Bruchweg war gestern, jetzt geht’s an die Grünwalder Straße, den nächsten Entwicklungsschritt machen

Mit einem 3:0, das auf dem Papier klarer erscheint als es in der Realität war, ist der 1. FC Kaiserslautern gegen den SV Gonsenheim in die nächste Runde des Verbandspokals eingezogen. So peinlich, wie er verschiedentlich gemacht wird, war der Auftritt des Drittligisten gegen den Oberligisten allerdings auch nicht. Immerhin hat die Mannschaft nach Timmy Thieles Platzverweis in der 73. Minute entschlossen reagiert und die Partie im Spiel Zehn gegen Elf noch zu ihren Gunsten entschieden. Jetzt heißt es, diesen positiven Spirit mit nach München zu nehmen, wo am kommenden Samstag, 14 Uhr, der TSV 1860 auf die Pfälzer wartet.

Auf acht Positionen hat Boris Schommers die Startelf geändert. Andri Runar Bjanarson jedoch ist wider Erwarten dennoch nicht dabei. Er wollte zwar unbedingt, doch habe sich gezeigt, dass er immer noch hundertprozentig fit sei, so Schommers. Nächste Wochen sollen sowohl der Isländer als auch der zuletzt verletzte Philipp Hercher das volle Mannschaftstraining absolvieren.

Wie gegen Magdeburg erwartet der FCK den Gegner in einer 4-4-2 Formation, in dem die beiden Viererketten dicht beieinander stehen. Bei Ballbesitz lässt sich Skarlatidis jedoch auch mal in die Zehnerposition zurückfallen. Lange Bälle, auch das hatte man schon bei Schommers‘ Debüt gesehen, sind unter dem neuen Coach nicht mehr angesagt, zumindest nicht, wenn der Gegner geordnet steht.

ES HÄTTE EIN ENTSPANNTER ABEND WERDEN KÖNNEN

Statt dessen soll dieser mit kurzen Pässen und Diagonalbällen in Bewegung gebracht werden, bis sich Lücken auftun. Und da ist, wie diese 90 Minuten zeigen, noch jede Menge Luft nach oben auf. Gleichwohl: Lucas Röser und Kevin Kraus haben schon sehr früh Möglichkeiten, ihrem Team einen entspannteren Abend zu bescheren.

Und: Die Lauterer kommen ein und ums andere Mal zum Flanken, nur fallen die Bälle entweder meist auf der anderen Seite des Strafraums runter oder werden Beute der aufmerksamen Gonsenheimer Innenverteidigung. Zudem outen sich Skarlatidis und Röser nicht gerade als Jünger Miro Kloses, was Kopfballtechnik angeht.

GONSENHEIM RIECHT AN DER SENSATION

Die Gonsenheimer dagegen werfen sich mit der Leidenschaft und dem Charme des Underdogs in die Partie. Spätestens nach Damir Bektasevics Aluminium-Treffer in der 41. Minute riecht es am Bruchweg nach Sensation. Nach einer Stunde blockt Gino Fechner den gleichen Spieler in letzten Sekunde unmittelbar vorm Torabschluss.

Überhaupt macht Fechner von den neu Hinzugekommenen am stärksten auf sich aufmerksam. Als Rechtsverteidiger übrigens – also als künftige und defensivere Alternative zu Dominik Schad, für den es im Kader derzeit bekanntlich keinen „gelernten“ Ersatz gibt.

Schommers bringt in Hälfte zwei nach und nach die Offensiven, die sich bislang als Scorer verdient gemacht haben: Timmy Thiele, Christian Kühlwetter und Florian Pick. Und: Thiele kommt nicht wie bei Schommers Debüt als Stürmer, sondern übernimmt für Christoph Hemlein die rechte Seite, wie zuletzt unter Sascha Hildmann.

THIELES PLATZVERWEIS: DIE UNVOLLENDETE KOPFNUSS

Viele Erkenntnisse vermag Thiele seinem Coach allerdings nicht zu vermitteln, denn in der 73. Minute, nicht einmal eine Viertelstunde nach seiner Einwechslung, fliegt er vom Platz. Den Aussagen der Gonsenheimer zufolge hat er Keeper Paul Simon eine Kopfnuss verpasst und sich anschließend selbst als Opfer inszeniert.

