blog für FCK-Fans ist, macht es nicht viel Sinn, die armen Leser mit einer eingehenderen Analyse dieses Spiels zu quälen. Im Prinzip hatte ihr Team bereits nach 1:42 Minuten all die Fehler gemacht, die sie bis zum Schlusspfiff lediglich noch ein rundes Dutzend mal mal wiederholte.

Bereits nach 52 Sekunden verliert Manfred Starke etwa 18 Meter vor dem gegnerischen Tor in halbrechter Position den Ball, der fliegt hoch Richtung Mittelkreis, José Matuwila verliert sein Kopfballduell und schon dürfen drei Meppener gegen zwei Lauterer die erste Einschusschance herausspielen.

Nach 1:30 Minuten bringt Kevin Kraus Matuwila mit einem lahmen Querpass in der letzten Linie in Bedrängnis, so dass dieser einen Fehlpass produziert. Die Emsländer  spielen sofort in die Spitze, Kraus fliegt eine Rechtsflanke an die Hand, Elfmeter, 1:0 für Meppen.

FEHLER IN ALLEN MANNSCHAFTSTEILEN

Irre Abspielfehler bereits beim ersten Pass, kein Nachsetzen bei Ballverlusten in der gegnerischen Hälfte, keine Kontersicherung. Schon zu Beginn war zu erkennen, dass keine vernünftige Staffelung existierte, wenn sich der FCK an einer Art Angriffspressing versuchte. 

Es sieht zwar forsch aus, wenn Christian Kühlwetter und Manfred Starke neben die Sturmspitze Lucas Röser rücken, um die ballführenden Meppener Abwehrspieler zu bedrängen, aber wenn diese erste Linie überspielt ist, wer soll dann eigentlich die weiten Räume im Zentrum beherrschen? Allein Janik Bachmann, der erst am Freitag fit geworden ist?

WAS WAR NUR IN DIESE MANNSCHAFT GEFAHREN?

Aus der Liste der peinlichen Gegentore soll nur noch das 1:3 Erwähnung finden: Kraus wehrt im Laufduell mit einem gegnerischen Stürmer einen weiten Abschlag des Meppener Keepers Erik Domaschke in die Spielfeldmitte ab – das ist an sich schon nicht sehr glücklich, aber was passiert dann? Weit und breit bewegt sich kein Lautrer auf den Ball zu, statt dessen sichert ihn sich Luka Tankulic und markiert den nächsten Treffer. 

Herzuleiten, wie es dazu kommt, dass der Rechtsverteidiger (!) Markus Ballmert am linken Eck des Lautrer Fünfmeterraums völlig freisteht, um zum 4:1 für Meppen einschieben zu können, ersparen wir uns lieber.

Was war nur in diese Mannschaft gefahren? Sicher, optimal gelaufen war die Saison auch vorher schon nicht, aber sie hielt Lichtblicke bereit: Zwei überzeugende Auswärtssiege in Großaspach und Zwickau, ein richtig gutes Spiel gegen Ingolstadt, auch das Derby gegen Waldhof lief 60 Minuten lang ordentlich und selbst beim nach dem 2:0-Pokalerfolg gegen Mainz schwer enttäuschenden 0:3 gegen Braunschweig gab es eine Phase, in der die Lauterer den Führungstreffer markieren konnte.

SIEBEN MINUTEN HOFFNUNG, SONST NICHTS

Die Vorstellung am Samstag dagegen wies gerade mal sieben Minuten auf, in der die bedauernswerten mitgereisten Fans Hoffnung haben durften. Nach dem effetvollen Ausgleichstreffer des zu diesem Zeitpunkt noch vor Selbstvertrauen strotzenden Florian Pick in Minute 10 schien der FCK kurzzeitig die Partie in den Griff zu bekommen, Kühlwetter hatte in Minute 17 nach Flanke der rechten Flügelspielers Thiele sogar das 2:1 auf dem Fuß, doch zwei Minuten später setzte Hassan Amin dieser aufblitzenden Herrlichkeit mit seinem Freistoßtor ein Ende.

Der Rest war aus Lautrer Sicht eine einzige Katastrophe. Als Sascha Hildmann nach 65 Minuten den defensiven Mittelfeldspieler Gino Fechner für Stürmer Röser brachte, signalisierte auch die Trainerbank: Hier geht es nur noch um Schadensbegrenzung.

Und nun? Wer jetzt aller Voraussicht nach ausgeguckt wird, den Kopf hinzuhalten,  muss an dieser Stelle ja wohl nicht ernsthaft diskutiert werden. Im Interview mit „Magenta Sport“ unmittelbar nach dem Abpfiff war bereits zu spüren: Der angesichts dieser Partie einfach nur noch ratlose Sascha Hildmann ahnt selbst schon, was nun auf ihn zukommt.

DAS ÜBLICHE BAUERNOPFER WIRD NICHTS RAUSREISSEN

Aber glaubt die FCK-Führung ernsthaft, das übliche Bauernopfer könnte genügen, um einen sportlichen Aufwärtstrend einzuleiten, der ja auch nachhaltig sein müsste, um auf Sicht den zutiefst gespaltenen Verein zu befrieden?

Die Etagen über der Trainerbank müssen dringend hinterfragt werden, sportliche Leitung und Aufsichtsrat. Retten können diesen Verein nur noch Persönlichkeiten, die über den Fußball im 21. Jahrhundert Bescheid wissen, aber auch über ein gutes Standing bei den Traditionalisten verfügen, anders lässt sich in diesem Verein nämlich keine breite Basis schaffen.

Und: Sie müssen über genug Rückgrat verfügen, um sich gegenüber dem Geldgeber aus Luxemburg angemessen zu positionieren und nicht nur als dessen Steigbügelhalter auftreten. Ohne solche Persönlichkeiten wird der FCK noch tiefer im Boden versinken. Geeignete Kandidaten wären aus unserer Sicht Hans-Peter Briegel und/oder Markus Merk.

Text: Eric Scherer / Foto: Andreas Schlichter/Getty Images