„Der FCK ist gut genug, um in dieser Liga eine gute Rolle zu spielen“ – Im Gespräch mit Manfred Osei-Kwadwo

Der 1. FC Magdeburg trifft am Samstag, 14 Uhr, zum ersten Mal auf den 1. FC Kaiserslautern. Einige seiner erfahrenen Profis haben den Betzenberg im Lauf ihrer  Karriere natürlich schon kennengelernt, aber so gut wie Manfred Osei-Kwadwo kennt ihn keiner. Acht Jahre kickte das Lautrer Eigengewächs in der Pfalz, war zwischenzeitlich lediglich für ein Jahr an die SG Sonnenhof-Großaspach ausgeliehen. Nach dem Abstieg 2018 erhielt er keinen neuen Vertrag, wechselte nach Magdeburg und zählte somit zu den FCK-Profis, die in der Zweiten Liga blieben.  Viele Einsatzminuten erlebte er in seiner ersten Spielzeit beim FCM allerdings nicht. Wie es derzeit bei ihm läuft, erzählt der 24-Jährige im Interview.

Manni, am Samstag kehrst du mit dem FC Magdeburg nach Kaiserslautern zurück. Es ist das erste Mal, dass du gegen den FCK spielst. Wie fühlst du dich?

Gut. Ich freu mich darauf zurückzukommen und die alten Gesichter zu sehen.

Mit welchen alten Weggefährten hast du denn noch regelmäßig Kontakt?

Hauptsächlich mit Mohamed Morabet. Florian Pick habe ich zuletzt an Silvester getroffen. Und natürlich mit Physiotherapeut Frank Sänger, wir haben uns immer besonders gut verstanden.

Wie verfolgst du gegenwärtig deinen alten Verein?

Ich spreche immer mal Leuten, die Einblick haben oder hör mir an, was so Sache ist. Von den Spielen schau ich mir meistens die Highlights an.

Und was denkst du so über das, was sich gerade in den vergangenen Tagen hier wieder mal abgespielt hat?

Das ist schon schade, dass es bei diesem großartigen Verein nicht besser läuft. Meiner Meinung nach haben sie eine gute Mannschaft, um mit dieser in der Liga eine gute Rolle zu spielen. Aber Fußball lässt sich nun mal schlecht vorausplanen.

Bei unserem letzten Interview hast du mir erzählt, dass du eigentlich von einer Erzieherin deines Kinderhorts in Darmstadt-Eberstadt entdeckt worden bist, die bis heute Fan von dir ist und deine Spiele besucht, wann immer sie kann. War sie nicht enttäuscht, als du 2018 nach Magdeburg gewechselt bist, so weit von zuhause weg?

Ja, sie hatte schon gehofft, dass ich in der Region bleibe. Aber sie ist immer noch mein größter Fan und gibt mir Support – außer natürlich, wenn wir gegen ihren Herzensverein Darmstadt 98 spielen. Live sehen kann sie mich diese Saison allerdings nur in Lautern, Mannheim und Großaspach. Klar, dass sie auch am Samstag im Stadion ist.

Im ersten Jahr ist bei dir in Magdeburg noch gar nicht gelaufen, du bist nur zu drei Einsätzen gekommen. Warum?

Es ist unglücklich gelaufen, nach so einer Saison weiß man meist, was man hätte besser machen können. Ich hab diese Saison abgehakt und konzentriere mich jetzt voll auf diese.

Viele hätten nach so einem ersten Jahr darum gebeten, den Vertrag aufzulösen oder wegtransferiert zu werden, damit sie es woanders versuchen können. Du bist geblieben. Weshalb?

Der Verein hat mir schon früh nach der Saison signalisiert, dass er mich braucht und weiter auf mich setzen will. Da sagte ich mir: Wenn die nach so einer unbefriedigenden Saison immer noch von dir überzeugt sind, dann musst du  versuchen, dieses Vertrauen zurückzuzahlen.

In dieser Spielzeit läuft es jetzt ja auch besser für dich. Ich acht Ligaspielen bist du bereits sechs Mal eingesetzt worden, meist als Einwechselspieler, hast schon zwei Treffer erzielt. Wie hast du das geschafft?

Ich habe schon in der Vorbereitung Vollgas gegeben und mir so das Vertrauen unseres neuen Trainers Stephan Krämer erarbeitet. Er ist jetzt überzeugt, dass im Spiel immer noch was passieren kann, wenn er mich aufs Feld schickt.

Als Absteiger mit Wieder-Aufstiegsambitionen ist bei euch jetzt ja auch eine andere Spielwiese angezeigt als im Jahr zuvor in der Zweiten Liga, wo man als Aufsteiger eher defensiv agiert. Kommt das deiner Art zu spielen nicht auch entgegen?

Absolut. Der Trainer denkt offensiv, will, dass wir vorne ins 1:1 gehen, das Risiko suchen. Einfach spielen sollen wir nur hinten. Das ist genau mein Ding.

 Siehst du die vergangene Saison nun als komplett verlorenes Jahr oder nimmst du auch dieser was Positives mit?

Ich denke schon, dass ich mich in diesem Jahr zumindest mental weiterentwickelt habe. Ich habe gelernt, etwas nicht zu früh abzuhaken, sondern weiter dran zu bleiben. Dann wird man irgendwann auch belohnt.

In der Tabelle steht Ihr zwar nur auf Rang 9, aber Ihr seid schon seit sieben Spielen ungeschlagen, habt nur das Auftaktspiel gegen Eintracht Braunschweig verloren. Was ist diese Saison drin für Euch? Schafft Ihr’s nach ganz oben?

Soweit will ich noch gar nicht denken, die Saison ist noch lang. Aber: Potenzial haben wir, auf jeden Fall. Wir müssen jetzt die zum Teil einfachen Fehler, die wir bisher gemacht haben, abstellen, und die Sachen, die wir gut gemacht haben, noch besser machen. Dann werden wir Step für Step besser.

Lautern hat diese Saison noch kein Heimspiel gewonnen. Wenn man diese beiden Serien betrachtet, ist eigentlich ein Unentschieden wahrscheinlich, tendenziell seid Ihr sogar Favorit. Siehst du das auch so?

Als Favorit würde ich uns nicht bezeichnen. Aber: Wir sind auswärts stark, gut vorbereitet – und heiß. Und wenn wir Lautern direkt anpressen und so verunsichern, können wir das Spiel vielleicht auf unsere Seite lenken. Auf jeden Fall werden die Fans auf beiden Seiten gut Betrieb machen, das wird die Mannschaften sicher pushen. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Vereine aufeinander treffen.

Und wann erfährst du, ob du von Anfang spielst oder von der Bank kommst?

Das handhabt Stefan Krämer unterschiedlich. Vielleicht schon am Abend vorm Spiel, vielleicht erst am Samstagvormittag. Mal sehen.

So oder so, Manni: Wir sehen dich. Und danke fürs Gespräch.

Interview: Eric Scherer / Foto: Alexander Scheuber/Bongarts/Getty Images