Nach Schommers‘ Beobachtung hat Thiele den Kopfstoß lediglich angedeutet – was einen Platzverweis allerdings ebenso rechtfertige, so der Trainer. Aus diesem Grund habe er seinen Stürmer auch schon ins Gebet genommen, da er von seinen Spieler erwarte, dass sich in einer solchen Situation besonnener verhalten. Die Rote Karte ziehe auf jeden Fall auch „interne Konsequenzen“ nach sich.

Ob Thiele nun in München dabei sein kann, ist von DFB-Seite noch nicht entschieden. Wenn der für den Verbandspokal zuständige Südwestdeutsche Fußballverband Thieles Tat als „Tätlichkeit“ wertet, ist durchaus eine wettbewerbsübergreifende Sperre denkbar – also auch für Spiele der Dritten Liga.

MIT ZEHN GEGEN ELF KLAPP’S AUF EINMAL

Doch zurück zum Spiel. Man mag es kaum glauben: Die Herausforderung „Zehn gegen Elf“ sorgt für einen echten Adrenalinschub bei den Lautrern, die sich jetzt im 4-4-1 formieren, in dem der bisherige Stürmer Skarlatidis auf die rechte Seite wechselt. Kühlwetter nimmt die Rolle des Einzelkämpfers an vorderster Front beherzt an, macht sich einsam und allein auf einen ganz langen Weg in Gegners Strafraum – und wird gelegt.

Elfmeter. Und Kühlwetter, das erwachte Alphatier, erledigt auch dies zur Sicherheit lieber selbst. 1:0. Den zweiten Treffer markiert kurz darauf der nicht minder coole Pick, beim dritten Treffer in der Schlussminute hat Skarlatidis Glück, dass sein Schuss zu seiner Bogenlampe abgefälscht wird.

Unterm Strich sicher höher als verdient, unterm Strich sicher kein Ruhmesblatt für den FCK – aber auch kein Grund, bereits Klagelieder anzustimmen von wegen, unter dem neuen Coach würde so rein gar nichts besser. Nun heißt es, die Erkenntnisse aus den beiden ersten Pflichtspielen zusammenzufassen und die Startelf für die Partie in München zu finden.

UND NUN? 19 HABEN QUALITÄT, ELF DÜRFEN STARTEN

Die nunmehr 19 Spieler, die sich ihm in seinen ersten beiden Pflichtspielen präsentierten, hätten allesamt gezeigt, dass sie die Qualität für die Dritte Liga. „Dennoch liegt noch viel Arbeit vor uns.“ In München gelte es, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Mit welcher Startelf er beginnen will, lässt Schommers offen, so, wie es bislang jeder Trainer zwei Tage vorm Spiel getan hat.

Wir vermuten mal: Sie wird sich im Wesentlichen wieder der Startelf von Magdeburg annähern. Sofern Thiele nicht wettbewerbsübergreifend gesperrt wird, wovon eher nicht auszugehen ist. „Wenn der DFB ihn lässt, fährt er mit“, stellt auch Schommers klar. Auf die Frage, ob er in Thiele eher einen Stürmer oder einen rechten Flügelspieler sieht, antwortet er übrigens mit: „Beides.“

VARIANTEN MIT THIELE, SKARLATIDIS, HEMLEIN UND STARKE

Die wahrscheinliche Startelf wäre demnach: Grill im Tor, Schad, Sickinger, Matuwila und Sternberg in der Vierer-Abwehrkette. Davor Bachmann als Sechser, links Pick, vorne Mitte Kühlwetter. Raum für Überlegungen bieten die zweiten Positionen im zentralen Mittelfeld und im Sturm sowie auf rechten Seite.

Variante 1 wäre die gleiche Startelf wie gegen Magdeburg: Thiele vorne, Hemlein rechts, Skarlatidis im zentralen Mittelfeld neben Bachmann.

Variante 2: Thiele rechts, Skarlatidis als zweiter Stürmer mit der Option, auf die Zehn zurückzufallen, und Starke neben Bachmann im Mittelfeldzentrum.

Variante 3: Thiele vorne, Skarlatidis rechts, Starke im zentralen Mittelfeld.

Auf diese letzte tippen wir mal.

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Text: Eric Scherer  Foto: Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images