… und es war Schommers: Ehemaliger Klassenkamerad beerbt Hildmann

„Harter Hund“, „drittligaerfahren“, „großer Name“… Es war schon interessant,  welche Attribute der Gerüchteküche zufolge auf den Trainer zutreffen sollten, der das schwere Erbe von Sascha Hildmann als Trainer des 1. FC Kaiserslautern antritt. Jetzt ist bekannt, wer’s wird:  Boris Schommers heißt der Neue, 40 Jahre ist er alt und als er 2014/2015 seine Fußballlehrer-Lizenz erwarb, drückte er die Schulbank in Köln gemeinsam mit seinem jetzigen Vorgänger. Ins zuvor kolportierte Anforderungsprofil scheint er dagegen eher nicht zu passen. Martin Bader, Lauterns Geschäftsführer Sport, ist dennoch überzeugt: „Er wird der Mannschaft geben, was sie braucht.“ Eine erste Dosis soll ihr bereits am kommenden Samstag, 14 Uhr, verabreicht werden, zum Spiel gegen den 1. FC Magdeburg.

„Ich kann Ihnen jetzt nicht einfach drei Parameter nennen, aufgrund derer wir Boris Schommers für uns als Trainer identifiziert haben“, erklärte Martin Bader auf die Frage einer Medienvertreterin nach den Kriterien, nach denen der Neue am Ende nun tatsächlich ausgewählt worden sei. Dazu sei die Herangehensweise zu komplex, so der Geschäftsführer. 

Wie über Spieler verfüge der FCK auch über eine Informationsplattform für Trainer, in die zum Teil über Jahre hinweg Daten eingepflegt würden. Von daher habe Boris Schommers überzeugt und sei auch bereits am Montag kontaktet worden. Welche Trainer in den vergangenen Tagen sonst gehandelt wurden und warum, habe er nicht verfolgt, daher kommentiere er auch keine Namen.

„DIE WUCHT WIEDER INS ROLLEN BRINGEN“

Für Schommers ist der FCK ein Verein „mit Wucht“, die „wieder ins Rollen“ gebracht werden müsse. Allzu visionär will der 40-Jährige aber nicht werden, schon gar nicht, was Aufstiegsambitionen angeht, die der aktuelle Tabellen-14. der Dritten Liga noch anmelden könnte. „Ich konzentriere mich auf die nächsten 48 Stunden, da habe ich genug zu tun“, verweist er auf die bevorstehende Partie gegen den 1. FC Magdeburg. „Wie weit wir in der Zukunft erfolgreich sein können, wird sich zeigen.“

Zumindest ist es nichts Neues für ihn, etwas in knappen Zeitfenstern zu bewegen. Beim 1. FC Nürnberg rückte Schommers vergangene Saison nach dem 21. Spieltag für den entlassenen Michael Köllner vom Co-Trainer zum Chef auf – und hatte vier Tage Zeit, um den Tabellenletzten auf die Partie gegen Tabellenführer Borussia Dortmund vorzubereiten. Am Ende stand ein achtbares 0:0.

Die Defensive zu stabilisieren, ist auch an seiner neuen Arbeitsstelle ein erstes Ziel. Die Mannschaft kassiere zu viele Gegentore, müsse lernen, „dass ein Spielfeld in beide Richtungen verläuft.“ Sie verkaufe sich gegenwärtig „tabellarisch und spielerisch unter Wert, braucht Stabilität und Struktur, und zwar über 90 und nicht über 75 Minuten.“

KÜHLWETTER KENNT SCHOMMERS BEREITS

An der Mannschaftshierarchie wolle er zunächst nichts ändern. Sascha Hildmann hatte bekanntlich einen Spielerrat wählen lassen, aus dem er den Kapitän bestimmte. Zuletzt trug Christian Kühlwetter die Binde, der einzige Spieler im FCK-Kader, der bereits unter Schommers gearbeitet hat. Denn von 2010 bis 2017 war gebürtige Leverkusener als U17- und U19-Coach in Köln tätig, wo auch Kühlwetter auflief.

2017 wechselte Schommers als Co-Trainer zum 1. FC Nürnberg, wie es hieß, weil er in Köln keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten mehr sah. Im Sommer wollte er nur als Cheftrainer in Nürnberg bleiben und unterschrieb lieber keinen Vertrag, statt ins zweite Glied zurückzukehren. An Ehrgeiz mangelt es ihm also nicht.

Dass er in den 13 Spielen, die er als Erstligatrainer beim FCN wirkte, nur sieben Punkte holte, die den Abstieg nicht mehr verhinderten, sollte nicht überbewertet werden. Nürnberg war bereits abgeschlagener Tabellenletzter, als die Vereinsführung Schommers das Zepter übergab. Dabei rechnete sie wohl selbst nicht mehr ernsthaft mit einem Erfolg der Mission Klassenverbleib, sonst hätte sie nochmal einen externen Übungsleiter geholt.

AUFSTIEGSERLEBNIS LÄSST SICH „TRANSPORTIEREN“

Dafür hat Schommers als „Co“ von Michael Köllner die Aufstiegssaison 2017/18 mitbetreut, in der der FCN im Unterhaus ansprechenden, dominanten Fußball bot, der sogar auf ein paar Ideen mehr basierte als das allseits strapazierte „schnelle Umschaltspiel“. Das Gefühl „aufzusteigen, aufgestiegen zu ein“, lasse sich auch transportieren, hofft Martin Bader, dass dies nun auch auf den Betzenberg übergeht.

Mit Schommers kommt auch ein neuer Co-Trainer. Der langjährige Kölner Profi Kevin McKenna, mit dem er bereits im Kölner Nachwuchszentrum zusammenarbeitete, wird ihm assistieren. „Kevin passt zu 100 Prozent auf den Betze und ist das ideale Pedant zu mir“, kündigt Schommers an. Was dies für den bisherigen Co-Trainer Alex Bugera bedeutet, soll in den nächsten Tagen entschieden werden.

FÜGUNG DES SCHICKSALS: AM 30. OKTOBER GEHTS GEGEN NÜRNBERG

Eine nette Fügung des Schicksals hält der Spielplan für den Neuen bereits parat. Am Mittwoch, 30. Oktober, 18.30 Uhr, tritt der FCK im DFB-Pokal gegen wen wohl an? Richtig: den 1. FC Nürnberg. „Es ist sicher kein Nachteil, dass das meine letzte Station war“, freut sich Schommers bereits. Die Entscheidung, ob er nun ein „harter Hund“ sei oder nicht, sollten dagegen andere treffen, sich aber auch erst mal Zeit lassen, um sich ein Urteil zu bilden. Sicher sei, der FCK brauche eine „klare Struktur braucht, jemand, der eine klare Linie vorgibt – und der sitzt vor Ihnen.“

Lauterns Geldgeber Flavio Becca habe er auch bereits kennengelernt, als Menschen, „der hundertprozentig zum FCK steht“. Der starke Mann, über den so viel spekuliert wird, inwieweit er längst das letzte Wort in allen wichtigen Fragen hat, sei in den Entscheidungsprozess selbstverständlich miteingebunden gewesen, erklärte wiederum Martin Bader. Daran, dass bei der Trainerauswahl er federführend gewesen sei, ließ er allerdings keinen Zweifel. Zum Status der Verhandlungen über seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag mochte sich der Geschäftsführer dagegen nicht äußern. „Damit beschäftige ich mich heute nullkommanull“.

Text: Eric Scherer / Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images