Schommers geht mit Zuversicht ins Kellerduell: „Wir wollen dominieren, agieren“

Die Stimmung könnte nicht trüber sein: Tabellen-17. gegen Tabellen 20. Die einen sind seit vier Spielen ohne Sieg, die anderen haben nach zehn Liga-Spielen gerade mal einen Punkt auf dem Konto. Beide Klubs haben bereits ihre Trainer entlassen, also die „Patrone“ verschossen, die so gerne als „die letzte“ bezeichnet wird. Not gegen Elend also: Der 1. FC Kaiserslautern empfängt am Samstag, 14 Uhr, den FC Carl Zeiss Jena auf dem Betzenberg. Womöglich vor so wenigen Zuschauern wie seit Jahren nicht mehr, durchs Netz geistern sogar Ankündigungen eines „Stimmungsboykotts.“ Der Druck auf den neuen Trainer Boris Schommers und sein Team ist immens.

Der Coach selbst strahlt indes ungebrochene Zuversicht aus, nachdem er die Mannschaft seit nunmehr zwei Wochen unter seinen Fittichen hat. Die erste Woche sei wegen des Verbandspokalspiels in Mainz ja eine „englische“ gewesen, die ihm die Möglichkeit gegeben habe, sich von nahezu allen Spielern ein Bild unter Wettkampfbedingungen zu machen. In dieser Woche nun habe er seinen Kader in bislang fünf intensiven Trainingseinheiten kennengelernt, und die seien gut genutzt worden. „Ich bin sicher, dass wir davon morgen was sehen werden.“

Nach dem Eigentorfestival beim 1:3 gegen 1860 München geht es vor allem darum, den Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. Dies sei mit „gutem Training und guter Analyse“ geleistet worden, so Schommers. Überhaupt seien trotz der Niederlage in München gegenüber dem 1:1 bei seinem Debüt gegen 1. FC Magdeburg auch Verbesserungen zu erkennen gewesen, beispielsweise im Spiel nach vorne,  „aber auch unsere Struktur gegen den Ball war nicht schlecht.“

EIGENTORE SOLLEN „ABGEHAKT“ WERDEN

Den Spielern, die die Eigentore fabrizierten – also Dominik Schad und José Matuwila –, habe er gesagt, dass sie diese „abhaken“ sollen, in gleicher Weise habe er auch Keeper Lennart Grill eingewirkt, der beim dritten Gegentor patzte. „Lenny hat uns auch schon oft genug gerettet“, so Schommers. Was demnach nicht so klingt, als müsse der  Youngster am Samstag wegen eines angegriffenen Nervensystems geschont werden.

Ausfallen wird dagegen Timmy Thiele, der sich unter der Woche die Nase gebrochen hat. Auch Hendrick Zuck, der unter Schommers wieder in den Kader zurückgefunden hat und in München eingewechselt wurde, muss wegen einer Bänderverletzung pausieren. Linksverteidiger Philipp Hercher könnte nach seiner Verletzung zwar auf der Bank Platz nehmen, ist aber noch nicht fit für 90 Minuten, daher käme er auch für einen Kaderplatz nicht in Frage, so Schommers.

DIESMAL WOHL DEFINITIV KADER: BJARNASON

Noch fraglich ist der Einsatz des ebenfalls angeschlagenen  Carlo Sickinger. Dafür steht Andri Runar Bjanarson, dessen Rückkehr schon im Verbandspokalspiel gegen den SV Gonsenheim angekündigt war, diesmal wohl definitiv im Kader.

„Wir spielen zuhause, wir wollen dominieren, agieren, dem Gegner unseren Spielstil aufdrücken“, kündigt Boris Schommers an. „Die Tabelle interessiert in dieser Hinsicht nicht.“ Mittelfristig, davon ist der Coach überzeugt, werde er seine Mannschaft wieder nach vorne bringen. „Wir wissen mittlerweile, wo wir ansetzen müssen. Dass dies in zwei Wochen nicht umsetzbar ist, sollte allen bewusst sein.“

Einwürfen, der Mannschaft fehle eine Hierarchie, begegnet er mit Vorsicht. Da müsse erst einmal abgewartet werden, inwieweit der ein oder andere durch den Trainerwechsel neuen Rückenwind verspüre. Allerdings: „Mir hilft es nichts, wenn der ein oder andere Spieler meint, er sei Führungsspieler, es aber nicht umsetzt.“

Die gegenwärtige Unruhe im Verein nach dem Rücktritt zweier Aufsichtsräte und dem Verzicht auf die Vertragsverlängerung mit Sport-Geschäftsführer Martin Bader nehme er wahr, aber sie belaste ihn nicht: „Unser Job ist das Sportliche.“

FCC HAT SPEKTAKULÄRE BERG- UND TALFAHRT HINTER SICH

Beim FC Carl Zeiss Jena wird aller Voraussicht nach U23-Trainer Christian Fröhlich auf der Bank sitzen. Mit dem Nachfolger des vor Wochenfrist entlassenen Lukas Kwasniok ist sich der Verein im Prinzip zwar einig – Ex-Profi Timo Rost soll es werden. Allerdings soll der Neue nicht unmittelbar vor dem Kaiserslautern-Spiel antreten, auf dass er ohnehin nicht mehr vorbereitend Einfluss nehmen könnte. Er soll erst in der anschließenden Länderspielpause Gelegenheit bekommen, seine neue Mannschaft kennenzulernen.

Mit Lukas Kwasniok hatte der FCC hatte eine erstaunliche Berg- und Talfahrt hingelegt. Im Finale der vergangenen Saison siegte er sechs Mal in sieben Spielen, zum  Start in die neue Spielzeit hagelte es neun Niederlagen in zehn Partien. Allerdings sind nackte Ergebnisse oft trügerisch. Vergangene Woche etwa führte Jena gegen Topteam Duisburg bis zur 75. Minute mit 1:0 und zeigte eine richtig starke Leistung, kassierte am Ende aber doch noch zwei Gegentreffer.

Als danach Kwasnioks Entlassung bekannt gegeben wurde, sollen einige Spieler geweint haben. Andere demolierten vor Wut ihre Umkleidekabine. Auch morgen könnte es wieder hochemotional werden. Am Freitag mittag waren 14.011 Tickets für die Partie abgesetzt.