Mehr Passspiel im Angriffsdrittel? Gegen tiefstehende Gonsenheimer wird dies auch nötig sein

„Schnell zu Torchancen kommen“, aber auch „geduldig bleiben“, wenn der Gegner hinten massiv steht – das hat sich der neue FCK-Trainer Boris Schommers fürs Verbandspokalspiel gegen den SV Gonsenheim am heutigen Mittwoch, 19 Uhr, im Mainzer Bruchwegstadion vorgenommen. Dabei wird voraussichtlich Stürmer Andri Runar Bjanarson sein Startelfdebüt beim FCK geben. Was ihm zu wünschen wäre: Dass seine Mitspieler in der Offensive mehr miteinander spielen, als sie es jüngst gegen den 1. FC Magdeburg getan haben. Das bestätigt auch der Blick auf die xG-Grafiken der Partie.

Deutlicher als aus FCK-Sicht befürchtet fällt der Blick auf die Aufrechnung der qualitativ bewerteten Torchancen aus. Da liegt der FCM klar vorne. Immerhin: Lautern hat seine erste richtige Einschussgelegenheit direkt genutzt – käme das öfter vor, ließe sich von mannschaftlicher Effektivität reden. Ins Auge fällt aber auch, wie stark der Gegner in den finalen 30 Minuten aufkam. Die Darstellung erinnert insbesondere an die aus der Partie gegen Waldhof Mannheim.

2019-09-21 1437424 xG plot Kaiserslautern 1 - 1 1. FC Magdeburg

Der „Pitch Plot“ offenbart einmal mehr Lauterns Harmlosigkeit bei ruhenden Bällen. Ein „expected Goals“-Wert von 0.08, schwächer geht’s kaum. Und den hat wohl die Freistoßchance aus der 3. Minute verursacht – siehe den entsprechenden Ausschlag oben in der Timeline.

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Die Positions- und Passgrafik macht auf den ersten Blick augenfällig, was den FCK unter Boris Schommer bereits in dessen erstem Spiel vom Stil Sascha Hildmanns  unterschied. Weite Abschläge sind – nicht ganz, aber weitgehend abgeschafft –, es wird wieder von hinten rausgespielt. Die meisten Pässe spielte Innenverteidiger Carlo Sickinger.

In der Zentrale wird die Aufgabentrennung des Duos deutlich, das auf dem Papier als „Doppelsechs“ dasteht. Janik Bachmann gibt den klassischen Mann vor der Abwehr, Simon Skarlatidis verteilt die Bälle weiter vorne, und das hauptsächlich an Florian Pick.

2019-09-21 Kaiserslautern Passing plot Kaiserslautern - 1. FC Magdeburg.png

Christian Kühlwetter und Timmy Thiele haben sich beide viel bewegt, wie die Seitwärtspfeile zeigen, hätten sich aber sicher über ein paar Anspiele mehr gefreut. Vor allem von Christoph Hemlein kam gar nichts.

Interessant: Die Magdeburger Grafik ist in dieser Beziehung der Lautrer gar nicht mal unähnlich, auch der rechte Flügelmann, Sirlord Conteh, kommuniziert nicht viel mit dem Ball. Dafür agiert das Mittelfeldduo mehr nebeneinander und Manni Osei-Kwadwo auf dem Flügel um einiges tiefer als Flo Pick.

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Die„Zone 14“-Grafik: Sieht nicht unbedingt nach mehr Aktivität aus als in den Spielen zuvor. Interessant wird sein, ob sich das ändert, wenn Skarlatidis sich auf dieser Position einspielt. Die Ballsicherheit, um sich im engen Zehnerraum zu behaupten, hat er. Dass er präzise passen kann, hat er auf seiner früheren Arbeitsstelle in Würzburg bewiesen.

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Die Halbräume bieten auch keine grundlegend neue Erkenntnis. Wo Pick ist, ist Leben.

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Was gegen den SV Gonsenheim heute Abend zu erwarten ist?

Die Notwendigkeit, möglichst schnell eine Stammformation für seine Ansprüche einzuspielen, scheint Boris Schommers nicht sonderlich umzutreiben. Zum Verbandspokalkick will er in der Startelf mehrere Wechsel vornehmen, nicht komplett rotieren, aber: „Jeder Spieler soll die Chance haben, sich dem neuen Trainer zu präsentieren.“

Da darf man gespannt sein, wer heute Abend dazu die Gelegenheit bekommt. Als sicher gilt bislang, dass Sturmtank Andri Runar Bjanarson in Startelf steht. Der isländische Neuzugäng verzeichnete bislang lediglich drei Kurzeinsätze in den ersten drei Saisonspielen und war danach verletzt.

Oberliga-Aufsteiger SV Gonsenheim behauptet sich in der neuen Spielklasse recht gut, steht mit 16 Punkten nach zehn Spielen auf Rang 7. Am 2. Spieltag trafen die Mainzer bereits auf die U21 des FCK – und verloren 2:3. Da sollte für die „Alten“ zusätzlicher Anreiz sein. Bei der Heimkehr zur Begrüßung vom eigenen Nachwuchs ausgelacht zu werden – das ist doch wirklich keine schöne Vorstellung.

Text: Eric Scherer / Foto: Jürgen Schwarz/Getty Images